Sonntag, 29. November 2015

Erwachsen

https://www.flickr.com/photos/27384147@N02/4626763617/
Du warst einmal
ein verspieltes Kind
hattest Träume
noch lange
bevor du
ein Bankkonto hattest
und einen Hut trugst.

Ich könnte
wenn ich wollte
nein
du könntest nicht mehr
lass los
was vorbei ist
ist vorbei.

Hier stehst du am Grab deiner Kindheit
der Junge ist gestorben
und du weisst nicht einmal
das Jahr oder
den Tag
er ist gegangen
in das ungewisse Niemandsland.

War es gut
erwachsen zu werden
oder habe ich unwiderbringlich
etwas Liebgewordenes verloren?

Freitag, 27. November 2015

Ringkampf

https://www.flickr.com/photos/worldseriesboxing/16295538983/
Sitzt der Ring erst einmal fest
ist alles lose.

Wir schreien uns an
belegen uns
mit Vorwürfen
ballen die Fäuste
und werfen um uns
mit allem
was nicht niet- und nagelfest ist
jede Woche
erneuern wir unseren Hausrat.

Schweigen uns an
wo jedes weitere Wort
zuviel wäre
und der Griff
in die Messerschublade
nicht nur ein Gedanke.

Fressen uns fest
an alten Themen
hören weg statt zu
schieben uns hinein
in Rollen
die keinem so recht passen mögen
die Haut platzt
und offenbart ihre blutige Wahrheit. 

Hamster scharren in ihrem Rad
und wetzen sich
die Krallen wund.

Mittwoch, 25. November 2015

Herr der Hunde

https://www.flickr.com/photos/nmc-campus/860234602/
Ich halte meine Knotenhand straff und fein, an jedem Gelenk eine Leine. An jedem Finger ein Höllenhund. Wir sind gekommen die Welt in Stücke zu zerreißen. Wir sind gekommen um die eitle Jugend zu beerdigen. Wir sind gekommen um den Alten die Hoffnung zu nehmen.

Aus jedem Pfuhl ein pelziges Dutzend, Mäuler zum Zerbersten gespannt. Das Tierreich kennt keine Verschwendung. Aus fahlem Aas erwachsen bunte Blumen. Die Welt hat kein Gesicht mehr. Schakale haben es ihr abgenagt. Schicht um Schicht, die Haut wie Girlanden eines fernen Abschieds.

Hinaus zum Seebegräbnis, die Segel sind gehisst. Auf dass wir die Aschekiste der Zivilisation nehmen und ausleeren bis kein Schmutz mehr übrig bleibt. Nichts mehr zu tilgen von dieser Welt, für die Seefahrer einst losgezogen sind mit Booten voll der Hoffnung und kräftigen Matrosen. Die Nachhause kehrten mit wunden Kehlen und siechen Leibern voller Geschwüre und Krankheiten aus der neuen Welt. Wir haben alles erobert. Wir haben nichts gewonnen.

Montag, 23. November 2015

ALL AMERICAN FRIENDS

https://www.flickr.com/photos/bryonlippincott/14545264513/
Du sprichst mit ihnen
ohne sie anzusehen
du malst ihnen
bunte Bilder vor
und willst nicht
dass man
deine wunde Seele ertastet
in der Dunkelheit
du nennst sie Freunde
und doch
nennst du sie Niemand
nennst du sie
das Angesicht der Zeit
nennst du sie Asche
nennst du sie Staub
sie hätten dir
bestimmt zugehört.

Lächle weiter
für alles Andere
gibt es profunde Psychiater
die dir
die Schrauben wieder geradeziehen.

Samstag, 21. November 2015

Maria Magdalena

https://www.flickr.com/photos/100180246@N05/16691827879/
Ich sah Gott
in der Reflektion eines Barspiegels
kühl und silbern
wie einen Bergsee.

Ich sah Gott
in den Tiefen meines Glas
er würde barmherzig sein
und meinen Deckel zahlen.

Ich sah Gott
in den Strümpfen einer Hure
raschelndes Nylon
der Herr ist mein Hirte
er weidet mich
an einer haarigen Aue
und umschliesst meinen knochigen Arsch
mit sündhaften Schenkeln.

Ich sah seine heilige Schöpfung
und fand doch nichts
als einen fahlen Kater
und den Ausschlag einer Hure
rot und juckend
wie eine Hagebutte.

Donnerstag, 19. November 2015

Dienstag, 17. November 2015

Bitte nicht stapeln!


Seid gewarnt liebe Verpackungskünstler und Folienaspiranten! Ich bin nicht pflegeleicht. In der Waschmaschine nehme ich illustre Formen an und ruiniere die Trommel. Ihr könnt mich nicht verbiegen. Ihr könnt mich nicht falzen. Und vor allem könnt ihr mich nicht in der Ecke stapeln.

