Dienstag, 25. Dezember 2007

Neue Konsumenten

Hallo, Kind!

Kannst du

Bitte und Danke sagen

und Amen

und Yes, sir?

Komm, sprich mir nach

du bist jetzt

wieder in der Schule

lerne deine neuen Werte

als ob sie

dein Evangelium wären:

Folsäure Cerealien

Familienauto energiesparend

Freizeitspaß.

So,

jetzt kennst du

die Grundbegriffe.

lerne nun

die Markennamen

damit du

nicht ziellos herumirrst

sondern brav

zu den Regalen läufst

die wir

dir hingestellt haben.

Ich sehe

dass die Schule fruchtet

du kaufst

und willst mehr kaufen

also höre zu

höre gut zu

und werde Profi:


1. Du kannst nie

zuviel kaufen.


2. Wenn du

zuwenig Geld hast

besorge es dir.


3. Diebstahl ist in Ordnung.


4. Oder:

erpresse deine Mitschüler.


5. Besitze nie

weniger als die Anderen.

dies sei

dein höchstes Ziel.


So mein Kind

hier hast du

dein Abschlußdiplom.

Wir danken dir

Deine Industrie.

Dienstag, 11. Dezember 2007

Das Zimmer

Erst gestern

habe ich gemerkt

dass die Tür

nur aufgemalt ist

und hinter den Vorhängen

keine Fenster sind

alles ist Lüge

die mich mit vier Wänden

zerquetscht.

Ich schreie & tobe

werfe mit Gegenständen

nach diesen Lügnern

um sie zu zerstören.

Sie lachen

und zeigen mir den Teppich

der auch nur

eine Täuschung ist.

Ich stürze ins Bodenlose:

Im Dunkeln des Sturzes

wirbeln Tausende Bilder um mich

keines kenne ich alle kenne ich

denn das bin ich

nur das Echo meiner Schreie

höre ich.

Donnerstag, 29. November 2007

Medientier

In verkabelten Käfigen

sitzen die Medientiere

sie leben von Einschaltquoten und Luft.

Die lange Gefangenschaft

lässt die ersten Stressneurosen erkennen.

Raubtiere

sie fallen übereinander her

kein Problem

kann öffentlich genug sein

wo ein verletztes Tier weint

da zoomt die Kamera.

Rudel schreien einander an

größenwahnsinnige Leitbullen

brüsten sich der Anzahl

erlegter Weibchen

Hausfrauenhühner picken sich gegenseitig

es herrscht die Hackordnung.

Die Zeiten

wo die Wärter noch eingriffen

sind vorbei

mit Fragekärtchen peitschen sie

in die aufgebrachte Menge

schlagen neue Wunden.

Unbeantwortet bleibt dabei die Frage

ob psychologische Nachbetreuung

den Zoo rechtfertigt.

Dienstag, 20. November 2007

New Hamlet

Ich hatte wieder jenen seltsamen Traum. Ich hatte geträumt, dass Blumen wachsen aus den Stiefeln zerfetzter Soldaten. Ich erhob mich aus dem Sessel, ächzend und knackend wie eine alte Frau. Ich erwachte in der U-Bahn. Dutzendweise hingen Menschen erhängt in den Halteschlaufen, sie baumelten in jeder Kurve sie schaukelten wie ein Kinderkarussell bei jeder Erschütterung. Körper werden zur Verfügung gestellt, die Fließbandproduktion kann endlich beginnen, der Tod ist eine haushaltsübliche Menge. Tod für Mami, Tod für Papi, Tod für den Bruder, Tod für die Schwester, Tod für den Nachbarn. Bestattungsunternehmer ziehen die Soutane des Briefträgers an. Versandhauspakete und Eilzustellungen erreichen uns. Grabunterhändler tragen Grundstücksmakler auf ihren Schultern aus der Stadt. Fernseher übertragen die Verwesung: jeder Programmplatz ein Sarg, jede Nachrichtensendung jede Talkshow jede Gameshow eine Hinrichtung. Die Würmer kriechen über unser Abendmahl (Fastfood, also auch schon tot, bevor es geboren wurde, dann gegessen). Wir haben die Todesstrafe längst akzeptiert/ und diskutieren immer noch über sie, als ob sie nicht längst Realität wäre. Ein Schlachthaus: Geruch toten Fleisches so verdichtet in der Luft wie Nebelschwaden, ich griff mir an die Kehle, glaubte selber dort Male vorzufinden, hatte meine Schwierigkeiten zu atmen. Ich glaubte, das Siegel der Ursünde wieder zu spüren. Wir sind wieder im Garten Eden, unsere Gier nach Wissen läßt Ikarus erblassen/ seine Flügel schmelzen in der Sonne. Wieder der Gedanke: Man müßte eigentlich die Schlange zwingen, den Apfel zu essen. Absolution für alle, eine Möglichkeit, den Wahnsinn zu beenden, den wir begonnen haben. Der Apfel stößt uns allen bitter auf, weil wir ihn nicht verdaut haben. Wir fressen einen Apfel nach dem anderen ohne zu kauen ohne zu schlucken. Wir werden eines Tages daran ersticken. Die Atemnot, ein erstes Zeichen dieses qualvollen Geschehens, betrifft uns alle. Sie entzieht den Babys in der Wiege die Lebenssubstanz, bevor sie überhaupt dazu in der Lage sind, sich zu wehren. Sie landen in einer Welt, die sie nicht geschaffen haben. Eine Wahl?

