Montag, 30. März 2015

Samstag, 28. März 2015

Wolkenaugen

https://www.flickr.com/photos/flowerbeauty/645260125/
Dein Gesicht in den Wolken
deine Augen in jeder Schaufensterscheibe
während Asche
vom Himmel regnet
und ich meinen Mantelkragen
enger schnüre
der karierte Hut
und der karierte Schal
man beobachtet mich.

Die Welt verschwimmt
und zeitweise
taumle ich blind durch diese Gassen
von denen ich mir einbildete
sie so gut zu kennen
Ich sehe nur dein Gesicht
wärmend
wie ein Kaminfeuer.

Ich versuche zu schlafen
und du bist da
irgendwo da draußen.

Freitag, 27. März 2015

Wir verlieren uns

https://www.flickr.com/photos/63259711@N04/5789596211/
Wir verlieren uns in den Tagen
zwischen dem kurzen Kaffee im Türangel
und dem Weg zur Arbeit
die wenigen Worte
die nicht mehr Bedeutung haben
als die Nachrichten
im Autoradio
oder der zweite Kaffee
vor Dienstbeginn
mit den Kollegen.

Wir verlieren uns
in kurzen SMS
der Gewohnheit
an Worten zu klammern
um uns
unsere Gefühle zu versichern.

Wir verlieren uns
zwischen dem Gemüseschnibbeln
und brutzelndem Pfannenfleisch
den Küssen des Widersehens
den gemeinsamen Stunden auf dem Sofa.

Wir verlieren uns in den Tagen
um uns
in den Nächten
wiederzufinden
unsere beiden Körper
aneinandergeschmiegt
wie Yin und Yang.

Donnerstag, 26. März 2015

Die Stimmen aus der Steckdose

https://www.flickr.com/photos/akueyo/11230467936/
Wie still es ist
wenn die Tiere
unter meiner Haut kriechen
und aus den Schatten
Gesichter wachsen
die Welt hat
ihre Farben verloren

ich mich
in den Nächten
an der Schreibmaschine
in fremden Leben
die es nie gegeben hat.

Während meine Arme und Beine
taub werden
wiegen sie mich
tragen mich
zu ihrem Anführer
die Stimmen
die aus der Steckdose kommen.

Dienstag, 24. März 2015

Montag, 23. März 2015

Der Russe hat einen Pelzmuff, seine Frau einen muffigen Pelz

"Oh, was bin ich die Tundra leid! Nur Gräser, Steppe, Tralalla. Und am meisten geht mir das Tralalla auf den Sack. Dagegen helfen nur hochprozentige Sprüche, um Mütterchen Russlands Busen wogen zu lassen. Und schon erscheinen bunte Bilder zu den Worten, wie Ikonen."

Damit ist das dritte Spruchbuch abgeschlossen. Von heiter bis geschmacklos, aber nicht ganz so versaut wie "Muttermund trifft Gevatter Sack".

Erhältlich als Taschenbuch und Ebook. Und demnächst auch für Tolino.

Samstag, 21. März 2015

Es wird geleckt

https://www.flickr.com/photos/crystalmartel/4710878973/
 ...was auf den Tisch kommt!

Freitag, 20. März 2015

Maurermeister Kalle


... trägt Pathos mit dem Spachtel auf!

Ist die Welt liederlich, so bin ich widerlich. Ein Dichter darf nicht auf Kuschelkurs mit den Worten gehen. Sonst hält keine Trockenwand. So dick muss es sein, und mit Butter geschmiert. Du suchst Weltenschmerz? Dann ist die Apokalypse gerade gut genug. Du suchst die Liebe? Dann halte es mit Shakespeare und spare nicht an der Dramatik. Du willst die Gesellschaft kritisieren? Dann höre nicht auf, als dass eine Revolte ausbricht. Spitze ihnen die Mistgabeln, und reiche ihnen mit Teer beschmierte Fackeln.

Dichter bereichern die Welt mit großen Gefühlen. Mit seichtem Geseihere gebe ich mich gar nicht erst ab. Das ist unter meiner Kelle.

