Donnerstag, 31. Oktober 2013

Glaubst du an den großen Kürbis?


Ach Linus, wenn du geahnt hättest. Stundenlang hast du in der Nacht ausgeharrt. Bis du schließlich vor Erschöpfung einschliefst. Hast Süsses oder Saures verpasst. Wurdest von den anderen Peanuts ausgelacht. Aber soll ich dir was sagen? Für mich bist du der große Held. Weil du an etwas geglaubt hast. Allein das ist schon selten genug anzutreffen. Wir lassen uns von Süßigkeiten ködern. Glauben lieber das, was die Masse uns vorgibt. Sterben als dumme Schafe. Und sogar freiwillig.

Wenn du an etwas glaubst, so lasse es dir nicht ausreden. Gott starb in einer finsteren Nacht ohne Sterne, viel ist uns also nicht geblieben.

Linus, du hast mich bekehrt. Heute Nacht will ich mit dir ins Feld steigen, und die Ankunft des großen Kürbis erwarten. Behalte deine Träume, mein Kleiner.

Dienstag, 29. Oktober 2013

Reitsport


Verschwommene Polaroids
meiner Genitalien:
eine links
eine rechts
und der Lulatsch in der Mitte.

Geteerte Tage
gefiederte Nächte
und die Reitgerte auf der Terasse.

Es hat mir nie
etwas bedeutet.

Liebe bleibt
alles andere
hinterlässt nur schmutzige Laken.

Mittwoch, 23. Oktober 2013

Feine junge Kannibalen


Der Mensch ist dem Mensch ein Wolf. Blut zwischen den Fängen, der Kreislauf schliesst sich. Meinetwegen auch die Nahrungskette. Wer in dieser rauen Umwelt überleben will, muss sich durchbeissen!

Meine Bücher sind nur kleine Fische, die im großen Becken auf Auslauf pochen. Doch wenn sie Blut geleckt haben, schäumt das Wasser. Piranhas sâubern die Tierwelt. Räumen auf, wo Aas siecht. Paniert ein Menschenschnitzel, und werft es in die Pfanne! Meine Schreibe ist schon lange nicht mehr eines Schriftstellers würdig. Wer die Anzahl meiner Titel durchrechnet, kommt auf Verlagsgröße.

Ich mische die Gewürze, und dekantiere den Wein. Seine Leber schmeckt mir mit Chianti fein.

Montag, 21. Oktober 2013

Schüleraustausch


Ich erinnere mich
an das Jugendheim in Strasbourg
an die endlosen Gänge
und die Luft voller Staub.

Ich konnte
das Partyzimmer nicht finden
also trank ich
meinen billigen Marillenschnaps
allein.

Fruchtfäule im Mund
drückende Einsamkeit in den Gedärmen
wurde ich
sanft in den Schlaf geschaukelt
von den Wogen
eines quietschenden Metallbetts.

Am Morgen
baten mich die Franzosen
an ihren Tisch
bevor der Klassenarsch
sich setzen konnte.

Ich verstand kein Wort
aber ich wusste
dass ich kein Außenseiter mehr war.

Samstag, 19. Oktober 2013

Dirty Dichter - Der Kalender 2014


Wieder geht ein Jahr ins Land, mit der Kamera unterwegs in der Stadt. Bei den Leuten angeeckt? Scheiß drauf, mein Stativ ist wetterfest, har, har!

Dieses Mal sind die Bilder weniger "inszeniert". Ich habe mich nicht so oft in abenteuerliche Verkleidungen geschmissen. Gut, vielleicht laufe ich generell schlimm genug rum. Da kann ich es mir sparen. Aber was die Fotos angeht, so setze ich auch mal auf die leiseren Töne.

Für die Fans. Und Leute, die schräge Bilder mögen.

Donnerstag, 17. Oktober 2013

Nach dem Kannibalen folgt ein Leichenschänder



Nachdem ich "Der Stadtkannibale" geschrieben habe, wäre 2014 ein Leichenschänder ne interessante Idee...

