Donnerstag, 31. Dezember 2015

Sprich mit der Hand

https://www.flickr.com/photos/11089605@N08/1551306241/
Gib es doch
einfach zu
du warst die ewige Wichserei leid
nur deswegen
suchtest du eine Freundin.

Und das war kein leichtes Unterfangen
du hast gebaggert
dich zum Affen gemacht
für den Hauch einer Aufmerksamkeit
um dich abzuheben
von der Konkurrenz
die schon mit
den Hufen scharrte am Fenster
um hineinzukommen
in das gemachte Bett.

Dann endlich die süße Belohnung
stundenlang
in allen Stellungen
tagein tagaus
bis aus deinem Schwanz
nur noch heiße Luft kommt
aber du bist glücklich.

Endlich geht ihr miteinander
sie bringt ihre Zahnbürste mit
und bevor du
nach deiner Freiheit fragst
ist sie auch schon weg
ihr lächelt doof
und sucht gemeinsam Möbel aus
sie die Deko
und du hältst dein Maul
lässt ihr ihren Willen
weil du von Dekoration
keinen blassen Schimmer hast.

Du baust das neue Bett zusammen
voller Vorfreude
während sie
Teelichter positioniert
und Bilder aufhängt
aus den Zeiten
wo ihr geil aufenander wart
und nicht von lassen konntet
bis alles wund war.

Du ahnst nicht
dass du eine Reliquie aufbaust
ein Memorium.

Sie wird müde sein
sie wird Kopfschmerzen haben
sie wird dich entmannen
und dir die Rolle
des Verführers nehmen
sie wird dich warten lassen
bis dir vor Wut
der Kragen platzt
und von Lust keine Rede mehr sein kann
nur von Rache
du fiedelst sie durch
bis sie am nächsten Tag
nicht mehr laufen kann.

Das ist der Moment
wo du deine Hände ansiehst
und du wieder
am Anfang stehst
wütender als zuvor
enttäuscht
vom Leben und von ihr.

Sonntag, 27. Dezember 2015

Leseprobe aus "Christoffer V - Opferwald"


Christoffer ließ sich treiben. Schnüffelte in der Luft nach einem Hauch weiblichen Parfüms wie ein Hund. Blumig, spritzig, schwer. Ein bestimmter Frauentyp erschien ihm nicht wichtig. Hübsch musste sie sein. Und verfügbar. Sie musste allein unterwegs sein. Schwieriger noch: Kein Mensch durfte ihr Verschwinden merken, bevor Christoffer mit ihr fertig war. Wo also konnte er sie niederringen? Seine Gedanken rasten im gleichen Tempo, wie Blut in seinen Schwanz pumpte und er wieder hart wurde. Er dachte an buschige Vorgärten. An harmlos wirkende Parkstücke, verschwiegen im schwachen Licht der Laternen. An Hofeinfahrten mit defekten Bewegungsmeldern. Stundenlang irrte er durch die Gassen. Zweifelte an seiner spontanen Strategie. Längst hätte er in einer Kneipe sitzen können, und Süßholz raspeln, um ein dummes Luder gefügig zu machen. Wärmer wäre es dort allemal gewesen. Warum mussten ihn die Biester auch nur so geil machen?
„Ja klar, mache ich. Weißt du ob Wiebke auch kommt? Ach nö! Sag nicht dass sie jetzt mit Heiko zusammen ist. Der Typ ist voll der Macho.“
Sie konnte ihn nicht sehen, wie er an der Pappel lehnte. Ihre volle Aufmerksamkeit galt dem Smartphone in ihren Händen.
„Woher ich das habe? Das weiß doch jeder.“
Viel konnte er nicht von ihrem Gesicht erkennen. Eine blonde Lockenmähne blitzte unter einer mit kleinen Rentieren gemusterten Mütze hervor. Klein war sie und zerbrechlich wie ein Schulmädchen. Christoffer konnte nur schwer hoffe, keine Minderjährige abzuficken.
„Nein, ich habe nicht mit ihm geschlafen. Bloß weil ich-“
Den letzten Satz brachte sie nicht zu Ende. Da hatte Christoffer sie am Kragen gepackt und gegen die Wand geknallt, dass eine Delle in der Wärmeverbundplatte blieb. Putz bröselte zu Boden. Das Styropor half nicht nur dabei, Energie zu sparen. Auch wenn man Brustvieh dagegen schlug, dämpfte es den Knall im Inneren. Aus ihrem Hinterkopf sickerte dickflüssiges Blut. Nicht genug, ihre Augenlider flatterten.
„Frohe Weihnachten. Du bekommst die Rute.“
Christoffer zerrte sie zu Boden und knallte ihre Kopf auf den Asphalt. Der deutlich härter war im Vergleich zur gedämmten Wand. Ihr Smartphone flog zwei Meter weiter, das Display geteilt durch einen diagonalen Riss. Und immer noch sabbelte es aus diesem kleinen Kasten heraus. Unterhielten sich ihre Freunde mit ihr. Sie sprachen ins Leere ohne es zu ahnen. Ging es ums Reden, besaßen Mädchen endlose Energien. Das hörte erst auf, wenn man ihnen den Saft abdrehte. Dann aber endgültig.
„Jenny? Der Empfang wird schlechter. Komm aus dem Funkloch, kleines Mädchen.“
Das Handy zermalmte er unter seiner Stiefelsohle, bis es keinen Pieps mehr machte. Jennys Freunde konnten ihr nun auch nicht mehr helfen. Es fehlte noch, das eines dieser Biester sie per Geo-App ortete. Wobei... Christoffer war Manns genug, es mit mehreren Weibern gleichzeitig aufzunehmen. An Potenz und Willen mangelte es ihm nicht, im Gegenteil. Bloß die Zeit war nicht sein Freund. Bald schon würde man ihn entdecken. Zitternd und stammelnd mit dem Finger auf ihn zeigen wie eine schwärende Wunde am Gesäß der Menschheit. Die Fenster zuknallen und eine dreistellige Nummer wählen. Wenn er sich nicht sofort auf seine schmutzige Arbeit konzentrierte.
Im Schutz einer Hofeinfahrt machte er sich über sie her. Knopfjeans. Das blöde Aas trug Knopfjeans! Nichts hasste er mehr an einer Frau. Als dass ihre Kleidung sich der Schändung wie ein Bollwerk der Moral entgegen stellte. Wütend riss er das Kleidungsstück entzwei. Christoffer war erleichtert: Sie trug Schamhaare. Keine Ahnung wie alt genau sie war. Fragen konnte er sie nicht mehr. Aber wenigstens war ihr Kätzchen flauschig. Er streichelte sie. Nun gehörte das kleine Tier ihm ganz allein. Welche Stellung gebührte einer Toten? Er war zu gierig gewesen. Christoffer hatte ihre kostbare Lebenszeit sinnlos verschwendet. Die er genussvoll mit abwechslungsreicher Folter hätte füllen können. Er zog ihren schlaffen Körper hoch und lehnte ihren Kopf gegen die Hauswand wie eine Buchstütze. Köpfchen unters Wasser, Pfläumlein in die Höh! Sie hätte nicht hübsch zu sein brauchen. Ihr Gesicht schleifte am Boden wie das blaue Ende eines Radiergummis. Das rote Striemen am Boden machte. An ihre Lippen kam er in dieser Stellung schwer heran. Am Ende biss er ihr die Fotze aus. Schmeckte seinen eigenen Saft, salzig wie eine Auster. Das Fleisch war warm und fest wie bei einer Legehenne. Nicht ausgeleiert wie bei einem alten Muttchen. Nur widerwillig löste es sich aus ihrem Schritt. Kurze Haare ziepten erst wie Geschenkpapier das man in die Länge zieht, und kräuselten schließlich ein. Ein wenig blieb ihm zwischen den Zähnen hängen. Christoffer spuckte ihr Fötzchen in seine Manteltasche. Er würde ihn in die Reinigung bringen müssen.

