Samstag, 22. Dezember 2012

Rotzfahne


In den ersten Reihen treten die Trompeter an zum großen Staatsakt. Ein zackiger Griff in die Hosentasche, und das kleine Stück Stoff ist bereit.

Wer in Stilfragen brillieren will, der greift zum Stofftaschentuch für den Herrn. Zu finden in ausgewählten Manufakturen, oder bei traditionell sortierten Herrenausstattern. Ob rustikal kariert oder puristisch weiß, bleibt eine Frage des persönlichen Gusto. Im Zweifelsfalle aber sollte man das Dekor auf die eigene Garderobe abstimmen. Herren der gehobenen Stände lassen sich ihre Initialien oder das Familienwappen als Monogramm einsticken. Die gewisse persönliche Note, die sie vom gemeinen Pöbel abhebt.

Papiertaschentücher, im Volksmund auch unter dem bekannten Herstellernamen verballhornt, bieten nur einen billigen Ersatz. Schon nach wenigen Niesern reißt die dünne Cellulose, und der halbe Schmodder hängt an der Hand. Oder ein Guckloch ist enstanden, und es ging in eine steile Flugbahn. Ihre qualitativ höherwertigeren Vorväter wurden von Generation zu Generation weitergereicht, gemacht für die Ewigkeit.

Moderne Zweifler rümpfen die Nase: Ist das hygienisch noch vertretbar? Dabei ist es doch uwesentlich, ob es nach Benutzung in die Tonne oder in die Waschmaschine geht. Zu lange in Benutzung sind beide Varianten verkeimte Seuchenfallen.

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