Samstag, 23. Oktober 2010

Wellenreiter


Und ich wünschte ich wäre wieder am Meer, wo die Wellen zusammenschlagen. Es ist leichter, wenn man sie beobachten kann. Dadurch fühlt man sich sicher. Was aus meinen Tagen herausfällt nenne ich die Gischt, so schön wie schrecklich. Jeden Tag wird es mehr, das Gebilde wie ein Luffaschwamm ausgehöhlt. Da gibt es Krater, da könntest du ganze Häuser hindurchschmeißen. Auf der anderen Seite  die Ziegelhaufen rot in der Sonne.
Die Nacht dringt in die Lücken meiner Tage, füllt sie aus wie ein Krebsgeschwür, macht selbst gesunde Zellen zu Verbündeten.  Ich schwimme in den Wellen, die Tage gleiten durch mich hindurch ohne Eindruck zu hinterlassen. Die Nacht = Geschichten aus tausendundeinem Tod zusammengeklebt, schweißgetränkt & zitternd, das Blut in meinen Händen; ballen strecken ballen strecken. Ist es mein Blut oder deins? Meine eigene Substanz, von der ich in kargen Zeiten zehre. Die letzte Reserve, saurer Geschmack von Ozon in den Lungen, bis sie implodieren. Luftballontrauben am Jahrmarktsfirmament, die traurige Kindergesichter zurücklassen.

Dienstag, 19. Oktober 2010

Geistige Gesundheit ist Glückssache

Zum Glück bin ich eine Spielernatur.

Sanduhr

Wort um Wort
fließt das Leben aus mir heraus
bis ich leer bin
stumm

kann sie nicht fassen
sie sind zu schnell
galoppieren an mir vorbei
schlagen mir die Hufe ins Kreuz
kennen keine Gnade

gerne würde ich sie ruhen lassen
doch sobald
der Stift das Papier berührt
schlägt er ein Leck in meine Seele
und ich sinke
mit Mann und Maus

ein letzter Salut
ich konnte dich nicht halten.

Montag, 18. Oktober 2010

Marionetten

Sie
sie blenden mich die Lichter
die Augen abgeschirmt
um mehr zu erkennen
das Jucken im Nacken
fuchsteufeldwild möchte man werden

Zahn in Zahn

Nicht kratzen zu können
denn das Jucken
ist unter der Haut
dort wo die Fäden wachsen

Zahn in Zahn

die Angelhaken
unter meiner Haut
Märtyrer unter Blutsströmen

Pst...
mach dir keine Sorgen
über die Hand die winkt
den Mund der lächelt
die Füße
die ewig weiterlaufen.

Fäden
die wissen was sie tun
Zahn in Zahn
greift das Räderwerk
alle meine Bewegungen
werden zur Parodie
die Hand die ins Leere greift
müde von der ewigen Wiederholung

Das Licht blendet mich
ich würde gerne wissen
wer am anderen Ende
die Fäden zieht.