Sonntag, 31. Juli 2011

Der Fremde im Spiegel


Die schmalen Augen
eines notorischen Lügners
zu feisten Schlitzen gepresst
nicht zu wissen
wer mir
da grient
ich kenn dich nicht
rasier dich nicht
höchstens wetze ich meine Klinge
an deiner Kehle

Schwindel wie auf hoher See
kurz bevor
einer über die Planke springt
nicht zu wissen
auf welcher Seite
des Glases man steht

und drehst du den Kopf
so siehst du
die Reflektionen
von tausend Spiegeln
und noch mehr Menschen
die du nicht bist.

Du dumme Sau
ich mach dich platt!

Die Splitter in meiner Hand
Blut tropft auf den Fliesenboden

Kichern ichern chern hern ern rn n
bin gefangen
in einer wüsten Spirale
der Echos
doch die Echos
sind nur in meinem Kopf.

Samstag, 30. Juli 2011

Tiefdruckgebiet


Tonnengewichte
lasten auf
jedem Quadratzentimeter meiner Haut
schleppe mich durch den Tag
wie ein wundes Tier
auf der Suche
nach einer Wasserstelle
oder dem Jäger
der ihm den Gnadenschuss verpasst.

Mit jeder Faser spüre ich
dass meine Welt sich ändert
es liegt in der Luft
stinkend und brakig
wie ein Möwenkadaver.

Es sind gerade
die neuen Dinge
die mich beunruhigen
was sich einschleicht

Stimmen die nicht da sind
Gerüche die nicht da sind
Bilder die nicht da sind

die meine Realität bereichern
als ob sie
nicht schon voll genug wäre
tiefes Murmeln
in einem alten Brunnen

bitte lasst mich
nur dieses eine Mal.

Freitag, 29. Juli 2011

Lauchzwiebeln wachsen weiter!


Manche Dinge verdanken ihre Entdeckung dem Zufall. Eigentlich wolte ich den Bund Lauchzwiebeln aus dem Supermarkt nur länger frischhalten. Dazu steckte ich sie wie einen Strauß Blumen in eine Vase. Nach einer Woche die Überraschung: Trotz abschneiden für den Kochtopf wächst das Kraut nach! Also entschloss ich, den Rest aus dem Wasser zu nehmen und das Ganze in einen Blumentopf zu setzen. Wie auf dem Bild zu sehen ist, wachsen meine Lauchzwiebeln munter weiter.

Daher: Nicht einfach wegschmeißen und neu kaufen, die Strünke wachsen weite. Einmal kaufen- lange verwenden.

(Dieses Posting nimmt auch an der Blogparade bei Zimmerpflanzen.ws teil)

Donnerstag, 28. Juli 2011

Die Dornen unter meiner Haut


Nachts
wenn die Maske meiner Selbstbeherrschung
auf dem
wirren Bündel meiner Klamotten
neben dem Bett
liegen bleibt
wenn der Puppenmeister
der Marionette
alle Fäden durschneidet

wenn die grünen Ziffern des Radioweckers
mir doch nur
meine eigene Vergänglichkeit bewusst machen
und jede Ziffer
mich weiterträgt
ohne zu fragen
ob ich überhaupt will

wenn ich leise huste
um nicht
das ganze Haus aufzuwecken
von all den Dornen
die ich inwendig trage

wenn ich
auf meine Seite
des Bettes flüchte
weil es niemanden gibt
der mir
meine Einsamkeit nehmen kann
auch du nicht.

Mittwoch, 27. Juli 2011

Maschinenträume


Medientycoon Jordan beherrscht unangefochten das öffentliche Meinungsbild. Hastet manisch von Projekt zu Projekt, um seine eigene Marke weiter auszubauen. Stets dabei an seiner Seite der Monochrome Man, seine Muse und sein Gehilfe.
Doch in letzter Zeit ist es gerade dieser Roboter, der ihm Anlass zur Sorge bereitet. Erinnerungsfetzen tauchen im blauen Rauschen auf, die ihn verwirren. Im Kopf der Maschine wächst eine dunkle Ahnung heran. Wer ist der Monochrome Man in Wirklichkeit?

