Donnerstag, 31. Mai 2012

Fass dich kurz



Manchmal ist in wenigen Worten alles gesagt. Kein langes Gefasel, ein Blick auf dein Shirt fasst dein Anliegen kurz & präzise zusammen.

Mittwoch, 30. Mai 2012

Verballert


Am Firmament noch
die glühenden Senglöcher von Zigaretten
liegt die Welt in Schatten
die von einer Laterne
bis zur nächsten reicht.

Das Messing des Kirchturms
schlägt nun
zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten
-verkauft!

So trage ich also
meine alkoholschwangere Seele
durch die Gassen
und irgendein Glatzkopf
der aus der lokalen
Schwulenkaschemme kommt
ruft mir irgendetwas mit
"Ficken?" hinterher
und ich täusche zum Schutz
ein stärkeres Torkeln vor.

Ist es meine Schuld
wenn er nichts fand
auf dem Fleischbasar?

Die Nacht ist einsam
und wird es bleiben.

Ein Credo
welches ich den Menschen
seit Jahren predige
aber wer hört schon auf mich?

Kann man denn
in dieser verballerten Stadt
nicht einfach
friedlich nach Hause wanken?

Dienstag, 29. Mai 2012

Klapsmühle


Manchmal frage ich mich, wovor einen die allseits gepriesene geistige Gesundheit denn bewahren soll. Meine Pfleger geben mir darauf keine Antwort, so oft ich auch frage. Es geht ihnen nicht wirklich darum, mir zu helfen. Aufzubewahren. Wie eine Reliquie, die man nicht ausstellen darf. 

Wer solche Gedichte schreibt, kann nicht normal sein. Darf es auch nicht. Denn der Geist muss flexibel bleiben, um die ganze Bühne auszuleuchten. Dinge zu sehen, die andere nicht wahrnehmen, macht einen nicht verrückt, sondern sensibel. Neun von zehn Stimmen können sich nicht irren.

Und wie normal sind die Gestalten auf der anderen Seite des Gitterglases? Oder bildete ich sie mir nur ein? Spielt meine Phantasie mir wieder einen üblen Streich? Sie schrecken an den Worten, die ihre eigenen dunklen Abgründe offenlegen. Ich bin ein Teil von euch!

Sonntag, 27. Mai 2012

Aus der Asche geboren


Mir ist
als wäre ich tausend Wassergläser
durch die der Beat
wie eine Messerschneide geht
zum vibrieren bringt.

Alles möchte ich kaputtschlagen
und mich an den Wunden lecken
wie ein Hund
bis zu einem einsamen Freudenpunkt.

In Rauch aufgehen sehen
was gewesen ist
und mich zerstörte
die lodernde Flamme
die mich zu Asche verbrennt

Phönix
geboren aus dem Feuer
fresse ich meine Asche
sie ist bitter wie mein Herz
was ich aus der Glut
zu retten versuche

und doch
habe ich nichts gelernt
fresse die bitteren Kohlenreste
und schimpfe sie köstlich.

HÜPFSPRINGMACH


Manchmal
wenn die Summe meiner Tage
nur aus
HÜPFSPRINGMACH
besteht
miete ich mir ein Zimmer
in einem billigen Motel
am anderen Ende der Stadt
wo die letzten Reste von Zivilisation
in den Betonrissen
der Parkbuchten verschwinden
bloss um dich
nicht sehen zu müssen.

Ich blättere in alten Zeitschriften
die frühere Gäste vergaßen
während sie Nutten bezahlten
Kokslinien auf dem Waschbecken zogen
oder Revolver durchluden
die nur eine Kugel enthielten.

An meiner Tür
hängt "Bitte nicht stören"
denn ich genieße die Stille
wenn mich niemand
durch meine Tage hetzt
um mir die Nächte abzuknöpfen.

Der Portier ruft an
er fragt mich
ober er mir
ein paar "Stuten" bestellen solle
doch ich lehne
dankend ab.

