Mittwoch, 31. Oktober 2012

Dirty Dichter - Der Kalender 2013


Das Jahr neigt sich langsam dem Ende zu, und Dirty Dichter bedankt sich mit einem besonderen Schmankerl bei seinen Fans.

Meinen Lesern dürfte mein neu entbranntes Interesse für die Fotografie wohl bekannt sein. Die besten Fotos aus den Shootings zu den "Homestory"-Postings habe ich nun in einem Kalender zusammengefasst. Dunkle Wolken brauen sich am Horizont zusammen, meine Lieben. Dirty Dichter soll euch ein fester Anker sein, ein Leuchtturm in aufgewühlter See.

Und was die Zweifler angeht: endlich könnt ihr mich aufhängen. Das wolltet ihr doch schon die ganze Zeit, nicht wahr? Tut euch keinen Zwang an. Dirty Dichter darf als Kalender in jeder gut sortierten Wohnstube hängen.

Sonntag, 28. Oktober 2012

Die Party ist aus


Der Tod
ist eine miesgelaunte Garderobenfrau
mit spitzen Fingernägeln

zitternd magst du
vor ihr zu Grabe kriechen
schwitzend
von den Launen der Nacht
bettelnd
dass es eine Zugabe geben möge
und der DJ
noch ein Lied auflegt
bevor sie dich
zum Ausgang tragen.

Wo ist der Champagner geblieben
wo die Viplounge
der rote Teppich
die Koksgelage in der Besenkammer
wo die Kameraheckenschützen?

Irgendwann
kriegste deinen Kittel nicht wieder
und allzu spät dämmert es
dass alles nur geliehen war
und all die Berge an Konsumgütern
die du über die Jahre aufgehäuft hast
nur deinen Enkeln
im Wege liegen werden
wertloser Tand
der dir auf der anderen Seite
nichts nutzt
im Dieseits
Schrott für den Schuttcontainer.

Du bist es
der vom Leben übrigblieb.

Freitag, 26. Oktober 2012

Der Gejagte


Wenn sie zur Jagd blasen, werde ich meinen Harnisch tragen. Und den Rohrstock, der nach menschlicher Haut schmeckt!

Herbst ist Jagdsaison, so jedenfalls behaupten die Stimmen in meinem Kopf. Ließen sie früher von mir ab, wenn der manische Schub meinen Leib gebrochen hatte, so ist ihnen das nun ein müdes Lächeln wert. Diesmal sind sie weiter gegangen. Ruhe gaben sie erst, als meine Seele gebrochen war.

Aufwachen, aus dem Brei zäher Melasse, der einmal mein Denkvermögen war. Erschlagen von der Welt, die sich nicht so schnell mit mir mitdrehen konnte. Teuflischer Gestank & unendliches Chaos. Schichten meiner Raserei liegen wie Staub auf den Dingen. Welt, mein lieber Kumpel, dieses Rennen hast du verloren. Gewöhn dich schon mal daran.

Man sollte seinen Wahnsinn frei ausleben. Wer ihn unterdrückt, landet irgendwann einmal in Fötushaltung auf dem Boden, zitternd. Dann schon lieber die brachiale Roßkur. Der inneren Stimme nachgeben. Ob sie nun sanft säuselt oder bedrohlich flüstert. Nicht lange fackeln, machen.

Donnerstag, 25. Oktober 2012

Wichsen nach Zahlen


Ach du liebes Wernerchen
alles ist hin
macht doch kein Sinn!

Eine gute Statistik
verrät mehr über ihren Auftraggeber
als diejenigen
die sie abbilden soll
Lügen schauen zum Fenster herein
wie sie zum Fenster rausschauen
die wichtigen Fragen
die die Tagespolitik
mit pikierten Fingern aussortiert
werden systemgetreu
unter den Teppich gekehrt.

Demokratie braucht eine Putzfrau
die saubermacht
porentief rein
dass kein Gedanke
auf krumme Gedanken kommt.

Palmwedelnde Eunuchen
zerfressen vom Neid
nur Statisten zu sein
am Rande des Geschehens
blinde Idealisten
die
wenn sie wirklich
in die Misere hineingezogen
die sie nur aus Balkendiagrammen kennen
japsen würden
nach Luft oder Gnade.

