Mittwoch, 29. August 2012

Hinter den Kulissen


Wenn die Nacht sich senkt
hänge ich mein Clownskostüm
über die Stuhllehne
und schenke mir
zwei fingerbreit ein
oder auch drei
die Hand kennt die Übung
die Hand zittert nicht
sie weiss was sie will
im Gegensatz zu mir.

Es hilft nicht
dem Publikum die Schuld zu geben
dass ich mich
wie ein Bär
durch die Manege ziehen ließ
den Nasenring
habe ich mir freiwillig angezogen.

Requisiten haben sich
zu stinkenden Bergen aufgetürmt
Müllhalden
aus denen der Wahnsinn gärt
wie Verwesung
stundenlang jage ich Fliegenstürme
wie auch die kleine Wolke
die sich immer nur
über mir ausregnet
sie folgt mir
auch in die Straßenbahn.

Je freier die Gemeinde


...desto befangener der Pastor!

Dienstag, 28. August 2012

Körpersumpf


Ich drohte zu versinken
im Sumpf der Körper
oder einfach nur
ein Loch zu finden
durch das ich
endgültig fliehen konnte
meine Hand versuchte
Inschriften
in die glatten Wände zu ritzen
um etwas zu hinterlassen
was ich in den Körpern
nicht fand
ein Hilferuf
der klang
wie ein wütender Orgasmus.

Ich hatte aufgehört
zu existieren
ich atmete
durch fremde Membranen
wie ein Fisch unter Wasser
ich atmete meine Welt
gefiltert durch fremde Häute.

Ich bumste mich
durch die Landschaft
bis ich mir
vor lauter Abnutzung
einen Abszess
an der Nudel zuzog
und der Arzt mir sagte
ich solle in nächster Zeit
beim Sex kürzertreten.

Dieser Narr!

Genausogut
hätte er von einem Alkoholiker verlangen können
der Flasche abzuschwören!

Doch dann
kamst du.

Montag, 27. August 2012

Implosion


Ein Dichter war ich einst gewesen, mehr nicht. Dann kamen die Romane, und ich wurde zum Schriftsteller. Ich begann, meine Manuskripte an Verlage zu senden, und ich wurde zu meiner eigenen kleinen PR-Abteilung. Noch im Rennen eignete ich mir den Posten des Lektors an.

Ich merkte, dass die Zukunft im Internet liegt. Also wurde ich zum Webprogrammierer, wälzte Stapel um Stapel dicker Bücher, bis mir der Schädel rauchte. Suchte fluchend nach Lösungen, wenn ein Code einmal nicht das gewünschte Ergebnis lieferte. Vergaß notwendigen Schlaf und hilfreiche Freunde, die es nur gut mit mir meinten. Jeder andere hätte eine Agentur beauftragt. Doch mich trieb der Wunsch, die Struktur meiner Homepage zu verstehen, ohne mich von anderen Menschen abhängig machen zu müssen. Jederzeit selbst ins Geschehen eingreifen zu können.

Zwischendurch wurde ein Blogger aus mir. Ich konnte auf die Techniken zurückgreifen, die ich mir beim Programmieren angeeignet hatte. Mit den Homestory-Postings entdeckte ich meinen speziellen Blickwinkel der Fotografie für mich. Leidlich zu erwähnen, wieviele Fachbücher ich mir daraufhin reinzog. 

Seit ich denken kann, bin ich ein Autodidakt gewesen. Ich eignete mir Kenntnisse nicht immer an, weil ich lernbegierig war, sondern oft auch aus der blanken Notwendigkeit der Situation. Wenn ich zurückblicke, frage ich mich, was ich mir im Laufe der Jahre alles aufgehalst habe. Ein Ende ist für mich nicht abzusehen.

Samstag, 25. August 2012

Frisch aus dem Wald


Beim Heidelbeeren ernten bekam ich erstmals Respekt vor dem Supermarkt. So eine Schale vollzubekommen ist eine Sauarbeit. Dafür aber kam ich mal wieder raus in den Wald.