Donnerstag, 19. März 2015

Leseprobe aus "Meine Frau mit der feuchten Schnauze"

Es hatte lange Diskussionen gegeben. Ob ein Hund Kleidung benötigte oder nicht. Denn im Gegensatz zum Menschen verfügte er über ein wärmendes Fell, welches ihn vor Kälte schützte. Bis auf ihr ausrasiertes Hinterteil. Die nachgewachsenen Stoppeln hatten sich entzündet, und Herbert hatte sie liebevoll mit einer antiseptischen Salbe behandelt. Die er gleichzeitig als Gleitcreme verwendete. Ohne die Frage endgültig geklärt zu haben, standen sie vor Larissas Pet-Shop. Von früheren Besuchen wussten sie, dass es ein gut sortiertes Zoogeschäft war. Aber war es auch zoophil?
„Ich kann das nicht.“
„Wer wollte sie denn in Reizwäsche sehen?“
„Schon, aber...“
„Dann los.“
Um diese Zeit war der Laden gut besucht. Katzenstreu und Leckerlis gingen über den Tresen. Teenager verglichen Kauknochen aus Kautschuk in quietschbunten Farben. Herbert und Gabi steuerten zielstrebig auf die Textilabteilung zu.
„Kann ich ihnen helfen?“
Die Verkäuferin trug ein Namensschild. Schwer zu sagen, ob sie die ominöse Larissa aus dem Firmenlogo war. Herbert konnte die Worte Malik-Holzner über ihrem wogenden Busen entziffern. Offensichtlich war sie mit einem Ausländer liiert.
„Ja gerne. Wir suchen ein paar Kleidungsstücke für unseren Hund. Leider kennen wir uns überhaupt nicht aus.“
„Hatten sie an etwas Bestimmtes gedacht?“
„Es sollte einer Dame gerecht werden.“
„Damit scheiden verspielte rosafarbene Oberteile aus.“
„Richtig, es sollte Klasse haben.“
„Und sinnlich sein.“
„Ähem ja, sinnlich. Ich hätte da ein entzückendes Shirt mit kurzen Ärmeln in ziegelrot. Oder einen violetten Pullover mit Strassapplikationen.“
„Meinen sie, das steht ihr?“
„Oh ja! Zu einem weißen Fell kann man alles tragen. Vor allem kräftige Farben.“
„Entschuldigen sie mein Unwissen, aber welche Größe würden sie empfehlen?“
„S bei Pinschern, M bei Dackeln, L bei Schäferhunden, und XL bei Bernhardinern. Probieren wir es mit L. Darin dürfte sie sich wohlfühlen.“
Freudig wedelnd hob Daisy ihren Schwanz zur Anprobe. Es fiel schwer, den Blick von ihrem Hinterteil zu lösen. Welches sich wesentlich von dem anderer Hündinnen unterschied. Fleischig wie ein modernes Tableau sprangen einem die saftigen Schamlippen förmlich entgegen. Frau Malik-Holzner wagte es als Einzige, das peinliche Schweigen zu brechen, was zwischen ihnen wie ein schwebendes Damoklesschwert in der Luft hing.
„Gestatten sie mir eine Frage.“
„Ja bitte?“
„Warum ist ihre Scham rasiert?“
„Sie hat sich im Wald Zecken eingefangen.“
„Sind sie sicher? Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich auf Filzläuse tippen.“
„Finden sie einmal Zecken in einem dichten Fell. Der Tierarzt hat die betroffenen Stellen freigelegt, und hinterher mit Jod bestrichen.“
Zuerst sträubte Daisy sich, als die Verkäuferin ihr die ungewohnten Stoffe überzog. Sie kaute an ihrem Kragen wie an einem lästigen Halsband.
„Gewöhnt sie sich daran?“
„Geben sie ihr einen Augenblick.“
Daisy marschierte auf wackeligen Beinen durch das Geschäft. Jeder Versuch die Ärmel ihres Oberteils abzuschütteln scheiterte. Mit der Zeit verlor sie ihre schwimmenden Bewegungen auf dem Trockendeck, devot fügte sie sich in ihr Schicksal. Das Ehepaar Müller hatte keine andere Reaktion von ihr erwartet. Denn nur sie hatten sie abgerichtet.
„Wünschen sie vielleicht ein Höschen, welches ihre Scham verdeckt?“
„Im Gegenteil. Was haben sie an Reizwäsche da?“
Da war es wieder, das peinlich betretene Schweigen.
„Ich frage sie nochmals: Warum ist die Scham ihres Hundes rasiert?“
„Ein Rüde soll sie besteigen. Und es soll ziemlich rüde zugehen.“
„Sie denken in menschlichen Dimensionen. Reizwäsche für Hunde...“
„Führen sie das in ihrem Sortiment?“
„Schon, aber-“
„Dann zeigen sie mir, was sie dahaben.“
Herbert spürte, wie Frau Malik-Holzner ihren Worten misstraute. Dennoch zeigte sie ihnen eine Auswahl erotischer Tierbekleidung, die das Feuer seiner Lenden entzündete. Er stellte sich Daisy in diesen knappen Stofffetzen vor. Wie verführerisch ihre Flanken betont werden würden. Unauffällig griff er an seinen eigenen Hosenbund, und zerrte den Saum seines T-Shirts heraus. Um eine gewaltige Erektion zu verbergen. Nicht vor Gabi, die Verständnis für Herberts neue Gefühle gegenüber ihrer Hündin kannte. Aber gegenüber der Verkäuferin, die nur das harmlose Herrchen in ihm sah.
„Verführung ist ein breites Spielfeld. Sie sind beide alt genug, um es ihnen nicht mehr erklären zu müssen. Paarungswilligen Hunden bieten wir ein breites Spektrum erotischer Wäsche an. Von durchbrochener Spitze bis zu eng anliegendem Lurex. Bitte folgen sie mir.“
Die Reizwäscheabteilung befand sich im Untergeschoss. Bückware, wie Herbert amüsiert bemerkte. Nicht die Art Wäsche, die regulären Kunden angeboten wurde.
„Wenn sie möchten, kann ich ihnen ein spezielles Duftspray empfehlen. Es enthält Pheromone, die auf Rüden anziehend wirken.“
„Packen sie es mit dazu.“
Herbert beglich die exorbitante Rechnung mit seiner Kreditkarte. Dabei war Daisys neue Wäsche jeden verdammten Cent wert. Mit hochrotem Kopf verließen sie den Laden. Gabi trug zwei volle Einkaufstaschen mit verführerischen Dessous in Tiergrößen. Daisy folgte ihnen neugierig schnuppernd.
„Der reinste Spießrutenlauf. Nächstes Mal bestellen wir im Internet!“
„Zeig mal das Spray.“
Frau Malik-Holzner hatte ihnen trotz anhaltendem Protest das Pheromonspray als Dreingabe eingepackt. Notgedrungen studierte er das kleine Etikett.