Montag, 22. Oktober 2012

Sonnenlos


In den Fenstern
derer
die sich keinen Strom mehr leisten können
brennen Kerzen
anstatt Hoffnung

man findet sie dort
wo nachts keine Sonne scheint

wenn der letzte Cent der Stütze
für ein paar Flaschen Bier reicht
einen trockenen Kanten Brot
und Butterersatz
auf Lebensmittelkarten

man findet sie dort
wo nachts keine Sonne scheint

Hausaufgaben werden erledigt
solange der Tag
seine Fühler
nach ihnen ausstreckt
um sie zu küssen
wie ein Judas
oder gar nicht
helle Köpfe
verlöschen im Dunkeln

man findet sie dort
wo nachts keine Sonne scheint

Keiner unter ihnen
denen es am Fleisse mangelt
nur der Mut
der ist ihnen
in den dunklen Jahren
abhanden gekommen

man findet sie dort
wo nachts keine Sonne scheint

sie zu vergessen hieße
sich an ihnen schuldig zu machen
die mal waren wie wir
denen das Licht abhanden kam
wie Steinzeitmenschen.

Lösche das Licht
ihre Sorgen und Ängste
erhöhe die Niedrigsten
und lass sie erstrahlen
zu Königen

wenn die Sonne nicht mehr scheint.

Howl


Sechsundfünzig Jahre sind vergangen, seit Allen Ginsberg mit seinem Gedicht "Howl" zu einem der führenden Köpfe der Beatgeneration wurde. Es war eine Wehklage der Underdogs der amerikanischen Gesellschaft, ein Aufschrei. Im neuen Jahrtausend hat die einstige Großmacht viel von ihrem Glanz eingebüsst. Zeit, ein neues Geheul anzustimmen! 

Mein neues Ebook ist eine Hommage an dieses große Werk. Ich hoffe, dem Altmeister gerecht zu werden.

Sonntag, 21. Oktober 2012

Kleiderbügelmentalitäten


Man möchte ihnen
das hämische Grinsen
aus der Fresse bügeln
und sie
an der nächsten Garderobe aufhängen
doch welchen Sinn macht es
wenn sie
auf dem Fließband nachwachsen
jeder so wichtig
mit seinem kleinen Aktenköfferchen
welches prall gestopft ist
von Hausfrauenlügen
und Wohlstandsbäuchen
dass es platzen möchte.

Der Tod eines Handlungsreisenden
der immer nur reist
ohne anzukommen
aber niemals handelt.

Zieh ihnen
den Anzug über die Ohren
wie einer Sau die Haut
beim großen Schlachtfest
darunter
sind sie armselige Würstchen.

Samstag, 20. Oktober 2012

Landbursche


Es macht keinen Sinn, seine Heimat zu verleugnen. Den Konsonanten noch in der Kehle den Dialekt abzudrücken. Bloß, um sie in ein enges Korsett zu zwängen und nedd wie oi Bauer dahär zu schwädzen!

Ach, die unseligen Jahre. In denen ich meine Wurzeln mit Schichten neuer Erde überdeckte. Bis mir klar wurde, dass man mich für einen Auswärtigen hielt und auch so behandelte. Kaum spreche ich ihre Sprache wieder, so reue ich es schon. War ich nicht einmal der, den sie für sein akkurates Hochdeutsch rühmten? Was für eine Mühe mir meine Videos sind, wo es wieder auf Hochdeutsch ankommt!

Nun  die Umkehr: Ich verlasse mein Dorf und gehe hinaus in die weite, virtuelle Welt. Begriffe wie Provinz oder Bauerlümmel verlieren ihre Bedeutung. Es herrscht ein Großmannstum, dass es eine helle Freude ist! Jeder ist Kultur, jeder ist mondän. Wir flanieren auf unseren Datenautobahnen, mit Spazierstock und Zylinder. Schlürfen Tee und reden über Gott und die Welt, als wären wir ein Haufen verhinderter Philosophen.

Doch fragst du sie, wo ihre Wurzeln sind, so wirst du kleine Käffer und Metropolen zugleich finden. Das Internet hat unsere Sprache verwischt, unsere Kultur verallgemeinert.