Vorgeschichte: Die Polizei bricht die Wohnung auf, und findet einen völlig verstörten und verwahrlosten 9jährigen neben dem Leichnahm seiner Mutter. Sie ahnen nicht, welch abscheuliche Szenen sich in der Vergangenheit abgespielt haben... was wird aus diesem Kinde werden?

Tja, gute Frage. Ich denke mal, er hat seine Mutter auch gefickt. Oder deren muffigen Leichnahm. Damit abeite ich nun an 2 Büchern gleichzeitig, ich verliere die Übersicht.

MOTHERFUCKER LEICHENSCHÄNDER, YEAH!

Es erschreckt mich selbst, dass ich nach einem Kannibalen noch eine Steigerung finde. Aber der Text geht mir butterweich vom Schreibknochen...

Mittwoch, 16. Oktober 2013

Das Flüchtlingsboot Ophelia


Ein Ozean sie zu binden
sie zu knechten
in ein nasses Grab
von Algen umschlungen
wirst du sinken
Ophelia.

Tausende Kilometer gewandert
bis die Füsse
Blutspuren malten am Strand
mit Gottes Segen
und der Gnade der Schlepper
die letzte Ziege verkauft.

Die Sonne als Brennglas
über dem Horizont
wie das Brennglas
eines kleinen Kindes
oder eines rachsüchtigen Gottes.

Wir alle
sind Gottes Kinder
und möchten irgendwann einmal
nach Hause kehren.

Was bedeutet zuhause
in Zeiten globalisierter Heuschreckenschwärme
der endlosen Wetten
auf Nahrungsmittel
was ist Heimat
ein nasses Grab im Mittelmeer
salzig geweint aus all den Tränen derer
die die Überfahrt nicht schafften?

Dienstag, 15. Oktober 2013

Die Weinkönigin


Schwelende Stoppelfelder, volle Kornkammern. Die Ernte für dieses Jahr ist eingefahren. Nun klopfen wir uns auf die Schultern, und halten Erntedank!

Ich hasse Betriebsfeiern in einem Ein-Mann-Betrieb. Für alle mitsaufen, und morgens wachst du neben jemand Unbekanntes auf, und kannst dich an den Sex nicht mehr erinnern. Wehe mir, das war ich selbst!

Freitag, 11. Oktober 2013

Glutvergessen


Über dem Horizont die Hälfte eines Feuers, zerbrochen in tausend Scherben. In der Glut die Hitze tausender Sonnen. Glas zerschmolz zu seinen Bestandteilen, der Mensch verkam zu einer Kette chemischer Vorgänge.
"Du bist ein Mörder"
"Und du ein Denunziant."
"Damit wären wir quitt."
"Aber nicht erlöst."
"Nein, das noch lange nicht."
"Wir sollten anfangen, zu vergessen."
"So wie wir angefangen haben, uns zu erinnern?"
"Psst, sprich nicht mehr davon. Das war gestern;"
"Gesten war ich ein anderer Mensch."
"Ich auch."
"Und du?"
"Ich erinnere mich daran, ein Mensch gewesen zu sein. Dies ist lange her."
"Wie war es denn, ein Mensch zu sein?"
"Sprich nicht davon, noch schwelt die Glut."
Lange Zeit schweigen sie, die Holzscheite im Feuer knackten, wie ein Fingerzeig Gottes.
"Ich liebe die Nacht. Nur sie allein ist allumfassend schwarz, und vergibt jede Sünde."
"Du hast die Sterne vergessen."
"Das Universum wurde einst von einem Betrunkenen in den Himmel gekotzt. Die Sterne machen mir keine Angst, nicht mehr. Auch der Mond nicht."
"Gestern waren wir nicht, und morgen werden wir eine Erinnerung sein. Was aber sind wir jetzt?"
"Schatten, die zuviele Fragen stellen. Die Dunkelheit wird dir nicht antworten. Weil ihr kein Gott innewohnt."
"Lass uns zurückkehren ins Nichts, wo wir hergekommen sind."
"Gut. Ich lösche das Feuer aus, so wie das Leben uns ausgelöscht hat. Aschespuren, die der Wind in alle Richtungen verstreut."