Neugierig? Als Taschenbuch und Ebook im Handel erhältlich. Und demnächst auch für Tolino.

Freitag, 25. Dezember 2015

Mittwoch, 23. Dezember 2015

Opferwald


Fürchtet euch nicht im Wald. Ihr seid nicht allein. Durchatmen, die Seile werden kaum lockerer. Bald bist auch du an der Reihe...

Das lange Leiden hat sich gelohnt, die Qual war es wert: Band fünf ist endlich da, harhar! Diesmal werden die Opfer verschnürt, geknebelt, ge...!


Als Taschenbuch und Ebook im Handel erhältlich. Und demnächst auch für Tolino.

Montag, 21. Dezember 2015

Eine links, eine rechts

https://www.flickr.com/photos/catnapping/121013165/
Träumen
kannst du später noch
nach den Tränen
komm her
sieh mich an
ich schlage dir die Backen rot
sollst einmal
was Anständiges lernen
das glatte Hemd
die gewichsten Schuhe
deine Hände über der Decke
dass du dich
ja nicht selbst beschmutzt.

Lass es sein
das alberne Spielzeug
Firlefanz.

Verloren
in den Weiten des Alls
reduziert auf den kleinsten Punkt
ein funkelnder Stern.

Ich werde stark sein
ich werde erwachsen sein
ich zittere
ja
ich werde erwachsen sein.

Samstag, 19. Dezember 2015

Wie macht man eine Frau sprachlos?

https://www.flickr.com/photos/xlordashx/3037444980/
...indem man ihren Kehlkopf zertrümmert!

Donnerstag, 17. Dezember 2015

Mein Herz

https://www.flickr.com/photos/knitsteel/2975513127/
Die Theaterränge sind leer
ich habe dich längst gebeten
einen stillen Platz zu suchen
wo uns kein Zuschauer belästigt.

Ich werfe mein Herz
in eine schmiedeeiserne Pfanne
und brate es
scharf an
von beiden Seiten
es ist nicht einmal
richtig durch
es blutet noch
in der Mitte.

Willst du es süßsauer
begleitet von Essiggürkchen
rustikal
auf einem Holzbrett?

Oder lieber roh
auf Brot und mit Salat
Meersalz und Knoblauch?

Ich weiss nicht
wie du mein Herz
gerne serviert hättest
oder wonach
es schmecken soll.

