Montag, 31. Dezember 2012

Lovin those ghosts


Die Schemen folgen mir
als wären sie
keine Schemen
sondern Schatten
oder Abdrücke
in die Haut geschlagen
blaue Flecke auf der Seele.

Wenn ich meine Augen schließe
dann schwimme ich in ihnen
schwerelos
und hart wie eine Pflugschar
ich bin meine eigene Jahreszeit
und pflüge

durch sie hindurch
und doch kann ich sie nicht greifen
kribbeln sie in meinen Händen
wie eine alte Erinnerung.

Manchmal schwimmen ihre Gesichter
auf den Wänden
und ich wende mein Antlitz
Tränen nach innen geweint
das Salz des Lebens.

Man kann Hand an sich legen
solange es auf's wichsen rausläuft
das Leben ist zu kostbar
um es ihnen nicht heimzuzahlen.

Sonntag, 30. Dezember 2012

Rudel


Draußen in der Steppe, wo der Wind so schön pfeift. Feldmäuse kriechen aus ihren Löchern und eilen durch die strohblonden Stoppel, um ihr Tagwerk zu verrichten. Nüsse sammeln für einen bitterkalten Winter. Kleine Kreaturen, kleine Leben. Die Knopfaugen zum Himmel gerichtet, ob die Raubvögel ihren Rausch ausschlafen.

Und in den Nestern, da lacht es schmutzig aus den Schnäbeln. Die Beute eines Tages, in blutige Stücke gerissen. Den kleinen Ring aus Platin an der Kralle, wir sind privilegiert. Herrscher über die wuselnden Massen. Wenn dein starker Arm es will, steht jedes Herzlein still. Alles gesammelt, was glänzt. Ob die Sonne sich spiegelt oder nur ein krummer Schnabel, wen kümmerte es. Bis das Nest aus kleinen Zweigen vom eigenen Gewicht in die Tiefe gezogen wird. Doch selbst dann werden sie lachen; werden lachen, wenn sie das Aas fleddern. Wir leben für das Jetzt, was kümmert uns der Morgen?

Mein Fell stäubt sich gegen ihre selbstzufriedene Hackordnung. Die Zähne gebleckt. Auf meinen Schultern ruhen die Feldmäuse. Schlafmäuse. Nur zusammen ist es zu schaffen.

Heule nicht, mein Kind. Heule nicht im Rudel mit den Gutmenschen. Ihre vornehmere Attitüde ist nur die Maske eines Wolfes. Warte ab, bis sie sich selbst zerfleischen. Du stammst von echten Wölfen ab.

Freitag, 28. Dezember 2012

So falsch, so richtig


Einfach nicht verstanden zu werden
wenn ich mich
in einer Ecke einigle
und ein blödes Maul habe
einfach
weil mir deine Fresse nicht passt
aber es ist nicht deine Schuld
momentan könnte ich
jedem eine reinwürgen
und es würde mich
nur milimeterweise erheitern.

Ich weiss
du dachtest ich wäre
böse auf dich
weil meine Lenden
in Flammen stehen
und du das Feuer
löschen solltest.

Wenn es danach ginge
könntest du mich öfter
mißdeuten.

Kaum ist die Wärme abgeklungen
brandet der Streit wieder
gegen meine Felsen
und ich drücke meine Wangen
an das Fensterglas
um mich abzukühlen
die Augen geschlossen

salzig ist die Welt
und du-!

Mittwoch, 26. Dezember 2012

Ein dickes fettes Dankeschön


Gut, dass ich auf euch gehört habe. Seit die Ebooks über Amazon laufen, sind die Verkäufe deutlich gestiegen! Ohne meine treuen Fans wäre dies nie möglich gewesen. Dafür möchte ich euch danken. Anfangs war ich noch skeptisch, was die neue Technik angeht. Aber es hilft ja nichts, ich muss mich nach meinen Lesern richten. Wenn ihr Ebooks wollt, könnt ihr haben. An dieser Änderung wart ihr nachhaltig beteiligt.

Was erwartet euch im neuen Jahr? Nun, ich dachte daran, ein paar kleinere Ebooks rauszubringen. Themenbezogene Gedichtbände, Einen Prosaband, usw...

So, das musste mal gesagt werden. Kommt gut über die Feiertage und macht nichts, was ich nicht auch tun würde.

Dienstag, 25. Dezember 2012

Pimp my Ride


Es glänzt, will ich haben! Was wissen Elstern schon von der menschlichen Natur? All das Bling-Bling, welches das aufgemotzte Vehikel unserer Gesellschaft umgibt. Doch was nützt es, LCD-Displays in die Rückenlehnen einzubauen oder den Kühlergrill zu verchromen? Die Sitzbezüge aus grünem Froschvotzenleder. Es röhrt der Bass, es stinkt das Rohr, nun knöpf ich mir die Luder vor!

