Sonntag, 8. Juli 2012

Christoffer II



Die Geister die ich rief, ich wurde sie nicht mehr los. Auch wenn er im Gefängnis war, so dachte ich doch an ihn. Wie an einen fernen Verwandten, der zu Unrecht einsitzt. Nie hätte ich es gewagt, ihn dort zu besuchen. Am Ende war er es, der an mich dachte.

Ich wachte an meinem eigenen Schrei auf, zu einem zitterndern Häufchen Elend auf dem Teppich zusammengerollt. Jemand hatte mich durch einen dunklen Wald verfolgt. Sein Gesicht konnte ich nicht erkennen, nur das silberne Blitzen seiner Messerklinge. Im gleichen Atemzug breitete sich eine tödliche Gewissheit in meiner Brust aus: Er ist zurück!

Kaum ein Mensch außer mir konnte erahnen, was das bedeutete. Und ich sah mehr: Wie er aus dem Gefängnis ausbrach, um seine Blutschneise fortzusetzen. Das Band zwischen uns beiden war wieder da, und immer wieder blitzten Bilder auf, die nicht aus meinem Gedächtnis stammten. Bilder seiner Flucht. Ich spannte eine neue Seite ein, und bemühte mich, mit ihm Schritt zu halten. Ich konnte es mir nicht erlauben, seine Fährte zu verlieren. Denn in gewisser Weise war ich für ihn verantwortlich.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen