Sonntag, 20. Dezember 2009

Notaggregat


Aufzutauchen
die Lungen brennend vor Verlangen
nach Sauerstoff
mein Schrei über die Wasseroberfläche.

Ich weiß noch
wie die Meldung von der Brücke kam
alle Apparate abzuschalten;
erinnere mich
an den Funkenregen
die Hast in den Gängen
während die Schotten runterfuhren.

Mir ist
als wäre der Elektriker dagewesen
der die ausgeschmorten Sicherungen ersetzte
plötzlich funktionieren wieder Dinge
die ich lange
für unmöglich hielt.

Tragt ins Logbuch ein:

Ich weiß wieder
welchen Monat wir schreiben
und meine Hand
zittert kaum noch.

Dienstag, 8. Dezember 2009

Terra incognita


Von West nach Ost
von Nord nach Süd
hat man Grenzvermesser ausgeschickt
terra incognito
wie einst
das ferne Afrika
und bis heute sind sie
nicht zurückgekehrt.

Ich sitze
auf meiner einsamen Warte
und suche den Horizont ab
ob sie wiederkehren
oder mit wehenden Fahnen
das Weite gesucht haben.

Immerhin
bezahle ich sie für ihre Mission.

Weite Wüsten
wo die Sonne in jedem einzelnen Sandkorn
Prismen wirft;
nicht zu vergessen
dass die Sandkörner
nur die letzten Spuren geschmolzenen Glases darstellen
als die Phoenix
sich aus der Asche erhob.

Die Tage der Phoenix
sind ausgezählt
zu lange her
als dass sich noch
die kleinsten Kinder erinnern könnten
wenngleich ihnen
der Nimbus der Naivität anlastet
den ich mir
in manchen Momenten herbeisehne.

Das weite Feld
welches meine innere Leere ist
ich schreite sie ab
mit der Chuzpe eines Gutsbesitzers
dem die Felle davonschwimmen
die Ernte ist sowieso verloren
den Panama in den Nacken geschoben
wie um den Rufen der Arbeiter zu trotzen
wenn ein Aufstand droht
wird in Ketten gelegt.



Die Arbeiter antworten mir nicht
die Landvermesser
haben mich verraten
und wer eigentlich nicht
der mich nicht verraten hätte
der mich geleugnet hätte
wie Petrus den Hahn
der dreimal kräht in der Frühe.

Keiner mehr übrig
dem ich noch trauen könnte
außer
der Hitzespiegelung in der Ferne.

Freitag, 4. Dezember 2009

Autist


Keine Stimme zu haben
jedes Wort tot gelaufen
an seiner eigenen Wiederholung erstickt.

Müde davon zu warten
dass die Worte
auf der Wand erscheinen
die Klagemauer
und ja, ich klage mein Leid
all die Wichser
scheißverdammte Wichser
und unter ihnen...

Sind meine Tränen besser
als die ihren?
Sind ihre Lügen
besser als die meinen?
Ist ihre Fassade
denn etwa stabiler?

Komm lass uns
lass uns über meine Haut sprechen
und die Worte
die ich eingeritzt habe
alles
was ich dir sagen wollte
liest du in meinen Narben
wenn du lesen kannst
doch ich fürchte
nicht einmal das

kannnst du lesen.

Donnerstag, 3. Dezember 2009

Waldbrand



Gefangen auf dem Powerstepper
strample ich vorwärts
schweißüberströmt
während der Film rückwärts läuft
ich trete auf der Stelle.

Berichte
über verheerende Waldbrände in Kalifornien
die alles auslöschen
bis nur noch
schwarze Erde übrig ist
Zoom der Kamera
perverse Perspektive
den Blick
auf den wunden Punkt zu legen.

Die Filmindustrie
ist ein hartes Geschäft
die Schauspieler
verlangen immer höhere Gagen
die Stuntmänner streiken
und die Fassadenmaler
kommen kaum noch nach.