Ich habe Angst vor diesen Menschen ich habe Angst vor diesen Leibern. Sie machen mich lebendig begraben. Ich schreie auf unter den toten Leibern, die mich erdrücken. Prinz Hamlet erwächst aus Buchstaben und Wörtern, sein Umhang ist eine Redewendung. Seine Haut ist aus Glas. Durchsichtig, man kann seine Gedanken arbeiten sehen. Maden kriechen träge über den Schädel seines Vaters, den er in der Hand hält. Er hat sich selbst gezeugt, dieser Schädel ist sein Schädel seine alte Illusion. Ein Relikt für seine Blindheit. In Wirklichkeit war er immer vital gewesen, noch strotzend vor Kraft selbst in seinen bittersten Niederlagen. Sein Zynismus sein zitternd schiefes Lächeln waren Gesten der Kraft, wie sie sich nur die Mächtigsten erlauben können. Hamlet verfärbt sich Purpur, eine Krone sprießt aus seinen Haaren. Er schreitet die Grenzen seines Reiches ab. Sein Kopf steht kurz vorm Platzen, ein Dauerzustand. Er lebt für seine Grenzen. Ja, für seine Grenzen. Das ist der Lauf der Welt, das ist es, worum sich alles dreht. Schon allein das hätte ihm zeigen müssen, wie stark er ist. Er ist ein Extremist, royal member of the RAF. Einer der stets aufs neue seine Grenzen ausloten muß. Der nicht scheut, der nicht zurückweicht, dem das Risiko egal ist, für den nur die Erfahrung zählt. Eine Werterelation gibt es für ihn nicht. Kühn sagt er: mir ist alles egal. Wenn er leidet, leidet er ehrlich, suhlt sich in seinen Tränen badet in seinem Angstschweiß. Seine Schwächen/ Macken/ Neurosen erhebt er in den Adelsstand.

Dadurch dass er sich sein Handeln bewußt macht, fängt er an zu handeln. Das Gefühl, vom Leben gelebt zu werden statt umgekehrt, schwindet. Eine Wüste explodiert in grellem grünen Leben. Höhenflug, Ekstase.

Dienstag, 13. November 2007

Invasion der Mutanten

Unser Experiment

ist zu weit gegangen

alle sind sie tot

unsere Freunde & Feinde

Bekannte & Verwandte

alle die wir kennen

alle tot.

Inmitten eines wüsten büscheligen Feldes

sitzt die altehrwürdige Mutter

verwandelt:

ein in sich

kriechender Klotz

gebiert pausenlos

Affenmutanten

die durch

das Unterholz kriechen

schmelzende Gesichter

flinker Monster.

Jetzt

wo sie

aus der Wiese

auf mich zuschießen

tragen sie

die Gesichter von Wölfen;

eine Übermacht von Zähnen

die sich

in meinen Beinen verbeißt.

Ich greife

einen nach dem anderen

bei den Hinterläufen

und schlage ihre Köpfe

auf die Steinmauer

(Krachen zersplitternder Gedanken

Thesen im Anfang beendet

Sätze abgehackt

Seelen ausgelöscht)

meine Hoffnung

; ja mein Glaube

sie sind seelenlos!

