Montag, 30. Dezember 2013

Schwenningen II


Die Stadt erstickt
hinter Wärmedämmplatten
der neuen Zeit.

Man schämt sich
für die Fachwerkbalken darunter
möchte nicht
an seine dörfliche Vergangenheit
erinnert werden
die schmalen Gassen sind verschwunden
die Scheunentore wurden Garagen
Hochhäuser schossen in den Himmel.

Grobe Menschen
mit der Ratschmentalität
von Waschweibern
verbreiten sich Nachrichten
über die Fensterbänke hinweg
schneller
als jede Zeitung.

Doch die Stadt atmet
mit ihrer eisernen Lunge
rostzerfressen

Bürk Kienzle Haller Mauthe Eppler
die Fabriken sind
aus der Innenstadt verschwunden
nach China
oder wo immer man
uns billig nachbaute.

Ihnen folgten die Studenten
in der Tradition der Uhrmacher
lernten sie technische Berufe
trieben die Mietpreise in die Höhe
aber nicht die Stimmung
zum Saufen reicht es grade noch
Helden der Nacht
auf gesprungenen Gehwegen
wie Fieberpusteln
aber gefickt wird nicht
in dieser Stadt
dazu sind sie zu bieder
verdienen es nicht
Studenten genannt zu werden.

Die Stadt verdrängt ihre Vergangenheit
der Steinadler im Hallenbad
dem man das Hakenkreuz
aus den Krallen schlug
der Huldigungsbalkon am Rathaus
das gleiche Kreuz
aus Eisen
kein Wort über die Juden
die damals verschwanden
und im braunen Haus am Marktplatz
residiert die Tageszeitung
wie eine späte Entschuldigung.

Wenn du
durch diese Straße fährst
denk daran
früher waren da Äcker
und am Horizont
der Wald.

Donnerstag, 26. Dezember 2013

Wer hat an der Uhr gedreht?


Ist es wirklich schon so spät? Soll das heißen ja ihr Leut? Mit dem Reich ist Schluss für heut!

Noch lange nicht, folks. Während früher die Schreiben aus den Lektoraten bedauerten, ihr Programm für Jahre im Vorraus verplant zu haben. Und leider keinen Platz für mein Manuskript erübrigen konnten. Lache ich ihnen nun ins Gesicht, mit dem gleichen Satz:

Ich bedauere, aber leider ist mein Programm für das laufende Jahr schon verplant...

Manchmal wäre man froh um Urlaub, oder einen Kopf ohne Ideen. Für 2014 plane ich einen neuen Comedyband, sowie Band II + III vom Leichenschänder.

Dienstag, 24. Dezember 2013

Tektonische Platten


Die Tiere merken es als Erstes
unruhig
kläffen sie in ihren Koben
fangen Vibrationen auf
mit ihren Hufen
oder ihren Schnurrhaaren.

Wir sind zwei Länder
die sich aneinander reiben
bis die Erde aufgeworfen wird
wie eine Wunde
deren Narbengewebe
nie verheilt.

Hütten werden zerschlagen
Wellblech und Geschirr
ganze Leben ausgelöscht.

Leider gehöre ich
zu den kleinen Menschen
die in Panik geraten
wenn die Erde bebt
wild ins Freie stürmen
und dann
von Trümmern erschlagen werden.

Sonntag, 22. Dezember 2013

Blutige Weihnachten


Ich habe tödlich kalkuliert. Bei dem Preis muss einer draufgehen. Einer? In diesem Buch werden viele Menschen ihr Leben unter unsagbar grausamen Umständen lassen...

Zu Weihnachten lege ich ein besonderes Geschenk unter den Baum. Aus den Kanten sickert Blut, und es riecht nach verdorbenem Fleisch. Ich wünsche euch allen ein frohes Fest und geruhsame Nächte...

Jede Flucht ist so umsonst wie dieses Buch.

Freitag, 20. Dezember 2013

Ebooks auch für Tolino


Nachdem der Tolino-Reader auf dem Vormarsch ist, gehe auch ich mit den Zeichen der Zeit. Bislang konntet ihr meine Bücher nur auf den Kindle laden, oder mit einer passenden App lesen.

Nun sind die Ebooks im epub-Format und als PDF bei Neobooks erhältlich. Und damit in diversen anderen Shops vom Apple I-Store bis Thalia. Nur, um mal ein paar der Großen zu nennen.

