Samstag, 27. Oktober 2007

Die neue geistige Elite



Auf Marmorfußböden
wandeln sie
durch
antiseptische chrompolierte
Hallen der neuen Bildung.

Herangezogen
zu wertvollen Stützen
einer neuen besseren Gesellschaft.

Studienfächer für ein besseres Leben:
Arroganz
Unterjochung
Selbstverleugnung bis zur Maske
Ausgrenzung jeglicher Andersartiger.

Den Mantel der Menschlichkeit
haben sie bereits
an der Garderobe abgegeben.
Freies Denken
wäre hier fehl am Platz
wo sie die Mehrheit stellen
wird keine Frage mehr gestellt.

Ein Heer von kalten Augen
blickt besitzergreifend über den Horizont
all das
wird bald ihnen gehören.

Dienstag, 16. Oktober 2007

OP


Die Lieder flattern.

Episodenhaft

kommt die Welt

wieder zurück.

Drei weiße Lichter

Kälte

grüne Kacheln.

Wo bin ich?

Warum spüre ich

meine Beine nicht mehr?

Sie haben mich festgezurrt

Schwarzuniformierte

bewachen die Ausgänge.

In einer blechernen Schüssel

liegen zwei Dinge:

Mein Ausweis

und eine Peilsonde.

Säuberlich aufgereiht

warten Skalpelle.

Vermummte Schwestern murmeln unverständlich

„wieder ein Unbequemer“

„ein Störenfried“

„er paßt nicht rein

ins System“.

Wir müssen ihn angleichen.

Dienstag, 9. Oktober 2007

Als Narziß in den Spiegel fiel

Eines abends begab sich Narziß unter die Menschen. Er war es leid, sein eigenes Spiegelbild zu betrachten. Manchmal erschienen ihm die eigenen Konturen so fremd, dass Angst in ihm aufstieg. Tot und leer, eine sterile Hülle oder gar Hölle die ihn langsam einspann wie einen Kokon, der die tote Frucht gleich einer Mißgeburt ausspeien wollte. Er hatte sein Spiegelbild verloren seine Achtung zu sich selbst überhaupt den Bezug zum Leben.

Narziß machte sich auf die Suche nach einem neuen Spiegelbild, nicht seines, sondern ein anderes, aber mit gleichen Zügen.

Durch den Traumtaumel eines Hades fiel er ins Getümmel der Insekten, ganze Stürme kleiner intelligenter Gesichter, Ärzte/Exorzisten seiner Seele die ihm das Blut aus seinem Fleisch treiben wollten nur durch ihre Anwesenheit/ ihre Aufdringlichkeit/ die fehlende Fluchtmöglichkeit vor ihnen. Und wieder Leere,
endlose Reflektion in seinem Quecksilber, dass, so schien es, seine Substanz war. Edel, kühl und silbern. Kalt kalt kalt. Er war der wahre Prinz der Nacht Opfer des Fluchs der Kassandra herabgestiegen von seinem Bergsee klarsten Wassers der ihm Trost zu spenden pflegte.

Gerade als sein Abstieg zu einem Fall zu werden drohte, erspähte er ein Gesicht in der Menge, dass ihm bekannt vorkam. Er wußte nicht, wo er es gesehen hatte, vielleicht in seine Träumen, die ihm morgens immer so vage erschienen. Seltsam vertraut erschien es ihm, auch wenn er im Moment nicht wußte warum wo er es einordnen sollte. Woran lag es? Was war der Grund, warum er seine Augen nicht abwenden konnte?

Der Zug der Lippen, voll und fest. Die Art beim nachdenken mit den Vorderzähne die Unterlippe vorbeizuziehen. Die braunen Augen, deren Blick so tief war.

Wir finden uns wieder in den Gesichtern der Masse ein Jedermann im Angesicht des Todes eines davon ist das unsere. Wir lieben uns selbst in der Projektion. Blicke sind Augen=projektile Patronenhülsen Gewehrschoten aufschürfend das Innere versenkend seinen Blick hinein, gierig besessen Geheimnisse reißend, Wolf unter den Menschen/ auch unter den Nichtmenschen.

Wir zerfleischen uns selbst auf der Suche nach uns wir weiden uns aus. Hier und da blutige Markknochen über den Asphalt verteilt, einzelne Haarsträhnen in Grubenschächten Milliardenheere der Versehrten; Legion, denn ihrer sind viele.

In dieser Situation in diesem Gesicht zeigt sich das Schicksal grobkörnig und offen wie Sand in einem Stundenglas.

Wann beginnt man, sich in Anderen zu suchen? Wenn man sich selbst verloren hat. Wanderung Gralssuche trübe Spiegel/blinde schwarze Löcher wo Herzlichkeit gestern noch hauste. Tote Häuser Fassaden abgefackelte Felder Ruinen.

In einem Haus brennt noch Licht. Es könnte Narziß neue Heimat werden.

Narziß war wieder hilflos, doch er war es gerne. Er fiel in den Spiegel und ertrank.

Dienstag, 2. Oktober 2007

Sternschattenzombie

Ich existiere

dank Kaffee

die Augen wollen zufallen

die Stimmen murmeln wieder

beschwörend

die Opferzeremonie

eines heiligen Stammes

sie wollen mich.

Das Grau an den Rändern

breitet sich zur Mitte aus

Lichtblitze.

Ich klatsche mir ins Gesicht

Knochentanz, egal

immerhin spüre ich sie wieder.

Nicht denken müssen

geht eh nicht

sollte

einen Stromschlag ausprobieren

direkt ins Gehirn

es zucken lassen.

Der nächste Kaffee

geht aufs Haus

die nächste Nacht

geht auf mich

Sternschattenzombie.