Samstag, 20. Oktober 2012

Landbursche


Es macht keinen Sinn, seine Heimat zu verleugnen. Den Konsonanten noch in der Kehle den Dialekt abzudrücken. Bloß, um sie in ein enges Korsett zu zwängen und nedd wie oi Bauer dahär zu schwädzen!

Ach, die unseligen Jahre. In denen ich meine Wurzeln mit Schichten neuer Erde überdeckte. Bis mir klar wurde, dass man mich für einen Auswärtigen hielt und auch so behandelte. Kaum spreche ich ihre Sprache wieder, so reue ich es schon. War ich nicht einmal der, den sie für sein akkurates Hochdeutsch rühmten? Was für eine Mühe mir meine Videos sind, wo es wieder auf Hochdeutsch ankommt!

Nun  die Umkehr: Ich verlasse mein Dorf und gehe hinaus in die weite, virtuelle Welt. Begriffe wie Provinz oder Bauerlümmel verlieren ihre Bedeutung. Es herrscht ein Großmannstum, dass es eine helle Freude ist! Jeder ist Kultur, jeder ist mondän. Wir flanieren auf unseren Datenautobahnen, mit Spazierstock und Zylinder. Schlürfen Tee und reden über Gott und die Welt, als wären wir ein Haufen verhinderter Philosophen.

Doch fragst du sie, wo ihre Wurzeln sind, so wirst du kleine Käffer und Metropolen zugleich finden. Das Internet hat unsere Sprache verwischt, unsere Kultur verallgemeinert.

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