Probiert es doch, und wascht mir das Schandmaul mit Seife aus. Der Schmutzpoet trübt euer Wasser und erleuchtet eure Herzen. Aber sauber wird er nie.

Sonntag, 15. November 2015

Schneeflöckchen

https://www.flickr.com/photos/98586922@N02/9310427080/
...ich greif dir unters Röckchen!

Freitag, 13. November 2015

Ausgekratzt

https://www.flickr.com/photos/miguelvaca/1408028254/
Ich habe mir
meine Augen ausgekratzt
mit Fingernägeln so spitz
um blind zu sein
für dich.

Ich habe mein Hirn
mit einer Schrotflinte
bis zu den Nebenhöhlen ausgepustet
bis kein Gedanke mehr darin war
an dich.

Ich habe
mein Herz ausgekratzt
mit einem glühenden Schürhaken
und doch

verschwindest du nicht
stehst du stumm und anklagend
fragst dich
warum ich dich
verbannen wollte
und ich fühle mich mies
so abgrundtief mies.

Mittwoch, 11. November 2015

Woran erkennt man einen schwulen Neger?

https://www.flickr.com/photos/jobido/416727090/
Er wirft seinen Penis über die rechte Schulter!

Montag, 9. November 2015

Drachentöter

https://www.flickr.com/photos/dskley/6108763155/
Der Boden ist von Narben durchzogen und gibt nach unter meinen Stiefeln mit den weichen Lederkappen. Ich habe Angst eines Tages doch einzubrechen in deinem Herz. Über sieben Berge wollte ich einst gehen um dir die sieben Zwerge zu erschlagen und den Drachen noch dazu. Du versprachst mir Küchenkräuter und die ewige Treue hinzu. Mein Magen knurrte, meine Libido kämpfte gegen das Gefängnis ihres Lendenschurzes. Nie fragtest du mich, warum ich losziehe den Drachen zu erschlagen oder was ich mir damit beweisen wollte. Warum ich nicht einfach mit dir sprach. Der Drache ist tot, die Zwerge der Länge nach im Garten aufgeschichtet. Und immer noch ziehe ich um die Häuser. Pflücke Blumen um dir zu gefallen. Verwickle Wilfremde in Schlägereien, nur um meine blutige Faust zu schmecken und den Schmerz. Um mich zu fühlen wenn ich dich schon nicht fühle.

Ich wetze meine Klinge über dem Stein. Ich öle mein Schwert dass es keinen Rost ansetzt. Ich habe eine Aufgabe. Ich habe einen heiligen Kreuzzug der Liebe. Was bliebe von mir? Ich schnüre den Waffengurt. Die heilige Schlacht um dein Herz dauert jeden Tag.

Samstag, 7. November 2015

Blattgesicht


Ich bin kein unbeschriebenes Blatt. Wenn ich durch die Gassen meiner Heimatstadt flaniere, erkennen mich mehr Menschen als ich Menschen kenne. Hoffentlich war ich anständig. Warum sonst sollten mich ihre Blicke verfolgen?

In meinen Adern fließt Tinte. Mein Herz schlägt im Rhythmus der Schreibmaschine. Ihr Anschlag ist Vorgabe und Knebel zugleich. Ich mache Pause von der Schriftstellerei, bis ich einen klaren Kopf habe. Aber bloggen geht immer. Stillehalten ist nicht mein Ding.

Wenn die Tage düster werden und der Nebel schwer auf der Seele lastet, trinkt eine Tasse Tee und lest ein gutes Gedicht. Das hat noch jeden Rübengeist vertrieben. Schamlos werd ich meine Blätter verlieren, bis ich nackt dastehe. Der Kaiser hat keine Kleider mehr.

Donnerstag, 5. November 2015

Dienstag, 3. November 2015

Geschieden

https://www.flickr.com/photos/ripdownthetapestries/4430536032/
Ich kann ihnen
nicht mehr in die Gesichter sehen
mein einladendes Lächeln versteinert
ich kann nicht mehr
die Hure spielen.

Dabei habe ich es
nie verlernt
das alte Spiel
um dampfende Körper
und schmutzige Laken
ich bin es nur satt.

Die Sonne geht unter über all diesen Fenstern
ich drehe mir meine kleinen Zigaretten
ich lächle
ich suche den Körperkontakt
wie eine Sprache
die ich verlernt habe
und wenn ich abspritze
ist es
als wäre alles schon einmal dagewesen.

Sonntag, 1. November 2015

Glück ist

https://www.flickr.com/photos/by-james/130706495/

...ein vierzackiges Sägeblatt!