Mittwoch, 15. August 2012

Urlaub von mir selbst


Wenn ich mir Urlaub nehme, dann muss es nicht an der Küste sein. Um mich wie angespültes Treibgut zu fühlen, brauche ich nicht weit zu reisen. Möwen ziehen über meinen Kopf, ihre wütenden Schrei hallen mir noch lange nach.

"Nur für ein paar Tage", sagte ich mit heiserer Stimme. "Bitte, lass mich ich selbst sein, nur für kurze Zeit. Du hast mir abverlangt, ein paar Schritte in deinen Schuhen zu laufen. Nun sind meine Füße blutig, und doch muss ich dir die Erlösung abringen...!"

Was es bedeutet, zu leben. Wenn die Tastatur schweigt und auch die Kamera nicht mehr zu mir spricht. Ungelenk sind sie, die ersten Gehversuche. Zu lange ist mein altes Leben her. Die Kunstfigur Dirty Dichter habe ich an der Garderobe abgegeben. Nur einen Handgriff entfernt, wenn ich mich schwach fühlen sollte.

Ich mache Urlaub von mir selbst, und dies ist meine Postkarte an euch da draußen.

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