Ungläubig rieb ich die Augen. So klein? Aber die Blaubeeren im Supermarkt sind doch viel größer! Ja, unbestritten. Weil sie keine Freiheit kennen. Weil sie in der Zucht zu schnellem Wachstum genötigt werden. In der freien Natur sind sie kleiner, aber aromatischer.

Scheißt der Fuchs in den Wald? Aber klar doch! Deswegen rate ich dringend dazu, die Beeren zu waschen, bevor ihr sie genießt.

Mittwoch, 22. August 2012

Himbeermeer


Kinderaugen
Knopfaugen
kalte Kanoniersaugen
blicken über die Ranken
wie ein rostiges Periskop
immer auf Tauchfahrt

vor dem Feind
der sich das unschuldige Lächeln
kleiner Kinder angezogen hat
wie eine zweite Haut
die mehr schlecht als recht passt
und an den Mundwinkeln
aufplatzt
und faules Fleisch präsentiert.

Sollen sie sich
einen anderen suchen
dem sie die Dornen
ins Fleisch jagen können
kleine Ärzte in schmutzigen Kitteln
die ohne Betäubung arbeiten

ich will ihre
blutüberströmten Gesichter sehen
wenn sie
einmal nur
für ihre elendigen Sünden
geradestehen müssten.

Dienstag, 21. August 2012

Kämpferherz


Diesen Krieg habe ich nie gewollt! Ihr seid es, die mich dazu getrieben habt. Eine kranke Gesellschaft gebiert genau den Wortkrieger, den sie verdient. Ausruhen wollte ich mich. War müde von der Schlacht, die in meinem Kopf tobte. Doch die Welt um mich herum hatte sich verändert. Nie würde ich wieder hineinpassen in die klaffende Wunde, die ihr daraus gemacht habt.

Die Patronengurte schwer beladen auf der Schulter mit Worthülsen, die beim Aufschlag ein tiefes Loch in dein Weltbild reißen. Ich habe ich mich in die Wälder zurückgezogen, von einer Horde Bluthunde gejagt. Ich werde es mit ihnen aufnehmen, Wort für Wort. Für die Freiheit der Verse kämpfen!

Sonntag, 19. August 2012

Das falsche Blut



Aufschlagen:

Fensterläden
Morgenzeitung
(die Aktienkurse, nach dem freien Fall).

Der Frosch
wird langsam gekocht
damit er nicht
aus dem Kochtopf springt!

Manchmal scheint es
als wäre noch
viel zu wenig Blut geflossen
weil es immer
das der Falschen ist
was ins Kopfsteinpflaster sickert
dafür werden sie
in die Geschichte eingehen
als Märtyrer
wie Benno Ohnesorg
oder Rudi Dutschke

während sich die Bonzen
im Politbüro verstecken
hinter Mauern
aus Stahlbeton und billigen Lügen
Lügen
bei denen nicht einmal
die Kinder mehr klatschen
im Kasperletheater

während es
den feinen Herren dämmert
dass die Knüppelreihen
der Palastgarde
mürrisch zum Fenster hochschielen
als wäre es nur
ein Katzensprung
oder ein luftiger Moment
um seinem Herzen
einen Ruck zu geben
sich umzudrehen
und mit dem Volk zu marschieren

und endlich zu wissen
wofür man
den Knüppel schwingt!

Samstag, 18. August 2012

Autor Thomas Reich: „Ich will verstören und anecken”

Thomas Reich lebt in zwei Welten. Ein bürgerliches Rädchen im Getriebe der Gesellschaft und gleichzeitig der Dorn in ihrem Fleisch. Angefangen hat er als Schriftsteller, wobei die Nachtstunden ihm die Sätze seiner Schreibmaschine lieferten. Unglaubliche 19 Bücher haben sich bislang auf seiner Homepage angesammelt. Die meisten kennen ihn eher als den Dichter mit der frechen Schnauze, seit er sich dem Bloggen verschrieben hat.

Heute ist er ein Kunstwerk mit vielen Facetten: Als umstrittener Literat, Dirty Young Man der Dichtung, und mit einer Kamera bewaffnetes Enfant terrible der Innenstädte.