Mittwoch, 18. Dezember 2013

Menschlicher Weihnachtsbaum


Weihnachten sollte sein menschliches Gesicht zeigen. Hier ist meine Version eines Tannenbaums. Und mal ganz unter uns: Ich habe einen Vogel. Solange mir der freche Spatz nicht die Meisenknödel anknabbert, will ich es ihm aber verzeihen.

Kommt gut durch den Winter, und vögelt, bis euch die Federn aus dem Gefieder fallen. Wer weiß, wann es wieder was zu mausen gibt.

Frohe Festtage wünscht euch euer Dirty Dichter.

Samstag, 14. Dezember 2013

Das grüne Gold


Ach, was hat einen die Großmutter früher mit geplagt. Zu Tode gekocht als schlechten Spinatersatz. Rustikales muss auf den Tisch! Doch Mangold kann viel mehr als das!

Wer einmal Spaghetti mit Spinatsauce gegessen hat, ahnt es schon. Die Zubereitung ist simpel, binnen 15 Minuten steht eine leckere grüne Sauce auf dem Tisch, nach der ihr euch noch die Finger lecken werdet.

Mangold, Zwiebeln und Knoblauch einschmoren. Brühe hinzufügen, später Schmand. Ich habe Schinkenwürfel hinzugegeben, aber auch Lachs dürfte hervorragend geeignet sein.

Wichtig: Keinen Reibkäse über die Nudeln, nur Parmesan! Sonst schmeckt es wie Arsch. Mein Mangold auf dem Bild war tiefgefroren. Eine frische Pflanze sieht natürlich anders aus. Aber ich hatte mich auf dem Wochenmarkt verkalkuliert, und zu viel eingekauft. In der ersten Runde hatte ich seine Fähigkeiten als Pfannengemüse getestet, mit Corned Beef.

Donnerstag, 12. Dezember 2013

Buchtrailer "Faule Begierden"


Künstlerische Freiheit, oder schon künstlerische Frechheit? Nun, wir werden sehen. Wer Bock auf mehr hat, findet das Buch hier.

Dienstag, 10. Dezember 2013

Al Ghandi


Tja, da sitze ich nun wieder am Ganges. Schlürfe Instant Karma mit Kirschgeschmack und denke an frühere Leben. Wo alles besser war. Zumindest bunter.

Entflieht dem Grau des Alltags und folgt mir auf das Fest der Farben. Kühe haben sogar Eintritt frei. Die sind bei uns nämlich heilig. Lasst uns die Gesichter malen und die Körper. Seid bunt und vielfältig. Tanzt freudig in den Gassen wie ein Kind.

Niemand weiss, wie das nächste Leben wird. Also geht euch jetzt amüsieren, verdammt noch mal!

Sonntag, 8. Dezember 2013

Ausschnitt aus "Kaltfleisch - Faule Begierden"


„Fährst du mal die Restekiste raus?“
„Wie bitte?“
Dr. Gießer lachte.
„Siehst du den großen Edelstahlcontainer da hinten?“
„Ja.“
„Dort landet das, was die im OP rausschnippeln. Organe, Tumore, Amputationen. Schlachtabfälle.“
„Okay.“
„Bisschen weiß um die Nase, was? Na, ist ja auch kein leichter Job hier. Bist du Mann oder Maus?“
„Ich bin ein Mann!“
„Das freut mich. Dein Vorgänger hat früher schlapp gemacht.“
„Mich macht es hart.“
„Na, dann werde ich mich an dein Gesicht noch gewöhnen müssen.“

