Dienstag, 15. Mai 2012

Früher war alles besser


Hier wohnt niemand. In diesem Leib haust eine Seele wie eine Horde wilder Vandalen. Beschmiert die Wände mit Grafitti wie die Runen einer Sekte, die zu den Nachttieren betet. Der Spiegel mag mir die Frage nicht beantworten, wie alt ich wirklich bin. Manchmal erinnere ich mich an Freudenfeuer und einen Umhang aus Fell über der Schulter. Reale Erinnerungen aus frühen Leben, wo Menschenopfer noch was galten. 

In Würde zu altern ist etwas für Leute, die jeden Samstag den Wagen waschen und ihre angespitzten Bleistifte in einer exakten Reihe anordnen. Wie ihre Häuser. Wie ihre Kinder. Wie ihr Leben.

Kinder haben Vorteile im Leben, die Erwachsene nicht mehr kennen. Sie können sich frei ihren Gedanken und Launen hingeben. Kennen keinen Ernst und keine Verantwortung. Warum bringt uns die Gesellschaft dazu, diese Einstellung sausen zu lassen? Müssten wir sie nicht für die Leichtigkeit bewundern, die uns abgeht? Darf ich nicht tragen, was mein Herz mir sagt und nicht mein Alter? Darf ich nicht für immer sechzehn sein, laut und bunt wie eine Cartoon-Matinée?

Die Verbitterung eines alten Mannes und die verspielte Seele eines Kindes. Das bin ich wohl. 

Herzlichst, Dirty Dichter

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