Dienstag, 15. Dezember 2015

Die deutsche Wirtschaft

https://www.flickr.com/photos/wm_archiv/3938708464/
Es mangelt ihnen an Fachkräften
wie es Anderen
an Verstand mangelt
wir sind das einzige Land
wo Zeitarbeit
ein Ausbildungsberuf ist.

Wer möchte nicht
im Hotelgewerbe arbeiten
zu Arbeitszeiten
an denen jede anständige Familie zerbricht
für einen Hungerlohn?

Wer möchte nicht
als Altenpfleger arbeiten
alleingelassen
mit vierzig Patienten
in der Nachtschicht
und Münzen werfen
wer ihm unter
der Hand wegstirbt?

Wer möchte nicht
einen ehrbaren Beruf lernen
als Maschineneinrichter
oder CNC-Fräser
wenn am Ende
die Lohnprostitution winkt
wie jedem
ungelernten Arbeiter?

Willkommen in der Lehnsherrschaft
Heere von billigen Wanderarbeitern
rammeln unsere Autobahnen
auf und ab
und selbst die Autobahnen
wurden von Bulgaren und Rumänen gebaut
weil die billiger sind
auf dem internatinalen Arbeiterstrich!

Sonntag, 13. Dezember 2015

Glühwein

https://www.flickr.com/photos/toolmantim/6526856999/
Ich mag nicht mehr
da rausgehen
wie durch einen Filter
nehme ich sie
nein ich nehme sie
nicht wahr
wenn es nach mir ginge
würde ich das Haus
nicht mehr verlassen.

Ich hasse das Gewusel
enttäuschter Hoffnungen
das richtige Geschenk
findet niemand
höchstens den Glühweinkocher
am heimischen Fenster
ein paar Orangenscheiben
und Spekulatius.

Nikolaus liegt in einer Schneewehe
die Kehle aufgeschlitzt
blutrot funkelnde Kristalle
aus seinen Rentieren
nähe ich mir eine warme Decke
gegen finstere Gedanken.

Ich hasse sie immer noch
aber ich habe Glühwein
und meine Träume.

Freitag, 11. Dezember 2015

Mittwoch, 9. Dezember 2015

Der Weihnachtshasser

https://www.flickr.com/photos/glenn-in-japan/4171747002/
Von allen Ecken
dudeln sie es dir
ins Gewissen
dass der Sohn des Herrn
aus dem Christstollen kroch
und am Ende
den Türrahmen mitnahm
weswegen er
bärtig blieb.

Reicht mir Glühwein
Schupfnudeln und Sauerkraut
und ich kotze euch
in die Schnitzereien
aus dem Erzgebirge.

Ihr könnt euch den Advent
in den Arsch schieben
samt Kranz
und den Kerzen
bis aus euren heiligen Mündern
ein seliges Leuchten kommt.

Montag, 7. Dezember 2015

Lieber Nikolaus

https://www.flickr.com/photos/v230gh/11350687715/
...ich hau dir auf den Sack!

Samstag, 5. Dezember 2015

Ist das Leben tödlich

https://www.flickr.com/photos/mecklenburg/12727785654/
...werden es die Grünen verbieten!

Donnerstag, 3. Dezember 2015

Familiar

https://www.flickr.com/photos/posterboynyc/6050117154/
I seem to know
your face
it looks familiar to me
like a cold angel
smiling.

Did we ever met?
Did we play hide and seek
did we play
the beast with two backs?

Even it was
i don't recall your face
i pretend
not to know you
even if i do.

Your skin tastes different
this time.

Dienstag, 1. Dezember 2015

Der Sinn des Lebens

https://www.flickr.com/photos/h-k-d/6171907581/
Was ist Leben
was ist Liebe
was ist Erfolg?

Ein ewiges Gehetze
nach Maximen
die man aus dem Vorgarten des Nachbars zieht
doch diese Blumen
wachsen nur beschwerlich.

Verwirkliche ich mich
in einem Baum
oder einem Fertigbauhaus
setze ich Kinder in die Welt
oder lege mir
einen Hund zu
bin ich einsam
oder glücklich an der Gesellschaft
die ich habe?

Könnte ich
noch eine schönere Frau haben
oder nur eine
die weniger kompliziert ist
schimpfe ich wie ein Kind
vor Malkreide auf dem Asphalt
was Himmel sei
und was Hölle?

Bin ich glücklicher
mit dem doppelten Gehalt
oder mehre ich meine Sorgen
welches Depot ist das Richtige
und welche Aktie
passt zu meinem Risikoprofil?

Manchmal reicht es
glücklich zu sein
oder zu kämpfen
für Werte an die man glaubt
für Menschen die man liebt
und für die Freude
des Augenblicks.

Sonntag, 29. November 2015

Erwachsen

https://www.flickr.com/photos/27384147@N02/4626763617/
Du warst einmal
ein verspieltes Kind
hattest Träume
noch lange
bevor du
ein Bankkonto hattest
und einen Hut trugst.

Ich könnte
wenn ich wollte
nein
du könntest nicht mehr
lass los
was vorbei ist
ist vorbei.

Hier stehst du am Grab deiner Kindheit
der Junge ist gestorben
und du weisst nicht einmal
das Jahr oder
den Tag
er ist gegangen
in das ungewisse Niemandsland.

