Freitag, 28. März 2014

Babylons letzter Wächter


Ein beklemmender Roman über theokratische Diktaturen und die Verantwortung des Einzelnen. Gleichzeitig ein düsteres Bild unserer Zukunft. Bist auch du ein Anhänger des Wächterkults?

Mittwoch, 26. März 2014

Frostblume


Der Frost legt sich auf mein Gemüt, wie ein sanfter Hauch. Hilflos sehe ich zu, wie ich davon überzogen werde. Bin ich denn so alt geworden, dass ich Patina ansetze?

Wie ein Bär ziehe ich mich in meinen Winterschlaf zurück. Lasse mir ein neues Fell wachsen. Kämme stolz meine drei goldenen Brusthaare. Lege Pathos auf, wie eine Nachtcreme. Neue Verse krabbeln durch meine Federbetten, wie Bettwanzen. Die verdammte Läusebrut. Ohne die ich nicht leben könnte.

Komm an meine kalte Brust, Genosse. Und wärme dich an meinen Gedanken von Spitzbärten und Revolution!

Montag, 24. März 2014

Die Freiheit des Internet


Früher war es
wie ein Ausflug
auf der Route 66
das Lärmen der Harley
unter deinem Arsch
und Haare
die ungebändigt im Wind flatterten.

Heute ist es
ein überfüllter Daten-Highway
mit Cops an jeder Straßenmündung
und Radarfallen
mit gierigen Mündern
voller Zähne.

Die Gema will sichYoutube unterjochen
teilen soll kosten
Mund-zu-Mund-Propaganda
die kleine Bands
ins Rampenlicht torpedierte
wenn keiner verdient
soll es
auch nicht legal sein.

Abmahnanwälte wittern
das schnelle Geschäft
tausende kleine Blogger
leben in Angst
es allen Regeln
richtig zu machen.

Demnächst das Ständerecht
des Ancien Régime
Datenvolumen nach Brieftasche
das Internet der großen Firmen
Telekomdrossel
und NSA-Star.

Das schnöde Volk
soll draußen bleiben
auf Shoppingportalen konsumieren
und ansonsten
das Maul halten!

Sascha Lobo
schmier dir das aufs Brot.

Donnerstag, 20. März 2014

Good Jesus gone bad


Manchmal gehen mir die Menschen
auf den Sack
ich möchte für
eine Sekunde in der Ewigkeit
ihrem dummen Geschnatter entkommen
nicht billiger
als scharrende Hühner im Hof
hinter dem Tempel
und ein Hahnrei dabei
der mich verrät.

Alles habe ich gegeben
meine Liebe
meinen Leib
meine Hände bluten;
ein sicheres Zeichen
dass Regen kommt
oder eine neue Sinflut.

Engel und Motten
umschwirren das Licht
welches sie ewig glauben
doch sie haben die Stromrechnung
nicht gezahlt
nein
die Rechnung
zahlt ein Anderer.

Dienstag, 18. März 2014

Strapsluder


Auch in Thrombose immer noch verführerisch! Dazu das schicke Netzhöschen mit der wattierten Einlage. Sogar an die Handtasche mit Saft aus eigener Schlachtung habe ich gedacht. Wie ein lästiges Anhängsel schleppe ich sie mit mir umher. Sofern ich denn humpeln kann.

Neugierig wurde ich gefragt: Ein Leistenbruch? Wie können sie sich das leisten, von ihrem kargen Gehalt als Künstler? Naja, man gönnt sich ja sonst nichts. Eigentlich bin ich nur wegen der Drogen hier. Wie ich hörte, sollen sie exquisit sein. Und ich wurde nicht enttäuscht!

Allein die Tabletten zur Einstimmung auf die OP erfüllten mich mit einer nie gekannten Seeligkeit. Nur schwer unterdrückte ich den Impuls, ohne Unterlass "Hui!" zu rufen. Man hätte meinen Gefühlsausbruch nicht verstanden. Kleiner Tipp für hinterher: Wenn man dich fragt, ob du Schmerzmedikamente willst: Immer brav ja sagen. Und in den buntesten Farben fabulieren nicht vergessen.

Sonntag, 16. März 2014

Jim


In den letzten Tagen
war nicht viel von ihm geblieben
als ein
amerikanischer Tourist
verloren
in den Katakomben
von Paris
letzte Parolen brüllend
in ein kleines Mikrofon
mit Sauffreunden
die er kennenlernte
irgendwann
in einer kalifornischen Nacht
die niemals enden wollte
außer für ihn.