In "Babylons letzter Wächter" beschäftigst du dich mit dem Glauben und der Verderbtheit der Menschen. Der Gutmensch muss trotz seines heftigen Widerstandes am Ende resignieren. Eine sehr dunkle Zukunftsvision. Wird das Böse am Ende immer gewinnen?

Der Wächter traf am Ende eine Entscheidung, die ihm seine Freiheit wiedergab. Für mich ist das keine Resignation. Er hatte Ideale, für die er kämpfte. Und kommt es nicht gerade darauf an? Das macht ihn für mich zu keinem Gutmenschen. Denn die nehmen alles geduldig wie die Ochsen hin, anstatt selbst zu denken. Common Sense, ad Absurdum geführt.

In Babylon errichten nicht fundamentalistische Religiöse einen totalitären Gottesstaat, sondern profitgierige Konzerne, die stilecht im höchsten Turm von Babylon residieren. Wie bist du auf dieses Thema gekommen?

Ich hatte das Bild von einem Mann im Kopf, der in einer sterilen, weißen Zelle erwacht. Wie war er da hineingekommen? Wer war er? Weder ich noch er wussten es. Ich versenkte mich in seine Augen, versuchte mehr über diese unwirtliche Umgebung herauszufinden. Als mir klar wurde, wer er ist, lief es mir kalt den Rücken hinunter. Er hatte eine schwere Aufgabe vor sich, und ich wollte ihm wenigstens seine Würde lassen. Ich hoffe, das ist mir gelungen.

Aber mal ehrlich: Wie würde man heutzutage eine Religion aus dem Boden stampfen? Die Kirche hatte es über Jahrtausende verstanden, Glauben als Machtinstrument auszunutzen. Das alles mit dem Bild eines Zimmermannssohnes, der lange tot ist. Es wurden Kreuzzüge unter dem Vorwand des Glaubens betrieben, um fremde Territorien zu kolonialisieren.
Heute gehört die Macht den Großkonzernen. Und würden sie einen religiösen Kult ausnutzen, um die Menschen zu knechten? Ich denke, darauf gibt mein Buch Antwort.


Dein Blog „Dirty Dichter" steht unter dem Motto „Rockstars verwüsten Hotelzimmer. Dichter das Ansehen der Gesellschaft". Was bedeutet dieser Satz für dein Schaffen?

Die Gesellschaft ist eine Maske der Anständigkeit, wie sie Schweinepriester tragen. Eine Oberflächlichkeit, die gleichförmig verläuft. Ich will verstören und anecken. Einen gesamtheitlichen Lebensansatz vermitteln. Zum Nachdenken anregen. Stütze sein in Zeiten seelischer Not. Vertraute Pfade verlassen, auf zu neuen Blickwinkeln. Die Menschen zu verändern fängt in den Köpfen an.

Wie bist du dazu gekommen, deine Texte als E-Book bzw. in einem Blog zu veröffentlichen?

Mit einem Blog erreiche ich mehr Menschen als wenn ich meine Skripte an die Verlage schicke. Ich hatte letztes Jahr einen toten Punkt erreicht, zwei bis drei Bücher pro Jahr brachten mich an den Rand eines Burnouts. Der Blog gibt mir lange vermisste Freiheiten zurück. Als Dichter habe ich angefangen, nun kehre ich zu meinen Wurzeln zurück. Ich merke, dass mir die tägliche Schreibübung guttut. Wenn die Zeit reif ist, werde ich auch wieder einen Roman wagen. Momentan bin ich glücklich, so wie es ist.


Vor kurzem ist dein erstes Blogbuch „Dirty Dichter. Die Blognachlese. Teil 1" erschienen. Was erwartet den Leser?

Ein Best-Of der Gedichte aus meinem Blog. Für all die Freunde herkömmlicher Bücher und moderner E-Book-Reader. Weil es etwas anderes ist, sich online durchzuklicken als entschleunigt von unserer modernen Gesellschaft ein Buch zu lesen.

Wie der Vermerk „Band 1“ explizit vermuten lässt, dürfte das langfristig der Start einer Reihe werden. Solange ich mein Herz und meine Seele dem Bloggen verschrieben habe.

Zum Schluss: Wo findet man dich im Internet?