War es gut
erwachsen zu werden
oder habe ich unwiderbringlich
etwas Liebgewordenes verloren?

Freitag, 27. November 2015

Ringkampf

https://www.flickr.com/photos/worldseriesboxing/16295538983/
Sitzt der Ring erst einmal fest
ist alles lose.

Wir schreien uns an
belegen uns
mit Vorwürfen
ballen die Fäuste
und werfen um uns
mit allem
was nicht niet- und nagelfest ist
jede Woche
erneuern wir unseren Hausrat.

Schweigen uns an
wo jedes weitere Wort
zuviel wäre
und der Griff
in die Messerschublade
nicht nur ein Gedanke.

Fressen uns fest
an alten Themen
hören weg statt zu
schieben uns hinein
in Rollen
die keinem so recht passen mögen
die Haut platzt
und offenbart ihre blutige Wahrheit. 

Hamster scharren in ihrem Rad
und wetzen sich
die Krallen wund.

Mittwoch, 25. November 2015

Herr der Hunde

https://www.flickr.com/photos/nmc-campus/860234602/
Ich halte meine Knotenhand straff und fein, an jedem Gelenk eine Leine. An jedem Finger ein Höllenhund. Wir sind gekommen die Welt in Stücke zu zerreißen. Wir sind gekommen um die eitle Jugend zu beerdigen. Wir sind gekommen um den Alten die Hoffnung zu nehmen.

Aus jedem Pfuhl ein pelziges Dutzend, Mäuler zum Zerbersten gespannt. Das Tierreich kennt keine Verschwendung. Aus fahlem Aas erwachsen bunte Blumen. Die Welt hat kein Gesicht mehr. Schakale haben es ihr abgenagt. Schicht um Schicht, die Haut wie Girlanden eines fernen Abschieds.

Hinaus zum Seebegräbnis, die Segel sind gehisst. Auf dass wir die Aschekiste der Zivilisation nehmen und ausleeren bis kein Schmutz mehr übrig bleibt. Nichts mehr zu tilgen von dieser Welt, für die Seefahrer einst losgezogen sind mit Booten voll der Hoffnung und kräftigen Matrosen. Die Nachhause kehrten mit wunden Kehlen und siechen Leibern voller Geschwüre und Krankheiten aus der neuen Welt. Wir haben alles erobert. Wir haben nichts gewonnen.

Montag, 23. November 2015

ALL AMERICAN FRIENDS

https://www.flickr.com/photos/bryonlippincott/14545264513/
Du sprichst mit ihnen
ohne sie anzusehen
du malst ihnen
bunte Bilder vor
und willst nicht
dass man
deine wunde Seele ertastet
in der Dunkelheit
du nennst sie Freunde
und doch
nennst du sie Niemand
nennst du sie
das Angesicht der Zeit
nennst du sie Asche
nennst du sie Staub
sie hätten dir
bestimmt zugehört.

Lächle weiter
für alles Andere
gibt es profunde Psychiater
die dir
die Schrauben wieder geradeziehen.

Samstag, 21. November 2015

Maria Magdalena

https://www.flickr.com/photos/100180246@N05/16691827879/
Ich sah Gott
in der Reflektion eines Barspiegels
kühl und silbern
wie einen Bergsee.

Ich sah Gott
in den Tiefen meines Glas
er würde barmherzig sein
und meinen Deckel zahlen.

Ich sah Gott
in den Strümpfen einer Hure
raschelndes Nylon
der Herr ist mein Hirte
er weidet mich
an einer haarigen Aue
und umschliesst meinen knochigen Arsch
mit sündhaften Schenkeln.

Ich sah seine heilige Schöpfung
und fand doch nichts
als einen fahlen Kater
und den Ausschlag einer Hure
rot und juckend
wie eine Hagebutte.

Donnerstag, 19. November 2015

Dienstag, 17. November 2015

Bitte nicht stapeln!


Seid gewarnt liebe Verpackungskünstler und Folienaspiranten! Ich bin nicht pflegeleicht. In der Waschmaschine nehme ich illustre Formen an und ruiniere die Trommel. Ihr könnt mich nicht verbiegen. Ihr könnt mich nicht falzen. Und vor allem könnt ihr mich nicht in der Ecke stapeln.

Probiert es doch, und wascht mir das Schandmaul mit Seife aus. Der Schmutzpoet trübt euer Wasser und erleuchtet eure Herzen. Aber sauber wird er nie.

Sonntag, 15. November 2015

Schneeflöckchen

https://www.flickr.com/photos/98586922@N02/9310427080/
...ich greif dir unters Röckchen!

Freitag, 13. November 2015

Ausgekratzt

https://www.flickr.com/photos/miguelvaca/1408028254/
Ich habe mir
meine Augen ausgekratzt
mit Fingernägeln so spitz
um blind zu sein
für dich.

Ich habe mein Hirn
mit einer Schrotflinte
bis zu den Nebenhöhlen ausgepustet
bis kein Gedanke mehr darin war
an dich.