Nachmittage
in den Kaffeehäusern
meist schon so abgeschossen
dass er nicht einmal mehr
seinen eigenen Thesen folgen konnte.

Er war einmal
ein Kind gewesen
Sohn eines Generals
verloren in den Mandalas
die seinen Weg kreuzten.

Hey Pam
ich nehme noch schnell
ein Bad
dann schlafe ich ein.

Mittwoch, 12. März 2014

Irgendwann musst du dich entscheiden


Die Jugend ist nur ein kurzer Moment
die Grille singt ihr Lied
auf der kleinsten Violine der Welt
und du bist mittendrin.

Es ist ja auch
ganz lustig
in die Nacht hinein zu leben
nicht zu wissen
in welchem Bett du aufwachst.

Bald schon
gehörst du
zum alten Eisen
und niemand
will sich mit Rost anstecken
Altern ist schlimmer
als jede Geschlechtskrankheit.

Gut wenn du
rechtzeitig die Kurve gekriegt hast
lass sie sich doch weiter balgen
am Wühltisch der verbrauchten Körper
Nächte wie im Rausch
die nichts hinterlassen
als klebrige Laken
und ein paar Kerben im Bettholz.

Du bist verreist
und unsere Wohnung
kommt mir so groß vor
der Flur lang und dunkel.

Ein Vorgeschmack auf den Tag
wo du
vor mir stirbst
und ich alter Zottel
alleine durch die Zimmer schlurfe
in abgewetzten Pantoffeln.

Montag, 10. März 2014

Trümmerkind


Über Nacht ist der Krieg hereingebrochen. Bomben fielen in der Verlagslandschaft. Viele Autoren haben ihr sicheres Dach über dem Kopf verloren. Waschen sich den Mörtelstaub aus dem Gesicht, an einem nahen Bach. Sind vogelfrei, doch der Witterung auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Willkommen im Jahre 1945, alias 2014, alias der Stunde Null der Literatur.

Also kräftig in die Hände gespuckt, das Wirtschaftswunder wartet am Horizont. Die Diktatur der feinen Herrenmenschen der Kultur ist vorbei. Die Unterdrückung andersartiger Gedanken. Endlich atmen wir frei. Und bauen die Literatur neu auf, Stein um Stein.

Niemand zensiert uns, niemand schreibt uns unsere Worte vor. Wir schreiben für die Menschen, die unsere Bücher lesen. Wir schreiben das, wonach ihnen das Herz brennt, nach all den Jahren der Entbehrung.

Samstag, 8. März 2014

Zyklen


Wenn mich etwas stört
rede ich darüber
also bin ich der
der Probleme schafft
während du
an einem Harmonieteppich strickst
unter den man
alles schieben kann
wir schreien uns an
Gegenstände fliegen
oder Fäuste
am Ende
schweigen wir uns an
und ich bereue es
nach deiner Meinung
gefragt zu haben.

Jeden Tag
jeden Tag
jeden Tag.

Es muss Liebe sein
oder irgendein
anderer saudummer Grund
um das zu ertragen.

Dienstag, 4. März 2014

Ausschnitt aus "Wenn die Filzlaus zweimal juckt"


Stiftung Blondinentest

Seit nunmehr fünfzig Jahren behauptete sich die Stiftung Blondinentest als gemeinnütziger Verein in der Bundesrepublik Deutschland. Sie waren gemein, und nützten das schamlos aus. Schließlich ging es um staatliche Fördergelder in Millionenhöhe. Gegründet von Bruce Twarze, dessen Ölgemälde auch heute noch über dem Kamin in der Lobby hing. Gemalt von seinem Leibadjutant Dick Opf. Direkt über dem Bärenfell einer gehäuteten Blondine. Wie sie an seinem Namen schon geahnt haben, kam Bruce mit den amerikanischen Besatzern nach Deutschland, um das heilige Tittenevangelium zu lehren. Er galt als Absolvent der elitären Hugh-Hefner-Akademie der geilen Künste. Damals steckte Hugh Hefners Hochglanzpostille noch in den Babydolls, aber er galt bereits als Verleger einer neuen Generation. Mit diesem Wissen im Gepäck, machte Bruce Twarze sich auf die Socken. Auch von Seiten der Amerikaner hatte er einen Stapel Dollarscheine im Köfferchen. Jahrzehnte später sollte die Bildzeitung aufdecken, dass er Teil des geheimen Marshallplans war, um Deutschland wieder aufzuforsten. Und wenn es nur einen üppigen Busches bedurfte, der an einer freundlichen Wasserscheide grünte.

