Samstag, 19. April 2014

Der Panther



(Im Jardin des Plantes, Paris)

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille -
und hört im Herzen auf zu sein.


Rainer Maria Rilke, 6.11.1902, Paris

Des Dichters Auge schmerzt, wenn er die Welt sieht. Manchmal fühle ich mich wie eine gefangene Bestie. Rastlos an den Gitterstäben streifend, die diese Welt bedeuten. Ach Rilke, du hast es kommen sehen! Das Herz eines Mannes ist ein schmiedeeiserner Kerker, wo er seine Gefühle verscharrt. Anders als das Eichhörnchen gräbt er sie nicht wieder aus, um sich an ihnen zu laben. Er ist froh, wenn sein Herz leer ist , wie eine hohle Walnuss.

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