Montag, 25. Februar 2013

River Phoenix


Zwanzig Jahre
nachdem du vor einem Nachtclub
zusammenbrachst
mit Drogen vollgepumpt
kommt dein letzter Film
in die Kinos.

Warst nicht schlecht, Alter
hättest es wirklich
zu was bringen können
mehr als ein schmutziger Asphalt
voller Kaugummipapiere
und Zigarettenstummeln.

Niemand sieht
wenn ein Fluss ertrinkt
ich hoffe der Fährmann
brachte dich sicher
ans Ufer

Treibgut

auf dem roten Teppich.

Samstag, 23. Februar 2013

Fliesenboden


Ich hatte
in meinen wüsten Jahren
Sex durch
alle Gesellschaftsschichten
und Nationalitäten hindurch
eine Runde um den Globus
in den Betten dieser Welt
in achtzig Tagen um den Schritt
Gentlemen
die Wette gilt!

Mich juckt nichts mehr
außer Sackflöhe

Kein sozialer Status
schreckt mich ab
oder schüchtert mich ein.
ich habe die Gesellschaft

auf einem kalten Fliesenboden geschmeckt.

Donnerstag, 21. Februar 2013

Kriegsbeil

Das Rauschen der Stimmen
am Abgrund
als wollten sie mich
hineinziehen
in den schwarzen Trichter
mir die Tage rauben
wie ich ihnen die Nächte
und dafür
ein Glasperlenspiel
einzutauschen.

Falscher Schein
in alten Flaschen
falsches Geld
in neuen Taschen.

Irgendwo
im Sand meiner Erinnerung
wurde ein Kriegsbeil begraben
ich muss es doch finden!

Dienstag, 19. Februar 2013

Erlkönig


Frei nach Goethe:

"Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der Vater mit seinem Kind;
Er hat den Knaben wohl in dem Arm,
Er fasst ihn sicher, er hält ihn warm.

Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht? —
Siehst, Vater, du den Erlkönig nicht?
Den Erlenkönig mit Kron’ und Schweif? —
Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif. —

„Du liebes Kind, komm, geh mit mir!
Gar schöne Spiele spiel’ ich mit dir;
Manch’ bunte Blumen sind an dem Strand,
Meine Mutter hat manch gülden Gewand.“ —

Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht,
Was Erlenkönig mir leise verspricht? —
Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind;
In dürren Blättern säuselt der Wind. —

„Willst, feiner Knabe, du mit mir gehn?
Meine Töchter sollen dich warten schön;
Meine Töchter führen den nächtlichen Reihn
Und wiegen und tanzen und singen dich ein.“ —

Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort
Erlkönigs Töchter am düstern Ort? —
Mein Sohn, mein Sohn, ich seh’ es genau:
Es scheinen die alten Weiden so grau. —

„Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt;
Und bist du nicht willig, so brauch’ ich Gewalt.“ —
Mein Vater, mein Vater, jetzt faßt er mich an!
Erlkönig hat mir ein Leids getan! —

Dem Vater grauset’s; er reitet geschwind,
Er hält in Armen das ächzende Kind,
Erreicht den Hof mit Mühe und Not;
In seinen Armen das Kind war tot."

Sonntag, 17. Februar 2013

Videowettbewerb



Es mag ja witzig sein, Buchtrailer selbst abzudrehen, aber warum immer ich? Wäre es nicht spannender, meine Leser auf kreativen Erkundungsgang gehen zu lassen? So gibt der König der Torheit aka Dirty Dichter aka Christoffer aka all die Anderen bekannt:

Filmt eine Rezension eines meiner Bücher, je abgedrehter, desto besser. Alle Beiträge werden im offiziellen Youtubekanal gelistet. Der Sieger erhält ein Ebook nach Wahl aus meinem Sortiment.

Lernt, die inneren Schweinegrenzen zu überschreiten und zieht euer Ding in aller Öffentlichkeit durch. Scham ist was für Anfänger. Zum Glück bin ich über diesen Schritt erhaben.

Freitag, 15. Februar 2013

Rezension zu "Automatenliebe"


MAN MERKT, WENN SICH JEMAND WIRKLICH MIT DEM INHALT AUSEINANDERSETZT. DANKE NOCHMAL!