Die Büchse der Pandora wurde geöffnet, oder nicht? Ich bin überall und nirgends in der Welt zuhause. Ihr findet mich auf meinen Hauptseiten www.der-reich.de und www.dirtydichter.blogspot.com. Und in vielen Bereichen des Social Web. Ich strecke meine Fühler in alle Richtungen aus. Querverweise zum Social Web gibt es selbstverständlich auf meinen Hauptseiten.

DANKE AN JESSICA DAHLKE FÜR IHR INTERVIEW AUF DEN KULTLITERATEN.

Freitag, 17. August 2012

Eruption


Dein Anblick ist es
der mich anwidert
ausgestreckt auf dem Sofa
in aller Gemütlichkeit
daddelnd am PC
das dümmliche Piepen deiner Spiele
hat mich
schon manche Stunde Schlaf gekostet
Dingeling dingeling
nette Menschen
machen gerne Dingeling...

nicht eine Minute
wo ich nicht dein Diener wäre
für Naschereien
Zigaretten
oder eine Tasse Tee
während ich Kopfhörer trage
um Marilyn Manson zu hören
der Löwe ist domestiziert
anders
darf er seine Mucke nicht mehr hören.

Wenn man sich freut
zur Arbeit gehen zu dürfen
um der häuslichen Hölle
zu entgehen
dann läuft
so einiges schief.

Tief drinnen
brodelt es
Magma bahnt sich ihren Weg
zur Vulkanspitze
und die nächste Eruption
wird ein Gebrülle bringen
welches die letzte
noch in den Schatten stellt.

Der Geist ist willig



...doch die Nudel bleibt schlaff!

Über den Tisch gezogen


Wenn der Blauschatten
gehorsam
dem harten Regime
eines Klingenrasierers weicht
auf den Wangen
und unter den Augen
der Abdeckstift
die müden Ringe überdeckt
und Minz & Eukalyptus
die Spuren der letzten Party überdecken

schnürst du die Krawatte
eng wie einen Henkersstrick
fügst dich
in die alltägliche Maskerade.

Wann haben sie dich
über den Tisch gezogen?

Du bist Deals eingegegangen
mit der Gesellschaft
hast gelernt
dich tagsüber zu benehmen
um die Nächte
dem Diktat der Freiheit zu unterwerfen
doch wie frei bist du
wenn dein Krawattenknoten locker sitzt?
Frei genug
um Nutten und Koks
aus der Firmenkasse zu bedienen?

Ach, du bist ja so dekadent
deine Freiheit ist ein Schierlingsbecher
der dir die Kehle verätzt.

Mittwoch, 15. August 2012

Urlaub von mir selbst


Wenn ich mir Urlaub nehme, dann muss es nicht an der Küste sein. Um mich wie angespültes Treibgut zu fühlen, brauche ich nicht weit zu reisen. Möwen ziehen über meinen Kopf, ihre wütenden Schrei hallen mir noch lange nach.

"Nur für ein paar Tage", sagte ich mit heiserer Stimme. "Bitte, lass mich ich selbst sein, nur für kurze Zeit. Du hast mir abverlangt, ein paar Schritte in deinen Schuhen zu laufen. Nun sind meine Füße blutig, und doch muss ich dir die Erlösung abringen...!"

Was es bedeutet, zu leben. Wenn die Tastatur schweigt und auch die Kamera nicht mehr zu mir spricht. Ungelenk sind sie, die ersten Gehversuche. Zu lange ist mein altes Leben her. Die Kunstfigur Dirty Dichter habe ich an der Garderobe abgegeben. Nur einen Handgriff entfernt, wenn ich mich schwach fühlen sollte.

Ich mache Urlaub von mir selbst, und dies ist meine Postkarte an euch da draußen.

Dienstag, 14. August 2012

Privilegiert


Wir haben ihnen
einen Dienstwagen in Aussicht gestellt
nicht wahr?
Fahrer Sekretärin Putzfrau Gärtner
so eine Vorortvilla
macht ganz schön Arbeit.

Wir haben sie eingeweiht
in die dunkelsten Geheimnisse
unserer Republik
und ihre Verschwiegenheit
mit billigen Geschenken
aus der Portokasse erkauft
auf dem Weg zur Hölle
gibt es Bonusmeilen.