Unter all den schönen Worten, die uns Politiker und anderes Gesindel in die Augen streuen, rostet das ganze Chassis durch. Werden wir vollbeladen mit Versprechungen und Zierat, welches die schwache Substanz in den Boden drückt. Macht euch frei, spült mit Salzwasser durch, bis der ganze Dreck wieder hochkommt. Die Freiheit schmeckt wie schonmal.

Montag, 24. Dezember 2012

Rohes Fleisch


So leicht bekommst du es nicht
das blutige Stück Fleisch
sauber pariert
das Fett von der Muskelfaser.

Wenn du mich willst
dann pack mich roh
lebendig und pochend
wie mein unsägliches Herz.

Ich werde es dir
schwermachen
mir Krallen wachsen lassen
und Dornen
wenn du mich holen kommst
werde ich dir
Wunden ins Fleisch reißen
brennendes Salz.

Bis zum letzen Vers
bis zum letzten Wort
bis zur letzten Silbe

werde ich dir widerstehen.

Sonntag, 23. Dezember 2012

Hiob und die Liebe


Liebe
du verfickte alte Hure
hast schon so viele
kommen und gehen sehen
und stets
ihre Herzen einbehalten.

Du bist
eine alte Schindmähre
die mich
über den Acker zieht
weil es angeblich
besser wäre
gemeinsam zu leiden
als allein.

Du zündest Blut
in deiner Laterne
gut wie Walfischtran
Tropfen um Tropfen
gehöre ich dir.

Lösch mir die Lichter
ich mach dir die Nacht.

Samstag, 22. Dezember 2012

Rotzfahne


In den ersten Reihen treten die Trompeter an zum großen Staatsakt. Ein zackiger Griff in die Hosentasche, und das kleine Stück Stoff ist bereit.

Wer in Stilfragen brillieren will, der greift zum Stofftaschentuch für den Herrn. Zu finden in ausgewählten Manufakturen, oder bei traditionell sortierten Herrenausstattern. Ob rustikal kariert oder puristisch weiß, bleibt eine Frage des persönlichen Gusto. Im Zweifelsfalle aber sollte man das Dekor auf die eigene Garderobe abstimmen. Herren der gehobenen Stände lassen sich ihre Initialien oder das Familienwappen als Monogramm einsticken. Die gewisse persönliche Note, die sie vom gemeinen Pöbel abhebt.

Papiertaschentücher, im Volksmund auch unter dem bekannten Herstellernamen verballhornt, bieten nur einen billigen Ersatz. Schon nach wenigen Niesern reißt die dünne Cellulose, und der halbe Schmodder hängt an der Hand. Oder ein Guckloch ist enstanden, und es ging in eine steile Flugbahn. Ihre qualitativ höherwertigeren Vorväter wurden von Generation zu Generation weitergereicht, gemacht für die Ewigkeit.

Moderne Zweifler rümpfen die Nase: Ist das hygienisch noch vertretbar? Dabei ist es doch uwesentlich, ob es nach Benutzung in die Tonne oder in die Waschmaschine geht. Zu lange in Benutzung sind beide Varianten verkeimte Seuchenfallen.

Freitag, 21. Dezember 2012

Weltuntergang


Die Welt ist nicht untergegangen
und ich mache mir
ein neues Bier auf
genieße für einen kurzen Moment
das Zischen
frisch & kalt
die Kehle hinab.

Dabei hätte sie
es redlich verdient
kaum ein Jahr
in dem sie nicht
gevögelt hätten
betrogen hätten
gestohlen hätten
gemordet hätten

und auch für Frieden gekämpft
die armen Trottel
um nur die nächste Diktatur
vor die Nase gesetzt zu bekommen.

Die Mayas sind ein blödes Pack
bloss weil ihre Kultur
unterging
gönnen sie uns nicht
die unsere.

Dienstag, 18. Dezember 2012

Sado Maso Weihnachtsgans


Warst du artig? Oder warst du unanständig? Gott ist es gleich, sein Feuer wird die Gerechten und die Ungerechten verzehren, wenn die Stunde gekommen ist. Benehmen sie sich gefälligst, es ist Weihnachten! Lassen Sie ihre schmutzigen Verse einmal gut sein.

Ich denke ja nicht dran. Es muss schon ein festerer Maulknebel her, um mir den Mund zu verbieten. Stramm gespannt, ein Zaumzeug für die Unanständigen. Doch sie werden das Königreich ernten, wenn die große Abrechnung kommt. Mit guten Absichten fährt der Karren gegen die Wand. An Gutmenschentum ersticken wir, gerade zur Adventszeit ist es kaum auszuhalten. Suhlen wir uns in verlogener Harmonie. Schütteln blöde grinsend Hände, die wir sonst nicht anrühren würden. Verbieten Kinderlärm, krawattenlose Hemdkragen, offene Bierflaschen, Zigaretten, Feuerwerkskörper, und alles andere, was es zum Feiern braucht. Gesittet soll es zugehen, und verkrampft. Die Supernanny hat zugeschlagen.

