Freitag, 17. August 2012

Über den Tisch gezogen


Wenn der Blauschatten
gehorsam
dem harten Regime
eines Klingenrasierers weicht
auf den Wangen
und unter den Augen
der Abdeckstift
die müden Ringe überdeckt
und Minz & Eukalyptus
die Spuren der letzten Party überdecken

schnürst du die Krawatte
eng wie einen Henkersstrick
fügst dich
in die alltägliche Maskerade.

Wann haben sie dich
über den Tisch gezogen?

Du bist Deals eingegegangen
mit der Gesellschaft
hast gelernt
dich tagsüber zu benehmen
um die Nächte
dem Diktat der Freiheit zu unterwerfen
doch wie frei bist du
wenn dein Krawattenknoten locker sitzt?
Frei genug
um Nutten und Koks
aus der Firmenkasse zu bedienen?

Ach, du bist ja so dekadent
deine Freiheit ist ein Schierlingsbecher
der dir die Kehle verätzt.

1 Kommentar:

  1. Hallo Thomas, nur so zum Bedenken: Du hast viel mit Fragen gearbeitet. Zum Schluss aber schwingst du dich zum Richter auf, wertest dein Du mit dem abstrakten "dekadent" so endgültig von oben herab ab, dass du deinem Du die Möglichkeit nimmst, zu dir ein Du zu sein. M.E. würde das Gedicht gewinnen, wenn du die eine Zeile streichst und ggf. das "dekadent" in die Überschrift holst,die sehr schwer zu fassen ist ...
    lg
    Slov

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