Die Flut der Mutanten

hört nicht auf

auch aus den Baumkronen

kommen sie gesprungen

Herbstfallobst

säuerliche Früchte

wie Schweiß oder Wahnsinn.

Der Kopf der Hydra:

schlägst du

einen ab

wachsen hunderte nach//

sinnlose Zermürbungen

// mein Kopf zerspringt

mit denen

//

die ich zerschlage.

Tod Wiedergeburt

Mörder Opfer

Angst Triumph

Angriff List Tücke Kriegsstrategie

ich bin der Soldat ich bin die Patrone

mein Arm das Gewehr haltend

ich bin meine Todesqualen mein Schmerz

ich bin das Rad der ewige Kreislauf

ich bin die Speichen

ich bin der steinige Weg

über den

das Leben rollt.

Sonntag, 4. November 2007

Falscher Priester

Falscher Priester willst du helfen

willst du Jünger

ihre Sorge ihre Nöte

alle anhören

hast du Angst zu helfen

und die Seliggemachten

gehen zu lassen?

Welche Hilfe

bietest du ihnen

denn an?

Du bringst ihnen Leiden

so bindest du sie

an dich

die Kranken.

Nur Trost hast du zu bieten

denen

die eigentlich

Hilfe suchen.

Sie halten das für Hilfe

du verlogenes Schwein

weil du es ihnen sagst.

Ja,

du machst es ihnen leicht

du triffst sie

in ihren schwächsten Momenten

und mästest dich

an ihrem Leiden.

Du bist selber schwach

deine Genugtuung ist es

über die Kraftlosesten zu herrschen

dein Gefühl der Macht

das dich glauben macht

du seist stark.

Samstag, 27. Oktober 2007

Die neue geistige Elite



Auf Marmorfußböden
wandeln sie
durch
antiseptische chrompolierte
Hallen der neuen Bildung.

Herangezogen
zu wertvollen Stützen
einer neuen besseren Gesellschaft.

Studienfächer für ein besseres Leben:
Arroganz
Unterjochung
Selbstverleugnung bis zur Maske
Ausgrenzung jeglicher Andersartiger.

Den Mantel der Menschlichkeit
haben sie bereits
an der Garderobe abgegeben.
Freies Denken
wäre hier fehl am Platz
wo sie die Mehrheit stellen
wird keine Frage mehr gestellt.

Ein Heer von kalten Augen
blickt besitzergreifend über den Horizont
all das
wird bald ihnen gehören.

Dienstag, 16. Oktober 2007

OP


Die Lieder flattern.

Episodenhaft

kommt die Welt

wieder zurück.

Drei weiße Lichter

Kälte

grüne Kacheln.

Wo bin ich?

Warum spüre ich

meine Beine nicht mehr?

Sie haben mich festgezurrt

Schwarzuniformierte

bewachen die Ausgänge.

In einer blechernen Schüssel

liegen zwei Dinge:

Mein Ausweis

und eine Peilsonde.

Säuberlich aufgereiht

warten Skalpelle.

Vermummte Schwestern murmeln unverständlich

„wieder ein Unbequemer“

„ein Störenfried“

„er paßt nicht rein

ins System“.

Wir müssen ihn angleichen.

Dienstag, 9. Oktober 2007

Als Narziß in den Spiegel fiel

Eines abends begab sich Narziß unter die Menschen. Er war es leid, sein eigenes Spiegelbild zu betrachten. Manchmal erschienen ihm die eigenen Konturen so fremd, dass Angst in ihm aufstieg. Tot und leer, eine sterile Hülle oder gar Hölle die ihn langsam einspann wie einen Kokon, der die tote Frucht gleich einer Mißgeburt ausspeien wollte. Er hatte sein Spiegelbild verloren seine Achtung zu sich selbst überhaupt den Bezug zum Leben.

Narziß machte sich auf die Suche nach einem neuen Spiegelbild, nicht seines, sondern ein anderes, aber mit gleichen Zügen.

Durch den Traumtaumel eines Hades fiel er ins Getümmel der Insekten, ganze Stürme kleiner intelligenter Gesichter, Ärzte/Exorzisten seiner Seele die ihm das Blut aus seinem Fleisch treiben wollten nur durch ihre Anwesenheit/ ihre Aufdringlichkeit/ die fehlende Fluchtmöglichkeit vor ihnen. Und wieder Leere,
endlose Reflektion in seinem Quecksilber, dass, so schien es, seine Substanz war. Edel, kühl und silbern. Kalt kalt kalt. Er war der wahre Prinz der Nacht Opfer des Fluchs der Kassandra herabgestiegen von seinem Bergsee klarsten Wassers der ihm Trost zu spenden pflegte.