Ich habe
mein Herz ausgekratzt
mit einem glühenden Schürhaken
und doch

verschwindest du nicht
stehst du stumm und anklagend
fragst dich
warum ich dich
verbannen wollte
und ich fühle mich mies
so abgrundtief mies.

Mittwoch, 11. November 2015

Woran erkennt man einen schwulen Neger?

https://www.flickr.com/photos/jobido/416727090/
Er wirft seinen Penis über die rechte Schulter!

Montag, 9. November 2015

Drachentöter

https://www.flickr.com/photos/dskley/6108763155/
Der Boden ist von Narben durchzogen und gibt nach unter meinen Stiefeln mit den weichen Lederkappen. Ich habe Angst eines Tages doch einzubrechen in deinem Herz. Über sieben Berge wollte ich einst gehen um dir die sieben Zwerge zu erschlagen und den Drachen noch dazu. Du versprachst mir Küchenkräuter und die ewige Treue hinzu. Mein Magen knurrte, meine Libido kämpfte gegen das Gefängnis ihres Lendenschurzes. Nie fragtest du mich, warum ich losziehe den Drachen zu erschlagen oder was ich mir damit beweisen wollte. Warum ich nicht einfach mit dir sprach. Der Drache ist tot, die Zwerge der Länge nach im Garten aufgeschichtet. Und immer noch ziehe ich um die Häuser. Pflücke Blumen um dir zu gefallen. Verwickle Wilfremde in Schlägereien, nur um meine blutige Faust zu schmecken und den Schmerz. Um mich zu fühlen wenn ich dich schon nicht fühle.

Ich wetze meine Klinge über dem Stein. Ich öle mein Schwert dass es keinen Rost ansetzt. Ich habe eine Aufgabe. Ich habe einen heiligen Kreuzzug der Liebe. Was bliebe von mir? Ich schnüre den Waffengurt. Die heilige Schlacht um dein Herz dauert jeden Tag.

Samstag, 7. November 2015

Blattgesicht


Ich bin kein unbeschriebenes Blatt. Wenn ich durch die Gassen meiner Heimatstadt flaniere, erkennen mich mehr Menschen als ich Menschen kenne. Hoffentlich war ich anständig. Warum sonst sollten mich ihre Blicke verfolgen?

In meinen Adern fließt Tinte. Mein Herz schlägt im Rhythmus der Schreibmaschine. Ihr Anschlag ist Vorgabe und Knebel zugleich. Ich mache Pause von der Schriftstellerei, bis ich einen klaren Kopf habe. Aber bloggen geht immer. Stillehalten ist nicht mein Ding.

Wenn die Tage düster werden und der Nebel schwer auf der Seele lastet, trinkt eine Tasse Tee und lest ein gutes Gedicht. Das hat noch jeden Rübengeist vertrieben. Schamlos werd ich meine Blätter verlieren, bis ich nackt dastehe. Der Kaiser hat keine Kleider mehr.

Donnerstag, 5. November 2015

Dienstag, 3. November 2015

Geschieden

https://www.flickr.com/photos/ripdownthetapestries/4430536032/
Ich kann ihnen
nicht mehr in die Gesichter sehen
mein einladendes Lächeln versteinert
ich kann nicht mehr
die Hure spielen.

Dabei habe ich es
nie verlernt
das alte Spiel
um dampfende Körper
und schmutzige Laken
ich bin es nur satt.

Die Sonne geht unter über all diesen Fenstern
ich drehe mir meine kleinen Zigaretten
ich lächle
ich suche den Körperkontakt
wie eine Sprache
die ich verlernt habe
und wenn ich abspritze
ist es
als wäre alles schon einmal dagewesen.

Sonntag, 1. November 2015

Glück ist

https://www.flickr.com/photos/by-james/130706495/

...ein vierzackiges Sägeblatt!

Freitag, 30. Oktober 2015

Dirty Dichter Kalender 2016


Oh du gemeine, gnadenbringende Weihnachtszeit! Tritt dem feisten Nikolaus in seinen prallen Wanst, er soll seine Geschenke wieder einpacken. Denn nun kommt der neue Kalender vom Dirty Dichter!

Mittwoch, 28. Oktober 2015

Betroffen

https://www.flickr.com/photos/medienmagazinpro/7261687008/

Eine Flutwelle in Thailand
löscht tausende Menschenleben aus
ich bin betroffen
ein Erdbeben in Mexiko
begräbt Menschen
unter seinen Trümmern
ich bin betroffen
in China fällt ein Sack Reis um
ich bin betroffen.

Nicht einer unserer Berliner Knallchargen
ist wirklich persönlich betroffen
dann wäre er nämlich verletzt
oder tot
aber es tut gut
betroffen
in die Kamera zu blicken
kostenlose Werbung für die eigene Sache
und die Partei
nimmt man im Vorbeigehen mit.

Man ist auch hierzulande
betroffen
über Kinderarmut
Obdachlosigkeit
gesetzlose Viertel und Parallelgesellschaften
eben nur betroffen
das langt schon
man muss nicht handeln
nichts ändern
nur das betroffene Gesicht
schmerzverzerrt in die Kamera recken
abnicken
und weiter mit der Limousine
das erlesene Menü wartet
damastene Tischtücher
und Weingläser aus Bergkristall.

