Sonntag, 13. April 2008

Odysee


Endlich

legt das Schiff

im Hafen an

die Möwen schreien

dass mir die Ohren weh tun.

Das unruhige Flattern ihrer Flügel

peitscht mein Herz

das Betreten des Schiffs

ist wie eine Flucht.

Zitternd

setze ich mich

auf einen Liegestuhl an Deck

die graue Decke

wie einen Panzer

um mich geschlagen.

Die Wolken am Himmel

lassen sich

zu ihrem Orakel von Weiß-Blau nieder.

Ich kann nicht hochsehen

wer weiß

welche Formen sie mir zeigen

es wäre schlimmer als Bleigießen

ich höre die Wolken lachen.

Wie Schatten

ziehen durchsichtige Bordgäste

an mir vorbei

sie hinterlassen einen schalen Nachgeschmack.

Faktisch

bin ich nur

allein gelassen mit der Seebrise.

Ich bilde mir

reservierte Deckstewards ein

die fadenscheinigen Kreuzfahrttouristen

schlappe Cocktails bringen

sie tragen französische Schnurrbärte

und sind britischer Abstammung.

Dabei ist es keine Kreuzfahrt

(die Stewards bekünden es

mit einem wissenden Lächeln).

Ich sehe die nachtschwarze See

die Gischt schlägt um das Schiff

die Wellen

sind nur an der Oberfläche

darunter ist der Ozean

mein Ozean.

Was liegt in diesen Tiefen?

Alles so dunkel

man möchte sich darin verlieren.

Wie tief es ist

schreckliche Ungeheuer schwimmen darin

in Panik sehe ich mich

nach Rettungsbooten um.

Kaum habe ich eines ausgemacht

halte ich verzweifelt inne.

Wohin sollte ich denn fliehen?

Ich würde nicht weit kommen

kein sicherer Hafen weit und breit.

Ganz ruhig Junge ganz ruhig

morgen wird es hell

ein neuer Tag

ein neuer Hafen

und dort

wirst du dich finden.

Die ersten Möwen

schreien mir zu

mit der Teetasse in der Hand

begrüße ich

den neuen Tag.

Mein Auge

macht die ersten Häuser

in der Ferne aus

Ansiedlungen menschlichen Lebens,

hoffe ich.

Endlich im Hafen

stürze ich nieder

küsse den Boden

dankbar sehe ich mich um

endlich Zuhause.

Überragend

stehen weiße Bauten vor mir.

Erfreut öffne ich eine Tür

um festzustellen

dass das Haus leer ist.

Was soll das?

Verwirrt frage ich mich

ob all diese leeren Bauten

hohl sind

ohne Leben

nur die schöne Fassade.

Also begebe ich mich in die Slums

wo ein zerlumptes Volk haust

dort haben sie mich

zum Messias auserkoren.

!Das habe ich nie gewollt.

Es gibt keine Möglichkeit

seine Gedanken frei zu äußern

Freiheit gibt es nie

aus irgend einem Grund

fruchtet es nur

bei den Fanatikern.

Glühende Augen

nehmen die

wütend lodernde Flamme

am besten auf

nichts

darf ich unbedarft sagen.

Was

was ist mit mir

vor meiner Abreise

konnte ich es noch

ich habe doch die Freiheit gesucht

etwas Schönes Besseres

sonst

hätte ich das Schiff

nie betreten.

Doch auch hier

herrscht keine Freiheit

oder ist dies

die Aufgabe

die man mir aufgestempelt hat?

Bin ich also so

was ich sage

hat Konsequenzen

dabei wollte ich nie

die Haltlosen auf mich ziehen

warum soll ich sie anführen?

Wenn ich das kann

ist es vielleicht

ein Zeichen von Stärke.

Grübelnd

setze ich mich auf den Thron

den sie mir angeboten haben.