Kommen sie
das schaffen sie schon
immer die beste Schönwettermiene
wenn sie ans Rednerpult treten
werden ihnen die Lügen
flüssig über die Lippen gleiten
erinnern sie sich
an den Rhetorikkurs
in unseren Schulungsräumen?

Sie wollen doch
nicht wieder zurück
in Schmutz und Armut
dort
wo sie ihre Wähler
gerade hingeschickt haben?

Montag, 13. August 2012

Christoffer III


Ich tauchte ins Wasser, tausend Nadelstiche auf meiner Haut. Wütend pochten zwei Herzen in meinen Schläfen. Spuckte ich Wasser, und nur noch ein Herz schlug in meiner Brust. Zog mich mit letzten Kräften am Ufer hoch. Christoffers Augen öffneten sich, und wieder einmal hatte er mich mitgrnommen.

Mein Fehler war, ihn unterschätzt zu haben. Glaubte die Maus ernsthaft, dem gerissenen alten Kater das Fell über die Ohren ziehen zu können? Ich habe deinen Tod geschrieben, du verfluchtes Aas! Warum willst du es nicht darauf beruhen lassen?

Er baute sich eine bürgerliche Existenz auf. Versteckte sich im System. Doch ich traute ihm nicht. Zu vertraut war mir diese Bestie geworden. Die Korrekturlesungen früherer Bände hatten meinen Magen arg strapaziert. Doch ich war machtlos. Würde ich seine Geschichte nicht zu Ende erzählen, wäre ich der Nächste auf seiner Todesliste. Vorher würde er nicht ruhen.

Sonntag, 12. August 2012

Spätzünder


Unbeschwert züngeln sie
sich die Mandeln aus der Kehle
dass man sagen möchte:

Kinder
nehmt euch doch ein Hotelzimmer.

Unbestritten
genießen sie den Moment
ob sie wirklich verstehen
was die Hormone ihnen gaukeln
oder ob sie ihnen
einen üblen Streich spielen
und bange Besuche
beim Frauenarzt drohen?

Wer diese Momente verpasst hat
die das Leben
zwischen 14 und 16 bietet
reif wie Früchte
die von den Bäumen hängen
und nur darauf warten
von einem mutigen Jüngling
gepflückt zu werden
der wird sie ewig reuen
denn so süß wie damals
werden die Trauben
nie wieder schmecken.

In meinem Mund
vergärt die Ernte
zu bitterem Wein
hätte ich einen Korkenzieher
spitz & angeschliffen
ich wüsste nicht
was ich täte.

Nein
nichts bringt dir das zurück
was sie dir damals vorenthielten
du kannst Schlüpfer sammeln
wie ein nimmersatter Jäger
um es aufzuholen

doch dieses Loch
füllst du nicht.

Chasing clouds


Mit dem Rücken zum Erdreich
folge ich
den Spuren der Wolken
verliere den Halt
als mir klar wird
dass nicht die Wolken es sind
die sich bewegen
sondern der Boden
unter mir.

Ich bin nur
ein Schiffbrüchiger
auf einer kleinen Scholle Land
die orientierungslos
auf dem Wolkenmeer treibt
und wenn ich
tief in mich fühle
so reite ich
auf diesem großen Planeten
und gebe ihm munter
die Sporen.

Präventivschlag


Wenn der große Zeiger
sich dem Ende
seiner Bahn näherte
brach mir
der kalte Angstschweiß aus
wem die Stunde schlägt
der vermag zu rennen.

Noch bevor ich
die Schulglocke hörte
war mein Ranzen gepackt
und ich setzte an
zum Sprint
durch Gassen & Hinterhöfe
durch die sie mich jagten.

Manchmal
da holten sie mich ein
verdroschen mich
und gaben mir Dreck zu fressen.

Ich weiss noch
wie ich mich wehrte
mit einem Freund zusammen
einen von ihnen
erlegte
wie wir ihn festhielten
und Knallerbsen
zerbeißen ließen
dass es knirschte zwischen den Zähnen.

