Montag, 31. Dezember 2012

Lovin those ghosts


Die Schemen folgen mir
als wären sie
keine Schemen
sondern Schatten
oder Abdrücke
in die Haut geschlagen
blaue Flecke auf der Seele.

Wenn ich meine Augen schließe
dann schwimme ich in ihnen
schwerelos
und hart wie eine Pflugschar
ich bin meine eigene Jahreszeit
und pflüge

durch sie hindurch
und doch kann ich sie nicht greifen
kribbeln sie in meinen Händen
wie eine alte Erinnerung.

Manchmal schwimmen ihre Gesichter
auf den Wänden
und ich wende mein Antlitz
Tränen nach innen geweint
das Salz des Lebens.

Man kann Hand an sich legen
solange es auf's wichsen rausläuft
das Leben ist zu kostbar
um es ihnen nicht heimzuzahlen.

Sonntag, 30. Dezember 2012

Rudel


Draußen in der Steppe, wo der Wind so schön pfeift. Feldmäuse kriechen aus ihren Löchern und eilen durch die strohblonden Stoppel, um ihr Tagwerk zu verrichten. Nüsse sammeln für einen bitterkalten Winter. Kleine Kreaturen, kleine Leben. Die Knopfaugen zum Himmel gerichtet, ob die Raubvögel ihren Rausch ausschlafen.

Und in den Nestern, da lacht es schmutzig aus den Schnäbeln. Die Beute eines Tages, in blutige Stücke gerissen. Den kleinen Ring aus Platin an der Kralle, wir sind privilegiert. Herrscher über die wuselnden Massen. Wenn dein starker Arm es will, steht jedes Herzlein still. Alles gesammelt, was glänzt. Ob die Sonne sich spiegelt oder nur ein krummer Schnabel, wen kümmerte es. Bis das Nest aus kleinen Zweigen vom eigenen Gewicht in die Tiefe gezogen wird. Doch selbst dann werden sie lachen; werden lachen, wenn sie das Aas fleddern. Wir leben für das Jetzt, was kümmert uns der Morgen?

Mein Fell stäubt sich gegen ihre selbstzufriedene Hackordnung. Die Zähne gebleckt. Auf meinen Schultern ruhen die Feldmäuse. Schlafmäuse. Nur zusammen ist es zu schaffen.

Heule nicht, mein Kind. Heule nicht im Rudel mit den Gutmenschen. Ihre vornehmere Attitüde ist nur die Maske eines Wolfes. Warte ab, bis sie sich selbst zerfleischen. Du stammst von echten Wölfen ab.

Freitag, 28. Dezember 2012

So falsch, so richtig


Einfach nicht verstanden zu werden
wenn ich mich
in einer Ecke einigle
und ein blödes Maul habe
einfach
weil mir deine Fresse nicht passt
aber es ist nicht deine Schuld
momentan könnte ich
jedem eine reinwürgen
und es würde mich
nur milimeterweise erheitern.

Ich weiss
du dachtest ich wäre
böse auf dich
weil meine Lenden
in Flammen stehen
und du das Feuer
löschen solltest.

Wenn es danach ginge
könntest du mich öfter
mißdeuten.

Kaum ist die Wärme abgeklungen
brandet der Streit wieder
gegen meine Felsen
und ich drücke meine Wangen
an das Fensterglas
um mich abzukühlen
die Augen geschlossen

salzig ist die Welt
und du-!

Mittwoch, 26. Dezember 2012

Ein dickes fettes Dankeschön


Gut, dass ich auf euch gehört habe. Seit die Ebooks über Amazon laufen, sind die Verkäufe deutlich gestiegen! Ohne meine treuen Fans wäre dies nie möglich gewesen. Dafür möchte ich euch danken. Anfangs war ich noch skeptisch, was die neue Technik angeht. Aber es hilft ja nichts, ich muss mich nach meinen Lesern richten. Wenn ihr Ebooks wollt, könnt ihr haben. An dieser Änderung wart ihr nachhaltig beteiligt.

Was erwartet euch im neuen Jahr? Nun, ich dachte daran, ein paar kleinere Ebooks rauszubringen. Themenbezogene Gedichtbände, Einen Prosaband, usw...

