Montag, 27. Juni 2011

Bist du bereit zu geben?

Bist du bereit zu geben?

Wie Zungen von Wölfen
schneiden sie in meine Haut
ihre Blätter schützen mich
versteckt im großen Maisfeld.

Bist du bereit zu geben?

Frage ich mich immer wieder
während das Rascheln
die Reihen teilt

Bist du bereit zu geben?

Die Arme auf den Rücken gebunden
denke ich
an die neue Ernte
die aus meinem Blut wächst
die Maiskolben
auf den Tellern
in den kleinen Hütten.

Bist du bereit zu geben?

Mein Leben für mein Volk
mein Leben für die Ernte
mein Herz in der Hand des Priesters
während das Blut
in den rauen Stein sickert
in die Kuhle
die genau
für einen Kopf Platz bietet.

Ja
ich gebe
ich gebe mich auf.

Sonntag, 26. Juni 2011

Nathanael Mertens Blogparade

Teilnahme an Nathanael Mertens Blogparade mit dem Gedicht "Das leere Herz". Bin ja mal gespannt auf das Endergebnis. Liebe Grüße noch zurück!


Ich dachte
meine Straßen zu kennen
doch nun finde ich
nicht einmal mehr im Hellen nach Hause.

Der Asphalt ist morsch
durchzogen von Rissen
& bröckelt an mehreren Stellen
die großen Plätze
wo ich immer im Kreis lief
vor Bombenkratern
nicht mehr zu erkennen
wer sein Königreich
auf Sand gebaut...

erkennt die Natur
erkennt das unberechenbare Element
das zwischen den Spalten ausbricht
vom Versuch
alles zu planen
ich muß funktionieren um jeden Preis
habe keine Planierraupe
die das Elend eindämmen könnte
aber Bergstiefel
mit denen ich über die Schlaglöcher stolpere
nichts würde mich glücklicher machen
als wenn ich weinen könnte
damit aus meinen Tränen
neues Leben entsteht
doch ich stehe nur stumm da;

und zittere.

Die Litfaßsäulen
nur abgerissene Papierschnipsel
keine Nachrichten mehr
alle meine Brieftauben
hat man erschossen
ich sehe nur noch Sackgassen.

Sag mir
wo ich zu Hause bin
in meinem Herzen
ist kein Platz mehr

für mich.

Samstag, 25. Juni 2011

Steingarten


Wenn
wenn ich das Salz schmecke
und die Steine
wenn sie mir erzählen
alles sei gut

doch schmecke ich ihre Lügen
wie das Salz
in den Steinen
sie behaupten
der Steingarten
wäre friedlich

und doch sehen Gesichter
anders aus bei Dämmerung
blicken ihre fahlen Augen
tief in meine Seele
als ob sie
mich kennen würden

zermalmt zwischen den Steinen

Prasseln auf meinem Rücken
wie eine öffentliche Hinrichtung.

Freitag, 24. Juni 2011

Fanpage

Der Blog hat nun endlich seine eigene Facebookseite. Natürlich könnt ihr gerne Kommentare, Anregungen, Kritik, usw. hinterlassen.

Sonntag, 19. Juni 2011

Knochensplitter


Grausigen Scherenschnitten gleich
sehe ich
wie der Hammer
wieder & wieder
h
i
n
a
b
s
a
u
s
t
der Schmerz in meiner Schulter
und doch
ver!recken sie nicht
diese Mistviecher

nur das Knirschen
nur das Krachen

wenn ihre Schädel bersten
lachen sie mir ins Gesicht
ohne zu sterben
weil der Hammer
nur eine Attrappe ist
der echte
befindet sich in meiner Hose.

Es ist das Knirschen
was mich
in die Realität zurückholt
unbefriedigt.

Mittwoch, 15. Juni 2011

Du kannst ihnen nicht trauen


Du kannst ihnen nicht trauen
wenn sie
die Nähe deiner Schulter suchen
um mit dir zu schunkeln.

Du kannst ihnen nicht trauen
wenn sie
dich an der Kasse vorlassen
denn du hast
ihren bösen Blick im Nacken.

Du kannst ihnen nicht trauen
wenn sie
dir helfen wollen
denn ihr Herz
hört nur die eigenen Sorgen.