Samstag, 26. Mai 2012

Ausschnitt aus "Konstantin"


„Was für eine Sauerei.“
Kommissar Braugstetter klappte seinen Regenschirm zusammen. Hier unter der Brücke war er im Trockenen. Ein nutzloses Requisit, das er nun getrost zu den Akten legen konnte. Viel mehr war von dem Opfer auch nicht übrig geblieben. Seit fünfzehn Jahren war er bei der Hamburger Polizei tätig, aber so etwas hatte er noch nie gesehen. Ein weiteres graues Haar in seinem melierten Schopf. Innerlich hatte der Polizeidienst ihn abgestumpft. Äußerlich allerdings sah man ihm die Beschwerlichkeiten an. All die Leichen, die ihm unter die Augen gekommen waren. Die Verkehrsopfer. Grün- und blau geschlagene Frauen, deren Ehemänner lachend bei einem Bier am Küchentisch saßen, während die Polizei ihnen Fragen stellte. Einer, der schon alles gesehen hatte. Draußen regnete es in Strömen. Pfützen sammelten sich auf dem roten Sandweg, der die Uferpromenade säumte. Wie der Tuschkasten eines Malers, dem die Farben davonliefen.
„Wir sind fertig.“
„Dann schnappt euch ein paar Schaufeln und sammelt die Reste von dem armen Kerl ein.“
Er hatte mit Regener gesprochen. Regener war als Erstes am Tatort gewesen. Eine verstörte Joggerin hatte die Polizei gerufen. Kommissar Braugstetter schätzte an Regener dessen Gründlichkeit. Humor besaß er nicht. Nun sah er ihn, wie er am Rande des Tatorts stand und Fotos machte. Nur sein massiver Rücken war zu sehen. Regener gehörte zu jenen Hünen, die ihre Größe auch wirklich bewohnten. Sein selbstsicheres Auftreten hatte ihm eine solide Karriere bei der Hamburger Polizei geebnet, der Mangel an Gefühlsregungen aber einen weiteren Aufstieg als seine jetzige Position verhindert. Mit Toten konnte er besser als mit Menschen.
Die phänomenale Losung des Tages lautete, dass es keine Fingerabdrücke gab. Oder vielmehr das, was dem üblicherweise entsprach. Namenlos. Linienlos. Ohne Rückschlüsse auf das Fahndungsregister. Glatt wie eine Phyton, die sich aus ihrer Haut geschält hatte.
Er wollte dieses Schwein schnappen. Noch vor einer Stunde hatte er den Pizzadienst auf die Wache gerufen, nun würde er mit Sicherheit keinen Bissen runterkriegen. Die Opfer einer Polizistenseele: Achtlos weggeworfene Pizzakartons, mitsamt ihrem labbrigen Inhalt. Kommissar Braugstetter teilte nicht die Ansicht des Senats, der für verirrte Seelen wie diesen Alsterpenner kein Mitleid kannte. Ein jeder war seines Glückes Schmied. Es gab Obdachlosenasyle, wo man sich des Nachts aufwärmen konnte. Eine Kraftbrühe genießen und eine heiße Dusche. Warum war dieser Idiot nicht dort hingegangen?
„Streunende Hunde könnten das getan haben.“
„Vergleicht die Bissbreite. Das stammt von einem menschlichen Kiefer, hundert Pro.“
Streifenpolizist Sandocz wurde grün im Gesicht. Dies war seine erste Leiche. Letzten Monat war er Vater geworden. Eine Polizistenseele war eine schweigsame Seele, die viel in sich hineinfraß. Das würde er noch lernen. Friss oder stirb, so einfach war es.
„Chef, meinen Sie wirklich?“
Der Obdachlose, den sie unter einem Brückenpfeiler aufgelesen hatten, wies dutzende solcher Bissspuren auf. Wer auch immer das getan hatte, hatte ihm brockenweise das Fleisch vom Körper gerissen. Den Boden mit seinem Blut getränkt, als hätte ein grausames Kind einen Sylvesterböller mit einer Dose Tomatenpüree verbunden. Das Gesicht nicht mehr als eine blutige Masse, die Kommissar Braugstetter unangenehm an seine Pizza erinnerte. Sein Magen machte eine erneute Rolle, stimmte zur Übelkeits-Polka des Jahres an.
„Macht einen Abgleich mit den zahnmedizinischen Gutachten der praktizierenden Ärzte. Vielleicht finden wir das Schwein.“