Montag, 26. Oktober 2015

Unter Tieren

https://www.flickr.com/photos/alyssafilmmaker/4420756668/
Ich wandte mein Antlitz und sah in die Sonne bis ich blind wurde für die Welt. Das Pack stinkt aus allen Poren und siecht so vor sich dahin. Es gab Zeiten wo ich ihnen vertraute. Wo ich Menschen in ihnen sah. Erleuchtung, oh grausige Erleuchtung. Was unterscheidet sie von den Tieren? Was unterscheidet sie von billigem Schlachtvieh, das tausendfach in den Supermärkten landet?

Ich blickte in den Mond, meinen dunklen Bruder. Ich erzählte ihm von meinen Nöten und Ängsten. Von meiner Einsamkeit unter den fahlen Tieren. Von den Nächten wo Ebbe und Flut an mir zerren wie Hunde an einem Knochen. Ich wälzte mich und schrie in ihren Exkrementen. Sie sind es nicht wert. Immer wieder sage ich mir es auf wie einen Abzählvers. Bis keiner mehr übrigbleibt.

Ich suchte die Sterne ab am Horizont, ob sie mir freundlich gesinnt sind. Ich suchte das Schicksal im Zelt einer Zigeunerin. Ich suchte einen brennenden Busch in der Wüste. Mag sein ich suchte Erlösung von meiner Qual. Ich fand einen wasserspuckenden Satyr auf der Kante eines hohen Dachs, der mir von den Frauen am Brunnen erzählte. Sie tragen die Last ihres Wassers auf den Schultern bis zu ihrer Hütte aus Lehm. Ich rieb eine Lampe, und der Geist erfüllte mir drei Wünsche. Keiner von ihnen vermochte es, mich glücklich zu machen. Also lief ich weiter in die Wüste.

Ich sah in die Sonne. Ich breitete meine Schwingen aus. Der Teufel ist nur einer von vielen Engeln, und er spricht in fremden Zungen. Er spricht zu den Tieren. Er hasst die Menschen.

Samstag, 24. Oktober 2015

Ich nehme dich mit

https://www.flickr.com/photos/jonathankosread/6755508197/
Die Trommel rotiert
und ich bleibe still
die Zähne zusammengebissen
wie ein Versprechen
ich werde dich immer lieben.

Doch jetzt
rotiert die Trommel
Bilder von dir und mir
auf dem Jahrmarkt geschossen
dumm grinsend
wie Frischverliebte.

Ich betrachte zwei Fremde
die bunten Lichter
vom Riesenrad
und frage mich
wem die letzte Kugel
in der Kammer
gehört.

Wer gebietet die Ewigkeit?

Wessen Finger
sitzt am Abzug
erkenne ich mich wieder
in der Gegenwart
wird mein Trommelfell reißen
wenn der Schuss fällt?

Donnerstag, 22. Oktober 2015

Kastanienmännchen


Leck meine stachligen Eier, 
ich bin das böse Kastanienmännchen!

Den ganzen Sommer über brütete ich in meinem Kokon. Wie der Herbst dieses Jahr wohl wird. Ob die Kinder mich schänden und mir Zahnstocher in den Arsch schieben. Ob man mich auf dem Fenstersims ausstellen wird wie eine Jagdtrophäe, bis ich runzlig und vertrocknet bin.

Ich wartete auf den richtigen Moment, um jemanden auf den Kopf zu fallen. Das Jahr geht zu Ende. Wir Kastanien regnen auf euch hernieder wie Schrapnelle. Da hilft kein Schirm und keine Mütze. Diese Nuss wird euch Kopfzerbrechen bereiten.

Dienstag, 20. Oktober 2015

Das Leben ist kein Ponyhof

https://www.flickr.com/photos/jasonparis/8063926965/
...sondern eine Pferdemetzgerei!

Sonntag, 18. Oktober 2015

Kasper mach dich bereit

https://www.flickr.com/photos/4nitsirk/4394887329/
Ich habe die Schnauze voll
gestrichen voll
von diesem billigen Puppentheater
du sagst immer
ein Auftritt noch
dann wird alles besser
dann vergessen wir unsere Sorgen
morgen früh
in einer anderen Stadt.

Und während die Roadies
die Scherben zusammenkehren
die enttäuschten Kinder
denen wir
kein Lächeln mehr
zu entlocken vermochten
geht die stählerne Maschinerie weiter
tragen sie unsere
halbtoten Körper
zur nächsten Bühne
die Hand im Nacken
wie ein Zwang.

Wenn ich es dir sage
dann beißst du
die Hand die dich füttert
und durchtrennst die Fäden
die dich gefangen halten
wir brennen durch.

Freitag, 16. Oktober 2015

Mutterkorn


https://www.flickr.com/photos/nikonvscanon/412416958/
...für einen ausgeglichenen Farbhaushalt!

Mittwoch, 14. Oktober 2015

Die nächste Runde geht auf den Tod


https://www.flickr.com/photos/clintcatalyst/9322259909/
Ich bestelle noch ein Bier
zünde noch eine Zigarette
Leuchtfeuer
in der Nacht
mein Lachen geht
in einen rauen Husten über
es brennt in der Kehle
wie Feuer.