Du kannst ihnen nicht trauen
wenn sie
dir die Hand geben

es sei denn
du packst so fest zu
dass du
die Knochen knacken hörst
und die Angst
in ihren Augen siehst
noch fester
ihr Blut in deinen Händen
was auf den Boden tropft.

Nun bist du es
der lächelt.

Mittwoch, 8. Juni 2011

Dämonen

Am offenen Fenster
eine kühle Brise
bringt keine Linderung

warte
bis die letzten Lichter verlöschen

ein sinnloses Unterfangen
was mich
nur noch mehr zermürbt
nur die Glutspitze meiner Zigarette
verrät mich
ich wäre ein leichtes Ziel
bestimmt
steht über meiner Stirn
ein Fadenkreuz

doch selbst wenn ich es wüsste
würde es nichts ändern
mir die Angst nicht nehmen
vor den Dämonen
die
hinter den geschlossenen Augdeckeln liegen
mich wachzuschreien
in fremden Zungen

fühle mich wieder
wie ein kleines Kind
das nicht zu Bett gehen will
nichts
hat sich geändert
bloß
die Dämonen.

Montag, 6. Juni 2011

Schiffsfriedhof


Sie haben
eine ruhige See versprochen
aber sie lügen
träge kräuseln sich Wellenkämme
auf der Oberfläche
nur vom Wind bewegt

darunter
bin ich froh
wenn versunkene Schiffwracks
still
auf dem Grund verharren
und ihre Leichen
nicht an die Oberfläche spucken
wenn die Ruhe
wenigstens Tage anhält
oder auch nur Stunden
Momente
in denen ich vor Dankbarkeit
eine Kerze anzünde

und dann kippt es
und ich drücke mein Fleisch
in die Flamme
nur um zu spüren
dass ich noch da bin
die Flamme ist heiß
meine Hand
aus grauem Plastik
sie scheint nicht
zu mir zu gehören.

Samstag, 4. Juni 2011

Vogelscheuche


Bist du denn
erst zufrieden
wenn der Acker
keine Frucht mehr trägt
wenn die schwarzen Kapuzen
das Erdreich
mit Salz verödet haben?

Was über den Feldweg torkelt
ist eine Vogelscheuche
die einmal ein Mensch war

nun hoffe ich
dass die Krähen
mir die Augen auspicken
mir das Fleisch
aus den Rippen ziehen
dass es den Acker dünge
damit ich glaube
dass nicht alles
umsonst war.

Freitag, 3. Juni 2011

Oase


Fluchend
werfe ich die Wasserflasche
in den Sand
nutzlos wie der letzte Tropfen

Halluzinationen
plagen mich seit Tagen
die Zunge klebt am Gaumen
eine Trockenheit
die
durch und durch geht

falle vornüber
ein Stiefel verabschiedet sich im Sand
meine Haut
heiß wie Fieber
die Idee von einer Oase
wird zur Obsession
der Ort
an dem meine Tränen
endlich fließen
Salzränder
unter den Augen
und unter jedem Stein
lauert ein Skorpion

meine Seele trocknet aus

Rascheln toter Blätter
und Staubkörner
die kleinsten Elemente
des Universums.

Donnerstag, 2. Juni 2011

Worte unter der Haut

Während draußen
dunkle Gewitterwolken aufziehen
steige ich
die gewundene Treppe hinab
den Sonnenuntergang im Nacken
wie eine Halluzination
hier unten ist es kühl
verwitterte Mäuseschädel
ragen aus dem Erdreich
die Stille
die mich vergessen macht
selbst die Worte
die ich kannte
auch die Worte von Menschen
die mir beim Lügen
nicht das Wasser reichen konnten
so einsam
dass nicht einmal ich
mit mir selbst reden wollte
denn dazu
müsste ich mir vertrauen

so bleibe ich stumm
die Worte brodeln unter meiner Haut
wie flüssiges Magma
verbrennen mich zu Asche

tipp mich an
und ich zerfalle zu Staub.

Mittwoch, 1. Juni 2011

Komet


Funkenschlag
ich bin ein Kometenschweif
wer ihn als Erstes sieht
darf ihm
einen Namen geben
ich nenne ihn Kollateral
denn so schön das Nordlicht auch ist
verglüht er
beim Eintritt in die Atmosphäre
und nichts wird bleiben
von seinem stolzen Pfauengefieder
mag er
noch so viele Räder schlagen
am Ende
ist er ratlos.