Eines ist sicher: die Gans wird geschlachtet. Legt mich in ein Bett aus Rotkraut fein, und spart auch nicht an den Knödeln. Dies ist mein dreckiger Leib, der euch gegeben wird.

Sonntag, 16. Dezember 2012

Moloch


Die Welt da draussen
ein Moloch
Schädelstätten der Grausamkeit
stinkende Senkgruben
offene Kloake
der Mensch ist ein wandelnder Scheißhaufen
wer es nicht glaubt
der sollte einmal versuchen
die Kanalisation
durch einen Kaffefilter zu jagen.

Kleingemahlen in den feinen Mühlen
Zahnräder picken die Knochen
von der Straße auf
ausgespuckt von den Hunden
reihen sich die Wertlosen
in heruntergekommenen Mietskasernen ein
wo das Blaulicht niemals schweigt
und Schüsse der Nacht
ihre blutigen Scharten schlagen.

Auch deinen Umriss
werden sie mit Kreide
auf den Boden zeichnen
eines Tages.

Und in mir drin
das Joch
welches mich knechtet
ihre Hüllen sind tot
& ausgelutscht
aber ich lebe
gottverdammt.

Ich lebe!

Freitag, 14. Dezember 2012

Brüder der Nacht


Wie Schießbudenfiguren
tauchen sie vor dir auf
und man müsste ein Fadenkreuz sein
um ihrer
nicht wahnsinnig zu werden.

Die Schulterklopfer
Sprücheklopfer
die Gib-mir-Fünf-Typen
denen du am liebsten
eins in die Fresse geben möchtest
die Unterhaker
die dich zu Karaoke schleppen
Rundenschmeißer
Magendreher
Gallenbitter.

Menschenaffen
die auf die
unsinnige Idee kamen
du könntest gesellig sein
oder es würde dich stören
allein vor deinem Bier zu sitzen
dabei bist du gerade deshalb
vor die Tür getreten
weil Einsamkeit unter Menschen
am schönsten ist.

Kann man sich nicht
in aller Friedfertigkeit
die Lichter ausschießen?

Donnerstag, 13. Dezember 2012

Mittwoch, 12. Dezember 2012

Grenzlinien


So schrecklich analog
eine Landkarte zu entwerfen
wenn kein Tomtom
zur Verfügung steht
schlimmer als ein Busfahrplan
der einen sicher
durch die liederlichen Stadtviertel führen soll.

Weil ich auch nicht weiss
ob die Linien Grenzen abstecken
oder mir eine Richtung weisen sollen.

Brrh
nicht näher darüber nachdenken
soll keine Richtung sein
lediglich meine Art
den tiefen Schmerz
fühlbar zu machen

taste ich mich doch
wie ein Blinder
durch den Urwald
tiefer
tiefer drinnen.

Zu taub und abgestumpft
fuck nochmal
um etwas zu fühlen
und sei es Schmerz.

Dienstag, 11. Dezember 2012

Christmas Suicide


Nicht immer scheint das Licht bis auf den Grund unseres Herzens. Wenn du beten gehst, dann zünde ein Herz für die, die das Licht verloren haben. Auf dass sie es wiederfinden. Während die Lemminge sich in den Einkaufszonen die Ellbogen in die Rippen hauen, um den Gabentisch zu füllen. Ein Wettlauf unterm Baum, bei dem es auch Verlierer gibt. Die allein ins Tannengrün schluchzen. Denen Knecht Ruprecht vertrauter ist als der Nikolaus.

Scheiss auf all die Glücklichen, die sich im Kreise ihrer Kinder suhlen. Scheiss auf jene, die Eltern haben oder Freunde. Wenn nur du selbst dir geblieben bist, so solltest du lernen, dich zu lieben. Wenn es sonst keiner tut, wer dann?

Mit dem Flachmann im Revers, auf den Hinterbänken zur Christmesse. Spricht der Pfaffe von einem Erlöser, der den Menschen das Licht bringt. Als würde ein Blinder mit der Taschenlampe durch den Park wanken. Du aber brauchst sie alle nicht. Das Licht scheint in deinem Herzen. Öffne die Augen, und erkenne es. Der lange steinige Weg war umsonst, es war immer schon da. Nestwärme, auch für dich.

Montag, 10. Dezember 2012

Sonntag, 9. Dezember 2012

Stachanow kauft ein


Das Vieh wird unruhig
bitte mehr Bälle!

Konsumterror diktiert
von den prallen Werbebeilagen der Wochenblätter
das Portefeuille unbegrenzeter Möglichkeiten.

Während die Krise
weiter brodelt
pfeifen sie es dir
mit Blockflöten ins Gemüt
denn nur von dir
kleiner Mann
hängt es ab
ob Mutti Merkel
den Ehrenpreis
des europäischen Komitee
über vorbildlichen Konsum erhält.

Die Deutschen geben dieses Jahr
neun Prozent mehr aus
für Weihnachtsgeschenke
soviel Großmut
muss doch einmal
erwähnt werden.

