Dienstag, 29. April 2014

Sonntag, 27. April 2014

Gesicht oder Rücken?


Früher waren Cover zweitrangig. In die Auslage der Buchhandlung schaffte es ein Titel nur für wenige Wochen, danach verschwand er in den endlosen Regalreihen. Auf dem Abstellgleis zählten nur noch der Einfeilsreichtum des Verlags in punkto Titel und Typografie desselben. Ausserdem konnte der Leser sofort erkennen, ob es ein dicker oder dünner Wälzer war.

In der neuen digitalen Welt werden Bücher nicht mehr auf Rücken reduziert. Durch die Auflösung der Haptik eines realen Buches, was man anfassen und blättern kann, auf die Reduzierung eines Onlineartikels zur Bestellung, hat unsere Sicht der Dinge verândert. Wir sehen nicht mehr den Rücken als erstes, sondern das Gesicht. Selbst Faltblätter und Broschüren können dank Ebooks theoretisch auf gleicher Ebene an den Start gehen! Das Ebook wird über sein Cover wahrgenommen. Der Umfang des Textes erst an zweiter Stelle.

Freitag, 25. April 2014

Mittwoch, 23. April 2014

Textausschnitt von "Kaltfleisch II - Vergorene Liebe"


Die Kellertreppe war schmaler als das übrige Treppenhaus. Eine regelrechte Hühnerleiter aus Waschbeton. Leicht hätte sich ein ungeübter Hausbewohner den Hals brechen können. Jens hielt sich am Geländer fest, während er den Abstieg wagte. Aus dem dunklen Schlund kam ihm der infernalische Atem einer Bestie entgegen, die schon lange tot sein musste. Jedenfalls dem Geruch nach zu urteilen.
„Puh!“
„Eau de Chanel ist es jedenfalls nicht. Los, weiter.“
Jens folgte ihr, ohne weitere Fragen zu stellen. An den Wänden bröckelte der Putz. Staubige Glühbirnen lieferten ein schwach flackerndes Licht. Ihr Gesicht in Schatten gehüllt, barg dunkle Geheimnisse. Er folgte ihr, als der Korridor eine Abzweigung machte. Hinter der grau gestrichenen Brettertür erwartete ihn eine Wartekammer verstaubter Erinnerungen. Regale voller Einmachgläser, die Hälfte davon nur noch eine schwarze Brühe; die Ernte vieler Sommer verdorben. Halb verrottete Kartons ergossen einen grauen Brei, der aus wichtigen Schriftstücken oder alten Zeitungen bestand. Dominiert wurde der Raum von einem Lattenverschlag, von dem ein erdiger Geruch ausging. In Jens Erinnerung wurde ein Fenster aufgestoßen. Mutter hatte in so einem Ding ihre Kartoffeln eingelagert, bevor der Winter kam. Jeden Sonntag hatte er in den Keller gemusst, um einen alten Flechtkorb zu füllen. Er hatte diesen Geruch geliebt. Hier allerdings waren die Kartoffeln umgeschlagen, es roch sauer. Dazu genügte schon eine faule Knolle. Meistens waren die oberen Schichten noch zu retten. Aber man durfte nicht zu lange warten.
„Ist das dein Keller?“
„Ne, der gehört dem alten Mann aus dem ersten Stock.“
„Und wenn er nun herunterkommt?“
„Nun, zu einem guten Spiel gehören auch Spannung und Nervenkitzel.“
Plötzlich ging das Licht aus. Der durchdringende Geruch wurde stärker. Jens fühlte sich in einem Grab gefangen. Die Wände pulsierten wie ein krankes Herz, man hatte ihn lebendig begraben. Pochen in den Schläfen, Jens bekam einen klaustrophobischen Anfall. In der Dunkelheit konnte er hören, wie Knöpfe klimperten. Ein Reißverschluss wurde aufgezogen. Mutter, bist du wirklich tot? Oder hast du mich gefunden, in meiner schwächsten Stunde? Eine schwammige Hand legte sich auf seine Brust. Tanzte auf der Haut wie Spinnenbeine, und fuhr tiefer. Was in seine Hose griff, war kalt und gummiartig wie die Hand einer Leiche. Jens wurde augenblicklich hart. Seiner Sinne beraubt, bestand die Welt nur noch aus den namenlosen Berührungen und dem modrigen Geruch eines Gespenst, welches im Zwischenreich verfaulte. Raum und Zeit lösten sich auf. Jens befand sich im Schlund der Erde, allein mit Mutter.
„Komm her, mein Sohn...“
Er hatte sie gefunden, die warme Stelle. Der Schleim der Toten, der Schleim der Lebenden.
„So ist es gut Junge, mach weiter.“
Wie eine Nacktschnecke hatte sie sich an ihm festgesogen. Saugte. Pumpte.
„Oh ja, das hat Mami gern.“
Er schrie, um die Dämonen der Vergangenheit zu vertreiben. Und weil seine Lenden sich in weißglühenden Stahl verwandelten.
„Mensch, kannst du nicht ein bisschen leiser sein? Dich hört man bis in die Backstube!“

