Mittwoch, 14. Dezember 2011

Bukowski


Ich erinnere mich daran, wie ich mit fünfzehn ein paar düstere Gedichte schrieb, die wieder in der Schublade verschwanden. Danach legte ich das Thema Gedichte erst einmal auf Eis. Wichtigere Dinge standen an: Pubertät, schulische Leistungen, das nackte Überleben unter Gleichaltrigen. Auch ein Leistungskurs Deutsch kann einen nachhaltig für einen unbefangenen Umgang mit Literatur versauen. In der lebhaften Partyzeit gegen Ende der Schule machte mich ein Freund mit den Texten von Charles Bukowski vertraut.

Abende, wo wir die ausgelesenen Kladden mit in den Park schleiften, die Rucksäcke voller billigem Rotwein und uns gegenseitig Bukis derbe Worte vorlasen. Es ging darum, seine Texte zu erfahren. Rotwein schien dafür ein williger Begleiter. Es waren hässliche Abende, und doch voller Poesie. Wir wähnten uns auf den Spuren Bukowskis. Zu dieser Zeit schrieb ich viel, wobei auch die ersten Gedichtbände enstanden. Später verlagerte ich mein kreatives Tun auf Romane, wobei ich Gedichte nie ganz aus den Augen ließ. Fleissig füllte ich meinen Blog. Es folgten andere Autoren, die mich inspirierten, doch die erste Erfahrung ist wohl die, die am lautesten nachhallt.

Menschen verändern sich. Die wilden Partyzeiten sind irgendwann vorbei. Kaffee ersetzt Bier, der Computer die Schreibmaschine, gute Bücher das Ausgehen. Die Unruhe bleibt. Das Jucken in den Fingerspitzen, wenn ein Text danach schreit, geschrieben zu werden. Meistens gebe ich dem Gebrüll nach.

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