*

Von den unbedarften Gründertagen war nicht mehr viel übriggeblieben. Kapitalistische Überlegungen bestimmten das Programm. Hektik herrschte in der Redaktion. Die Feuilletonschreiber hatten den Annahmeschluss verpasst, und die aktuelle Ausgabe ging schon übermorgen in Druck! Bärenjäger wurden ausgeschickt. Sie legten ihre Fallen in Schuhgeschäften, Diskotheken und Solarien. Überall da, wo man Blondinen in freier Wildbahn begegnete. Bruce Twarze paffte genüsslich eine Zigarre, die er sich mit einem Schwangerschaftstest anzündete. War er Vater geworden oder nicht? Er hasste Pimmelbingo. Genauso wie Unterhaltsklagen.
Stiftung Blondinentest galt im deutschen Blätterwald als toughes Magazin, mit Fakten so knallhart, wie die Latte von Bruce Twarze. Regelmäßig wurden Blondinen auf den Prüfstand genommen. Auf Hirn und Zwirn geprüft. Legendär war die Ausgabe über schicke Zwickel, nach der sich Sammler heutzutage noch die Wichsgriffel lecken. Doch auch der intellektuelle Teil kam nicht zu kurz. Interviews mit Stars und Sternchen gehörten zum festen Inventar der Stiftung Blondinentest. Zweitausendfünf bekamen sie vom Sender Arte das Kulturlabel aufgedrückt. Wütend über diese Auszeichnung entschied Chefredakteur Bruce Twarze, den Anteil der Geschlechtsorgane im Fototeil zu erhöhen. Es konnte ja nicht angehen, dass man die Stiftung Blondinentest im gleichen Atemzug mit dem Spiegel nannte!

*

Bruce Twarze hatte die nächste Redaktionssitzung in den Golfclub verlegt. So konnte er sich seinen Zerstreuungen hingeben. Und einlochen, wie es ihm lustig war. Heute hatte er sich achtzehn Löcher vorgenommen. Nicht wenig, selbst für einen Gentleman. Aber wuchs ein Mann nicht mit seinen Aufgaben? In sie hinein? Eistee schlürfend hörte er sich die Berichte seiner erfahrensten Reporter an. Niemand Minderes hätte er auf das Feld der Recherche geschickt. Pulitzerpreisträger, mit dicken Eiern in der Hose.
„Jungs, was habt ihr zu vermelden?“
„Wir begegneten einer Sehnenscheide.“
„Also einer ganz sehnigen Scheide.“
„Geradezu knorpelig. Ungenießbar.“
„Was sagen die Bärenjäger?“
„Ach, auf das Volk ist dich kein Verlass. Kaum geht ihnen eine Blondine in die Falle, rufen sie ihr doch schon ein Taxi. Keine blieb zum Frühstück.“
Bruce Twarze sorgte sich um die Zukunft der nächsten Ausgabe. Sie hing am seidenen Faden des Strings einer Stripperin. Apropos: War nicht freitagabends Tabledance in dieser kleinen Bumskaschemme am Flughafen? Ohne eine tragfähige Story konnte er seinen Laden dichtmachen. Die kleinen Kriecher mit dem Notizblock zwischen die Arschbacken geklemmt, ahnten nichts von seiner Not. Der Verantwortung eines Chefredakteurs. Dem Redakteur ist nichts zu schwör. Außer einem Zwei-Zentner-Luder obenauf. Da ächzt selbst ein Gentleman!
„Chef, ich habe einen erstklassigen Skandal recherchiert.“
„Na dann mal auf den Tisch damit. Ob zugewuchert oder rasiert, ist mir egal. Hauptsache Möse.“
„Ich habe mich da neulich wieder in der Damenumkleide rumgetrieben.“
„Inkognito hoffe ich doch, oder?“
„Selbstredend. Ich war als Tampon verkleidet.“
„Und was haben sie herausgefunden?“
„Wilma Lecken ist gar keine echte Blondine. Also obenrum schon, aber mal so von unten betrachtet...“
„Nein, ich fasse es nicht. Sie färbt?“
„Ich sah's mit eigenen Stoppeln.“
„Kalle, das wird morgen die große Schlagzeile!“