Dienstag, 26. Juli 2011

Schachtelteufel


Sehe mich genötigt
eine imaginäre Linie
in die Realität zu ziehen
wie ein Schamane
verzweifeltes Trommeln gegen die Eisdecke
die Angst zu ersticken
die Kälte in den Knochen.

Wieder über der Linie
hochgekrampft
zurück in dem
was sich meine Realität schimpft
Charlie Manson Augen
und das Grinsen eines Raubtiers
die Zähne
in blinder Raserei gebleckt.

Erste Fassungslosigkeit von Fremden
dabei geht es ihm doch gut
dem Schachtelteufel
wenn er es über den Äquator schafft.

Halte mich wie ein Ertrinkender
in den Knöcheln
nur noch das Weiße
der Kopf rotiert
auf seiner Knochenachse
darf mir nicht entgleiten

wenn ich untergehe
so sollen meine Hände
das Steuerrad halten.

Montag, 25. Juli 2011

Glanzlose Ikonen


Wie sehr dein Gesicht
unter
meiner Nüchternheit leidet
blaß
wie ein zerschlagener Altar
dem der Ikonenschimmer
abhanden kam
so wie mir
die Erinnerung.

Mit jedem Wort das fällt
driften wir
weiter auseinander

manchmal
ist Schweigen billiger
sieh her
dieses Eine
geb ich dir aus.

Der Unterschied ist
dass ich mich
an dein Gesicht erinnern werde.

Sonntag, 24. Juli 2011

Amy


Manchmal
da warst du
allein unter vielen
blauer Zigarettendunst
der deine Traurigkeit
nicht verbergen konnte
und ich wollte noch
aber du
warst schon einen Schritt weiter
meine Hand im freien Raum
ausgestreckt
und ich sah dich
einen Monat später wieder
als ich mich fragte
ob es nur dein Maskara war
oder ob die Seele
in deinen Augen
wirklich diese Schwärze besaß
und du lachtest nur
versteckt
hinter der Maske
hinter dem Schutzwall
all der Dinge
die du
niemals wirklich

und es war zu spät.

Samstag, 23. Juli 2011

Geisterfahrer


Jeder Schritt den wir tun
endet in Vergangenheit
Laub
rieselt von den Bäumen
die Sonne
rast aus der Dämmerung
um sich
in die Glut des Abends zu stürzen.

Bin nur ich es
der das Echo
ihrer Schreie hört?

Bin nur ich es
der auf ein Laufband festgeschnallt ist
und darauf wartet
dass der Zug mich überrollt?

Jede bange Minute des Wartens
während meine Gegenwart
tickend naht
wie eine Zeitbombe

die Zukunft
kommt mir entgegen
wie ein Geisterfahrer
und in der Mitte
wo wir uns treffen
spritzen die Metallteile
tropft brennendes Benzin auf die Autobahn.

Sein eigenes Los zu kennen
und doch
in den Abgrund zu rasen.

Mittwoch, 20. Juli 2011

Gefallene Engel

Und in dem Moment
wo ich komme

entzünden sich
tausend Glasfaserkabel
tausend Gesichter verglühen
wie die Glut der Zigarette
die ich rauchen werde
ein Puzzle
was ich niemals lösen werde
all die Gesichter
die ich erblickt habe
in ihren schwächsten Momenten

Sterbende
auf einem Schlachtfeld

ich fülle die Laken
mit ihren Namen
um der gefallenen Engel
zu gedenken.

Dienstag, 19. Juli 2011

Wortkrieger


Ich könnte dir
ein Fax schicken

eine Email
eine SMS
einen Brief

dich pingen
dich anstupsen
dich adden
dich einladen
dich empfehlen.

