Samstag, 17. Mai 2008

Neue Wohnung


Zwischen den Hochhäusern

führt mich die Maklerin

über ein wackliges Holzbrett

zur Tür

der neuen Wohnung.

Durch das Fenster

sehe ich den morschen Balkon

der sich im Wind wiegt.

Darauf sitzt die Vormieterin:

eine schemenhafte Frau

mit schwarzen Haaren.

Die Maklerin

zeigt mir das Wohnzimmer

und die Aussicht

(ich sehe den Boden nicht).

Unbemerkt vor ihren Augen

stoße ich mit dem Körper

gegen die Balkonwand.

Der Balkon wackelt

wie eine irre Wippe.

Die Maklerin redet weiter.

Ich stoße noch einmal

heftig gegen die Wand.

Der Balkon klappt

h

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r

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n

t

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wie ein Scharnier

die Frau fällt

völlig still.


Die einzigen Geräusche sind

die endlose Litanei

der Maklerin

und das Scharnier

das quietscht

als der Balkon

wieder hochfährt.

Ich sehe nicht einmal Wolken

der Himmel ist strahlend leer.

Soll ich wirklich

hier wohnen?

Später

bin ich mit meinen Freunden hier

sie wollen den Balkon fegen

die reinste Sauerei/Unordnung.

Ich traue mich da nicht raus

ich lange nur

mit dem Besenstiel

zur Balkonkante.

Ich weiß schon nicht

wer mich alles besucht

Gesichter wechseln sich ab

am Ende liegen wir alle

saufend

auf einem cremefarbenen Doppelbett

und ich bin so zu

dass meinen Stimmbändern

nurmehr

ein schwaches Fiepen gelingt.

Ich halte den allgemeinen Pisskorb

für eine Wasserkaraffe

in der Wüste.

Meine Freunde lachen mich aus

als ich sie aussaufe.

Ich habe mir die Wüste

nur wieder eingebildet.

Ich beschimpfe sie

weil sie mich

nicht darauf hingewiesen haben.


Ich hasse Pissesaufen.