Neugierig? Als Taschenbuch und Ebook im Handel erhältlich.

Mittwoch, 18. März 2015

Montag, 16. März 2015

Samba

https://www.flickr.com/photos/aamaianos/3941240809/sizes/o/
...im Sack!

Sonntag, 15. März 2015

Meine Frau mit der feuchten Schnauze

Nach viel Arbeit und Pfotenspitzengefühl ist der neue Roman endlich fertig. Ein schwieriges Thema, da gewisse Dinge nicht glorifiziert werden dürfen. Also habe ich eine Satire daraus gearbeitet, und Gesellschaft und Umfeld machen es Herbert und Gabi schwer, eine Beziehung zu dritt zu führen. Mit einem Hund!

Leider habe ich es zensieren müssen. Hardcore-Sexszenen mit dem Tier kamen raus. Ausserdem zeigte das ursprüngliche Cover einen Hund, der auf dem nackten Oberkörper eines Mannes liegt und ihm die Lippen leckt. Hier also die entschärfte, konsumigere Fassung.

Was nicht bedeutet, dass es keine unanständigen Stellen gibt. Aber wenn Herbert "Hol das Stöckchen" spielt, dann reicht es wenn sie an ihm schnuppert, und er mit Schuldgefühlen in die Wolken starrt. Es muss nicht explizit geschildert werden, wie sie seinen Schwanz ins Maul nimmt. Die Kamera abblenden und es der Fantasie des Lesers zu überlassen ist hinterhältiger. Sozusagen hundsgemein!

Als Ebook und Taschenbuch im Handel erhältlich. Und demnächst auch für Tolino.

Samstag, 14. März 2015

Der letzte Bewohner

https://www.flickr.com/photos/brooke/484337169/
Die Stadt schweigt
nicht ein Laut
kein Auto fährt
kein Radio dröhnt
kein Fernseher flimmert
man könnte eine Stecknadel fallen lassen
und niemand würde sie aufheben
meine Glutspitze
tanzt einsam
auf meinen Fingerkuppen
die Strassenlichter
schwingen in der Dunkelheit
von einer sanften Brise bewegt
selbst die Katzen schweigen
auf den Zäunen

mir ist kalt
am offenen Fenster
meine Seele friert
zitternde Finger
schliessen die Welt aus
die heute Abend
schlafen gegangen ist
bloss ich wache über die Lebenden
ich wache über die Toten.

