Mittwoch, 11. Januar 2012

Als Dichten noch was wert war


Auch ich bin ein Fan von Poetry Slams. Eine neue Generation erlebt Gedichte auf eine unbeschwerte Art, von der wir nur träumen konnten. Wer sich einmal durch einen Leistungskurs Deutsch gequält hat, der kann meine Pein verstehen. Das Schulsystem zwingt uns dazu, Texte solange zu zerpflügen und analysieren, bis nur noch Trümmer übrig sind.

Die neuen Gedichte, die bei der Jugend ankommen, sind leicht konsumierbar. Vielleicht zu leicht. Denn genau dadurch verkommen sie zu Wegwerfprodukten. Auch einen MP3 kann man schnell laden, aber auch schnell wieder löschen. Was aber ist hängengeblieben? Was, wenn die Texte nicht nur unterhalten sollen, sondern auch Stein des Anstoßes sein wollen? Mehr, als nur ein kurzweiliges Vergügen?

Es gab Zeiten, da haftete den Dichtern der Hauch des Verruchten an. Revoluzzer, die in ihrem Hinterzimmer wirre Notizen auf zerknittertes Papier brachten. Sie waren den Mächtigen ein Dorn im Auge. Sie mussten damit rechnen, verfolgt zu werden, des Landes verwiesen, oder ihre Werke auf dem Scheiterhaufen der Bücherverbrennung zu sehen. Biermann. Erich Kästner. Kurt Tucholsky. Mutige Männer, die ihre flammenden Worte Staat und Gesellschaft vorhielten wie einen Spiegel.

Ein Dichter muss mehr sein als nur ein Unterhaltungskünstler. Ein Vordenker, der den Menschen neue Wege weist. Sich im sicheren Schoß der Demokratie zu wiegen, ist gefährlich. Die Zeiten mögen sich schneller ändern, als einem lieb ist.

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