Freitag, 13. Mai 2011

Arbeitstitel Maschinenträume || in ca. 2-3 Monaten auf meiner Seite

Er konnte sich nicht erinnern, wie er hierher gekommen war. Selbst jetzt fühlte er sich benommen, als hätte man ihm etwas in den Drink geschüttet. Gerade genug bei Bewusstsein, um sich seiner Fesseln bewusst zu werden. Egal, wie stramm er an ihnen zog, er konnte sie nicht lösen. Vage wurde ihm bewusst, dass er auf die kalte Edelstahlplatte einer Kochshow gefesselt war. Vorsichtig drehte er den Kopf, soweit es ging. Leere Zuschauerreihen, soweit das Auge reichte. Bleiern schwer dröhnten künstliche Lachsalven in seinen Ohren. Jemand hatte gemerkt, dass er aufgewacht war. Sie spotteten seiner. Dem gefesselten Ding auf der kalten Platte.
„Es ist angerichtet.“
Eine Stimme, die ihm seltsam vertraut vorkam. Wenn er sich erinnern konnte, würde es bereits zu spät sein. Die grellen Scheinwerferspots blendeten ihn. Zwei Personen bewegten sich über ihm mit der geselligen Hektik eines Operationsraums. Er wollte sprechen, doch kein Laut drang aus seiner Kehle. Nur die zu einer Glasur erstarrte Flüssigkeit auf seinem Hals. Die Chromschale, in der einige medizinische Instrumente lagen. Er atmete heftiger. Erinnerte sich an seinen Namen. Um ihn gleich wieder zu vergessen. Hoffte, dass es ein schlechter Traum war, aus dem er wieder erwachen würde. Bis er das sonore Kreischen der Knochenfräse hörte. Als unbarmherzige Hände sie an seiner Schädeldecke ansetzten. Ein Geräusch, schlimmer als eine Wurzelbehandlung beim Zahnarzt. Das Geräusch, als der Knochen nachgab. Die Fräse sich einen ringförmigen Weg um seinen Schädel pflügte. Er wollte schreien, doch seine Stimmbänder waren durchtrennt worden. Poltern, als ein Arsenal von Krämpfen durch seinen Körper floss, der nicht für diese Prozedur geeignet war. Flattern der Lider, unter Schock. Vielleicht konnte er nicht schreien, aber Schmerzen empfand er wie jedes Tier in höchster Todesqual. Schaum stand ihm vor dem Mund, als sie ihn zerlegten. Nie würde er das Geräusch vergessen, als sie sein Hirn entnahmen und es an eine Maschine anschlossen. Ab diesem Moment war sein Verstand geteilt. Ein Teil spürte den Schmerz seines Körpers, dem sie weitere nützliche Teile entnahmen. Doch dieser Schmerz war weit entfernt. Phantomschmerz, dachte er verträumt. Der andere Teil betraf sein Hirn, das von einem seltsamen Schwindelgefühl gequält wurde, seit es vom restlichen Körper getrennt wurde.

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