*

Nicht nur Schlagzeilen prägten das Bild von Stiftung Blondinentest. Entscheidend waren auch die Tests, die monatlich in der Hauspostille veröffentlicht wurden. Um die Stelle des Testfickers zu bekleiden, wurden hohe Anforderungen gestellt. Geduscht musste man sein. Sich die Schweißkristalle aus den Achseln klopfen, zählte nicht. Auch wenn sie noch so bröckelten. Rieselten, wie übelriechende Schuppen.
Anfangs nahmen sie vor allem verheirate Männer, wegen ihres soliden Lebenswandels. Leider kam es bei Zusammenstößen mit wütend geschwungenen Nudelhölzern zu Verletzten und hässlichen Scheidungen. Horrende Unterhaltszahlungen zehrten am knappen Budget der jungen Redaktion. Entnervt änderte Bruce Twarze daraufhin die Stellenausschreibung: Nun suchten sie Junggesellen. Jung mussten sie nicht sein, aber gesellig. Geübt im Herrenwitz zur vorgerückten Stunde. Ein Krawattenschal musste es schon sein, und ein Überzieher aus feinstem Schlangenleder. Sie hatten einen kulturellen Auftrag zu verteidigen. Und unabhängig mussten sie sein, wie ein Schiedsrichter nach dem fünften Jägermeister.
Bei der Auswahl der Blondinen überließ Bruce Twarze ihnen freie Hand. Es konnte die knusprige Bäckerin von nebenan sein, oder auch das listige Luder mit dem Lungenemphysem aus dem Wartezimmer. Sie musste nur das gewisse Etwas mitbringen, um in das Magazin aufgenommen zu werden. Dafür wurde jede von ihnen auf Herz und Schmerz von den Testfickern geprüft. Rein muss er, und wenn wir beide quieken wie zwei Ferkel. Da nützte es auch nicht, den Freischwimmer auf dem Rücken gemacht zu haben. Besondere Fähigkeiten waren gefragt. Freihändiges Zugreifen! Pelzverbrämte Säume. Immer gut druff! Lies es von meinen Lippen: Das wird ein Superstar!

*

Stiftung Blondinentest galt in Fachkreisen als besonders innovatives Magazin. Mit Fakten, so knallhart wie die Nippel des Titelmädchens. Dazwischen floss das Büchsbier wie ein schäumender Bach, der sich wischen den Schenkeln einer holden Maid ergoss. Jedenfalls, wenn sie Tripper hatte. Allerdings ohne die hässlichen kleinen Bröckchen. Legendär waren die Partys nach Redaktionsschluss, wenn das gesamte Team unter lautem Hallo und Vuvuzelagetröte in den Puff einrückte. Wirklich gute Artikel waren nach solchen Nächten nicht zu erwarten. Eher filzende Läuse und ein Ziehen in der Leistengegend. Bruce Twarze half sich mit seinen kleinen blauen Zauberpillen durch diese Nächte. Er wollte der wilden Jugend in nichts nachstehen. Angst zog ihm die Sackfalten glatt. Da mochte er so oft auf Holz klopfen, wie er wollte. Jüngere Stecher waren am Start, die bald in seine Fußstapfen treten würden. Und das ihm, dem Vater unzähliger Söhne. Jedenfalls, wenn er seinem Anwalt Glauben schenken wollte. Der sammelte alle Vaterschaftsklagen in einem dicken Ordner. Einmal im Jahr bündelte er sie mit einer schönen Schleife, und schenkte sie Bruce Twarze zum Geburtstag.
„Baby, du kannst mich ausblasen. Aber Finger weg von den Kerzen!“
Wenn er nicht pimperte, fühlte er sich unglaublich schlapp. Andere Männer in seinem Alter trugen Sockenhalter. Bruce hingegen Sackhalter. Nur eine handvoll auserwählter Herrenbekleider führte sie noch im Sortiment. In dieser Hinsicht glich er einer alten Frau ohne Büstenhalter. Ungebändigt schwangen sie wie zwei Uhrenpendel.

Noch mehr skurrile Geschichten findet ihr im Buch !

Sonntag, 2. März 2014

Shining


Dannyboy, wenn ich dich erwische, dann haue ich dich in tausend Stücke! Weil du dich zwischen mich und das Hotel gestellt hast. Also nimm deine gottverdammte Medizin wie ein Mann!

Am Ende eines langen Tages mixt Lloyd mir einen Drink. Mit Olive und Strohhalm. Eiswürfel klirren, Frauen in engen Satinkleidern tanzen ausgelassen Charleston. Doch wenn ich mich umdrehe, sind sie verschwunden.

Ich sollte mal im Keller nach dem Heizkessel schauen. Watson hat mich vor dieser alten Kiste gewarnt.