*

An der Laderampe. Räumte er ein, was nicht in den Müllschlucker passte. Die Überreste der menschlichen Gesellschaft. Die guten ins Kröpfchen, die schlechten ins Töpfchen. Tumore, schwarz und böse wuchernd. Organlappen, braun und violett. Sie erinnerten ihn an Rinder-Suppenfleisch. Die amputierten Stümpfe, dunkelrosa wie Lachsaufschnitt. Er wagte es nicht. Mehr in seinen Beutel zu packen. Als er vertuschen konnte. Dinge, die er mit nach Hause nehmen konnte. Ein Bündel Arme wie ein Frühlingsstrauß. Konnte er im Kofferraum verstauen. Was nicht im Müllschlucker landete. Sammelte er ein, für sich. Leider konnte er keine Überstunden abrechnen. Wenn er Arbeit mit nach Hause nahm. Geborgenheit in geborgten Armen. Friedlich schlief er ein.
Es war lange her, seit er faules Fleisch besessen hatte. Nun war er davon besessen. Streichelte und liebkoste es. Den ganzen Tag in der Fabrik dachte er an sie. Zum ersten Mal seit Monaten sahen ihn die Kollegen lächeln. Manch einer glaubte, er wäre vielleicht verliebt. In gewissem Sinne war er das auch. Die Arme aßen mit ihm zu Mittag. Damit sie über den Tisch sehen konnten, hatte er ihnen einen Stapel Kissen untergeschoben.
„Bettzeit, meine kleinen Luder. Macht euch schick für Papa.“
Jens malte seine Armhuren an. In der Drogerieabteilung fand er Nagellack in verschiedenen Farben. Zuerst war er von der Auswahl überfordert gewesen. Doch dann fragte er sich, was Mutter wohl gefallen würde. Gerne hätte er es eine Spur nuttiger gehabt. Aber Mutter hätte ihm das nie erlaubt. So entschied er sich für zwei Farben: Rot und Glitzer. Bei Bijou Brigitte deckte er sich mit billigem Modeschmuck ein. Armreifen und Fingerringe. Sie hatten keinen Arsch mehr, mit dem sie hätten wackeln können. Aber Handgelenke, die sie aufreizend kreisen lassen konnten. Hochzufrieden verließ Jens das Kaufhaus.
Er blies die Kerze aus. Drehte im Schlafzimmer die rote Glühbirne ein. Zog ein Spannlaken aus Latex über. Nicht, weil er darauf stand. Sondern der Flüssigkeit wegen, die aus den Armen sickerte. Die Stümpfe waren schon ganz verkrustet. Und mit jeder Nacht in seinem Bett brach die Kruste wieder auf. Sie hatten so kalte Hände, als sie ihn berührten. Dass es ihm ganz heiß wurde. Langsam glitten sie seine Brust hinunter. Kitzelten mit ihren Kettchen seine Nippel, die augenblicklich verhärteten. Weiter unten. Wo er es vor Hitze nicht mehr aushielt. Packte endlich eine kalte Hand zu. Massierte ihn sanft. Molk den letzten Tropfen aus ihm heraus.

*

Man musste die Gliedmaßen nehmen, wie sie kamen. Auf Sonderangebote achten, wenn man seinen wöchentlichen Speisezettel zusammenstellte. Seine Lenden hätten auf Arme Appetit gehabt. Zu lebhaft hatten sich die Bilder in seinem Kopf eingebrannt. Achtlos hatte er die Abfälle missachtet, die der menschliche Körper dem Nekrophilen bot. Dabei zählte gerade Schlachtplatte zu den einfachen, bodenständigen Delikatessen!
An der Fleischtheke empfahl er sich Beine, das Angebot des Tages. Ganze Beine, halbe Beine, Waden, Füße, Zehen. Real-Life-Prothesen. Mit dem ganzen Kleinkruscht konnte er nichts anfangen. Auch traute er sich kaum, die ganzen Beine mitzunehmen. Er hätte sie vielleicht schultern können. Aber so über den Parkplatz laufen? Leider undenkbar. Blieb also alles unterhalb des Knies übrig. Was Jens nicht die Stimmung vermieste. Damit ließ sich ein schöner Abend verbringen. Nachdem er zwei Schuhgeschäfte abgegrast hatte, gab er seine Suche entnervt auf. Wendete sich an den Sexshop seines Vertrauens. Wo er knallrote Riemchensandalen bekam. Absätze, steil und hoch. Dazu schwarze Seidenstrümpfe. Sie würden etwas zu lang sein. Wo das Bein aufhörte.
Er entschied sich dafür, seine Beinhuren ebenfalls anzumalen. Nagellack hatte er noch zuhause. Wenn nur die Armhuren ihm nicht eifersüchtig wurden! Zuhause verbannte er sie in eine Schublade, damit sie dem bunten Treiben nicht zusehen mussten. Duschte sich für die neuen Beinhuren, während alle Fenster der Wohnung zum Lüften aufstanden. Das hätte ja noch gefehlt. Dass er den Nachbarn aufgefallen wäre durch unangenehmen Geruch im Treppenhaus. Deswegen hatten sie ihm damals Mutter weggenommen. Ihn selbst störte der Geruch nicht. Wie sonst sollte ein Tier seine Artgenossen erkennen. Wenn nicht am Geruch? Hunde markierten ihr Revier, indem sie in alle Ecken pinkelten. So weit würde Jens nicht gehen. Zitternd, in einen Bademantel gehüllt. Schlug er alle Fenster zu, und drehte die Heizung hoch. Dachte an die Lungenentzündung, die er sich bei der Leiche im Wald geholt hatte. Brachte die Beinstümpfe ins Schlafzimmer. Zog ihnen die Hochhackigen an und Seidenstrümpfe. Schnürte sie oben und unten zusammen, wie einen Schwimmflügel. Durch dessen Rosette er mühelos seinen Schwanz schieben konnte.