Die Deutschen werden dieses Jahr
deutlich tiefer
in die Tasche greifen
soviel Inflation
muss doch einmal
erwähnt werden.

Und am Ende
fickt sich die Statistik
wieder selbst in den Arsch.

Freitag, 7. Dezember 2012

Vampir


Allein stehe ich in der Halle, Menschenfluten ergießen sich über mich wie der schwarze Segen der Pechmarie. Schulterrempeln, ich bemühe mich, auf den Beinen zu bleiben. Immer wieder hämmere ich mir in den Schädel, dass es doch Menschen sind, es gelingt mir kaum. Geister meiner Sturmjahre, treten sie durch mich hindurch. Versuchen auf ihrem Weg in die Hölle mir die Haare auszureißen. Es brennt wie von tausend Stichen...

Dann trittst du aus dem Abteil. Staub in den Haaren, als hätte die Reise mehr als nur einen Wimpernschlag gedauert. Zeitungen, zu einer fleischlosen Wurst zusammengerollt. Nachrichten, die längst von der nächsten Demütigung aufgefressen wurden. Schleppst einen zum Bersten gefüllten Koffer ächzend über die Kante. Mir graust vor all den Dingen, die du gesammelt hast. Je länger wir es miteinander aushalten, desto größer schütten wir die Halden.

Meine Schulter ist leer. Taub für jedes Gefühl. Als deine Arme sich um mich schlingen, muss ich an Treibsand denken, und ich fühle mich verloren, verloren in dir. Wie fremd du mir geworden bist. Ein Stück Treibholz, mit dem ich es einst getrieben hatte. Treibt mir nun den silbernen Keil ins Herz. Tags leide ich, nachts sterbe ich. Dazwischen versuche ich, mich an dein Gesicht zu erinnern, doch meine Gedanken sind leer. Meine spröden Lippen treffen deine Wangen. Als sie abrutschen, hinterlassen sie tiefe Kratzspuren. Welche Requisitenkammer hat dich ausgespuckt, dass du dein Dasein an meiner Seite fristen musst?

Die Knie werden weich, ich sollte dieses miese Stück verlassen. Den samtenen Vorhang wie ein Damoklesschwert im Nacken, Applaus nur noch ahnend.

Mittwoch, 5. Dezember 2012

Seemann's Morgen


Beide Hände um die
noch dampfende Tasse geschlossen
wie ein Ertrinkender
der sich an einer Planke festklammert
ohne Steuermann
in unsicheren Gefilden.

Die ersten Sonnenstrahlen fallen
auf das rissige Brach
wo die Jugend
ihre Feste feiert
zugekotzt und mit
verschmierten Kondomen verkleistert
wie ein Spinnennetz

Nachts lärmen sie
wie die Tiere
Brunftschreie toben durch die Nacht
und ausgelassenes Gelächter
dass ich mich nicht mehr
vor die Türe traue.

In der Fabrik nebenan
haben sie das Fließband
durch billigere Menschensklaven ersetzt
Bäume
ihre kahlen Finger drohend
zum Himmel erhoben
rotten vor sich hin
Stahlskelette
den letzte Schrei
in einem Zahnrad eingeklemmt.

Die Vögel pfeifen
im knirschenden Geäst
als könnten sie es kaum erwarten
nach Süden zu kommen.

Einem von ihnen
habe ich eine Nachricht
ans Bein gebunden
doch er pickte mir in die Hand
undankbare Nadelstiche
brennen wie Weihwasser
in des alten Teufel's Krallen.

Dienstag, 4. Dezember 2012

Schreibgefieder


Wir sind Brüder, mein kleiner stählerner Freund, verstehst du? Während du an einer friedvollen Aue auf Spaziergänger lauerst, schärfe ich meine Stahlschwingen an in kerzenumleuchteter Stunde. Rasiermesserscharf müssen sie sein, wenn ich ein guter Racheengel sein will. Man hat uns beide hinausgeworfen aus dem sanften Garten Eden, weil wir uns für die Sünde entschieden.

Was schmeckt süßer als die Sünde? Gegen die Gesellschaft zu verstoßen wie der dunkle Engel, der Gott einst herausforderte? Es gibt soviele Wege, die man einschlagen könnte. Ein einfacher Park entpuppt sich als ein Labyrinth, Dornen treiben durch das Federkleid der Träume. Eine Realität die willens vor dir flieht. Oder auch mehrere. Der verwitterte Grenzstein, wo dir die Übersicht verlorenging.

Meine Stahlschwingen will ich einschmieden lassen für den Krieg. Schreibfedern, die über das Papier ziehen.

Montag, 3. Dezember 2012

Runter kommen sie immer


Auf der Straße
lag eine tote Taube.

Ich sah mich um
ob mich jemand beobachtete
dann stocherte ich
mit der Stahlspitze des Regenschirms
in ihrem
gedunsenen Leib
doch es war
keine Reifenspur auszumachen
das verdammte Biest
musste einfach so vom Himmel gefallen sein.