Jahre später
traf ich ihn wieder
und es stellte sich heraus
dass er es war
der vor mir Angst hatte

mehr als ich
vor ihm.

Freitag, 10. August 2012

Abwesend


In meinem Kopf
ist ein Steingarten der Ruhe
und Meditation
ein Gärtner hält die Wogen glatt
mit seinem Rechen

und manchmal
da kann ich ihr nicht widerstehen
der Versuchung
während andere
mal neben sich stehen
gehe ich spazieren
schlendere herzbefreit
durch dieses Niemandsland meiner Gedanken
Golgatha
die Schädelstätte
wo sie Erlöser und Verderber
an die Balken schlugen
und keinen Unterschied machten.

Ich verlasse eine Hülle
die auch ohne mich
gut zurechtkommt
mit Menschen redet
als wäre ich da
läuft spricht atmet
eine ulkige Maschine
die auf die Rückkehr
ihres Meisters wartet.

Manchmal
da bist du draußen
und es geht dir gut

schwer fällt dem Wanderer
die Rückkehr.

Buchrezension "Babylons letzter Wächter" auf Kultliteraten


Im Babylon des 21. Jahrhunderts regieren die Unternehmen. Das Zeitalter der Kundenbindung mittels Werbung und geschicktem Marketing ist längst vergangen. Nun ist man auf einen neuen Zug aufgesprungen, um endgültig den Willen der Menschen zu brechen und sie zu perfekten Arbeitern und Konsumenten zu machen. Ohne den schleichenden Prozess zu bemerken, finden sich die Babylonier plötzlich in einer theokratischen Diktatur wieder, dem Kult des Wächters.

„Als ich erwachte, fand ich mich in einer sterilen weißen Zelle, ohne eine Erinnerung. Nachts durchschritt ich die Träume der Stadt auf der Suche nach mir selbst. Dabei stieß ich immer wieder auf Anhänger des Wächterkults. Was, wenn ein urbaner Mythos Wirklichkeit geworden war? Meine letzte Hoffnung war der Junge. Ich hatte ihn gerufen, damit er den Pfad der Erinnerung für mich abschreitet. Ob er mich aus meinem Gefängnis befreien konnte?”

Babylon: In der christlichen Mythologie steht die antike Stadt für das antichristliche Reich. In der modernen Literatur wird sie als Metapher für die als dekadent wahrgenommene, westliche Gesellschaft herangezogen. Reich dokumentiert mit kurzen, collagenartigen Geschichten die Menschen, die in dieser endzeitlichen Welt leben. Popstars, die ihre Groupies wie Gummipuppen vögeln, Versicherungsmakler ohne einen Funken von Skrupel und Fernsehsender, die mit Hinrichtungen live auf Sendung gehen. Und hoch oben, im Turme Babylons, sitzen anonyme Konzerne, die den Kult des Wächters für ihre Zwecke missbrauchen, während der Wächter selbst in einem ihrer Folterkeller gefangen gehalten wird.

Eine düstere Zukunftsvision im Stile von George Orwells „1984”. Nur macht hier nicht der Kommunismus den Menschen zu einer funktionierenden, rein biologischen Einheit, sondern der Kapitalismus, der aus allem den größt möglichen Profit ziehen will.

Mit seiner sehr guten und prägnanten Schreibe trifft Thomas Reich den Leser in Herz und Magen. Leider kommt der collagenartige, erste Teil der Geschichte wie eine zusammenhanglose Kurzgeschichtensammlung daher. Ein die Geschichte umfassender Bogen wäre wünschenswert gewesen. Dennoch lohnt sich die Lektüre. Empfehlenswert.

Den Roman "Babylons letzter Wächter" ist als E-Book bei lulu.com erhältlich. Mehr über Thomas Reich gibt auf seiner Autorenseite www.der-reich.de und seinem Blog www.dirtydichter.blogspot.com.

DANKE AN JESSICA DAHLKE FÜR DIE REZENSION AUF KULTLITERATEN!