Gedichte sind Gefühlssache und demzufolge nutzt einem Dritten nicht, ob sie dem ersten Leser „gefallen“ haben. Man kann diese Gedichte nicht schön finden im Sinne von einschmeichelnd, geeignet, dem aktuellen Objekt der Begierde zu schenken, das nicht. Aber man begibt sich auf Reisen in Innerwelten. Die Titel der einzelnen Gedichte sind Notbehelfe, viele Zeilenbrüche helfen beim Luftholen. Die Wörter werden mit Gewicht beladen. Man kann sich in sie hineinstürzen, mit ihnen stolpern, auf Nachempfinden fallen, Pflaster für aufgeschabte Gefühlsknie sollte man parat haben. „Automatenliebe“ verrät mir als Titel zu wenig. Immerhin wusste ich vorher, Lyrik von Thomas Reich das heißt „moderne Lyrik“. Reime waren keine zu erwarten. Freies Spiel mit Sprache dagegen schon.
Ganz ohne Überraschung ging es aber nicht ab. In dem Bändchen finden sich nämlich nicht aneinander gereihte einsame Gedichte, sondern die Gedichte, die da aufeinander folgen, „erzählen“ in ihrer Abfolge durchaus eine „Geschichte“, richtiger zwei, nämlich die eines Er-Ichs und die eines Sie-Ichs, wovon mich der Versuch, sich in die „Schlampe“ (?) zu versetzen, nicht restlos überzeugt hat. Das männliche Ich wird dagegen plastisch. Eigentlich geht es um ins Krankhafte reichende Bindungsproblemen, etwas zugleich fürchten und wünschen, aber nicht können, sich mit Äußerem zufrieden und doch nicht zufriedengeben. Es könnte ein Roman sein, es ist aber etwas im Inneren des Ichs Wahrgenommenes, beschrieben in der Bildverzerrung von Diskoflackerlicht, weggedrückt von zu lautem Ton, der eben deshalb nicht aufgenommen wird. Nachklang bleibt, wenn man draußen steht. Bei mir oft der Wunsch auf ein „Gegen-Gedicht“. Inspiration, weil Unverbrauchtes, Verstörendes.
Die meisten Gedichte enthalten mindestens einen den Gedichtcharakter verletzenden sprachlichen Ausdruck, etwas, was nicht hineinzupassen scheint … was sich aber mehr und mehr als Methode entpuppt.
Reichs Ich schenkt sich nichts, seziert sich. Man riecht förmlich die seelische Desinfektion eines Kreißsaals, der keine Wehenmittel kennt. Wie lässt Reich sein lyrisches Er-Ich sagen? „Ich verschanze mich / hinter meine Kälte … Die Sympathie / ist gegeben, / für eine Freundschaft. / Kompliziert / wird es dadurch / dass wir auch / das Bett miteinander teilen / immer wieder gerne / du / mit dem festen Freund. // Ich habe ein Talent / mich / in groteske Situationen / zu bringen.“ Thomas Reich lädt uns ein, dabei zu sein … und ich war nachher froh, aus diesem Alter heraus zu sein ...
Das Layout hätte übrigens mehr Liebe verdient gehabt.

HIER GEHT ES ZUM BUCH


Mittwoch, 13. Februar 2013

Zitrone


Und dann kommen Stressphasen
wo alles gleichzeitig sein muss
und eigentlich keine Zeit ist
und du es alles durchziehst
ohne auf dich selbst
Rücksicht zu nehmen.

Wo ein Stimmwirrwarr
im Schädel aufzieht
und du machtlos bist
einst friedliche Koexistenz
nun der offene Grabenkampf
um Machete
oder Blutgewehr.

Ein Hintergrundrauschen
wo du es sogar hinnimmst
als leidliche Nebenwirkung.

Je mehr Jahre ich so lebe
desto ferner erscheint mir jegliches Zeitgefühl.

Das Leben
auspressen wie eine Zitrone.

Dienstag, 12. Februar 2013

Narrenbrunnen


Wer einen Narrenbrunnen erbaut braucht sich nicht zu wundern, wenn die Narren auftauchen! Und doch verlängerte die holde Bäckersmaid ihre Zigarettenpause, um dem frühmorgendlichen Schauspiel beizuwohnen.

Am Ende einer langen Scharade falscher Gesichter und Gebärden waschen wir unsere Geldbeutel im Brunnen und beweinen die Tage der sinnlosen Prasserei. Ob auch Bankster anwesend sind, die ihr Gewissen reinzuwaschen versuchen? Ihre Gesichter wollen sie nicht zeigen, aus Angst, mit dem Kopf voran in den Ausguss gestopft zu werden.