Freitag, 19. Oktober 2012

Teezeit


Wer mich kennt, weiss dass ich mir das Gehirn gerne mal mit Koffein rausballere. Wer stets am Anschlag der Schreibmaschine lebt, hat keine andere Wahl. Schlaf ist auch keine Lösung.

Der Bullenritt nötigt einem einen gewissen Respekt ab; zu schnell getrunken wummert es gleich unangenehm in den Schläfen. Von unkontrollierten Kicheranfällen mal abgesehen. Es wundert mich bis heute, wie sich die Politik über Alkopops aufregt, aber Energydrinks ohne Altersbeschränkung über die Ladentheke gehen.

Kaffee hat keine Muße mehr in unserer schnelllebigen Zeit. Rein muss er, am besten so schnell, dass er einem die Zunge siedet. In bunten Styroporbechern, zum Mitnehmen. Dabei war er ein Luxusgut, welches die ersten Kreuzritter von ihren Feldzügen mitbrachten.

Tee gleicht dem Besuch in einer anderen Welt. Wo alle Uhren stillstehen und niemand einen hetzt. Eine Insel in der Zeit. Nehmt euch ein Beispiel an den Russen, Engländern, Türken und Japanern. Sie wissen, wie man diesen Moment zelebriert.

Das Wasser im kleinen Elektrokocher sprudeln sehen. Den Beutel in der Tasse aufgießen; feine Spiralen aus Aroma ziehen vorbei. Dann die Frage für Genießer: Honig oder Zucker? Oder doch ein paar braune Kandiswürfel, die schöner funkeln als das Bernsteinzimmer? Die Welt ruht. Gottseidank, ich auch.

Montag, 15. Oktober 2012

Die Würstchenbude ist umgezogen!


Ich kann schon ein sturer Sack sein. Jahrelang beknieen mich Künstlerkollegen, ich solle mich von www.lulu.com lösen, und endlich zum Branchenprimus Amazon wechseln. Ganz einfach, weil dort mehr Leser Zugriff auf meine Bücher haben.

Man kann nicht seine Würstchenbude im tiefsten Wald aufbauen und darauf hoffen, dass Kunden kommen. Wer die Mäuler stopfen will, der sollte sich im Industriegebiet positionieren, wo Fuchs und Has sich noch Mahlzeit sagen.

Sämtliche meiner Ebooks laufen nun unter Amazon. Mit einer netten Autorenseite, ein paar kleinen Produktvideos & allem was dazugehört. Selbstverständlich alle Kindle-tauglich. Ob die Printversionen folgen, weiss ich noch nicht. Muss das alles erstmal sacken lassen.

Die letzten Tage waren wieder kritisch. Alle Regler im roten Bereich. Energiedrinks und Kaffee brachten mich in einen Zustand freudloser Extase. Die Augen sperrangelweit aufgerissen, der Rücken schmerzmüde. Ein gnadenloser Kobold, der in der Kommandozentrale des Roboters fiebrig auf- und abhüpft. Doch es hat sich gelohnt. 19 Bücher rüberschaufeln, Homepage umprogrammieren, Profile einrichten. Was für ein Wochenende!

Sonntag, 14. Oktober 2012

Konfuzius sagt


In der Ruhe liegt die Kraft. Wir hetzen uns, um keinen Moment des Lebens zu verpassen. Und am Ende verpassen wir das Leben selbst, verpassen wir uns.

Mit dem elekrischen Licht kommen die Tiere angekrochen, und ich reite mit ihnen in die Nacht. Bis zum Morgengrauen kehre ich heim. Die Tiere schlafen, und ich bin immer noch wach & rastlos. Schlaf ist was für Feiglinge, Kaffee meine Religion. Sanft steigen graue Lichtbögen von meiner Hand, die die Tasse hält. Ein Tier ist aus mir geworden. Welches den Tag scheut wie ein Vampir.

Ich gönne mir wieder Schlaf, den Luxus des kleinen Mannes. Ob ich das verdient habe? Fragt sich der Fließbandarbeiter, kurz bevor die Lichter ausgehen. Leben wie in der Waschtrommel: Der Grauschleier hebt sich, die Farben kehren zurück in die Welt. Und mit den Farben ich, einen Kometenschweif nachziehend.