Donnerstag, 9. August 2012

Klabusterbeere


Wie ein Pickel wachse ich aus dem Arsch der Gesellschaft. Eine einzelne Knospe in einem großen Misthaufen. Doch gerade dieser Mist hat mich genährt. Ich recke mein Köpfchen der Sonne zu, und öffne meine Augen. Am Abend schließe ich meine Knospe und arbeite an neuen Trieben.

Ein freundlicher Gärtner hat mir den Busch geschoren, auf dass ich wohlgeformt die Spaziergänger im Park erheitern möge. Wenn die wüssten! Denn tief in meinen pflanzlichen Fasern habe ich beschlossen, dass es nicht bei einer Knospe bleiben wird. Wie der Hydra werden mir dutzende Köpfe aus dem Leib wachsen. Schlägst du ein böses Plappermaul ab, lacht dich schon das nächste aus.

Blumen wachsen auch in der unwirtlichsten Umgebung. Die sanfte Revolution hat begonnen.

Dienstag, 7. August 2012

Der alte Mann und der Pool


Am Schwimmbecken lungert die Jugend
mir gestähltem Sixpack
man möchte glauben
sie wären die Herren der Welt
und einen Sommer lang
sind sie es auch.

Sie lesen keine Bücher
lieber dudeln sie
Atzenmusik
auf ihrem Smartphone
welches selbst im Schwimmbad
nie von ihrer Seite weicht
sie gehen zum spielen nach draußen
und bleiben doch online.

Einen Sixpack habe ich auch
eisgekühlt steht er neben mir
und ich saufe mir damit
meinen eigenen Körper schön.

Montag, 6. August 2012

Marotte oder Karotte?


Mannomann, bin ich vielleicht ein Vorbild. Mittags Pizzaplaza, abends Burgerbude. Vollgefressen wie eine Wanze, dass der Ranzen spannt. Gesund geht wirklich anders.

Glücklicherweise hatte ich von meiner Fotoserie als großes weißes Kaninchen (Oh ja, wartet's nur ab!) eine Stiege frischer Möhren übrig. Mission klar, ein Fall für den Pürierstab. Dabei plagten mich arge Bedenken, dass das Resultat einem Glas Babybrei ähneln könnte.

Doch meine Bedenken wurden zerstreut. Nachdem ich die geschälten und grob zerkleinerten Karotten eine halbe Stunde lang gekocht hatte (zähe Biester!), wurden sie gnadenlos gematscht. Da ich das Wasser gleich am Anfang mit gekörnter Brühe versetzt hatte, war die Suppe eigentlich schon fertig.

Als Garnitur obenauf noch ein paar geröstete Schinkenwürfel und frisch mit der Schere geerntete Lauchzwiebeln aus dem Treppenhaus...Mmmh!

Samstag, 4. August 2012

Widerstand


Ich erkenne
mein eigenes Gesicht nicht mehr
so hat es in den letzten Wochen
unter dem Schlafmangel gelitten
und den Verhören
die ja doch
zu nichts führen
tiefe Ringe unter den Augen
blaue Flecke
die sie mir
eingetrommelt haben
als wär's das neue Evangelium
drunter
sieht es nicht besser aus
den Leib geschunden
wie Christus auf dem Kreuz
Splinte
die sie mir unter die Finger trieben
die Spuren ihrer Zigarren
während sie lächelten
solche wie die
lächeln
während du einen Schrei
gegen die Zahnreihen drückst
und darauf hoffen
dass dein Stolz unterliegt
denn mehr ist dir nicht geblieben
als der letzte Zipfel deiner Würde
an den du dich klammerst
wie an einen Fetzen
deines alten Lebens.

Sie lassen dich leiden
weil du
deine dreckige Klappe
nicht halten konntest

dabei hast du
als letztes
an dich selbst gedacht

vielmehr an die
die ohne deine Worte
nie den Mut fänden
und still kuschen
während dein Lebenslicht
bald ausgeblasen wird.

Wie weit bist du bereit
für deine Ideale zu gehen?

Frischfleisch


Wie Hunde
die zu blöde waren
sich selbst zu lecken
kamen sie
aus allen Ecken angekrochen
balgten sich um dich
zerrten herum
wie an einem Spielzeug
ein neuer Beißknochen
nicht eine Minute
wo sie dich
in Ruhe gelassen hätten
am Ärmel gezupft
in Gespräche gezogen
die Hand unter deinem T-Shirt
ich habe soviele Hände gesehen
dass ich aufhörte
sie zu zählen.