*

Auf der Wache schrieb er seinen üblichen Bericht. Beamtenjargon. Aus grausam zugerichteten Mitbürgern wurden unidentifizierbare Leichen. Manchmal hasste er seinen Job. Dienstschluss bedeutete die Rückkehr in den Alltag. Sylvia würde sicher schon schlafen. Allein schritt er durch die graue Wohnung, die nun von den Schatten beherrscht wurde. Vorbei am Kinderzimmer, wo Thorsten bereits schlief. Wobei die Bezeichnung Kinderzimmer von der Zeit eingeholt wurde. Der Junge überragte ihn um einen halben Kopf, und war noch nicht ausgewachsen. Gerne hätte er sich in die Erziehung seines Sohns mehr eingebracht. Doch der Schichtbetrieb machte es ihm schier unmöglich. Zwischen Tür und Angel erschien er als Vaterfigur, ein jedes Mal erstaunt über die Entwicklung, die der Lütte durchmachte. Leider nicht immer die Beste. In letzter Zeit schien er ihm zunehmend zu entgleiten.
Normalerweise erzählte seine Frau ihm, was der Tag so gebracht hatte. Die Beschwernis, die Hausarbeit, die unzufriedenen Kunden an der Kasse in ihrem Teilzeitjob. In den wachen Momenten zwischen der Nachtschicht und dem Morgengrauen. Wenn er sie aus ihrem tiefen Schlaf riss. Aber war das ein Familienleben? Oder das, was er sich darunter vorgestellt hatte? In Fetzen gerissen wie einen jungen Hund?
Es würde lange dauern, bis er Schlaf fand. Dieses Mal schlief seine Frau vor ihm ein. Wortlos schmiegte er sich an ihre Seite.

*

An anderer Stelle in der Stadt ging ein anderes Wesen zu Bett. Die Nacht war zu Ende, und damit sein Tag. Einer von Vielen. Die Ewigkeit. Nur das Quartier wechselte. Seit einiger Zeit war es ein Abbruchhaus in Altona. Eingeschlagene Fenster. Bröcklige Ziegelmauern, die Seele aus dem Leib geschlagen. Rotbrauner Staub zu seinen Füßen, der an den Schuhsohlen nicht zu haften vermochte. Ihm war es egal. Er war immun gegen alles Vergängliche. An den Wänden Grafitti unbekannter Sprayer, zumeist Jugendliche. Einmal hatte er Einen von ihnen geschnappt, und ihm die Innereien nach Außen gekehrt. Er erinnerte sich, wie köstlich sein Blut geschmeckt hatte. Die erste Rebe, die erste Ernte. Ein Winzer hätte ihn verstanden. Junges Blut besaß einen spritzigen Eigengeschmack, einzigartig in der Welt. Und doch eine Vergeudung. Er war gestorben, weil Konstantin Hunger hatte; weil er sein Heim bedrohte. Wenn er in seiner Kellergruft aufwachte und an die Oberfläche ging, räumte er ihre Hinterlassenschaften weg. Leere Bierflaschen und gebrauchte Kondome. Die Jugend des Lebens feierte ihre prunkvollen Feste... während der Herbst des Lebens dem Mondlicht seinen Tribut zollte.
Der Wind heulte durch die hohlen Gänge, verwirbelte den Staub von Jahrzehnten. Konstantin spürte weder Hitze noch Kälte. Ratten krochen träge über den Schutt. Auch dieses Haus war dem Tode geweiht. Er würde es verlassen, wenn der letzte Balken nicht mehr trug. Wesen wie er brauchten weder Strom noch Licht. Die Nacht barg ihre klaren Umrisse.

Donnerstag, 24. Mai 2012

Ohne Worte


Wenn ein Wort fehlt
zur falschen Stunde
gesellt es sich zu den anderen
die in früheren Stunden fehlten
geht zu Boden
wie Laub im Herbst.

Was mich bekümmerte
kümmert mich nun
nicht mehr.

Mit ungewohnter Lässigkeit
nehme ich
die Hände vom Steuer
soll doch alles
vor die Hunde gehen.

Dienstag, 22. Mai 2012

Scheideweg


Ich werd zum Gesamtkunstwerk, aber die Wehen tun verdammt weh. Noch ecke ich überall an, weil mein neues Ich nicht in die alten Löcher passen mag. Aber Löcher haben die Angewohnheit, sich jeder neuen Lage anzupassen. Marylin Manson & Lady Gaga haben gezeigt, was es heisst, ein Kunstwerk zu sein. Ihr Weg kann nicht der meine sein. Wer seinen eigenen Weg schreitet, der darf Andere nicht kopieren.