Manchmal klemmt das Gaspedal, und du rast besten Wissens Richtung Wand.

Samstag, 13. Oktober 2012

Ich glaube an den großen Kürbis!


Eine schlechte Erfahrung in jungen Jahren hatte mir dieses Gemüse gründlich vergällt. Eingelegter Kürbis schmeckt widerwärtig, säuerlich und viel zu süß.

Daher wollte ich es einmal mit frischem Butternut probieren. Suppe kann jeder, ich wollte mehr wagen. Meine Variante ist ein klassisches Curry, dazu braucht ihr folgende Zutaten:
  • ein Kürbis
  • Schweine- oder Rindergeschnetzeltes
  • Currygewürzmischung (die gute aus dem Asiashop, Madrascurry o.ä.)
  • gehackte Zwiebeln
  • eine Knocblauchzehe
Fleisch und Zwiebeln anbraten, Kürbis grob schälen und gestückt hinzu, mit Wasser und Mehl andicken, köcheln lassen.

Betrachtet den Kürbis als eine Kartoffel, die gerne knalligere Farben trägt. Geschmacklich überraschen Aromen von Karotte und Süßkartoffel. Damit habt ihr eine enorme Palette an Möglichkeiten: Eintopf, Suppe, Auflauf, Puffer, Bratlinge, usw.

Viel Spaß beim Ausprobieren!

Donnerstag, 11. Oktober 2012

Leuchtturmwächter


Zitternde Kerzenflamme, unguter Tremor. Die Nacht hat mich in meiner schwächsten Stunde erwischt. Unten lärmen die Straßenbahnen, wie die weit aufgerissenen Münder von Riesen spucken sie ihre Ladung auf das Backsteinbett haltloser Steine. Staub von den Hüften abklopfend, erheben sie sich. Zerissene Mäntel, flatternd im Atem des Molochs, der keine Pause kennt. Zusammengekauert sitze ich unter der der Etagenklingel. Was, wenn sie-

nein, sie schaffen es nicht in des Leuchtturmwächters Warte.

In den Rolladenkästen rumoren Fledermäuse, als wollten sie sich ein Mahl schmecken lassen. Ich füttere sie mit eingetrockneten Fritten, die unter der Glasur der letzten Reste-

ein Abendmahl, welches nur den geeigneten Verräter sucht. Ich schlafe besser, wenn ich ihre spitzen Zähne besänftigt wisse.

Fahrig furchig fickrig; die letzten Dreckreste aus den Fingernägeln krumend wie ein Vogel, der seine Brut ernähren will. Reste eines Lebens, welches nur als eine Abwehrbewegung zu verstehen ist. Lagen abgeschürfter Haut, die ich auf ihrem Bauch hinterlassen habe. Wie eine Mullbinde, Lage um Lage. Wickelt sich meine Seele ab, und ich bin hilflos. Je näher das Gaze dem Körper kommt, desto blutiger ist der Baumwollstoff. Tapas in einer verlassenen Hafenbar. Gott verspeist dich ohne Besteck.

Sie dachten, sie hätten dich alleine zurückgelassen. Zum Sterben in einem toten Wal verurteilt. Doch je leiser es wird, desto lauter schwillt der Kanon. Ich gleite dahin, doch die Schatten haben ihren Schrecken verloren. Nenn mir die Dunkelheit, die durch diese Rippen atmet! Ich habe mein Antlitz vor ihm gekehrt, wir haben uns nichts mehr zu sagen.

Buchtrailer "Meat Me"

Neugierig? Das Buch zum Film.

Dienstag, 9. Oktober 2012

Der blaue Bock


Leni ist ein frühreifes Ding
so jedenfalls
sagen die älteren Herren
mit denen sie ausgeht
und wenn sie
im anonymen Schein
einer Neonröhre
die Strumpfbänder abzieht
wie eine alte Haut
die Laufmaschen gezogen hat
dann glaubt sie es
fast selbst.

Biersaurer Atem
schlägt ihr ins Gesicht
wie eine Faust
für sie
die liebevollste Geste
die man ihr
je gewährte.

Was weiß
so ein junges Ding wie sie
denn schon von Liebe?