Wie es wohl sein mag
wenn dort oben
dein kleines Herz versagt
wenn du noch einen Moment
versuchst
dich an den Himmel zu krallen
und der Boden
dir entgegensaust
mit der Wucht
einer grauen Faust?

Sonntag, 2. Dezember 2012

Samstag, 1. Dezember 2012

Bleifuß


Du bist schneller
weil du einen Mercedes fährst
im gleichen Dunkelgrau
wie deine Maßanzüge
die sich alle
bis auf's letzte Knopfloch gleichen.

Hetzst von Meeting zu Meeting
kennst alle Mineralwassermarken
an ihrem Geschmack
kannst es aber nicht lassen
sie mit einer Zitronenscheibe zu versauen.

Kennst deine internationalen Geschäftspartner
von diversen Videokonferenzen
die sich aneinanderreihen
wie die Bonusmeilen
auf den Sohlen deiner Budapester
zu Weihnachten hast du
eine Grußkarte verschickt
aus irgendeinem Hotelzimmer
an die Familie
du kannst dich nicht mehr erinnern
wo das war.

Der Terminplaner aufgeklappt
wie ein hungriger Klappspaten
dir dein eigenes Grab zu schaufeln.

Wenn du meinst
mich überholen zu müssen
dann lasse ich dir gerne
den Vortritt.

Freitag, 30. November 2012

Lyrischer Lorbeer




Mal wieder eine Anthologie, zu der ich meinen Beitrag liefern konnte .Im Anhang der Text, der in diesem Buch seinen Platz fand.


Strömung


Wie Puzzlesteine
haben wir ineinander gepasst
in jenen Tagen
als die Nachmittagssonne
in unsere Küche schien
die Kochtöpfe
verlassen & schmutzig auf dem Herd
während wir den Tisch
einem neuen Zwecke zuführten.

Nun liegt zersplittertes Geschirr
im Ausguss
und eine Stille in der Luft
die nicht einmal
das stumpfe Brotmesser
schneiden könnte.

Das Leben hat uns abgeschliffen
wie zwei Kiesel im Flussbett
uns die Konturen genommen
bis wir nichts mehr hatten
um es der Strömung
entgegenzusetzen.

Donnerstag, 29. November 2012

Verkehrsfluss


Das leise Rauschen der Schnellstraße
draußen
vor meinem Fenster
wie ein Seeungeheuer
welches aus der Brandung kroch
um mein Herz zu verschlingen.

Wenn sie vorbeiziehen
dann hinterlassen sie Schmauchspuren
wie Pistolenkugeln
Wunden aus verkokeltem Asphalt
und rote Striemen
auf meiner Haut
die neunköpfige Peitsche
ausgeworfen
wie eine Angel.

Selbstmörder schwimmen stromaufwärts
zum Laichen
mit mir geht es bergab
dabei ist mir gar nicht
zum Lachen.

Dienstag, 27. November 2012

Des Königs neuer Palast


Der König der Torheit hatte beschlossen, man möge ihm ein neues Schloss erbauen. Noch schöner und prunkvoller sollte es werden als das Klohäuschen mit den infamen Sprüchen, welches er bis dato seine Heimstatt schimpfte. Majestätsbeleidigung am laufenden Band, perforiert und arschbackenflaumig. Doch damit sollte Schluss sein!

In müssig kichernder Nachtstunde hatte er die Baupläne eigenstpersönlich auf alten Kaffefiltern gezeichnet. Er würde seinen treulosen Untertanen zeigen, wo der Hammer hing! Dafür sollte ein extra Prunksaal errichtet werden. Ein anderer Raum sollte dem Nageln gewidmet sein. Und wenn ihm das Gemüt schwach wurde, so konnte er sein Antlitz in gepolsterten Wänden schürzen.

Zwiebelt mir die Türme, auf dass sie Tränen tragen, verkündete er mit wütendem Eifer. Warum ging es nicht voran? In den Kemenaten hausten Primaten, der Vorbau des Burgfräuleins verlangte nach einem neuen Anstrich. Die Kellergewölbe waren so dunkel, dass man seinen eigenen Hintern nicht zum Scheißen fand. Sofort ließ er ein paar Schwarzarbeiter köpfen, doch davon wurde es auch nicht heller.

Man müsste schon die Sonne bestechen, auf dass sie gülden herniederscheine. Aber wie, wenn er doch die Vetternwirtschaft verboten und durch das Diktat der geilen Schwestern ersetzt hatte? Klar, bei einer feinen Runde Mau-Mau! Mit dem gebotenen feierlichen Ernst stieg er auf die Zinnen und brüllte der Sonne Mau! entgegen, bis dass seine Kehle heiser ward.

Sonntag, 25. November 2012

Drecklese


Eigentlich kannste froh sein
dass deine Sammlung
keine Super-8-Formate aufweist
auf Spulen aufgezogen
wie Sprungfedern
oder verfilzte Schamhaare.

Hochglanzmagazine
stammen aus Zeiten
vor DVD's oder Internet
staubige Dinosaurier
abgeschmackter Männerphantasien.

