Freitag, 21. Januar 2011

Eispanzer

Wie Fahrradfahren
man verlernt es nicht
auch nicht der Fisch auf dem Trockenen
der mit jedem Schnappen seiner Kiemen
nach Zuwendung hechelt.

Ich spüre es doch
wie der Frühling kommt
das Tauwasser tröpfelt
das Eis meiner Poren schmilzt
nur Körperwärme vermag es
mich aus meinem Panzer zu befreien
mir für einen kurzen Moment
einen Anstrich der Menschlichkeit zu verpassen

die Angst des Tauchers vor der Oberfläche

wenn tausend Eiskristalle
in meinen Venen platzen
ist es Glücksspiel
ob ich Geborgenheit erfahre
oder daran verrecke
jede Geste bekannt
austauschbar
auch Liebe ändert nichts daran.

Und schon spüre ich
den Reif des Morgens
auf meiner Haut
die Kälte
die bis tief in die Knochen kriecht.

Ich bin der Gletscher
tausende Jahre alt
ich bin alleine
mir ist kalt.

Sonntag, 9. Januar 2011

Trinkspruch


Abgründe tun sich auf
die Finsternis
die ihnen innewohnt
ist unbeseelt & leer
der Wind pfeift wie durch einen hohlen Zahn.

Dort steht ein Tisch
mit zwei Schnapsgläsern
und einer geladenen Waffe
die letzte Kammer ist bewohnt
Wahnsinn ist eine flexible Kugel.

Mir fehlen die Worte
für den Trinkspruch
doch ich fürchte
zu gegebener Zeit
fallen sie mir wieder ein.

Einsamkeit
ist das letzte Feuer
was mich verzehrt
was mich aushöhlt
bis die tönernen Füße brechen.

Die Medizin
ist schlimmer als die Krankheit
was dir jeder Arzt bestätigt.

Als du mich fragtest
ob ich ein Psychopath sei
sagte ich nein
doch das war eine dreckige Lüge
hättest du mir sonst vertraut?

Freitag, 7. Januar 2011

Stigmata


Was es heißt zu leiden
das leere Bett
die übervollen Aschenbecher
meine sterile Haut
die nach Berührung lechzt
oder wenigstens der Glut einer Zigarette
um die Begierde
vergessen zu machen
dem Schmerz eine Krone aufzusetzen.

Die Rastlosigkeit
den Kopf immer wieder
gegen die gleiche Stelle
des Türstocks zu schlagen
bis die Splitter in meinem Kopf stecken
und ich Sägespäne kotze.

Telerauschen fern und weit
doch nicht so weit wie mein Blick
der keine Kontur mehr fasst.

Wenn
wenn es soweit ist
ich am Kreuz gebüßt habe
für deine Sünden
deinen gottverdammten Hochmut
dann steige ich herunter
und ziehe dir die Haut vom Leib
um sie
auf kleiner Flamme zu rösten
ich will dich brennen sehen
mich an deinem Schmerz laben
wie du
an dem meinen.

Sonntag, 2. Januar 2011

Wish upon a star


Eine Sternschnuppe verglüht
und du sagtest noch
ich dürfe mir was wünschen
während die Sterne vom Himmel fallen
einer nach dem Anderen
stürzen sie
wie Selbstmörder aus dem Firmament
klatschen uns vor die Füße.


Wenn die Gesichter zerschlagen
beruhigt es meine Nerven
kein einsamerer Ort
als eine Menschenmenge
nur der sternlose Himmel
könnte einsamer sein.


Der Himmel
kennt keine Sterne mehr
drum lass mich
der Engel mit dem flammenden Schwert sein
das rettende Licht in der Nacht.


Nichts hinterlässt einen Abdruck mehr
lass das Schwert
die Kerbe sein
die ich ihnen
ins wunde Fleisch schlage
lass mich
lass mich los
lass mich vom Himmel stürzen
mein Gesicht auf dem Pflaster zerschmettern
ein kleiner Stern sein
auf dem Walk of Fame.