Seine Kapuze verhüllt
vollständig das Gesicht
und doch braucht es keine offensive Geste
um zu wissen
dass darunter
ein Knochenschädel liegt
seine Sense
lehnt neben ihm
er hat ein Bier bestellt
wie ich
dazu Spiegeleier und Schinken
die er mahlend verschlingt.

Ich versuche
seinen Blick zu ignorieren
vielleicht verwechselt er mich
mit jemand Anderem.

Vielleicht sieht er in mein kleines Herz
fühlt den Schmerz
und bietet mir
einen Deal an.

Vielleicht hat er auch nur Feierabend
und schont mich
eine weitere Nacht
ich wische mir Schaum von den Lippen
und bestelle
ein weiteres Bier.

Wäre ich mutig
würde ich ihm zuprosten
ihn auf einen Drink einladen
doch er würde es
als Bestechung nehmen
seinen Schattenkopf schütteln
wie vor einem kleinen Kind
das darum bettelt
länger aufbleiben zu dürfen.

Montag, 12. Oktober 2015

Sonntag, 11. Oktober 2015

Pornostars

https://www.flickr.com/photos/emanuellejameson/8184377343/
Ich bin enttäuscht
dabei hatten wir
so eine gute Beziehung
zueinander aufgebaut
ich war fast soweit
die seichte Story zu glauben
die zwischen dem Eintreffen des Klempners
und der Szene im Schlafzimmer lag.

Gesichter kommen und gehen
manchmal kommen sie auch auf die Gesichter
und es klebt
wie Tapetenkleister.

Da ist ein neues Loch
dehnbar bis zum Anschlag
unergründlich wie ein Krater
und alle Studios
stürzen sich darauf
das Luder bekommt es besorgt
bis es O-beinig zur Bank kriecht
um seinen Gehaltsscheck zu lösen.

Dann kommt der Moment
wo alle Hengste
die Stute bestiegen haben
und niemand mehr
ihr Loch sehen will
geschweige denn ihr Gesicht.

Eigentlich schade
ich gewöhne mich ungern
an neue Gesichter
ich liebe es
vertrauten Personen zuzusehen
gebt mir wenigstens
für einen kurzen Moment
das Gefühl
dass ihr nicht nur
für das schnöde Geld allein
euren Körper hergebt!

Samstag, 10. Oktober 2015

Verschmolzen

https://www.flickr.com/photos/mcgraths/2749776706/
Ich halte dich
fest mit Küssen
Nase an Nase
Bauch an Bauch
Fuß an Fuß
ineinander verschlungen
wie ein ewiges Rätsel
wie eine Schlangengrube
und lasse dich
nicht los
aus der Zeit
fiel ein Kokon
warm und weich.

Habe ich dir jemals
etwas versprochen?

Es braucht keine Worte
um zu wissen
dass keiner feige auskneift
vor dem Abenteuer Leben
vor der Liebe
und all dem dreckigen Rest
nicht einmal
ein Gedicht bräuchte es dazu.

Freitag, 9. Oktober 2015

Arbeitszeitverdichtung

https://www.flickr.com/photos/bob_u/4436341859/
Komm pack mit an
zusammen schaffen wir das
setz Kaffee auf
es könnte länger dauern
und ruf schon mal
den Pizzadienst an
denn zur Mittagspause
wirst du die Firma nicht verlassen.

Halte dein Handy bereit
was ist schon Wochenende
wenn anstehende Aufgaben
besprochen werden müssen.

Der Großkunde hat angerufen
die Lieferung muss nächste Woche draußen sein
sonst findet er
einen billigeren Sklaven
dessen Buckel
belastbarer ist
als deiner
Heerscharen billiger Tagelöhner
warten nur darauf
während du
nicht mal mehr zum Pinkeln abstempelst
du lässt es einfach laufen
jeder deiner Schritte
ist optimiert
von Unternehmensberatern
Reißbrettkapitalisten mit sauberen Krawatten.

Mehr Druck
und aus Kohlenstoff
wird ein Diamant.

Donnerstag, 8. Oktober 2015

Kasperle


Seid ihr auch alle da? Gut, dann kann es losgehen. Ich lasse meine Masken fallen. Ich ziehe den Handstumpf aus meinem Kostüm. Das liebe Kasperle führt ein bizarres Eigenleben.

Viele fragen sich vielleicht, warum ich blogge. Wozu ich mich buchstäblich zum Hampelmann mache, wütende Texte gegen diese Gesellschaft schreibe und in peinliche Kostüme schlüpfe. Ihr fragt euch, wer Dirty Dichter wirklich ist. Warum gibt sich der Schriftsteller Thomas Reich nicht damit zufrieden, fleissig an seinen Büchern zu schreiben? Warum der ganze alberne Firlefanz?

Weil ich meine Freiheit brauche wie eine eiserne Lunge. Nur in der Höhenluft kann ich durchatmen. Es geht mir um ein anderes Kunstverständnis. Wer denkt ich brauche es für mein Ego der Schmutzpoet zu sein, der irrt. Ich schreibe diesen Blog nicht aus Imagegründen. Ich habe mir eine öffentliche Bastelstube eingerichtet. Romane können einengen. Um gut verkauft zu werden, unterliegen sie einem kommerziellen Korsett. Ich bin eine Hure der Leserwünsche. Aber ihr zahlt einen Preis. Und manche Bücher ficken zurück!

