Freitag, 11. Oktober 2013

Glutvergessen


Über dem Horizont die Hälfte eines Feuers, zerbrochen in tausend Scherben. In der Glut die Hitze tausender Sonnen. Glas zerschmolz zu seinen Bestandteilen, der Mensch verkam zu einer Kette chemischer Vorgänge.
"Du bist ein Mörder"
"Und du ein Denunziant."
"Damit wären wir quitt."
"Aber nicht erlöst."
"Nein, das noch lange nicht."
"Wir sollten anfangen, zu vergessen."
"So wie wir angefangen haben, uns zu erinnern?"
"Psst, sprich nicht mehr davon. Das war gestern;"
"Gesten war ich ein anderer Mensch."
"Ich auch."
"Und du?"
"Ich erinnere mich daran, ein Mensch gewesen zu sein. Dies ist lange her."
"Wie war es denn, ein Mensch zu sein?"
"Sprich nicht davon, noch schwelt die Glut."
Lange Zeit schweigen sie, die Holzscheite im Feuer knackten, wie ein Fingerzeig Gottes.
"Ich liebe die Nacht. Nur sie allein ist allumfassend schwarz, und vergibt jede Sünde."
"Du hast die Sterne vergessen."
"Das Universum wurde einst von einem Betrunkenen in den Himmel gekotzt. Die Sterne machen mir keine Angst, nicht mehr. Auch der Mond nicht."
"Gestern waren wir nicht, und morgen werden wir eine Erinnerung sein. Was aber sind wir jetzt?"
"Schatten, die zuviele Fragen stellen. Die Dunkelheit wird dir nicht antworten. Weil ihr kein Gott innewohnt."
"Lass uns zurückkehren ins Nichts, wo wir hergekommen sind."
"Gut. Ich lösche das Feuer aus, so wie das Leben uns ausgelöscht hat. Aschespuren, die der Wind in alle Richtungen verstreut."

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