Gerade als sein Abstieg zu einem Fall zu werden drohte, erspähte er ein Gesicht in der Menge, dass ihm bekannt vorkam. Er wußte nicht, wo er es gesehen hatte, vielleicht in seine Träumen, die ihm morgens immer so vage erschienen. Seltsam vertraut erschien es ihm, auch wenn er im Moment nicht wußte warum wo er es einordnen sollte. Woran lag es? Was war der Grund, warum er seine Augen nicht abwenden konnte?

Der Zug der Lippen, voll und fest. Die Art beim nachdenken mit den Vorderzähne die Unterlippe vorbeizuziehen. Die braunen Augen, deren Blick so tief war.

Wir finden uns wieder in den Gesichtern der Masse ein Jedermann im Angesicht des Todes eines davon ist das unsere. Wir lieben uns selbst in der Projektion. Blicke sind Augen=projektile Patronenhülsen Gewehrschoten aufschürfend das Innere versenkend seinen Blick hinein, gierig besessen Geheimnisse reißend, Wolf unter den Menschen/ auch unter den Nichtmenschen.

Wir zerfleischen uns selbst auf der Suche nach uns wir weiden uns aus. Hier und da blutige Markknochen über den Asphalt verteilt, einzelne Haarsträhnen in Grubenschächten Milliardenheere der Versehrten; Legion, denn ihrer sind viele.

In dieser Situation in diesem Gesicht zeigt sich das Schicksal grobkörnig und offen wie Sand in einem Stundenglas.

Wann beginnt man, sich in Anderen zu suchen? Wenn man sich selbst verloren hat. Wanderung Gralssuche trübe Spiegel/blinde schwarze Löcher wo Herzlichkeit gestern noch hauste. Tote Häuser Fassaden abgefackelte Felder Ruinen.

In einem Haus brennt noch Licht. Es könnte Narziß neue Heimat werden.

Narziß war wieder hilflos, doch er war es gerne. Er fiel in den Spiegel und ertrank.

Dienstag, 2. Oktober 2007

Sternschattenzombie

Ich existiere

dank Kaffee

die Augen wollen zufallen

die Stimmen murmeln wieder

beschwörend

die Opferzeremonie

eines heiligen Stammes

sie wollen mich.

Das Grau an den Rändern

breitet sich zur Mitte aus

Lichtblitze.

Ich klatsche mir ins Gesicht

Knochentanz, egal

immerhin spüre ich sie wieder.

Nicht denken müssen

geht eh nicht

sollte

einen Stromschlag ausprobieren

direkt ins Gehirn

es zucken lassen.

Der nächste Kaffee

geht aufs Haus

die nächste Nacht

geht auf mich

Sternschattenzombie.

Mittwoch, 26. September 2007

Nachtjäger



Wir rasten nicht des nachts uns wachsen Dornen aus der Haut unsre blutigen Rosen wir jagen dem Mond hinterher. Wir sind die hetzende Meute / des Königs beste Wölfe wir sind die Viehtreiber die Schlachtenrufer, Purzelbäume schlagend durch unsere vielfältigen Existenzen. Wo oben gestern noch war unten und durcheinander, ich weiß es nicht mehr. Die Sterne kamen, und nahmen meine Gedanken mit auf ihre Reise in ihrem Kometenschweif. Explosionen vernichteten die Wegelagerer bei Vollmond, Ektoplasma röchelnd.

Ich gehe von Feuertaufe zu Feuertaufe ich friere ich brenne meine Haut härtet aus. Das gebrannte Kind scheut das Feuer nicht, nicht Brandnarben noch kochende Haut. Sollte es es nicht scheuen, wo sein Kopf die Kindlichkeit ausschwitzt just in diesem Moment? Sollte es es nicht scheuen, die Gedanken ein lichterlohes Kornfeld? Das Ballett der Epileptiker tanzt & lacht, oh ja. Schadenfreude spielt mit: das arme Kind, es wird sich noch den Kopf zerbrechen.