Samstag, 28. November 2009

Das leere Herz


Ich dachte
meine Straßen zu kennen
doch nun finde ich
nicht einmal mehr im Hellen nach Hause.

Der Asphalt ist morsch
durchzogen von Rissen
& bröckelt an mehreren Stellen
die großen Plätze
wo ich immer im Kreis lief
vor Bombenkratern
nicht mehr zu erkennen
wer sein Königreich
auf Sand gebaut...

erkennt die Natur
erkennt das unberechenbare Element
das zwischen den Spalten ausbricht
vom Versuch
alles zu planen
ich muß funktionieren um jeden Preis
habe keine Planierraupe
die das Elend eindämmen könnte
aber Bergstiefel
mit denen ich über die Schlaglöcher stolpere
nichts würde mich glücklicher machen
als wenn ich weinen könnte
damit aus meinen Tränen
neues Leben entsteht
doch ich stehe nur stumm da;

und zittere.

Die Litfaßsäulen
nur abgerissene Papierschnipsel
keine Nachrichten mehr
alle meine Brieftauben
hat man erschossen
ich sehe nur noch Sackgassen.

Sag mir
wo ich zu Hause bin
in meinem Herzen
ist kein Platz mehr

für mich.

Notabschaltung


Strg + Alk + Entf

Montag, 23. November 2009

Reizüberflutung


Bilder rattern vorbei
wie im Daumenkino
stellt sich nur die Frage
wer den Daumen draufhat
von Reizen so überflutet
dass ich nun gar nichts mehr spüre.

Ich friere nicht mehr
aber zeig mir ein Bild von Schnee
und ich bekomme eine Gänsehaut
ich schwitze nicht mehr
aber zeig mir ein Bild vom Schwimmbad
und der Saft läuft in Strömen
schlag mir mit dem Hammer
auf den Daumen
und nichts ist mir ferner
als dieser Schmerz
aber mach ein Polaroid davon
und ich schreie auf.

Bitte serviere mir alles
in portionsgerechten Häppchen
die Realität und ich
haben die Geschäftsbeziehungen abgebrochen
zeig mir wieder
was ziviler Ungehorsam ist
lass uns friedlich protestieren
lange Märsche in bedrückender Stille
wir Deutschen haben schon einmal bewiesen
dass wir Mauern einreißen können.

Sag mir meine Meinung
sag mir was in dem ganzen Drecksstall
meine eigene Meinung ist
und hilf mir
sie nach draußen zu tragen
lehre mich
ihnen voller Stolz ins Gesicht zu spucken.

Schwingen aus Stahl

Ausbreiten der mächtigen Schwingen
meine Federn sind aus Stahl
hauchdünn gehämmert
& scharf wie Rasierklingen
die Knie gespannt wie ein Sprinter
verschließe ich die Augen.

Unter mir die Stadt
mein Herz pocht
elender Phantomschmerz
dass Wesen wie ich
kein Herz haben
und doch Wut empfinden können
Hass
ein nagendes Gefühl wie Hunger
all meine Bedürfnisse zu stillen
ein Geschmack im Mund
schon faul
solange es noch Vorfreude ist
ich schlage meine Zähne
in totes Fleisch.

Und doch sabbere ich
wird meine Gier
noch weiter angestachelt;
ich will ihr Blut trinken.

Die untergehende Sonne
verfängt sich in meinen Schwingen
schickt Lichtblitze
Korona
eines wütenden Gottes
der sich auf euch stürzt.

Eine gnädige Natur
hat ihm Flügel verliehen
die euer Fleisch durchtrennen
wie Papier
und statt einem Schnabel
das Maul eines Schakals.

Oh ich will euren Tod
wie ich ihn
herbeisehne.

Sonntag, 22. November 2009

Geheimnisse

Stille Wasser sind tief
und vor allem schmutzig.