Aber wirklich alt bist du
wenn du
deine Pornomagazine aussortierst
weil
die Bilder in deinem Kopf
viel schmutziger sind
als es ein Hochglanzmagazin
je sein konnte.

Samstag, 24. November 2012

Die Luxusversion auf Calvendo


Zeitgleich zur Kalenderausgabe auf www.lulu.com läuft der Kalender auch als höherwertige Ausgabe bei Calvendo. Die Vorteile liegen auf der Hand: ISBN-Anbindung und Verfügbarkeit über Online-shops. mal sehen, was besser bei den Fans ankommt. Vielleicht gibt es den Kalender im neuen Jahr nur noch über einen Anbieter. Mal sehen, was besser läuft.

Donnerstag, 22. November 2012

"The American dream" in english


Fiftysix years have passed since Allen Ginsberg became one of the leading heads from the beat generation. It was an underdogs lament of the american society, an exclamation. It belongs to times, when the american dream was living reality. In the new millenium, the former global player lost lots of its shine.

Therefore
Levi Strauss went to America
the land of unlimited possibilities
and limited minds
sewing rugged trousers
for the workers
which made America great.

Bridges and streets
hospitals and playgrounds
rotting on broad daylight
whole districts
the factory belt
once
nestling like a smooth ribbon
up to the continent
became a barbed wire fence
for all of them daring
to pick holes
into the american dream
only wishing to wake up
while the organ is playing
false notes
sounds like god, in a corn field
or the crackling noise of machine guns
sparkling oil springs
giggling corruption
apple pie & chewing gum.

Mittwoch, 21. November 2012

Wandersmann


Meine Begleiter habe ich verloren, am letzten Wegekreuz, wo sie den Wanderer begruben.

Der Wanderer zog Jahrzehnte vor mir los, abgenagt wie ein Hundeknochen und doch der Straße trotzend, die ihn in ihren schwarzen Teergrund zu ziehen versuchte. Über seine Schulter ragte ein lottriges Bündel, von einem rissigen Ledersenkel zusammengehalten. Darin bewahrte er Krims und Krams. Kurzum- all die unnützen Dinge, die sich im Laufe eines Lebens so ansammelten. Eine Locke mit einer fleischfarbenen Spange, Erinnerung an eine Frau, die er einst geliebt hatte. Die Taschenuhr seines Vaters, die irgenwann einmal stehengeblieben war. Ein Duftkissen seiner Mutter, welches schwach nach Lavendel roch. Sein erster Zahn, ausgespuckt wie ein Boxer, den ein fester Schlag ins Land der Träume schickte. Murmeln aus Kindheitstagen.

Als die Straße zu seinem Leben wurde, war er jung gewesen, sehr jung. Nun fielen ihm die Haare in Büscheln aus, als litte er an einer seltenen Strahlenkrankheit. Ikarus, der Sonne zu nahe gekommen. Seine Zähne folgten, abgegriffen von tausenden Mahlzeiten. Es hatte einen Hund gegeben, der treu zwischen seinen Beinen scharwenzelte, ob eine Krume für ihn abfallen konnte. Eines Nachts war er aufgewacht, weil der Hund den Mond anheulte. Am Morgen war er verschwunden, und hatte ihm nichts gelassen als einen dampfenden Haufen Kot. Seitdem wandelte er allein unter den Sternen, die Gott ihm als Wegweiser gelassen hatte. Er hoffte unter einem von ihnen ein Kind in einer Krippe zu finden. So wie ein Kobold darauf hoffte, am Ende des Regenbogens einen Kessel voll Gold zu finden. Was es zu finden gab, hatte der Hund ihm gezeigt. Und doch wurde er es nicht müde, jeden Morgen aufzustehen, und die Straße anzunehmen wie eine schwere Prüfung.

Eltern hatten ihn in die Welt gesetzt und waren gestorben. Freunde hatten seine Jugend begleitet und waren ihm abtrünnig geworden. Väter und Mütter kannten ihre Freunde nur an Festtagen. Waren die Kinder aus dem Haus, versuchten sie die alten Bande aufzuknüpfen. Doch wie früher würde es nie wieder sein. Er war dazu bestimmt, die Einsamkeit zu schmecken wie einen guten Jahrgangswein. Die Tafeln der Mächtigen. Die blechernen Fraßschalen der Ohnmächtigen.

Feldspat funkelte zwischen seinen Füßen wie die Augen eines Dämons. Bereit, in das Licht einer untergehenden Sonne zu treten, das schwere Tagewerk endlich von den Schultern zu werfen wie einen schweren Balast. Maultiere verendet am Weg, ihrer Last nicht gewachsen.

Dienstag, 20. November 2012

Zimmer ohne Aussicht


Der Moment, wo einem die eisige Kälte in die letzten Backsteinknochen sinkt. Trübe Nebelbarken ziehen vorbei wie ungewunschene Gäste. Die dunklen Monate des Jahres haben noch Jedem sein kleines Herz gebrochen. Ich sah Kreaturen, die der liebe Gott aus einem schroffen Stein geschlagen hatte, an sich hadern. Was bin ich schon, als ein Stäubchen Asche?