Blechern tönen die Schalmeien, bunt ist ihr Gefieder. Und mag das Schiff auch sinken, das Orchester wird nicht müde. 2008 rammten wir den Eisberg, doch die Party geht weiter. Billionen sind vernichtet worden, der Elite in den Rachen geschoben. Ob sie ihren Weg in die Realwirtschaft finden, auf dem Umweg der Spekulation? Ob sie ihren Weg in die Geldbeutel finden, auf dem Umweg der Inflation?

Freitag, 8. Februar 2013

Um mein Leben


Wenn du denkst
ich kämpfe
weil mir das Leben Spass macht
dann irrst du

ich kämpfe
weil ich es
abgrundtief hasse
weil unsere schöne heile Welt
mit Arschlöchern übersät ist
die es nicht besser wissen
und auch wenig dazu beitragen
dass sich an der Misere
auch nur irgendetwas ändert
und sei es nur
der Mundgeruch deines Nachbarn.

Ich kämpfe
mit dem schieren Mut
der Verzweiflung
an den Menschen

für keinen von ihnen
wage ich
zu hoffen.

Donnerstag, 7. Februar 2013

Neuer Gedichtband "Gummizellenblues"


Piep piep piep, wir haben uns alle lieb! Was passiert, wenn man allen Stimmen da oben einen Schreibstift zur Versöhnung reicht? Dieses Buch gibt Antwort.

Dienstag, 5. Februar 2013

Biedermänner & Brandstifter


Das Pack hält die Glut an die Lunte. Der Lynchmob, der den Übeltäter nur zu gerne am nächsten Ast baumeln sehen würde. Phosphorblitz, das Feuer ist gezündet. Dabei tun sie immer so brav. Wieder etwas gelernt: Misstraue den Anständigen, denn sie werden das Feuer entfachen.

Wenn die öffentliche Ordnung zusammenbricht, so halte dich an die Stillen, die stets für ihre Werte eintraten. Marschiere mit jenen, die ihre Protestbanner selbst gebastelt haben aus Leinwand und Kanthölzern. Die grölende Horde wird nur das laute Aushängeschild der Protestbewegung sein. Die Stammtisch-proleten, die die Privatsender vor die Linse zerren. Die uns in Verruf bringen werden, und unsere Forderungen.

Wenn es brennt, dann ist jeder für sich. Solange ihr es ihnen weiterhin erlaubt, unsere Gedanken zu lenken. Lasst uns zusammenstehen, gegen ihre Lügen!

Sonntag, 3. Februar 2013

Ein Ring sie zu knechten


Schweissbedeckt wälze ich mich
gegen die Chimären
die mich
jede Nacht quälen
ohne Unterlass
mein Schweiss ist kalt
deiner nicht.

Du wunderst dich
warum ich
den Mond anheule
wie eine gepeinigte Kreatur

...!

Es mag der Friedvollste
nicht ruhen
es mag der gefühlsloseste Klotz
nicht mürbe geklopft werden
unter deinen liebenswürdigen Worten
mag keinen Raum mehr finden
wo du nicht schon
eine Duftkerze aufgestellt hättest
kleine Refugien schaffen
in den hintersten Kammern
seines Marterschädels

sich dir ergeben
sich fügen
gemeinsam eine Zukunft aufzuschlagen
wie ich ein Buch
oder eine dieser Hundevisagen
in einer Kneipenschlägerei

während du
das Abendessen auf den Tisch stellst
und ein geheimnisvolles Zittern
meine Glieder befällt.

Freitag, 1. Februar 2013

Willkommen auf der Hauptstraße


Jetzt, wo die Würstchenbude auf der Hauptstraße steht, wird es Zeit, das Chassis zu polieren.

Einige der alten Cover waren einfach nicht mehr zeitgemäß. Jünger musste es werden, frischer! So schaffte es auch die Figur "Fickloch der Hund" auf das Cover von "Wer kotzt der putzt". Mein liebstes bislang. Die haarigen Klöten springen dem Betrachter förmlich ins Gesicht.
Wo Gedichtbände bekanntermaßen wie Blei im Regal liegen, kann ich mir mies gepixelte & einfallslose Bilder nicht mehr leisten. Auch in diesem Sektor hat sich viel getan.

Interessant wird es bei den Preisen. Da kann ich endlich Bücher von 4,99 - 8,99€ anbieten, inkl. Porto. Bei den Ebooks habe ich ein faires Preisschema eingerichtet, die gibt es zu 40 % vom Taschenbuch. In diesem Freak steckt doch die Seele eines soliden Kaufmanns...

Jimmie, leg noch ein paar Kohlen nach. Wir wollen doch rechtzeitig zum Mittagessen in Lummerland sein.