Auch ich steckte dir
meine Zunge in den Hals

aber du warst einfach nur
ein billiges Stück
und konntest dich nicht entscheiden.

Freitag, 3. August 2012

Schattenspiel


Wo Licht ist, herrscht auch Schatten. Ich bin so verwirrt. Mal bin ich sexy, und diese Stadt ist verkommen. Dann schwimmt es mir vor den Augen, und nun bin ich verkommen, und diese elendige Stadt ist sexy. Aber ich werde ihr schon meinen Stempel aufdrücken!

Manche warten auf Godot. Stundenlang, tagelang. Als wäre er ihr Erlöser, der sie aus ihrer Angststarre befreit. Manche warten auch nur darauf, dass das scharfe Beil des Henkers in ihren Nacken saust. Doch ich warte auf Niemanden. Mein Urteil habe ich gefällt, und es lässt wenig Gnade übrig für die Herde der kaugummikauenden Insekten, die Straßen und Kaffeehäuser bevölkern, als wär's die elfte Plage!

Viele sehen nur ihre Schatten an der Wand, ohne das Licht je zu kennen oder die Freiheit. Liegen in wundgescheuerten Fesseln und beurteilen nur das, was ihr schmaler Blickwinkel ihnen offenbart. Ach, hätte der Herr ihnen doch Scharniere an ihre schmutzigen Hälse geschraubt!

Donnerstag, 2. August 2012

Erster!


Du wolltest dir etwas beweisen
doch beziehungsfähig
ist kein Prädikat
genauso
wie der Saustempel
den sie dir
im Schlachthof aufdrücken

Fleisch bist du gewesen
und zu Fleisch
sollst du wieder werden.

Sie haben gelogen
die altklugen
Schulpausenflüsterer
die alle schon
das Reich des haarigen Bärs
betreten haben.

Am Strand des Baggersees
versuchte ich
deine Rundungen zu erkunden
während du
eine gerade Linie fandst
die in deinen Händen wuchs.

Am Ende
war ich gar nicht bereit
ich versuchte nur
meinen dürftigen Ruf
zu verteidigen
und am Ende
waren wir beide
zu doof zum kommen
vielleicht waren wir
noch nicht soweit
und Händchenhalten
wäre genug gewesen
doch ich wollte
dem Gerede der Klassenkameraden
nicht mehr nachstehen.

Ich wusste um das Geheimnis
der Sexualität
doch ich war tumb
als wie zuvor.

Knöpfe auf



...hab Mittag!

Mittwoch, 1. August 2012

Ü30


Die Menschen werden ruhiger
wenn sie den Partner
fürs Leben gefunden haben
teils aus Geborgenheit
teils aus reiner Verdammnis
teils aus der Müdigkeit heraus
dem Elend der Jagd zu entgehen
der Lächerlichkeit
der man sich auf Ü-30-Partys aussetzt
wo jeder Atemzug verkrampft
und kein Mensch
ohne Narben durchs Leben geht
die einen auf dem Körper
die anderen auf der Seele.

Alleinerziehend
weil der erste Versuch
ein Schuss in den Ofen war
der gleich einen Braten hinterließ
in Panik erstarrte Machos
deren platte Sprüche
keine Schlampe mehr glaubt
die stellen alle Ansprüche
denn sie wissen ja endlich
was sie vom Leben verlangen
nicht mehr und nicht weniger
und wehe
du weichst von ihren Vorstellungen ab
dann verknöchern sie die Jungfern
bis sie Keramikfiguren sammeln
und sich täglich einreden
alle Männer wären doch kompliziert.

Nein
in dieses Haifischbecken
will keiner von uns zurück
auch wenn es ehrenhaft wirkt
wie ein Schnitzel taxiert zu werden
allerdings eines
was nach seinem Jahreseinkommen
bewogen wird.

Auf jeden Topf
passt ein Deckel
doch der Druck steigt
wie in einem Schnellkochtopf
bis du gar bist
& weichgekocht.