Ich bin allein.

Werden sie morgen wieder da sein
werden die Menschen aufstehen
und Kaffee kochen
ihre Autos warmlaufen lassen
oder aber ist diese Welt
für immer verloren
und kommt nicht wieder?

Donnerstag, 12. März 2015

Dienstag, 10. März 2015

Die gepeinigte Kreatur unter dem Felsen

https://www.flickr.com/photos/sblackley/9501394722/
Ich hasse eine Realität
aus der man nur
immer wieder herausfällt
meine tauben Finger
umklammern ihren Rand
die Kräfte verlassen mich
ich stürze in die Tiefe.

Undurchsichtig wie ein Nebel
schwer zu fassen
der Outlaw
wird per Steckbrief gesucht.

Wo ist Gott
unter dem nackten Felsen
wenn Reptilien
über die Erde herrschen
die ihren Schwanz abwerfen
wie einen Anachronismus
und dabei lächeln
dass dir
das Blut in den Adern gefriert?

Wer wirst du sein
wenn die Sonne schweigt?

Sonntag, 8. März 2015

Struktur


Ich schreibe mehr Bücher pro Jahr als früher. Um den Schreibprozess zu optimieren, habe ich meine Vorgehensweise angepasst. Wo ich mir früher noch mühsam einen Überblick verschuf, lege ich heute nach der Korrekturlesung einen zweiteiligen Plan an:
  1. Änderung nach Seiten
  2. Änderung nach Aspekten
Diesen Plan arbeite ich ab. Was nichts an der organischen Wachstumsphase ändert, die die meisten meiner Bücher betrifft. Ich schreibe 10-15 A4-Seiten runter, dann kommt ein Zwischenausdruck. Um zu sehen, welche Richtung die Story einschlägt.

Es gab eine Zeit, wo ich mein Skript mit Büroklammern spickte. Das half vorübergehend. Aber Büroklammern sind eben keine klaren Anweisungen. Und die brauche ich. Auch im Selbstgespräch!

Ich bin keine Maschine, aber gut organisiert. Anders wäre so ein Output nicht denkbar.

Samstag, 7. März 2015

Ohne dich

https://www.flickr.com/photos/darkstream/4060086033/
Ohne dich
würde die Spülmaschine
erst am nächsten Tag eingeräumt
läge die Bügelwäsche
tagelang
ohne dich
wäre die Toilette
ein Dreckloch
ohne dich
würde ich stundenlang
am Computer hängen
und die Welt wäre mir
ebenso egal wie die Liebe
ohne dich
würde ich Nudeln kochen
und nichts anderes
ich könnte
den verdammten Reis
nicht mehr sehen
ohne dich
wären die Laken kalt
und ich würde mich selbst umarmen
um schlafen zu können.

Ohne dich
könnte ich
so vieles tun
ohne Gemecker
ohne ein böses Wort
doch ich warte tumb
bis du
wiederkehrst.

Freitag, 6. März 2015

Fleischkruste

https://www.flickr.com/photos/gammaman/6292439057/
Ich kratze an der Haut
die Oberfläche der Dinge
und versuche
Geborgenheit darunter zu finden
dann reisst die Leinwand
sie sind gekommen
um Theater zu spielen
und sie werden
nicht eher gehen
als der Vorhang fällt.

Brocken fallen vom Gerippe
die Raben sind gekommen
mir das Fleisch
von den Rippen zu zerren.

Noch tiefer
ich muss tiefer
schabende Knochen
wo die Klinge nichts mehr findet
ich will lieben lernen
und nicht alleine enden
so schwer.

Es ist kalt und schmierig
es riecht nach
Eiter und Zersetzung
die Maden kriechen
bis zu meinem Herzen.

Mittwoch, 4. März 2015

Montag, 2. März 2015

Demenz

https://www.flickr.com/photos/mrtgt/130518821/
Ich beisse mir auf die Hand
wenn du
die Worte verlierst
alles was ich dir
einst beigebracht habe
wenn du
durch die Wohnung irrst
und dir die Knie
an der Kommode aufschrammst.

Ich schalte die Herdplatten aus
und schweige
ich lege dir
deine Lieblingshose raus
obwohl du nicht mehr weisst
was dir einmal
gefallen hat.

Der Tag wird kommen
da wirst du mich
ansehen
als wäre ich ein Fremder
und alles
was wir je
zusammen erlebt haben
weggewischt
wie Kreide
auf einer Schultafel
mein Name getilgt.