Wenn du mehr über Jens und seine Mutter erfahren willst, hol dir das Buch!

Samstag, 19. April 2014

Der Panther



(Im Jardin des Plantes, Paris)

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille -
und hört im Herzen auf zu sein.


Rainer Maria Rilke, 6.11.1902, Paris

Des Dichters Auge schmerzt, wenn er die Welt sieht. Manchmal fühle ich mich wie eine gefangene Bestie. Rastlos an den Gitterstäben streifend, die diese Welt bedeuten. Ach Rilke, du hast es kommen sehen! Das Herz eines Mannes ist ein schmiedeeiserner Kerker, wo er seine Gefühle verscharrt. Anders als das Eichhörnchen gräbt er sie nicht wieder aus, um sich an ihnen zu laben. Er ist froh, wenn sein Herz leer ist , wie eine hohle Walnuss.

Donnerstag, 17. April 2014

Na klar, Brühe!


Wer kennt sie nicht, die einfache Lösung? Topf auf, Instantbrühe rein, fertig! Mehl, Kartoffelpulver, Palmöl, Trockenkräuter und viele lustige Aromastoffe. So hat es Mutter Natur bestimmt nicht gemeint. Daher wollte ich euch heute einmal zeigen, wie man eine anständige Gemüsebrühe zubereitet. Eins vorneweg: Es ist einfach, aber braucht Zeit.

Als Suppengemüse eignen sich Karotten, Lauch, Sellerie, und Zwiebeln. Zwiebeln gerne reichlich, das gibt Aroma.

Kauft euch ein Tee-Ei, die gibt es in jedem gut sortierten Haushaltswarengeschäft. Da kommen Lorbeerblätter, Piment und Pfefferkörner rein. Die werden mitgekocht und später weggeworfen. Piment sparsam verwenden, der hat einen Hauch von Nelken.

Nach einer Stunde im normalen, oder einer Viertelstunde im Schnellkochtopf die Brühe auffangen und das Gemüse aussieben. Wenn ihr es püriert, könnt ihr später die Brühe damit andicken. Und jetzt schmeckt es wie bei Muttern.

Dienstag, 15. April 2014

Vergorene Liebe



Es gibt Menschen, die stehen auf reife Frauen. Andere lieben es überreif. Wenn die Feuchtigkeit zwischen ihren Beinen austretendes Leichenwasser ist.

Nach reichlich Magengrimmen habe ich mich für einen zweiten Band entschlossen. In "Vergorene Liebe" findet die Kaltfleisch-Reihe eine würdige Fortsetzung.
 
Wollt ihr lieber das kalte Ebook, oder das fleischige Taschenbuch?

Sonntag, 13. April 2014

Blow Job


Deine kalte Haut
ist glatt
wie ein altes Reptil
welches in den Sümpfen
auf mich
gewartet hat
den Rachen weit aufgerissen
um mich zu verschlingen.