Dein Nachbar ist ein Schwein
der Schaffner säuft
der Herr Pfarrer missbraucht seine Messdiener
die Sekretärin
spuckt ihrem Chef in den Kaffee
deine keusche Tochter
ist ein schulbekanntes Flittchen
ihr Klassenlehrer
versteckt die Latexmontur im Schrank
deine seriöse Bankerin
trägt die Spermaspuren der letzten Nacht
sicher unter ihrem Kostüm versteckt
der Tankwart ist schwul
der Bürgermeister korrupt
der Polizist
der dir den Strafzettel fürs Falschparken ausstellte
raucht nach Dienstschluss Gras.

Alles Makkulatur, alles Oberfläche

Pervers sind immer nur die Anderen
ein jeder kehrt
vor seiner eigenen Haustür.

Montag, 16. November 2009

Wir kommen wieder


Stille

gepriesen sei es & getrommelt
die Stimmen sind verschwunden!

Vielleicht aber
bin ich im Auge des Hurrikans
es ächzt im Gebälk
als wollten sie mich verspotten

Pass bloß auf du Arsch

sonst hol ich meinen großen Bruder

Dass sie schweigen heißt noch lange nicht
dass sie fort sind
sie kommen wieder mit Verstärkung
mit besseren Argumenten
mit der süßen Kraft der Verführung
ihren Worten zu erliegen
und für bare Münze zu nehmen
was sie mir verkaufen wollen.

Ihr Rädelsführer will nur mein Bestes
doch in Wirklichkeit
quält er mich
er hat eine Armee
und ich bin alleine
kann nicht fliehen
denn sie sind in meinem Kopf.

Samstag, 14. November 2009

Theiresias



Hugh Heffner allein in seiner Villa
wenn die letzten Häschen
ihre Ohren in den Wäscheschacht geschmissen haben
zur Reinigung für den nächsten Tag
voll von Männerflecken
wenn also
die Dunkelheit sich über der Mansion senkt
dann kommt der blinde Seher ins Grübeln
der die Welt nur zu greifen wusste
und sie nie sah.

Das Fleisch an seinen Händen
ist ihm alt geworden
fleckig & voller Falten
seine Potenz aus der Retorte
blaue Glückmacher auf Rezept
er kennt alle Ärzte
die ihm sein liebes-Leben verlängern
das Freificker-Abzeichen
auf der Unterhose.

Die Tür geht auf
und die Todessirene tritt ein
blasse Sybille, Wassergeschöpf
die Augen so farblos und leer wie ihre Seele
und doch ist er ihrem Körper hörig
die einzige Droge
die er sich noch gestattet
ihr Körper eine weiße Leinwand
auf der der alte Herr
seine Phantasien projeziert

glaubt noch einmal
mit allen Sinnen
ihren Geruch einzuschließen
in seine Erinnerung
sie zu riechen und zu schmecken
als wäre sie die eine
und nicht die Letzte.

Donnerstag, 12. November 2009

Lynchmob


Es klopft an die Tür
falsche Freunde
die ich längst enttarnt habe
die wild durcheinander schreien
als hätten dreißig Radiostationen
sich gegen mich verschworen
um mich zu zerstören.

Was an die Tür klopft
ist mein verängstigter Schädel
der sich keinen anderen Ausweg mehr weiß
um die Quälgeister
ruhig zu stellen.

Am Rande meines Gesichtsfeld
lauert stets der Abgrund
oder die wütende Meute
die mein Blut fordert
wenn ich mich umdrehe
verschwinden sie in die Dunkelheit
doch ich weiß dass sie da sind
und sie wissen um mich
wir belauern uns
wie Löwen einen Kadaver
in der Wüste.

Teilung

Wir haben gelernt:
Durch Zellteilung
entsteht entweder neues Leben
oder Mutationen;
die Natur gleicht einem Glücksspiel.

Ähnlich verhält es sich mit der Seelenteilung
zerstückelt
wie ein morscher Ast
bloss um in Gesellschaft
mit einer neuen Maske
angeben zu können.

Ein Colt für alle Fälle
eine Persönlichkeit für jede Gelegenheit.