Ich bin nicht mehr der verschrobene Typ, der ein paar Gedichte schreibt. Poet zu sein ist eine Lebenseinstellung. Meine Sicht der Welt hat sich immer schon von der meiner Mitmenschen unterschieden. Dies ist kein Makel, sondern eine Vision. Verstehst du, was es heisst, seinen Traum zu leben, in all seiner Konsequenz?

Ich lebe den Künstler, die Welten verschwimmen. Ich verschmelze mit der Kunstfigur. Glücklich, frei, verbunden. Wie die Endszene in Terminator II. Glühendes Metall, glühende Worte!

Sonntag, 20. Mai 2012

Kein Stich


Pornofilme langweilen mich
doch Bewunderung findet
der Ehrgeiz mancher Produzenten
die mühsam
eine Handlung aufbauen
wo jeder
das Ende kennt.

Wie wäre es mal
mit einem offenen Ausgang?

Man stelle sich vor:
statt zu ficken
gingen am Ende alle
ein Erdbeereis essen
und die Brüllaffen
blieben dort
wo sie hingehören
nämlich in den Zoo.

Samstag, 19. Mai 2012

Das Shirt für Mitläufer

...oder solche, die es nicht mehr sein wollen. Wenn ihr es satt habt, als Melkkuh für Brüsseler Bürokraten herzuhalten, dann zeigt ihnen, was sie uns können!

Freitag, 18. Mai 2012

Nachwuchs


Schatz
der Staat erwartet es von uns
kein Grund zu seufzen
entspanne die Muskeln
die deine Schenkel
beieinander halten
die Familienministerin hat's befohlen.

Zur Not kannst du
an die Rentenkasse denken
der wir doch nur
einen Gefallen tun
stramme Soldaten im Arbeitsheer
deren Eltern
wir sein könnten.

Klingt es nicht verlockend für dich
wächst nicht die Begierde
weiter in der Tretmühle zu traben
und dem Landesfürsten
einen Erbhalter zu zeugen
der auf den Feldern
seinen Fron leistet
damit die feinen Herren
sich die Weintrauben
in den Mund zählen lassen?

Kinder zeigen uns die Zukunft auf
denn ihr Mund
tut Weisheit kund
oder nur das feuchte Grab
welches sie uns schaufeln.

Mittwoch, 16. Mai 2012

Ausschnitt aus "Herzglut"



In deinen Armen

Wer als Erstes aufsteht
versucht es zittrig.

Keine Chance.
Ich will dich
nicht loslassen
nicht rausmüssen
über den unwirtlichen Teppichboden
ich könnte
ewig so liegenbleiben
Geborgenheit in deinen Armen.

Wozu
nach draußen gehen
um die Sterne zu zählen
wenn der Himmel
hier beginnt?

Dienstag, 15. Mai 2012

Früher war alles besser


Hier wohnt niemand. In diesem Leib haust eine Seele wie eine Horde wilder Vandalen. Beschmiert die Wände mit Grafitti wie die Runen einer Sekte, die zu den Nachttieren betet. Der Spiegel mag mir die Frage nicht beantworten, wie alt ich wirklich bin. Manchmal erinnere ich mich an Freudenfeuer und einen Umhang aus Fell über der Schulter. Reale Erinnerungen aus frühen Leben, wo Menschenopfer noch was galten. 

In Würde zu altern ist etwas für Leute, die jeden Samstag den Wagen waschen und ihre angespitzten Bleistifte in einer exakten Reihe anordnen. Wie ihre Häuser. Wie ihre Kinder. Wie ihr Leben.

Kinder haben Vorteile im Leben, die Erwachsene nicht mehr kennen. Sie können sich frei ihren Gedanken und Launen hingeben. Kennen keinen Ernst und keine Verantwortung. Warum bringt uns die Gesellschaft dazu, diese Einstellung sausen zu lassen? Müssten wir sie nicht für die Leichtigkeit bewundern, die uns abgeht? Darf ich nicht tragen, was mein Herz mir sagt und nicht mein Alter? Darf ich nicht für immer sechzehn sein, laut und bunt wie eine Cartoon-Matinée?