Metallstäbe
bohren sich
durch meine Haut
Gitterstäbe
eines Gefängnistrakts
Hey Baby
machen wir es heute
auf dem elektrischen Stuhl
ich will
dein Gehirn kochen sehen.

Es ist nicht leicht
die Gedanken beieinander zu halten
wenn man
aus seinem Körper rausfällt.

Freitag, 11. April 2014

Das Ding aus einer anderen Welt


Erdlinge! Führt mich zu eurem Anführer! Ich habe frohe Kunde im Gepäck. Einen Augenblick, das Schloss klemmt. Elendiger Kofferraum, das nächste Mal kaufe ich kein gebrauchtes Raumschiff mehr!

Noch nie habe ich in irgendeine Schublade gepasst. Zu grell, zu bunt, zu obszön, zu krank, zu düster, zu widerlich, und, und, und. Meine Bücher waren einfach anders, und die Zeit noch nicht reif dafür. 

Doch Selfpublishing hat den Markt grundlegend verändert. Früher bestimmten Verlage die Genregrenzen. Oder ob ein Genre überhaupt massenoportun genug war, um existieren zu dürfen. Heute bestimmen die Leser den Trend. Neue Genres enstehen, an die kein Mensch gedacht hätte. Und sie existieren, weil die Leser es wollen. Die Revolution der Schubladen hat begonnen.

Mittwoch, 9. April 2014

Fliegen


Angewidert
betrachte ich
die Stummel auf meinem Rücken
und erinnere mich:

auch du
kontest einmal
fliegen
frei wie ein Vogel
niemand
machte dir Regeln
niemand
spuckte dir in die Suppe.

Ich erinnere mich
an das Rauschen der Lüfte
diese Weite
auch im Geist
die Menschen
so klein wie Ameisen.

Was habt ihr
mir angetan?

Samstag, 5. April 2014

Schaufensterpuppen


Wie Schaufensterpuppen
reiben wir uns aneinander
jedes Körperhaar
dem Rasierer geschuldet
blanke Flächen
berühren sich
quietschend
die Preisschilder
fallen zu Boden
im wilden Getümmel
anonymer Freuden.

Eine Projektion
mit dem Fickprojektor
für die es
nicht einmal Menschen braucht
es könnte auch
ein Film sein.

Im Abspann: die Statisten
aber keine Darsteller
selbst für Reibungshitze
sind wir zu glatt.

Donnerstag, 3. April 2014

Bunny is back!


Schnüffelnd schlägt er sich durchs Unterholz, eine geladene Möhre in der Pfote. Bereit, jederzeit abzudrücken. Ein fabulöses Nagetier im Dienste ihrer Majestät. Bekomme ich einen Eierlikör? Oder muss ich selbst abfüllen? Geschüttelt, nicht gerührt.

„Wo hast du die Eier versteckt? Spuck's aus du Sau, sonst muss ich andere Methoden anwenden!"

Na, der wird die die Löffel noch anlegen. Wenn ich mit ihm fertig bin, gibt er vielleicht sogar den Löffel ab. Der Mümmelmann war hier.

Dienstag, 1. April 2014

American Diner


Ich weiss nicht
was uns
immer wieder dazu trieb
unsere Abende
dort zu verbringen.

Am schalen Bier
kann es nicht gelegen haben
oder den unfähigen Barkeepern
die jeden Abend
zwei dutzend Gläser
zerschmetterten
auf dem Altar der Jugend.

An den Türstehern
die nicht oberflächlicher waren als
Bryce Van Patten und McDermott
blutrote Drinks in den Händen
und Bateman
der einem sagte
ob deine Klamotten
in genug waren
für diese Spelunke.

Auf der Toilette
unterhielten sich
zwei Ghettos darüber
ob ihre Pupillen okay waren
Alter
oder doch nur
zwei kreisrunde Mondscheiben.

Sie hatten nicht mehr Tiefgang
als ihre Pupillen.