Mittwoch, 26. September 2007

Nachtjäger



Wir rasten nicht des nachts uns wachsen Dornen aus der Haut unsre blutigen Rosen wir jagen dem Mond hinterher. Wir sind die hetzende Meute / des Königs beste Wölfe wir sind die Viehtreiber die Schlachtenrufer, Purzelbäume schlagend durch unsere vielfältigen Existenzen. Wo oben gestern noch war unten und durcheinander, ich weiß es nicht mehr. Die Sterne kamen, und nahmen meine Gedanken mit auf ihre Reise in ihrem Kometenschweif. Explosionen vernichteten die Wegelagerer bei Vollmond, Ektoplasma röchelnd.

Ich gehe von Feuertaufe zu Feuertaufe ich friere ich brenne meine Haut härtet aus. Das gebrannte Kind scheut das Feuer nicht, nicht Brandnarben noch kochende Haut. Sollte es es nicht scheuen, wo sein Kopf die Kindlichkeit ausschwitzt just in diesem Moment? Sollte es es nicht scheuen, die Gedanken ein lichterlohes Kornfeld? Das Ballett der Epileptiker tanzt & lacht, oh ja. Schadenfreude spielt mit: das arme Kind, es wird sich noch den Kopf zerbrechen.

Warum rennen wir überhaupt? Versuchen wir zu fliehen? Wovor eigentlich? Deine roten Schuhe Dorothy. Nur ich bin es, der rennt / du bist es nicht / mir kommt es nur so vor durch Merlins große Zauberkugel. Der Löwe sucht seinen Mut die Vogelscheuche ihren Verstand der Blechmann sein Herz und mit allen dreien eint mich der gemeinsame Verlust dieser Besitztümer. Sie gingen dahin im großen Sturm in Kansas der die ganze Hütte/Heimat/Trutzburg weggefegt hat.

Plutoniumglühen auf den Wangen von den sanften Flügeln der Komprimierung. Sie stampfen mich ein zu einem Presswürfel in der Schrottpresse eines Autofriedhofs. Mit jedem Tag fühle ich mich mehr und mehr wie ein funkensprühender Sicherungskasten. Heiß und schmorend, kurz vor dem großen Knall. Die Tage des Erschießungskommandos, ich halte den Zettel mit dem schwarzen Fleck in der Hand. Ich liege im Schützengraben die Hände vor den Ohren und höre die Kugeln über mir sausen. In der Todeszelle warte ich ohne Nachricht harre bange Minuten Stunden Sekunden. Die Luft kurz vor einem Gewitter: die Haut kribbelt & juckt, Ozongeruch. Tage des Donners (in Erwartung).

Die Sichel des Mondes ist die Klinge des Sensenmannes/ ewiger Schnitter /sein Schatten hängt über der Stadt. Ich spüre die Gegenwart dieses grimmigen Wächters genauso wie ich den kalten Hauch seiner rücksichtslosen Macht in meinen Gliedern spüre wie Tachyonen Echos in der Zeit. Jemand hat einen Stein ins Wasser geworfen, das Oberfläche zieht Gischtringe, Detonationswelle einer Atomexplosion.

Bürgerkrieg

Die Welt ein Wimmern ein Schreien

Brandgeruch und Mörsergranaten

Schwarz-weiß

Hochhäuserkampf

Verstecke! Mich!

Hinter! Einem! Hochhaus!

Milizen patrouillieren

gerade rechtzeitig

vor Ihnen versteckt

Maschinengewehrsalven

rechts am Hochhaus vorbei

Zitterndes Herz

Angst vor Panzern

die das Hochhaus

über mich

stürzen lassen könnten.

Von links kommt ein Soldat

bewaffnet

sein Abbild in der Spiegelfassade

des Hauses gegenüber.

Ich fliehe nach rechts-

da haben Sie mich

erwartetet.

S-Bahn



Rumpeln und

Rattern

in der Dunkelheit.

Draußen ziehen

die Lichter vorbei

Stadt soweit das Auge reicht

verloren

nur die Bahn

die den Vorhang

zur Wirklichkeit aufreißt.

Russen Deutsche Polen Penner

Skins Punks Familien

alle teilen sie sich

den Nachtzug ins Ungewisse.

Polternd

rollen leere Bierdosen

durch den Mittelgang

die Anzeigentafel

die einzige Verbindung

der letze Anhaltspunkt

um nicht

die räumliche Übersicht zu verlieren.

Jesus am Ballerman


Deine Dornenkrone

ist aus Sangriahalmen gemacht

du seltsamer Ballermann-Jesus

trinkst dein Blut

feierst düsterböse Messen

erteilst dir postwendend

posthuman

die Absolution

unter Sonnenschirmen

ein Prediger am Tresen

auf dem Tresen

wo du deinen Gottesdienst hältst

das Abendmahl bereitest

vor uns,

den gröhlenden Massen

denen du Kartoffelchips

statt Oblaten

zu essen gibst

keinen Korpus Christi

nur Blut Christi

davon aber eimerweise.

Man darf nicht

Jesu Blut kotzen

das wäre Blasphemie.

bleibt also nur

Übelkeit übrig.

Haben uns

seine Lehren

nicht bekommen?

Da vorne steht er,

der Schweinepriester

schwankend

von der Erleuchtung der Versuchung.

Er versucht uns

er ersucht uns

er sucht uns heim

möchte man meinen

uns Touristen

die Heimatlose stets bleiben.

Er verbindet uns

mit dem alten Heimatschmerz

der sich nur

mit Bier aushalten läßt.

He,

sieh dir

diesen versoffenen Freak

da vorne an

der schreit & sich

für Jesus hält:

Er ist vom Tresen gefallen.

Hörte ich nicht

einen Engel fallen?