Der blaue Bock
hat es ihr geflüstert
und seitdem glaubt sie
das wäre das große Gefühl
während sie verträumt
ihren Teddybären drückt
dass es ihm
die Polsterwatte
aus den Rippen schwitzt.

Montag, 8. Oktober 2012

Es ist zu spät!


Alice, du alte Trödelliese. Pack deine Rockzipfel zusammen und spute dich! Du willst doch nicht, dass wir zu spät kommen? Der Märzhase und der Hutmacher haben zum Tee geladen. Ach Kind, du brauchst deine Stirn nicht kraus in Falten legen. Der Hutmacher ist nicht so verrückt, wie allseits behauptet wird. Ein Mann ohne einen Ruf ist eine blasse Gestalt, die nur zum Mitleid taugt. Ein schlechter Ruf taugt mehr als ein gutes Leben.

Feiern wir also deinen Nichtgeburtstag, wie an allen Tagen ausser einem. Aber pass auf bei den Plätzchen. Die einen machen dich groß, die anderen machen dich klein. Soll ich dir noch Tee nachschenken?

Gerne würde ich länger bleiben, unter den Linden ist es so friedlich. Doch die Herzkönigin erwartet eine eilige Depesche. Ihre Ungeduld hat schon viele Kuriere den Kopf gekostet. Mach's gut mein Kind! Und vergiss die Worte der Schlafmaus nicht. In ihren Schnurrhaaren sammelt sie mehr Weisheit als ein Hamster Gold in seinen Backen.

Samstag, 6. Oktober 2012

Gezeiten


Ebbe und Flut
spülen mir
den festen Grund weg
im Sog der Gezeiten
Sandkorn um Sandkorn
Auge um Auge
ausgehöhlt wie ein Zahn
dumpf & pochend.

Bis ich hadernd
in die reißende Gischt stürze
wieder einmal
von den Tiden
hereingelegt.

Es ist ein nasses Grab
in welches sie mich betten
und schmeckt nach all den Tränen
die ich vergossen habe.

Morast rinnt
in den Trichter
meines Mundlochs
verschließt die Wunde
wie Schüttstein

die Lungen zementiert.

Mittwoch, 3. Oktober 2012

Ameisenkolonie


Ein Laufband
ungewisser Stationen
den eigenen Atem
rasselnd in der Kehle
die Füße traumgleich festgeklebt
eingefroren in Zeitlupe
während alle anderen um mich herum
wuseln wie die Ameisen
brav für die Kolonie schuften
ihr Leben für die Königin
ohne jemals
das Köpfchen gereckt zu haben
Scheuklappen getragen
wie andere einen Hut
weil sie es nicht anders kennen
Untertanentreue
von Generation zu Generation
Traditionen
wie sie nur
in unserem schönen Land wachsen können.

Könnte mich umdrehen
einen Fluchtversuch wagen
den Blick abwenden
von der Schlachtrampe
auf die ich mich bewege
doch meine Beine
verhaspeln sich
und bringen mich zu Fall
niedergestreckt
von einem kleinen Jungen
mit einer Schleuder

Goliath
weinend.

Dienstag, 2. Oktober 2012

Wiedergeburt


Zu sterben war schrecklich. Ich hatte auf einen kurzen und schmerzlosen Tod gesetzt, aber er wurde mir nicht auf dem Silbertablett serviert. Erstaunlicherweise schmerzte es weniger als das Leben. Würde Karma mir ein besseres Leben schenken, eines mit weniger Leid? Wie lange wollten sie mich noch ans Rad schlagen?

Dann kam die Wiedergeburt. Eine Lichtexplosion blendete mich, doch ich besaß keine Augen mehr. Mandalas formten sich bis ich begriff, nur eines von Vishnus göttlichen Mustern zu sein.

Ich tastete nach unten, und fand einen langen und faltigen Rüssel. Also musste ich ein Elefant sein! Ich versuchte mein Glück am nächsten Wasserloch, doch mein neuer Rüssel taugte nicht zum Wasserziehen. Wie sich später herausstellen solllte, war er nur zum Wasserlassen gut, was mich doch enttäuschte. Ich hatte mir mehr erwartet.