Die Verbitterung eines alten Mannes und die verspielte Seele eines Kindes. Das bin ich wohl. 

Herzlichst, Dirty Dichter

Sonntag, 13. Mai 2012

Angola Prison


Man glaubt kaum
wie human die Ewigkeit sein kann
wenn man nicht selbst
hinter Mauern gelandet ist
die Jahre vor sich
dieser Berg
der weder durch Schuld
noch durch Leben abzutragen ist
selbst die Toten sind nicht frei
sie werden
hinter der Küche verscharrt
wie Hühnerknochen
die die armen Hunde
nicht fressen wollten.

Ausgebrochen
& auf der Flucht
resozialisiert auf eigene Faust
mit Frau und Kind
zurück ins Loch
einmal Mörder immer Mörder
so einer wie der
passt nicht in die Gesellschaft.

Gladiatorenkämpfe
zur Belustigung der Zivilbevölkerung
die ihre Waffen
am Eingang abgeben
die Saat
der nächsten Verbrecher
bereits gesät.

Die sich
alle Knochen brechen beim Rodeo
für einen kurzen Moment
des Glücks
wenn die Menge jubelt
als wären sie Helden
als gehörten sie dazu

und wären keine Zirkusbären
denen man einen Ring
durch die Nase trieb.

Freitag, 11. Mai 2012

Humpty Dumpty


Humpty Dumpty saß auf einer Mauer
und wirf ihn runter
er wird nicht mehr
als Scherben sein
der Mann der großen Worte
die er salbungsvoll streute
einst
in den Tagen
als das Volk ihn
anbetete ohne Ahnung
in welches Unheil
er sie noch stürzen würde.

Siehst du
die Linien nicht
der fragile Stoff
aus dem er geflickt ist
wie die Narben
eines bettlägerigen Patienten
durchziehen sie ihn
Bruchstein
geboren
um in Stücke gehauen zu werden.

Nenn ihn Monti
nenn ihn Venizuelas
nenn ihn Rajoy
nenn ihn Hollande
nenn ihn Merkel

nenn ihn Goldman
nenn ihn Sachs

frage dich
wie weit die Macht der Erwählten reicht
als die Hundeleine
der Bankster.

Schlingpflanzen


Mit jedem Tag
den du fristest
vedichtest du
dein Statement
im gleichen Zug
wie meine Wut
dass es sinnlos ist
mit dir darüber zu reden.

Nicht eine Sekunde
wo ich
ich sein könnte
wie Schlingpflanzen
rankst du mir den Hals zu.

Und ich verschanze mich
balle alle Glieder
wie eine gespannte Faust
bemühe mich
um eine liebevolle Mäßigung
die zu deinen Gunsten ausfällt
doch du

bist immer noch da
und ich weiß
ich sollte dich lieben
wo ich dich
vor Hass
in zwei Hälften
teilen möchte.

Mittwoch, 9. Mai 2012

Ausschnitt aus "Abschusszeugnis"