Manche halten sich gar für Diamanten
bloss weil sie
eine schier unüberschaubare Vielzahl
von Facetten besitzen
die nie wieder zusammenfinden
innerlich gleichen sie
einem ausgebrannten Bienenstock
dessen Königin
nur das hohle Pfeifen des Windes hört.

Die Wissenschaft ist gerade dabei
neue Organe zu züchten
auf der Basis von Zellkulturen

ein echtes Herz das fühlt
ein echtes Hirn das denkt
echte Hände
die nie morden würden
was ihnen lieb und teuer.

Doch manchmal passieren Fehler
der Zellverband wird instabil
bricht in sich zusammen.

Aber was soll's?
Kollateralschäden
wurden in der Kalkulation des fertigen Produkts
bereits eingepreist.

Sonntag, 8. November 2009

Kokon


Der Kokon öffnet sich
doch es ist nur eine Illusion
das Wegbrechen
der ersten Schicht
eine Scheiß-Geburt:
ich werde als Arschloch geboren
dummer Büttel
für die Obrigkeit
glaube die Freiheit zu begreifen
bevor ich an die Decke
der nächsten Hülle stoße.

Eine ewige Metamorphose
schreie mich durch alle Schichten
taub bis auf den Knochen
vom Platzen der Seifenblasen
spucke Fruchtwasser
auf verödete Äcker

erbreche meine Träume
meine Hoffnungen
mein Gottvertrauen

die alle wertlos geworden sind.

Der Frosch sprach Fick dich selbst
das macht dich glücklich
deine Hundeleine
ist aus weichem Ziegenleder
sie schnürt kaum ein.

Dienstag, 3. November 2009

Granatsplitter


Es ist keiner da
wenn die Mauer fällt
wenn einem
das ganze Paket Leben
um die Ohren fliegt
wie eine Splitterbombe.

Kein Freund, keine Freundin
kein Bruder, keine Schwester
kein Vater, keine Mutter
nur man selbst.

Die trügerische Ruhe
in den Schützengräben
just wie
im Auge des Orkans
bevor ich den Mut aufbringe
den Blick zu senken
ob meine Innereien
zwischen den Kniekehlen baumeln

wie Weihnachtsgirlanden;
echt nur
wenn ich es zulasse.

Montag, 2. November 2009

Neon


Leer so leer
sie schreien die Kinder
die Kinder schreien
die Tiere unter meiner Haut
die besänftigt werden wollen
wilde Tiger
die nach dem Dompteur fauchen.

Muss denn immer erst Blut fließen
bevor einer glücklich ist?

Das Kaninchen versteckt sich
in seinem Bau
wo die Welt draußen bleibt
und niemals hereinbricht.

Verzweigte Wege
rote Striemen auf blasser Haut
die Neonröhren in der Nacht
sagen !ja!: Die Party hat begonnen
ein Feuerwerk gegen die Unterdrückten
die Zensur des Alltags.

Hört ihr sie schreien?
Seht ihr sie bluten?
Riecht ihr ihren Angstschweiß?

Leer so leer
entleertes Gefäß
bis keine Gefühle
mehr übrigbleiben.

All ihre Spuren
die ich über die Jahre
gesammelt habe
verraten mir mehr über mich
als über sie.

Kerbholz der Illusion
dass ich ohne auskäme
dass ein Mensch
ohne ein Ventil existieren könnte
das den Druck abmildert.

Montag, 26. Oktober 2009

Kontrollorgan


Denkst du
die Überwachung erfunden zu haben
stellst diesen Gedanken
bevor du
in meinen Lichtkegel trittst?

Willkommen beim Staatssicherheitsdienst
ich weiß bereits
alles über dich
schon von weitem
blättere ich in den Akten
vergleiche verschiedene Berichte
stufe dich ein
nach Gut & Böse
lange bevor deine eigene Mutter
dir die Absolution erteilte.

Du willst mir eine Geschichte erzählen
die die deine sein könnte
wenn ich es nicht besser wüsste.