So, das musste mal gesagt werden. Kommt gut über die Feiertage und macht nichts, was ich nicht auch tun würde.

Dienstag, 25. Dezember 2012

Pimp my Ride


Es glänzt, will ich haben! Was wissen Elstern schon von der menschlichen Natur? All das Bling-Bling, welches das aufgemotzte Vehikel unserer Gesellschaft umgibt. Doch was nützt es, LCD-Displays in die Rückenlehnen einzubauen oder den Kühlergrill zu verchromen? Die Sitzbezüge aus grünem Froschvotzenleder. Es röhrt der Bass, es stinkt das Rohr, nun knöpf ich mir die Luder vor!

Unter all den schönen Worten, die uns Politiker und anderes Gesindel in die Augen streuen, rostet das ganze Chassis durch. Werden wir vollbeladen mit Versprechungen und Zierat, welches die schwache Substanz in den Boden drückt. Macht euch frei, spült mit Salzwasser durch, bis der ganze Dreck wieder hochkommt. Die Freiheit schmeckt wie schonmal.

Montag, 24. Dezember 2012

Rohes Fleisch


So leicht bekommst du es nicht
das blutige Stück Fleisch
sauber pariert
das Fett von der Muskelfaser.

Wenn du mich willst
dann pack mich roh
lebendig und pochend
wie mein unsägliches Herz.

Ich werde es dir
schwermachen
mir Krallen wachsen lassen
und Dornen
wenn du mich holen kommst
werde ich dir
Wunden ins Fleisch reißen
brennendes Salz.

Bis zum letzen Vers
bis zum letzten Wort
bis zur letzten Silbe

werde ich dir widerstehen.

Sonntag, 23. Dezember 2012

Hiob und die Liebe


Liebe
du verfickte alte Hure
hast schon so viele
kommen und gehen sehen
und stets
ihre Herzen einbehalten.

Du bist
eine alte Schindmähre
die mich
über den Acker zieht
weil es angeblich
besser wäre
gemeinsam zu leiden
als allein.

Du zündest Blut
in deiner Laterne
gut wie Walfischtran
Tropfen um Tropfen
gehöre ich dir.

Lösch mir die Lichter
ich mach dir die Nacht.

Samstag, 22. Dezember 2012

Rotzfahne


In den ersten Reihen treten die Trompeter an zum großen Staatsakt. Ein zackiger Griff in die Hosentasche, und das kleine Stück Stoff ist bereit.

Wer in Stilfragen brillieren will, der greift zum Stofftaschentuch für den Herrn. Zu finden in ausgewählten Manufakturen, oder bei traditionell sortierten Herrenausstattern. Ob rustikal kariert oder puristisch weiß, bleibt eine Frage des persönlichen Gusto. Im Zweifelsfalle aber sollte man das Dekor auf die eigene Garderobe abstimmen. Herren der gehobenen Stände lassen sich ihre Initialien oder das Familienwappen als Monogramm einsticken. Die gewisse persönliche Note, die sie vom gemeinen Pöbel abhebt.

Papiertaschentücher, im Volksmund auch unter dem bekannten Herstellernamen verballhornt, bieten nur einen billigen Ersatz. Schon nach wenigen Niesern reißt die dünne Cellulose, und der halbe Schmodder hängt an der Hand. Oder ein Guckloch ist enstanden, und es ging in eine steile Flugbahn. Ihre qualitativ höherwertigeren Vorväter wurden von Generation zu Generation weitergereicht, gemacht für die Ewigkeit.

Moderne Zweifler rümpfen die Nase: Ist das hygienisch noch vertretbar? Dabei ist es doch uwesentlich, ob es nach Benutzung in die Tonne oder in die Waschmaschine geht. Zu lange in Benutzung sind beide Varianten verkeimte Seuchenfallen.

Freitag, 21. Dezember 2012

Weltuntergang


Die Welt ist nicht untergegangen
und ich mache mir
ein neues Bier auf
genieße für einen kurzen Moment
das Zischen
frisch & kalt
die Kehle hinab.

Dabei hätte sie
es redlich verdient
kaum ein Jahr
in dem sie nicht
gevögelt hätten
betrogen hätten
gestohlen hätten
gemordet hätten

und auch für Frieden gekämpft
die armen Trottel
um nur die nächste Diktatur
vor die Nase gesetzt zu bekommen.