Achims Maske begann zu bröckeln. Wie eine schlecht gefertigte Tonglasur zeigte sie R|i|s|s|e an den Rändern, wo sie auf seinem Gesicht saß. Der Alltags{:Achim, der war nur auf//gesetzt. Er konnte kaum sagen, was es war. Offensichtlich wollte sein Vater ihn ein wenig aufheitern. Als ahnte er, dass auf der Klassenfahrt etwas fundamental schiefgegangen war. Achim hatte sich unerwartet schroff darüber ausgeschwiegen. Das wäre ja nichts Neues gewesen. Dieses Mal aber schien die Stille lauter zu sein. Klaus Schneider nahm seinen Sohn mit in den Schützenverein. Bisher hatte das seine Laune immer aufgebessert. Und wirklich, in den Augen seines Sohnes tauchte ein F*u*n*k*e*l*n auf, wie es nur Freude ausdrücken konnte.
Achim hatte Mühe, sich selbst wahrzunehmen. Wie sollte er da die Eindrücke im Vereinshaus auf seiner |internen Liste| abhaken? Die bierseligen Gesichter der Alteingesessenen, die ihm zuwider waren. Jungen in seinem Alter gab es kaum. Einmal war ihm der picklige Jonas über den Weg gelaufen, Sohn des Apothekers im Einkaufszentrum. Nicht, dass er ihm sympathisch gewesen wäre. Die altgediente Faustregel, dass Außenseiter sich untereinander ver{bünden, da sie ja nichts gegen die Welt haben als sich=selbst, konnte hier keinen Fuß fassen. Jonas war mehr der Seiten//scheitel=!Typus, wie er in solch jungen Jahren selten anzutreffen ist. Brav, kariert & stapelbar. Waschbar bis 90 Grad ohne auszubluten. Der brave, angepasste Sohn. Achim konnte ihm nur peripher in seiner Lebensweise zustimmen. Seine Anpassung war die äußere {Hülle}, die er ihnen zu zeigen wagte. In Jonas Fall ging es der Materie tiefer an die Wurzel. Jonas war wirklich bis in seine Grundfesten so gewöhnlich & angepasst. Achim empfand tiefe Abscheu für ihn.
Er stellte seine Cola auf dem schmalen Grat aus s[p[l[i[t[t[e[r[n[d[e[m Resopal ab, der die Fensterfront zur Schießanlage zierte. Sein Vater konnte ihn nicht mehr hören; seine Ohren steckten tief im Schaumstoff der schalldämpfenden Kopfschützern.
Vor seinen Augen verschwamm die Zielscheibe, verfestigte sich, wurde wieder unscharf. (Die (roten (Kreise breiteten sich im gleichen Maß mit seinen Kopfschmerzen aus, nahmen den ganzen Raum seines Sichtfelds ein. Er musste blinzeln, um wieder klare Sicht zu gewinnen. Als er die Augen öffnete, blickte er in das selbstgefällige Gesicht von Andrej. Das Schwein, was seine zentrale Demütigung erst organisiert hatte. Ohne lange nachzudenken, legte Achim die Pistole an, und feuerte in die verhasste=Visage. Andrejs Gesicht zerfloss wie Eiskrem in der Sonne, verwandelte sich in Kai, der ihn festgehalten hatte. Dann zu Cindy, die ihn ausgelacht hatte. Nun vollkommen in Panik, schoss er blindlings auf die Gesichter ein, die ihn verfolgten. Noch im Tode verhöhnten sie ihn, zerflossen vor seinen Kugeln, als wollten sie seinem Zugriff entfliehen. Nur weiter so, die Masken ab. Dann der Schreck, als er in seine eigenen trüben Augen blickte. Nur mit Mühe unterdrückte er einen Aufschrei. Ballerte eine Fratze nach der anderen ab, bis nur noch ein leeres[ ]Klicken kam. Es dauerte einen Moment, bis er begriff: Sein Magazin war leer.
„Alles in Ordnung mit dir?“
„Entschuldigung. Ich habe mich da wohl in etwas hinein:=gesteigert.“
„Geht mir manchmal auch so. Vielleicht sollten wir mal zur Fuchsjagd gehen?“
„Gerne.“
„Du warst treffsicherer denn je. Hast du über die Schulter gezielt?“
„Nein. Direkt über die Hand. Ich habe nicht wirklich hingesehen.“
„Beachtlich, beachtlich.“
Achim hielt die Spannung. Seiner Haut, die wie Pergament über den Knochen hing. Hielt sie auf gleicher Höhe mit der Welt. Metrisierte bereits wieder seine Wut, die ihn z;i;t;t;e;r;n gemacht hatte. Wahre |Betonblöcke| press!ten unermüdlich die Luft aus seinen Lungen, zerrieben seine nichtige Existenz zu Staub. Nichts von alledem ließ er sich anmerken.
„Ich geh mal kurz aufs Klo.“
Kaum war die Kabinentür krach!end ins=Schloss gefallen, brach das Schluchzen aus ihm heraus wie eine Naturgewalt. Kein Laut drang über seine Lippen. Er, der es gelernt hatte, seinen Kummer lautlos |in sich| zu behalten. Wie einen Niesreflex, bei dem man sich nicht zu schneuzen traut. Wie bei einem Juckreiz, wo man seine Hände bei sich behält. Weil es sich nicht schickte. Weil die ganze festliche Gesellschaft einen ausschloss, sobald man Gefühle zeigte. Seine Seele als der stachel{bewehrte Handschuh, den er nach innen stülpte. Die eiserne Jungfrau war in jeglicher Hinsicht eine bittere Erfahrung.
Bevor er die piefige Toilette verließ, die im Stil der späten Siebziger trostlos-braun ausgekachelt war, unterzog er sein Gesicht im fleckigen Spiegel einer strengen Untersuchung. Schüttete eine Handvoll kaltes Wasser in die Augen, und frottierte sich mit einem rauen Papierhandtuch. Rieb solange, bis die graue Haut wieder eine rosige Frische angenommen hatte. Von seinen Tränen blieben nicht einmal die salzigen Reste. Sammeln, durchatmen. Mit der Geste eines Dirigenten, der sein Orchester zu Ruhe bringt, strich er seine Haare glatt. Das Lächeln eines Schauspielers, er konnte stolz auf sich sein.