Den Überraschungsmoment habe ich dir genommen;
also erzähle mir
eine Geschichte
vielleicht kann sie mich erheitern.

Sonntag, 25. Oktober 2009

Trockeneis


Unter dem Quackkonzert der Frösche
steigt kalter Nebel
meine Hosenaufschläge hoch
lähmt mich wie Treibsand
ein Schritt
und noch einer
brechen meine Beine weg
wie in Terminator,
kurz bevor die Bestie
in tausend Stücke zersplittert.

Ich bin keine Bestie
aber welches Schicksal erwartet mich?

Die trockene Kälte ist die schlimmste von allen
macht die Landschaft
blind & taub
kriecht in alle Knochen;
der Sicker-Tod.

Wie Dörrfleisch hängen wir
an den Fleischerhaken der Viehmenschen
eingereiht in Reih und Glied
wie die Sprungschiene
der Fallschirmschpringer
freier Fall in die Nichtexistenz.


Wir fallen, und nichts ist mehr
als Trockeneis.

Mittwoch, 21. Oktober 2009

Freitag, 9. Oktober 2009

Roboter


Was real ist, bestimme immer noch ich! Jedenfalls solange, bis den Stimmen etwas Besseres einfällt. Carol-Ann hatte Recht: Sie sind wieder da. Meist sind sie von übellauniger Natur, treten und peitschen mich vor einem Heer grinsender Roboter. Ein Grinsen, welches ihr Zyklopenauge nicht erreicht. Die spindeldürren Ärmchen zum Arbeitergruß gereckt, der Akkord schläft nicht. Trinkt nicht. Isst nicht. Liebt nicht. Träumt nicht. Und wenn die letzte Neonröhre im Industriepark erlischt, bleibt nur ihr Grinsen in der sternenlosen Nacht.
In den Proletarierkneipen nehmen sie die besten Plätze ein, gleich neben Marx und Engels. Waren schon vor mir da, diskutierten Für und Wider, wobei sie mir den Zutritt zu ihrem Gespräch verwehrten.
Sie warten auf den Moment meiner Schwäche, wo ich ihren Sirenengesängen erliege, bis ich meine eigene Welt kaum noch wahrnehme. Die erste Fahne auf dem Mond, gehört auch schon ihnen. Dann nehmen sie die Fäden in die Hand, lassen mich singen und tanzen wie eine Marionette.
Während die Roboter feixend in ihre stählernen Klauen klatschen, wende ich meine brechenden Augen zum Himmel, graukrisseliges Testbild, aus dem die Stimmen zu mir sprechen. Sich zu den stampfenden Rhytmen eines fernen Stammes verwandeln. Das Menschenopfer ist bereit für den Opferstein. Die Auffangrinnnen links und rechts des Kopfhauptes, wie Login and -out der Kopfhörer. Für mich heißt es nur noch Logout.

Samstag, 26. September 2009

Geschmacklos


Brauchst nicht mit dem Abendessen auf mich warten. Die Schlampe kann auch kochen.

Dienstag, 8. September 2009

Dienstag, 11. August 2009

Adabba dabba dabba


Hindurch
zwischen nach Urin riechenden Gängen
wandern langsam die Halbtoten
besser:
Die fast-schon-Toten.

Adabba dabba dabba

brummelt die Alte im Sessel
ihr Blick geht ins Leere;
was will sie denn noch sehen?

Die Glieder schwer
gehen unter Hilfe
essen unter Hilfe
denken unter Hilfe.

Adabba dabba dabba

Ihr fehlt die Übersicht
über die Zeit.

In der Spanne
die sie überblickt
hat sie keiner besucht
also ist sie einsam.

Sie atmet noch
so definiert man neuerdings Leben.

Keine ihrer gerahmten Erinnerungen
hängt an der Wand
ihr Lebensabend ist neutral
die Zeit steht still
und wird weniger
an was
soll sie sich noch freuen?

Adabba dabba dabba

Dienstag, 7. Juli 2009

Stille

Es kommt der Moment
wo die Stille
sich über mich senkt.