*

In der Krebssaison fiel mehr menschlicher Abfall an. Die Restekiste war kein Supermarkt, der rund um die Uhr alle Waren des täglichen Bedarfs anbot. Monatelang schleppten sich die Kranken so dahin. Hielten wacker den Kopf über Wasser. Dann explodierte plötzlich eine Supernova an Metastasen in ihrem Körper. Eilig eilten die Ärzte herbei. Wegzuschneiden, was noch ging. Bevor der Tod weiter streute. Meistens wirkte die Restekiste wie ein verwaister Brotkorb. Wo die frischen Baguettestangen wohlig duftend in den Himmel ragten. Dann begann die Krebssaison, und die Stahlwanne füllte sich bis zum berstenden Rand. Begann zu stinken und Fliegen anzuziehen. Wie der Biomüll im Pausenraum, für den sich niemand zuständig fühlte.
„Guck, dass die Restekiste rauskommt. Bei dem Mief kann ich nicht arbeiten.“
„Ich dachte, Gerichtsmediziner wären an den Geruch des Todes gewöhnt?“
„Gewöhnt, ja. Ihn mögen? Nein.“
Dieses Mal bekam Jens kaum den Kofferraum seines Wagens zu. Er klemmte einen Finger ein. Hätte noch ein Mensch daran gehangen. Hätte er vielleicht aufgeschrien. Immer wieder musste Jens daran denken, dass die Eigentümer dieser Körperteile noch lebendig auf der Welt herumliefen. Denn nicht jeder erlag gleich seinem Leiden. Und während sie ein paar Etagen über ihm in ihren Betten lagen, faulten in der Pathologie die Extremitäten. Selten war der Tod dem Leben so nah. Und um einen Abglanz dieses intimen Momentes zu erhaschen, nahm er ihre Reste nach Hause.
Die Beute war so reichlich ausgefallen, dass er sich ein Bad in ihnen gönnen konnte. Er kippte die blauen Müllsäcke in der Badewanne aus. Nahm die Wurzelbürste mit den Naturborsten, und rührte um. Ungefähr so, wie man eine Auflaufform umschichtet. Damit der Geschmack gleichmäßiger ausfällt. Fehlte nur noch der Hauptgang. Jens ölte sich mit Olivenöl ein, er mochte dessen bitteren Geruch. Flutschen musste es. Locker durchgemischt wie ein Salat. In dem er das Salatbesteck war. Er hielt die Luft an. Glitt zwischen sie. Ein Bademeister mit tausend Armen. Die indische Göttin Kali. Drehte sich. Um die eigene Achse, immer schneller. Wie ein Derwisch. Sah kleine schwarze Sternchen. Riss den Mund auf wie den Verschluss einer Getränkedose, und zog gierig Luft ein. So wie ein Verdurstender Wasser aufsaugt. Inhalierte das Aroma fauler Arme und Beine. Fleischsalat mit Olivenöl. Ein leichter Druck auf den Soßenspender, und es kam ihm.

Mittwoch, 4. Dezember 2013

Sleazy Dreams


Each week
he came with a new one
just to get
her cookies.

He didn' t score
but he tried
his very best.

A few years later
he was married
and i became a whore
watching me fall.

It was like a sport
and we were
all lonesome
like stray cats
in an abondoned backyard
of gathering garbage.

Cute characters
slippering
on the way to bed
praying one-hand
to let this engine stop
praying for mercy

praying for the next fuck.

Montag, 2. Dezember 2013

Das dritte Auge


"Los, spucken sie schon aus, was sie gesehen haben"!

Ich winde mich im Verhörlicht wie eine Schlange. Kalt und voller Schuppen. Sie haben mich in einer Fabrikhalle gefoltert. Wo man singt, da lass dich nieder. Böse Menschen brauchen keine Augenlider! Ist es wegen Christoffer, der Frauen mit der Schrotflinte jagt? Oder wegen Andreas, der über neuen Kochrezepten für Menschenfleisch sinniert? Oder wegen Jens, der nach der kalten Liebe einer Mutter sucht?

All die Figuren. Geboren in meinem Kopf. Tod und Verwüstung. Nennen wir es geplante Schizophrenie, wenn ich in ihre Köpfe schlüpfe. Um die Welt aus ihren Augen zu sehen.