Dienstag, 8. Mai 2012

Industrial Beat


Irgendwann stand die Entscheidung fest: Ich ziehe die Scheiße jetzt durch, egal wie die Konsequenzen auch sein mögen. Künstler zu sein heißt eben auch, auf Menschen zuzugehen. Ihnen deine Mission zu erklären. Einstehen für die Dinge, an die man glaubt, und nicht feige den Schwanz einzuziehen. 

Nicht zu zucken, wenn sie die Augenbrauen hochziehen. Wenn du mit Kamera und Stativ in die Welt ziehst. Das Foto ist eine Verkleidung. Bei Anderen das ganze Leben. Ich wähle eine neue Blende: Ich blende sie aus. Die zum Kauz abstempeln, was sie nicht verstehen. Ihr Mißtrauen über diese seltsame Gestalt, die schnuppernd wie ein Neugeborenes die dunklen Gassen durchstreift. 

Es bleibt mir ja nichts anderes übrig, als offen das Gespräch mit den Blockwarten zu suchen. Die mir sonst entweder die Bullen, oder aber die Herren mit der weißen Jacke auf den Hals hetzen würden!

Fotografie ist zum organischen Bestandteil des Blogs geworden. Geplant war das nie, aber manchmal schlage ich Haken und überrumple sogar mich selbst.

Montag, 7. Mai 2012

Diabetiker rechnen in Broteinheiten

...Alkoholiker auch!

Umgluckt


Kein freier Gedanke
den du mir nicht
schon ausformuliert hättest
kein Tag vergeht
nicht ein einziger
in meiner Vorkammer zur Hölle
ohne dass du
die gute Hausfrau spieltest
mir die Einkaufsliste simst
und wenn ich heimkehre
so liegen die Müllsäcke vor der Tür
anklagend
dass ich sie in den Hof trage.

Keine Minute
wo ich still am Web säße
ohne aufzuspringen
weil es dich
nach einer Tasse Tee gelüstet.

Keinen Moment mehr
der nur mir gehörte
umgluckt
geklammert & getaped
wie ein Siechkranker
an deiner Liebenswürdigkeit.

Keinen Moment der Stille
einer Stille
wie nur ich sie kenne
und genießen kann
nur ich allein
mit meinen Gedanken
der wilde Wolf
röhrend, in der Steppe.

Olle Zippe
mach's Licht aus!

Denn die Dunkelheit
gehört mir ganz allein
nie würde ich sie
mit dir teilen wollen.

Sonntag, 6. Mai 2012

Kultschlüpper

Mädels, hier kommt was für euch. Selbst wenn ihr fast nackt seid, habt ihr mit dieser Unterbüchse noch das letzte Wort!

Samstag, 5. Mai 2012

Lieber Schweinepriester


...als gar keine Religion!

Nachtgebet


Die Hölle ist ein Raum, wo es nach Bettfürzen riecht und erkaltetem Marihuanadunst. Wo die Gluthitze eines unbarmherzigen Sommers durch die Lamellen kriecht, die nur Sehschlitze sind für das wütende Auge Gottes. Auf einen Windhauch zu hoffen, der nie kommt. Davon unbewegt kräuseln sich die Staubschichten um Gottes Fingerzeig, doch ich bleibe taub für seine Eingebungen. Ich habe mich unter die Bettdecke verkrochen, weil mich die Schattenkönige ängstigen, die unter den Tischen tanzen. Einst trug ich selbst eine Krone und war einer von ihnen. Seit sie mich verstoßen haben, fürchte ich mich vor dem Herdfeuer ihrer Augen.