Eiskalt

durchfährt mich der Schauder
und ich weiß:

Alles ist gut
alles ist richtig
ich
bin richtig
die Welt
ist falsch & kaputt.

Kalte Kanoniersaugen
blicken in die Nacht.
Mit der Zigarette im Mund
sitze ich
auf der Haube meines Wagens
und lausche
dem Rauschen in meinem Kopf
das nur
einen Fingerbreit
von Stimmen entfernt ist.

Donnerstag, 11. Juni 2009

Würde

Die Liebe ist eine Hure
die vom Kapitalismus
gefressen wird.

Die Würde des Menschen
eine Frage der Raffgier
wenn die Liebe tot ist
bleibt der Egoismus
um dem Individuum
zu neuem Glanz zu verhelfen.

Hast du keine Ellbogen
dann kauf dir welche!

Die Würde ist käuflich
neue Huren braucht das Land
gegeißelt + vorangetrieben
vor einer johlenden & feixenden Menge
sucht sie sich
einen schönen Platz zum Sterben

- in Würde.

Sonntag, 10. Mai 2009

Montag, 4. Mai 2009

Flucht

Kannst du behaupten
zu handeln oder zu fliehen
Bonnie und Clyde

auf der Flucht
Handlungen zu hinterlassen
(mit all ihren Konsequenzen)
während du deine Zelte
bereits
in der nächsten Stadt aufschlägst?

Ich sehe dich
an einer Straßenecke
mit einer Zigarette im Gesicht
die nicht zu dir passt.

Ich sehe dich
auf einem Parkplatz
wie du
das Radio aufdrehst
& deinen Gedanken nachhängst
für unbestimmte Zeit.

Ich sehe dich
auf der rastlosen Jagd
from disco to disco
time after time
im Gespräch mit Idioten
die wenig mit dir reden
mehr von sich selbst
eine Oberflächlichkeit widerspiegeln
die bestenfalls
deiner Angst entspricht
dass sie dich fallenlassen.

Du fliehst vor dir selbst
seit du denken kannst.

Montag, 13. April 2009

Samstag, 11. April 2009

Evolution Teil II


Die multimediale Welt verändert den Menschen. Wir beginnen in Schichten zu denken.

Mittwoch, 11. März 2009

Evolution



Eines Tages haben wir einen USB-Anschluss statt einem Arschloch. Dann laden wir Schüssel2.0 hoch, wenn wir scheißen wollen.

Freitag, 6. Februar 2009

Wunschdenken

Ein jeder bekommt, was er verdient. Für den Tüchtigen ein Segen, für den Wünschenden ein Fluch.

Sonntag, 1. Februar 2009

Die Liebe der Mathematiker


Geborgenheit
ist nur geborgt
klickernde Kugeln auf dem Roulettetisch
Glücksspiel des Turbokapitalismus
die Taschen vollgestopft
mit falschen Gefühlen.

Es kommt der Tag
da müssen wir alles zurückzahlen
mit Zins und Zinseszins.

Jeden Kuss
jede Streicheleinheit
jede Berührung
jeden Höhepunkt.

Egal
wieviel wir investiert haben
wenn wir zurückgeben
zählt nur der aktuelle Wechselkurs
und der geht immer
zugunsten der Bank.

Wer nichts fühlt
kann nichts verlieren.

Samstag, 31. Januar 2009

Zahn der Zeit


Man sollte nur einmal

einen guten Wein entdecken
ein Lied hören
ein Buch lesen
einem Schauspiel beiwohnen
sich verlieben
feiern

einen Rausch haben
eine Ekstase
einen Wahn.

Denn später
nutzt sich alles ab
wiederholt sich
bis zur Erschöpfung
(der eigenen, denn die Dinge erschöpfen sich nie).

Alles wird reproduzierbar
alles wiederholt sich
spült uns glatt
wie einen Flusskiesel
blind stumpf & taub

für die Flut der immergleichen Fratzen.

Dienstag, 20. Januar 2009