Verlieren die Menschen ihre Herzlichkeit just dann, wenn sie die Heizregler hochdrehen? Gebt mir Worte, die mich wärmen, und ich werde die Nacht überstehen. Hände aneinanderreiben, zur Glut gerichtet.

Durchhalten, weitermachen. Mit zusammengebissenen Zähnen. Das Feuer am Lodern halten, Vers um Vers. Gerade jetzt ist die Zeit für tröstende Worte. Mutmachende Worte. Kein Mensch kann sich aus einem geschlossenen Fenster stürzen, das ist doch mal ein Trost.

Sonntag, 18. November 2012

Haifischbecken


Wieder an Land
ernähre ich mich
von lieblos dargebotenen Erdnüssen
als könnte ich
kein neues Kunststück mehr lernen.

Dabei stimmt es ja nicht
dass einer
zu tief ins Glas gucken kann
die wenigsten
haben je einen tiefen Blick genossen
nur das Schaumbad
welches die Seele kitzelt.

Zucken
wenn eine Hand dir
in den Rücken schlägt
unter deinesgleichen
harte Arbeiter
die sich ihren Weg in die Erde
erkämpfen, und niemals träumen.

Lass uns das draußen regeln
okay, auch recht

und ich folge dem dumpfen Auftreten
seiner schweren Stiefel
um ihm die Scheiße
aus dem Leib zu prügeln
oder selbst ein bisschen Staub zu schlucken.

Der Haifisch der hat Zähne
und die klatsch ich ihm
aus dem Gesicht...

Ich erinnere mich
an meinen ersten Tag im Lehrschwimmbecken
ausgestattet
mit diesen häßlichen orangefarbenen Flügeln
versuchte ich
mich gegen die anderen Haie
im Becken zu behaupten
und zog mir am Ende
eine Chlorvergiftung zu
hustend, spuckend-

wieder am Bier verschluckt
wie kann einer
an Land ertrinken
frage ich mich
wieder & wieder.

Samstag, 17. November 2012

Geschmacksrichtung


Unter tausend Sorten
würde ich dich
herausschmecken
oder ist es nur
eines deiner Sumpfhaare
was sich in meinen Zähnen verkantet
dort
wo die Bäche zusammenfliessen.

Wie eine Robbe
inmitten schwarzweißer Flügel
die dem Laien
alle gleich aussehen
immer das Paar erkennt
was ihr gehört.

Packeis
pack's weg
in dieser kalten Welt
ist es schön zu wissen
dass man eine Hitzequelle hat
in die man eintauchen kann
bis zum Ende des Knochens
und
zuhause ist.

Praxis Dr. Kind


Facharzt für angewandte Pädophilie.

Freitag, 16. November 2012

Hammer und Nagel


Verführt von einem Zimmermann
der träumend
durch die staubigen Gassen zog
die Augen weit offen
wie ein kleines Kind
anstatt einmal
Hammer und Nagel
in die Hand zu nehmen
und sich dem Fluch
der arbeitenden Bevölkerung
zu ergeben.

Am Ende seines Weges
fand er
Hammer und Nagel wieder
denen er zu fliehen versucht hatte.

Wer glaubt
auf dem richtigen Weg zu sein
wird automatisch zum Gutmenschen
so jedenfalls glauben wir
und folgen seinen Worten

Heute beten sie
das goldene Kalb lauter an denn je
Mammon Glotze Status
komm wir spielen
eine Runde Quartett

MEIN HAUS MEIN AUTO MEINE FRAU

Unter den Christen
findest du die gottlosesten von Gottes Kreaturen!

Diese ganze Scheißreligion
ist nur ein feuchter Männertraum
Frauen wurden zu Hexen gestempelt.
heute
werfen wir Pussy Riot ins Arbeitslager
weil sie die Obrigkeit kritisieren
und nehmen Opfern das Recht
nach einer Vergewaltigung
abzutreiben.

Gottgewollt?
Menschgemacht!

Mittwoch, 14. November 2012

Rachenfeuer


Eingeschlagen in braunes Packpapier
der Tod
der in der Kehle brennt
wie der Atem eines Drachen
feurige Flammen
die sich in meine Eingeweide graben
während der hölzerne
Indianerhäuptling
auf mich herabsieht
wie aus besseren Tagen
die dieser Schnapsladen
vor der Rezession erlebte.

Grienende Jungen
die Chinaböller
an die Schwänze
räudiger Hunde binden
und sich vor Lachen halten
wenn es die armen Tölen
zerfetzt.

In einem Hinterhof
kommt mir
die ganze Scheiße wieder hoch
und ich denke mir
das ist noch das Beste
was mir passieren konnte

verglichen mit dem Hund.