Die Mayas sind ein blödes Pack
bloss weil ihre Kultur
unterging
gönnen sie uns nicht
die unsere.

Dienstag, 18. Dezember 2012

Sado Maso Weihnachtsgans


Warst du artig? Oder warst du unanständig? Gott ist es gleich, sein Feuer wird die Gerechten und die Ungerechten verzehren, wenn die Stunde gekommen ist. Benehmen sie sich gefälligst, es ist Weihnachten! Lassen Sie ihre schmutzigen Verse einmal gut sein.

Ich denke ja nicht dran. Es muss schon ein festerer Maulknebel her, um mir den Mund zu verbieten. Stramm gespannt, ein Zaumzeug für die Unanständigen. Doch sie werden das Königreich ernten, wenn die große Abrechnung kommt. Mit guten Absichten fährt der Karren gegen die Wand. An Gutmenschentum ersticken wir, gerade zur Adventszeit ist es kaum auszuhalten. Suhlen wir uns in verlogener Harmonie. Schütteln blöde grinsend Hände, die wir sonst nicht anrühren würden. Verbieten Kinderlärm, krawattenlose Hemdkragen, offene Bierflaschen, Zigaretten, Feuerwerkskörper, und alles andere, was es zum Feiern braucht. Gesittet soll es zugehen, und verkrampft. Die Supernanny hat zugeschlagen.

Eines ist sicher: die Gans wird geschlachtet. Legt mich in ein Bett aus Rotkraut fein, und spart auch nicht an den Knödeln. Dies ist mein dreckiger Leib, der euch gegeben wird.

Sonntag, 16. Dezember 2012

Moloch


Die Welt da draussen
ein Moloch
Schädelstätten der Grausamkeit
stinkende Senkgruben
offene Kloake
der Mensch ist ein wandelnder Scheißhaufen
wer es nicht glaubt
der sollte einmal versuchen
die Kanalisation
durch einen Kaffefilter zu jagen.

Kleingemahlen in den feinen Mühlen
Zahnräder picken die Knochen
von der Straße auf
ausgespuckt von den Hunden
reihen sich die Wertlosen
in heruntergekommenen Mietskasernen ein
wo das Blaulicht niemals schweigt
und Schüsse der Nacht
ihre blutigen Scharten schlagen.

Auch deinen Umriss
werden sie mit Kreide
auf den Boden zeichnen
eines Tages.

Und in mir drin
das Joch
welches mich knechtet
ihre Hüllen sind tot
& ausgelutscht
aber ich lebe
gottverdammt.

Ich lebe!

Freitag, 14. Dezember 2012

Brüder der Nacht


Wie Schießbudenfiguren
tauchen sie vor dir auf
und man müsste ein Fadenkreuz sein
um ihrer
nicht wahnsinnig zu werden.

Die Schulterklopfer
Sprücheklopfer
die Gib-mir-Fünf-Typen
denen du am liebsten
eins in die Fresse geben möchtest
die Unterhaker
die dich zu Karaoke schleppen
Rundenschmeißer
Magendreher
Gallenbitter.

Menschenaffen
die auf die
unsinnige Idee kamen
du könntest gesellig sein
oder es würde dich stören
allein vor deinem Bier zu sitzen
dabei bist du gerade deshalb
vor die Tür getreten
weil Einsamkeit unter Menschen
am schönsten ist.

Kann man sich nicht
in aller Friedfertigkeit
die Lichter ausschießen?

Donnerstag, 13. Dezember 2012

Mittwoch, 12. Dezember 2012

Grenzlinien


So schrecklich analog
eine Landkarte zu entwerfen
wenn kein Tomtom
zur Verfügung steht
schlimmer als ein Busfahrplan
der einen sicher
durch die liederlichen Stadtviertel führen soll.

Weil ich auch nicht weiss
ob die Linien Grenzen abstecken
oder mir eine Richtung weisen sollen.

Brrh
nicht näher darüber nachdenken
soll keine Richtung sein
lediglich meine Art
den tiefen Schmerz
fühlbar zu machen

taste ich mich doch
wie ein Blinder
durch den Urwald
tiefer
tiefer drinnen.

Zu taub und abgestumpft
fuck nochmal
um etwas zu fühlen
und sei es Schmerz.