Zwischen den Lamellen lodert ein Feuer, welches mich verzehrt, Abend um Abend. Erscheinen mir die harten Silhouetten wirklicher als die Realität. Zucke ich zusammen unter den harten Kolbenschlägen der Schreie, die wie Blitze hinabschießen. Der Donner sind die Möbel im Haus, die der Verdammnis entgegenrücken. Vertrautes tauscht seinen Platz mit den Geheimnissen der Nacht, und ich fresse meine Fingernägel. Blutrote Halbmonde, die einem Kaninchen gleichen, das im Stall verhungert. Am Ende fressen wir uns alle selber auf. So läuft der Hase, und ist schon immer gelaufen. Ich spüre es in ihrer Stimmlage, lange noch bevor sie meinen Namen aus der Tonne ziehen.

Kabinenausgleich, der Druck in meinen Ohren löst sich mit einem lauten !PLOPP. Katzen, die sich auf der Müllhalde balgen. Um die Reste meiner verstreuten Innereien. Zusammen mit Mutter Mond und Gevatter Tod. Schließt das Nachtgebet mir die Augen zu wie einem müdem Kinde.

Donnerstag, 3. Mai 2012

Poppendes Perpetuum


Mann
ich liebe die alten Zeiten
wo man sich einen Pornofilm
in der Videothek auslieh
und seinen Nachbarn
in die Augen sehen musste.

Heute holen sie sich den Dreck
übers Internet
müssen keinem in die Augen sehen
oder verschämt
in die Kabine eilen
wenn sie ihre alte Gurke quetschen.

Zu
Zwergen & Klistieren
Mädchen
die sich eine Kaffeetasse teilen
und das braune Hörnchen
ist kein Softeis
Idioten
die sich von Pferden
pfählen lassen
Kinder in engen Badesachen
Mutti macht's am Besten
wenn du große Windeln trägst.

Auf der Straße
sehe ich in ihre Augen
doch niemand ist zu trauen
der einen
Highspeedanschluss hat.

Mittwoch, 2. Mai 2012

Fremdes Gemüse


Nein, es handelt sich nicht um einen Außerirdischen vom Planeten Pustel. Sondern um ein Gewächs, an dem die Meisten achtlos vorbeigehen. 

Heissen wir also den verpeilten Cousin des Blumenkohls in unserer Küche willkommen. Lasst euch nicht von seinem bizarren Aussehen abschrecken, welches Erinnerungen an den letzten schlechten LSD-Trip wachruft. Aber dieser Trip findet auf euren Geschmacksnerven statt!

Der Romanesko ist ein Kohl wie jeder andere auch, und kann auf die gleiche Art und Weise zubereitet werden wie seine Verwandten. Dabei ist er wesentlich aromatischer. Viel von euch würden sich kaum trauen, diesen munteren Gesell in den Kochtopf zu werfen. Aber es lohnt sich.

Am besten macht ihr Rahmgemüse; mit einer grob geschnittenen Zwiebel gemütlich schmoren lassen, und dann am Ende einen ganzen Becher Creme fraîche unterheben... Und ich wunder mich noch, woher mein Hüftgold kommt!

Dienstag, 1. Mai 2012

Entschleunigt


Wer sich in meinem Bücherregal umsieht, dürfte sich wundern. Hunderte analoger Bücher, die man nicht scrollen kann. Die nach Staub riechen und nach Alter. Aus einer großen Karaffe gieße ich Eistee in ein Glas, wo schon die Eiswürfel munter klingen. Mache es mir draußen auf der Veranda gemütlich.

Ich mag ein Traditionalist sein, doch ich stemme mich nicht gegen die Moderne. Alle Bücher, die ich als Autor in die Welt gesetzt habe, sind sowohl aus E-Book, als auch als "normales" Buch erhältlich. Meine Leser sollten ihre Wahl selbst treffen können.

Ich liebe es, meinen Finger anzufeuchten und die Seite umzublättern. Ich liebe es, alte Postkarten als Lesezeichen zwischen die Seiten zu klemmen. Ich liebe es, zwischen den Bücherregalen im Arbeitszimmer zu schlendern, oder einfach im Clubsessel zu verweilen. 

Kurzum- ich werde mir so schnell wohl keinen E-Reader anschaffen. Ich glaube an die Bücher, mit denen ich aufgewachsen bin.