Dienstag, 13. November 2012

Herbstzeitlose


Blätter, nichts als Blätter. Bunt bekritzelt mit den Gestalten aus meinen Fieberträumen. Ausgezehrt über den Schreibtisch gebeugt, wie nach langer Krankheit. Zerknüllt, zerissen. Wie konnte ich nur glauben, sie wären echt?

Weil sie sprechen, wenn ich schweige. Die Bäume erstrahlen in ihrem bunten Blätterkleid. Gerade so, als wollten sie dir vernieselte Tage im Sprühregen noch einmal versüßen. Rotgelb und versöhnlich. Doch ihre Pracht ist von kurzer Dauer. Wie sprach Mephisto?

"Alles, was besteht, ist wert, dass es zu Grunde geht"

Gegenwartslyrik hat den Nachteil, dass sie nur den Geist ihrer Epoche widerspiegelt. Ihr Vorteil  ist, dass sie sich jedes Frühjahr erneuert. Ich will ihr ein guter Gärtner sein.

Montag, 12. November 2012

Die guten alten Latschen


Wir leben in Zeiten, in denen Pantoffelhelden das Sagen haben. Dabei lassen gerade Pantoffeln den notwendigen Rückhalt vermissen. Das elendige Geschlurfe auf abgetretenen Läufern. Wispert wie die unselige Verheißung einer blinden Sybille in meinen Ohren!

Oder aber: Dickgepolsterte, sackartige Kloben. Die ihrem Träger die Eleganz eines Klumpfußes verleihen. Lustige Motive wie überdimensionale Hühnerkrallen mögen nicht über den Verlust der Würde hinweghelfen.

Der Klassiker kommt in unverwüstlichem Cord daher, die Kanten rustikal eingefasst. Hinten geschlossen, daher angenehm stramm am Fuß. Dicke Gummisohle, mit der sich jedes Silberfischchen ins Jenseits schicken lässt. Ein Allrounder, mit dem man ohne Nachzudenken auf die Straße treten darf, um den Müll runterzubringen. Dem Kenner bleibt die schwierige Wahl zwischen vier verschiedenen Farben: Braun, blau, grau und grün. Mutige leisten sich ein kariertes Modell, um von der Masse abzustechen.

Leider gehören die guten alten Hausschuhe einer aussterbenden Spezies an. Kaum zu glauben, dass man sie heutzutage nur noch in Onlineshops findet.

Sonntag, 11. November 2012

Textprobe aus "Der amerikanische Traum"


Dafür ist Levi Strauss
nach Amerika gegangen
dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten
und begrenzter Hirne
stabile Hosen
für die Arbeiter zu nähen
die Amerika groß machten.

Brücken und Straßen
Krankenhäuser und Spielplätze
verrotten bei hellichtem Tage
ganze Stadtviertel
der Fabrikgürtel
der sich einst
wie ein sanftes Band
an den Kontinent schmiegte
ist ein rostiger Stacheldrahtzaun geworden
für alle die es wagen
den amerikanischen Traum
in Frage zu stellen
die nur aufzuwachen wünschen
während die Orgel
falsche Töne spielt
de nach Gott klingen, in einem Kornfeld
oder dem Prasseln der Maschinengewehre
sprudelnden Ölquellen
kichernder Korruption
Apple Pie & Chewing gum.

Während sie immer noch
zum vierten Juli
Raketen in den Himmel ballern

(eine kam herunter
in einem Funkenregen
Challenger
Ikarus
deine Flügel waren aus Wachs gemacht).

um ihre große Nation zu feiern
läppische zweihundert Jahre
hätten Rom zum Lachen gebracht
oder die Inkas
die ihren Reichtum
auf ein paar Maispflanzen gründeten
und daran zugrundegingen
Cornflakes Sugarpuffs Froot Loops
Twinkies und Houndogs
in jedem Supermarkt
endlose Maisfelder
die von seelenlosen Maschinen abgeerntet werden
große Heuschrecken aus Stahl.

Samstag, 10. November 2012

Stammestanz


Unter den nackten Fußsohlen
kleben Lehmbrocken
rieselt krumige Erde
kitzeln Grashalme

Lichter huschen durchs Geäst
Feen und Irrlichter
zu meinen tanzenden Schritten
um die Feuerkuhle
mit den anderen Kriegern
jeder von uns
bunte Farben im Gesicht
bewahren wir das Wissen
unserer Vorfahren.

Naturgeister
die zu unserem Tag gehören
wie ein paar geschliffene Hohlknochen
die uns Trost spenden
und Kühle an einem heißen Tag.

Mannbarkeitsrituale
wie das Niederringen eines wilden Tiers
oder die süße Frucht
aus dem höchsten Baum holen.

Und was für Mannbarkeitsrituale
habt ihr?

Einen Penner anzünden?
Eine Nutte bumsen?
Einen Eimer Sangria niedermachen?
Ein Smartphone rippen?
Einen nackten Hintern aus dem fahrenden Auto hängen?

Ihr habt die Geister
eurer Ahnen vergessen.