Dienstag, 11. Dezember 2012

Christmas Suicide


Nicht immer scheint das Licht bis auf den Grund unseres Herzens. Wenn du beten gehst, dann zünde ein Herz für die, die das Licht verloren haben. Auf dass sie es wiederfinden. Während die Lemminge sich in den Einkaufszonen die Ellbogen in die Rippen hauen, um den Gabentisch zu füllen. Ein Wettlauf unterm Baum, bei dem es auch Verlierer gibt. Die allein ins Tannengrün schluchzen. Denen Knecht Ruprecht vertrauter ist als der Nikolaus.

Scheiss auf all die Glücklichen, die sich im Kreise ihrer Kinder suhlen. Scheiss auf jene, die Eltern haben oder Freunde. Wenn nur du selbst dir geblieben bist, so solltest du lernen, dich zu lieben. Wenn es sonst keiner tut, wer dann?

Mit dem Flachmann im Revers, auf den Hinterbänken zur Christmesse. Spricht der Pfaffe von einem Erlöser, der den Menschen das Licht bringt. Als würde ein Blinder mit der Taschenlampe durch den Park wanken. Du aber brauchst sie alle nicht. Das Licht scheint in deinem Herzen. Öffne die Augen, und erkenne es. Der lange steinige Weg war umsonst, es war immer schon da. Nestwärme, auch für dich.

Montag, 10. Dezember 2012

Sonntag, 9. Dezember 2012

Stachanow kauft ein


Das Vieh wird unruhig
bitte mehr Bälle!

Konsumterror diktiert
von den prallen Werbebeilagen der Wochenblätter
das Portefeuille unbegrenzeter Möglichkeiten.

Während die Krise
weiter brodelt
pfeifen sie es dir
mit Blockflöten ins Gemüt
denn nur von dir
kleiner Mann
hängt es ab
ob Mutti Merkel
den Ehrenpreis
des europäischen Komitee
über vorbildlichen Konsum erhält.

Die Deutschen geben dieses Jahr
neun Prozent mehr aus
für Weihnachtsgeschenke
soviel Großmut
muss doch einmal
erwähnt werden.

Die Deutschen werden dieses Jahr
deutlich tiefer
in die Tasche greifen
soviel Inflation
muss doch einmal
erwähnt werden.

Und am Ende
fickt sich die Statistik
wieder selbst in den Arsch.

Freitag, 7. Dezember 2012

Vampir


Allein stehe ich in der Halle, Menschenfluten ergießen sich über mich wie der schwarze Segen der Pechmarie. Schulterrempeln, ich bemühe mich, auf den Beinen zu bleiben. Immer wieder hämmere ich mir in den Schädel, dass es doch Menschen sind, es gelingt mir kaum. Geister meiner Sturmjahre, treten sie durch mich hindurch. Versuchen auf ihrem Weg in die Hölle mir die Haare auszureißen. Es brennt wie von tausend Stichen...

Dann trittst du aus dem Abteil. Staub in den Haaren, als hätte die Reise mehr als nur einen Wimpernschlag gedauert. Zeitungen, zu einer fleischlosen Wurst zusammengerollt. Nachrichten, die längst von der nächsten Demütigung aufgefressen wurden. Schleppst einen zum Bersten gefüllten Koffer ächzend über die Kante. Mir graust vor all den Dingen, die du gesammelt hast. Je länger wir es miteinander aushalten, desto größer schütten wir die Halden.

Meine Schulter ist leer. Taub für jedes Gefühl. Als deine Arme sich um mich schlingen, muss ich an Treibsand denken, und ich fühle mich verloren, verloren in dir. Wie fremd du mir geworden bist. Ein Stück Treibholz, mit dem ich es einst getrieben hatte. Treibt mir nun den silbernen Keil ins Herz. Tags leide ich, nachts sterbe ich. Dazwischen versuche ich, mich an dein Gesicht zu erinnern, doch meine Gedanken sind leer. Meine spröden Lippen treffen deine Wangen. Als sie abrutschen, hinterlassen sie tiefe Kratzspuren. Welche Requisitenkammer hat dich ausgespuckt, dass du dein Dasein an meiner Seite fristen musst?