Mittwoch, 9. Oktober 2013

Spätzle selber schaben


Ein guter Schwabe kauft keine fertigen Spätzle im Supermarkt, er schabt sie frisch vom Brett!

Der Teig ist eine simple Angelegenheit: Eier, Mehl, Butter, Salz. Die Konsistenz sollte pampig sein und Fäden ziehen. Ich habe zuätzlich einen Schuss Mineralwasser dazugegeben, damit es fluffiger wird, und einen Teelöffel Bärlauchpesto fürs Aroma.

Wie ihr seht, sind meine ersten selbstgemachten Nudeln mehr so grosse Teigfleckerl geworden. Demütig sehe ich ein, dass vom Brett schaben Nichts für Anfänger ist, sondern Hardcore-Schwaben. Werde mich nach einem Spätzlehobel umsehen. Damit sollte es mir leichter von der Hand gehen.

Diese Spätzle gleichen dem ersten Versuch, eine Zigarette selbst zu drehen. Aber geschmeckt haben sie schon einmal, das ist die Hauptsache.

Montag, 7. Oktober 2013

Doktor Livingstone


Mücken stechen, die Sonne brennt. Am Horizont sticht in blutroten Lettern ein neues Gedicht durch die Wolken. Den letzten Schuh habe ich im Morast verloren, mein Herz an der Weggabelung, unter einer zerfledderten Bukowskiausgabe. Brauchst mir den Tiger nicht in den Tank packen, das Raubtier sitzt in der Hose. Hauptsache, kein gestreifter Schwanz...

Ich kämpfe dagegen an, eine Machete zwischen die Zähne gepresst. Beiße auf Stahl, beiße auf Granit, beiße auf unbelehrbare Kanisterköpfe. Meine Feldflasche ist leer, die nächste Oase nicht in Sicht. Und doch kämpfe ich weiter. Bis ich jedes Wort gefunden habe, welches sich im Dickicht versteckt. Der nackte Tag bietet keinen Schutz, hervorkommen musst du doch!

Skorpione, mit giftigen Stacheln im Gesäß der Gesellschaft. Seid meine Brieftauben!

Samstag, 5. Oktober 2013

Gottes Blut


Der Finger am Drücker
Zocker in Las Vegas
der einarmige Bandit
Demokratie per Knopfdruck
Bombenkrater
blühen wie Blumensträuße.

Nationen entstehen
Nationen vergehen
Menschen schlagen sich die Köppe ein
bis kein Schädel
mehr zu spalten übrig bleibt
vorher
gibt es kein Ende des Blutvergießens.

Wie kann man sich nur
wegen Religion in Rage bringen?

Fragt der Westen
und hat wohl
Irland vergessen
wo Christen sich gegenseitig
in Stücke bombten
kaum anders
als heutzutage
Selbstmordattentäter
auf dem Marktplatz in Bagdad.

Unsere Arroganz
unsere Selbstgefälligkeit
ja
auch die Verdrängung
von Hexenverbrennungen
im Namen eines blinden Gottes.

Ich weiss nicht
wer da oben
auf uns alle hinunterschaut

aber ich weiss
dass er den Kopf schüttelt.

Dienstag, 1. Oktober 2013

Das Arschloch am Ende des Tresens


Ich weiß
dass es nicht
an dem Bier vor mir liegt
oder der steten Wiederholung
dem ersten und dem letzten
wie das Alpha und das Omega
einer Säuferseele

dass ich dem Nebenmann
eins auf die Fresse geben möchte.

Nein meine Freunde
schwankend erhebe ich mein Haupt
und sage euch
dass ich morgen früh
in der gleißenden Helligkeit
eines anständigen Tages
ausgenüchtert und erholt

diese Fresse
immer noch polieren möchte.