Eine Kunstfigur? Nein. Eine Figur, die mit Kunst spielt. Als die Reise begann, gab es noch keinen Dirty Dichter. Ich kleidete meine Gedanken in neue Gewänder. Ich gab der Figur einen Namen. Im Grunde genommen ist Dirty Dichter nicht anders als meine Romanfiguren. Ich schlüpfe in eine Rolle und gehe darin auf. Was würde diese Figur tun? Und doch ist es mehr, so viel mehr.

Dienstag, 6. Oktober 2015

Luzifer

https://www.flickr.com/photos/cityofsin/7915756528/
Ich breite meine Schwingen
greife hinein ins Fleisch
bis das Blut fließt
und ich ihre Seelen schmecke
die Sterne versengen mein Gefieder
im freien Fall
gelingt es mir nicht
die Reißleine zu fassen

Ein Komet ging zu Boden
sein Krater ruht vor Mexiko
ich spielte Karten
bevor ein Fischer auszog
neue Freunde zu finden
die seine Ideen teilten.

Und als sie ihn ans Kreuz schlugen
war ich froh
keinen Vater zu haben.

Der Morgen wäscht mich rein
von den Sünden der Nacht
im kühlen Silber eines Bergsees
sehe ich meinem anderen Ich
stolz in die Augen
bis es
seinen Blick senkt.

Sonntag, 4. Oktober 2015

Samstag, 3. Oktober 2015

Flüchtlingsheim

https://www.flickr.com/photos/95213174@N08/20732910528/
Schlaf ist ein deutsches Wort
das ich nicht kenne
wenn die Kinder
durch die Gänge rennen
Mütter ihre Wäscheleinen spinnen
der Streit um die Duschen
der Streit um die Essensaugabe
und die Ewiggestrigen ihre Fehden spinnen.
 
Nichts hat sich geändert
seit dem Moment
wo ich
dem Schleuser
das Geld in die Hand drückte
harte Dollars
härter
als die Währung
meines zusammenbrechenden Landes
das Waffen importierte
auch aus Deutschland
der Tod
ist ein Meister
wusste auch Paul Celan
in meiner Heimat
las ich gern Gedichte
bevor die Islamisten kamen
und alle Kultur verboten.

Wenn ich meine Augen schliesse
sehe ich die Gesichter
die in der rauen See verschwanden
und nicht wiederkehrten.

Ich möchte einfach nur
durchkommen
ich danke den Deutschen
die mir die Chance gaben
auf Frieden.

Derweil
spitzen sie ihre Hölzer
versuchen sie mich zu knechten
meine Kinder unter den Schleier zu zwingen
bilden sie Zirkel
bilden sie Klans
versuchen sie die gleichen Strukturen aufzubauen
vor denen ich geflohen bin.

Freitag, 2. Oktober 2015

10 10 10

https://www.flickr.com/photos/elkilla/4151117612/
Ich zähle meine Finger
wieder und wieder
eine stumpfsinnige Aufgabe
die mich an den Rand
der Verzweiflung treibt
weil jedes Mal
ein anderes Ergebnis dabei rauskommt.

Was habe ich
verloren im Dickicht
im einsamen Dschungel meines Herzens
auch wenn ich
jeden Morgen
die Sicherungen prüfe
schwarze Kohle gegen das Licht halte
und verschmorten Wolframdraht
eine ist immer dabei
die nicht mehr hält.

Ich knalle mein Buch
in die Ecke
weil mir die Buchstaben
sinnlos vor den Augen
verschwimmen.

Ich stehe weinend
vor dem Regal im Supermarkt
weil ich zu verwirrt bin
um einzukaufen.

Manchmal kichere ich auch
ohne erkennbaren Grund
und führe Selbstgespräche
in denen ich mir
vehement widerspreche.

Ich habe Angst vor dem Tag
wo ich in die Kiste greife
und da sind keine Sicherungen mehr
die ich
hineinschrauben könnte.

Donnerstag, 1. Oktober 2015

Zapruder

https://www.flickr.com/photos/e-strategycom/1053257131/
Ich halte deine Hand
während der Korso
die High Street auffährt
vorbei am
Schulbuchhaus
und du
in ihem Fadenkreuz erscheinst
wie ein kleiner Stern
wie ein Komet
wie die Mondlandung
ein kleiner Schritt
für die Menschheit
und umso mehr
für mich
ich versicherte dir
meine Liebe
ich trug ein rosafarbenes Kleid
und den passenden Hut
ich ahnte nicht
dass-

Zapruder Bild 310
Zapruder Bild 311
Zapruder Bild 312

Die Brocken deines Gehirns
auf dem Chassis
und immer noch
halte ich deine
warme Hand
halte ich mich
an Bildern
wo du lebendig warst
halte ich mich fest
an einer Idee von dir
nur einer Idee

die Kameras schweigen
Zapruders Film schweigt
dein Blut
klebt an meinem Kleid.

Welche Nummer trägt meine Aufnahme
wann habe ich dich
das letzte Mal geküsst?