Die Knie werden weich, ich sollte dieses miese Stück verlassen. Den samtenen Vorhang wie ein Damoklesschwert im Nacken, Applaus nur noch ahnend.

Mittwoch, 5. Dezember 2012

Seemann's Morgen


Beide Hände um die
noch dampfende Tasse geschlossen
wie ein Ertrinkender
der sich an einer Planke festklammert
ohne Steuermann
in unsicheren Gefilden.

Die ersten Sonnenstrahlen fallen
auf das rissige Brach
wo die Jugend
ihre Feste feiert
zugekotzt und mit
verschmierten Kondomen verkleistert
wie ein Spinnennetz

Nachts lärmen sie
wie die Tiere
Brunftschreie toben durch die Nacht
und ausgelassenes Gelächter
dass ich mich nicht mehr
vor die Türe traue.

In der Fabrik nebenan
haben sie das Fließband
durch billigere Menschensklaven ersetzt
Bäume
ihre kahlen Finger drohend
zum Himmel erhoben
rotten vor sich hin
Stahlskelette
den letzte Schrei
in einem Zahnrad eingeklemmt.

Die Vögel pfeifen
im knirschenden Geäst
als könnten sie es kaum erwarten
nach Süden zu kommen.

Einem von ihnen
habe ich eine Nachricht
ans Bein gebunden
doch er pickte mir in die Hand
undankbare Nadelstiche
brennen wie Weihwasser
in des alten Teufel's Krallen.

Dienstag, 4. Dezember 2012

Schreibgefieder


Wir sind Brüder, mein kleiner stählerner Freund, verstehst du? Während du an einer friedvollen Aue auf Spaziergänger lauerst, schärfe ich meine Stahlschwingen an in kerzenumleuchteter Stunde. Rasiermesserscharf müssen sie sein, wenn ich ein guter Racheengel sein will. Man hat uns beide hinausgeworfen aus dem sanften Garten Eden, weil wir uns für die Sünde entschieden.

Was schmeckt süßer als die Sünde? Gegen die Gesellschaft zu verstoßen wie der dunkle Engel, der Gott einst herausforderte? Es gibt soviele Wege, die man einschlagen könnte. Ein einfacher Park entpuppt sich als ein Labyrinth, Dornen treiben durch das Federkleid der Träume. Eine Realität die willens vor dir flieht. Oder auch mehrere. Der verwitterte Grenzstein, wo dir die Übersicht verlorenging.

Meine Stahlschwingen will ich einschmieden lassen für den Krieg. Schreibfedern, die über das Papier ziehen.

Montag, 3. Dezember 2012

Runter kommen sie immer


Auf der Straße
lag eine tote Taube.

Ich sah mich um
ob mich jemand beobachtete
dann stocherte ich
mit der Stahlspitze des Regenschirms
in ihrem
gedunsenen Leib
doch es war
keine Reifenspur auszumachen
das verdammte Biest
musste einfach so vom Himmel gefallen sein.

Wie es wohl sein mag
wenn dort oben
dein kleines Herz versagt
wenn du noch einen Moment
versuchst
dich an den Himmel zu krallen
und der Boden
dir entgegensaust
mit der Wucht
einer grauen Faust?

Sonntag, 2. Dezember 2012

Samstag, 1. Dezember 2012

Bleifuß


Du bist schneller
weil du einen Mercedes fährst
im gleichen Dunkelgrau
wie deine Maßanzüge
die sich alle
bis auf's letzte Knopfloch gleichen.

Hetzst von Meeting zu Meeting
kennst alle Mineralwassermarken
an ihrem Geschmack
kannst es aber nicht lassen
sie mit einer Zitronenscheibe zu versauen.

Kennst deine internationalen Geschäftspartner
von diversen Videokonferenzen
die sich aneinanderreihen
wie die Bonusmeilen
auf den Sohlen deiner Budapester
zu Weihnachten hast du
eine Grußkarte verschickt
aus irgendeinem Hotelzimmer
an die Familie
du kannst dich nicht mehr erinnern
wo das war.

Der Terminplaner aufgeklappt
wie ein hungriger Klappspaten
dir dein eigenes Grab zu schaufeln.

Wenn du meinst
mich überholen zu müssen
dann lasse ich dir gerne
den Vortritt.