Warum rennen wir überhaupt? Versuchen wir zu fliehen? Wovor eigentlich? Deine roten Schuhe Dorothy. Nur ich bin es, der rennt / du bist es nicht / mir kommt es nur so vor durch Merlins große Zauberkugel. Der Löwe sucht seinen Mut die Vogelscheuche ihren Verstand der Blechmann sein Herz und mit allen dreien eint mich der gemeinsame Verlust dieser Besitztümer. Sie gingen dahin im großen Sturm in Kansas der die ganze Hütte/Heimat/Trutzburg weggefegt hat.

Plutoniumglühen auf den Wangen von den sanften Flügeln der Komprimierung. Sie stampfen mich ein zu einem Presswürfel in der Schrottpresse eines Autofriedhofs. Mit jedem Tag fühle ich mich mehr und mehr wie ein funkensprühender Sicherungskasten. Heiß und schmorend, kurz vor dem großen Knall. Die Tage des Erschießungskommandos, ich halte den Zettel mit dem schwarzen Fleck in der Hand. Ich liege im Schützengraben die Hände vor den Ohren und höre die Kugeln über mir sausen. In der Todeszelle warte ich ohne Nachricht harre bange Minuten Stunden Sekunden. Die Luft kurz vor einem Gewitter: die Haut kribbelt & juckt, Ozongeruch. Tage des Donners (in Erwartung).

Die Sichel des Mondes ist die Klinge des Sensenmannes/ ewiger Schnitter /sein Schatten hängt über der Stadt. Ich spüre die Gegenwart dieses grimmigen Wächters genauso wie ich den kalten Hauch seiner rücksichtslosen Macht in meinen Gliedern spüre wie Tachyonen Echos in der Zeit. Jemand hat einen Stein ins Wasser geworfen, das Oberfläche zieht Gischtringe, Detonationswelle einer Atomexplosion.

Bürgerkrieg

Die Welt ein Wimmern ein Schreien

Brandgeruch und Mörsergranaten

Schwarz-weiß

Hochhäuserkampf

Verstecke! Mich!

Hinter! Einem! Hochhaus!

Milizen patrouillieren

gerade rechtzeitig

vor Ihnen versteckt

Maschinengewehrsalven

rechts am Hochhaus vorbei

Zitterndes Herz

Angst vor Panzern

die das Hochhaus

über mich

stürzen lassen könnten.

Von links kommt ein Soldat

bewaffnet

sein Abbild in der Spiegelfassade

des Hauses gegenüber.

Ich fliehe nach rechts-

da haben Sie mich

erwartetet.

S-Bahn



Rumpeln und

Rattern

in der Dunkelheit.

Draußen ziehen

die Lichter vorbei

Stadt soweit das Auge reicht

verloren

nur die Bahn

die den Vorhang

zur Wirklichkeit aufreißt.

Russen Deutsche Polen Penner

Skins Punks Familien

alle teilen sie sich

den Nachtzug ins Ungewisse.

Polternd

rollen leere Bierdosen

durch den Mittelgang

die Anzeigentafel

die einzige Verbindung

der letze Anhaltspunkt

um nicht

die räumliche Übersicht zu verlieren.

Jesus am Ballerman


Deine Dornenkrone

ist aus Sangriahalmen gemacht

du seltsamer Ballermann-Jesus

trinkst dein Blut

feierst düsterböse Messen

erteilst dir postwendend

posthuman

die Absolution

unter Sonnenschirmen

ein Prediger am Tresen

auf dem Tresen

wo du deinen Gottesdienst hältst

das Abendmahl bereitest

vor uns,

den gröhlenden Massen

denen du Kartoffelchips

statt Oblaten

zu essen gibst

keinen Korpus Christi

nur Blut Christi

davon aber eimerweise.

Man darf nicht

Jesu Blut kotzen

das wäre Blasphemie.

bleibt also nur

Übelkeit übrig.

Haben uns

seine Lehren

nicht bekommen?

Da vorne steht er,

der Schweinepriester

schwankend

von der Erleuchtung der Versuchung.

Er versucht uns

er ersucht uns

er sucht uns heim

möchte man meinen

uns Touristen

die Heimatlose stets bleiben.

Er verbindet uns

mit dem alten Heimatschmerz

der sich nur

mit Bier aushalten läßt.

He,

sieh dir

diesen versoffenen Freak

da vorne an

der schreit & sich

für Jesus hält:

Er ist vom Tresen gefallen.

Hörte ich nicht

einen Engel fallen?