Doch am Ende
werde ich
gar nichts davon tun
weil die Möglichkeiten
mir die Sprache rauben.

Ich sende meine Worte
in die Nacht
doch am Morgen
kehren nur wenige zurück
hinkend und stolpernd von der Schlacht
das Fell zerzaust
die Ohren eingerissen.

Ihre stummen Augen
klagen mich an
und doch
ziehen sie wieder
für mich
in den Krieg.

Sonntag, 17. Juli 2011

Dutzendgesichter


Wie schwer es fällt
einen Menschen zu vergessen
wenn
jeden Tag
neue Gesichter dazukommen
kaum
dass man sie
aus dem Gedächtnis gelöscht hat.

Nicht einmal Spuren hinterlassen sie
du kennst den
der kennt den der kennt den
wie die Perlen auf der Kette
endlos aneinander aufgereiht
doch
auch Ketten reißen
dies ist meine Hoffnung
und mein Trost.

Derweil lüpfe ich
im Vorbeigehen den Hut
nicke ihnen
freundlich zu

als wäre ich
ein Mensch wie sie
und nicht
ein schlecht bezahlter Schauspieler
in dieser Schmierenkomödie.

Freitag, 15. Juli 2011

Nahkampf


Ich weiß nicht
woher du
die Chuzpe besitzt
nachdem ich
meinen Hass
wie Nutella aufgetragen habe
meine Zähne hineingeschlagen
in das Aas
schmerzhaft süß
an meinen Zähnen.

Nun
stehst du allein
gegen meine Ichs

Fingerknöchel knacken

„Lassen wir es angehen"
sagte ich

bis auf den Tod.

Donnerstag, 14. Juli 2011

Kleiner Vogel flieg


Ich weiß nicht
ob mich jemand hört
ob es jemand kümmert.

Ich habe
eine Taube losgeschickt
wisst ihr?

Seit Tagen keine Nachricht.

Haben meine Feinde
sie aufgefressen
ist sie ertrunken
in den tiefen Gewässern
meiner Verstörung
ist sie erstickt
in den Algen
meiner Verzweiflung
oder
habe ich ihr Angst gemacht
und sie kommt nie wieder zurück?

Ich hatte keine Karten
nur meine Hoffnung
und
diese eine Taube.

Wird sie mich
in der Ferne finden?

Mittwoch, 13. Juli 2011

Dienstag, 12. Juli 2011

Taub


Fühl meine Haut
wie trocken sie ist
sie trägt den Staub
aller Mumien
die sich durch den Alltag schleppen

wenn alle Quellen
vertrocknet sind
alle Brunnen verdorrt
und der kahle Busch
nur noch Dornen trägt

wenn ich wünschte
etwas zu fühlen
irgendwas
es spielt keine Rolle mehr
sei es Schmerz
oder sei es Geborgenheit

an meiner Teflonseele
prallt alles ab.

Sonntag, 10. Juli 2011

Abgewetzte Menschen


Die Hefeweizenfraktion
in speckigen Jeans
die Kehle voller Magensäure
den Mund voller Erdnüsse
ihre Augen so trüb
wie das Ziffernblatt ihrer Uhr
tick tack tick tack
deine Zeit läuft ab.

Die verzweifelten Schlampen
die
den halben Abend
vor dem Spiegel verbracht haben
um die andere Hälfte
in einem fremden Bett zu verbringen
in ständiger Angst
vor dem nächsten Schwangerschaftstest.

Die hohlwangigen Jünglinge
mit den schlaksigen Bewegungen
und dem Pizzamundgeruch
deren Stirn
früh zu wachsen begann
deren Muskeln
es nie tun würden.

Leer wie ein Spielautomat
der kein Freispiel ausspuckt
leer wie eine Dartscheibe
die nach Menschenopfern lechzt

leer und einsam.

Sonntag, 3. Juli 2011

Verloren


Mit jedem Schritt
verlieren wir ein Wort
doch wenn
wir uns umdrehen
steht da
ein ganzer Satz.