Dienstag, 20. August 2019

Stalingrad

https://de.wikipedia.org/wiki/Angriff_auf_Stalingrad#/media/Datei:Bundesarchiv_Bild_146-1974-107-66,_Russland,_Kampf_um_Stalingrad,_Infanterie.jpg
Man ist moralisch
so verroht
dass man Tränen verlernt
vielleicht ein Zittern der Glieder
vielleicht Erbrechen
ein Magenfeuer
aus der Notration
an Branntwein geboren.

Lieb gewonnene Freunde
verabschieden sich
in splitternden Schrapnellen
Girlanden aus Gedärmen
um den Weihnachtsbaum gespannt
Nächstenliebe und Geschenke.

Im Kessel von
Stalingrad
spielt es keine Rolle
ich befülle meinen Raketenwerfer
ich lade mein Maschinengewehr
ich schreibe einen Brief
an die Heimatfront.

Die Heimatfront
das bin ich
der sich selbst verloren hat
zwischen Leichenbergen
und zugefrorenen Pfützen
die Stiefel dreckstarrend
das Herz
eine weiße Wüste.

Dienstag, 6. August 2019

Dorfmatratze

https://www.flickr.com/photos/koopatroopa/3215814038/

Niemand kennt deinen Namen
doch jeder weiß
wie du nackt aussiehst
auf den Knien
wie eine Büßerin

Maria Magdalena
du hältst den Schwanz
von Jesus im Mund
auf dem Hügel
stellen sie Kreuze auf.

Auf dem Hügel
lachen die Huren
kehlig und bitter
weil du ihnen
die Freier wegnimmst.

Du hältst dir die
Ohren zu
um nicht verrückt zu werden
du bist wund von der Welt
und enttäuscht.

Du hast Angst
vor den Hyänen
das nächste Mal
schlagen sie dich
mit ihren Handtaschen blutig.

Samstag, 29. Juni 2019

Durstig


Ich lecke das Salz
es brennt auf meinen Lippen
macht mich durstig
macht mich wütend
macht mich gierig
macht mich sprachlos.

Du sagst
du bist eine Wüste
mit Sand und Skorpionen
unter jedem Felsen
wo der letzte Rest
Schatten entspringt.

Du erzählst
von Kamelen und Karawanen
von Beduinen und ihren Zelten
von Tee und Ziegenmilch.

Du bist eine Fata Morgana
du glitzerst in der Luft
wie Salzkristalle
während meine Lippen springen.

Freitag, 28. Juni 2019

Leseprobe aus "Kastriert"


Knarzend sprang die Tür auf. Mit zitternder Hand fand Frau Kling den Lichtschalter. Auf Holzständern lehnten Geigen und Cellos. Sie blickte in den Abgrund einer Tuba. Die Luft schmeckte nach Messing und Schuldgefühlen. Zielsicher steuerte sie die bauchigen Streichinstrumente an.
„Du hast ja einen dicken Schaft.“
Frau Kling griff zur Geige. Streichelte den schlanken Hals, der an Umfang dicker als ein Penis war. Straff gespannte Seiten erinnerten an Schamhaare. Helgas Finger fanden Töne im dunkelbraunen Holz, geflüsterte Versprechen. Worte der Lust.
„Komm her du Knüppel. Mama ist hungrig.“
Schwups führte sie das Instrument an einer nicht dafür vorgesehenen Körperöffnung ein. Musikalisches Gehör und erweitertes Kunstverständnis dehnten ihr singendes klingendes Loch. Wachsend an seiner Aufgabe, bewältigte es den Geigenhals bis zur Zarge. Schnecke, Wirbelkasten und Griffbrett versanken spielend leicht in ihrer Mumu. Ihr Pflaumensaft pflegte das ausgetrocknete Holz, machte es geschmeidig. Kein Penis konnte der Geige das Wasser reichen. Ob lang oder kurz, dünn oder dick, oder eben krumm gewachsen wie eine Baumwurzel. Mit einem Sturzbach heißen Mösenwassers zog sie die Geige heraus. Danach machte sie sich über die Blechbläser her. Führte die Stürze ein. Zog das Mundstück von Bauchnabel bis Anus durch die Kimme. Kämmte provisorisch mit den Ventilklappen die krausen Haare ums Loch.
„Sah ein Knab ein Röslein stehen, Röslein auf der Heide.“
Mit tiefer Stimme ahmte sie den Knaben nach. In ihrer Phantasie war er volljährig, und trug neben einem dicken Musikantenknochen in der Hose auch einen Dreitagebart im Gesicht.
„Zeig mir dein Röslein, ich will es pflücken.“
Die längsten Bläser setzte sie direkt an der Klitoris an, wo ein zartes Lüftchen die Glut erneut entfachte. Der Wind brachte die feine Perlenhaut zum Flattern wie ein schlecht vertäutes Zelt. Kein Hering, kein Haken mochte sie halten.
„Im Namen der Rose, pflück meine Blätter!“
Nun schloss sie alle Ventile, und blies Luft in ihre heilige Kammer wie einen Kirmesballon. Blähte ihren Schamhügel wie den bewaldeten Hügel um einen Vulkan, kurz bevor die Magmakammer zusammenbrach, und in einer gewaltigen Eruption mündete.
„Notenblatt um Notenblatt, bist meine Raupe Nimmersatt.“
Die Musiklehrerin pumpte und pumpte. Ein Fahrradreifen wäre geplatzt, doch ihre Fotze konnte was wegstecken. Bedenklich grummelte die Gebärmutter. War sie verstimmt? Helgas Eingeweiden entwich ein gewaltiger Mösenfurz. Der Geruch ausgenommener Fischkadaver erfüllte den Raum, salzig und schwer.
„Oopsie.“
Wenn Ärsche furzten, galt es allgemein als unschicklich. Wie aber dachte die Welt über eine musikalische Vagina? Frau Kling lauschte bis in die letzte Reihe des Orchestergrabens. Erntete vom imaginären Publikum viel Zuspruch. Den Wunsch, sie möge weiterspielen auf ihrem zweiflügeligen Instrument. Nun aber entdeckte sie den Streichbogen der Violine, und kam auf eine perfide Idee.
„Erster Satz der Physik: Reibung erzeugt Hitze. Zweiter Satz der Physik: Aus Hitze wird Lendenfeuer.“
Persönlich mehr ein Fan der Blasinstrumente, entdeckte sie ihre alte Freude am Streichen und Zupfen. Sie zog den Drehhocker vom Klavier, und spreizte ihre nimmersatten Schenkel. Die Lappen hingen nach der Tortur im Orchestergraben bereits schief wie ausgewrungenes Fensterleder. Frau Kling setzte den Bogen an die Kerbe. Jedes gute Konzert begann mit einem zärtlichen Auftakt. Oder einer feinen Schneide aus Katzendärmen. Würde sie erschauern? Würde sie vibrieren? Welchen Ton mochte ihre Scham erzeugen? Helga spürte eine Melodie in sich. Die darauf wartete, gespielt zu werden. Energisch schwang sie den Bogen. Spürte die starke Sehne zwischen den Beinen.
„Ja, das geht wie durch Butter!“
Wenn man Unmengen Eis verzehrte, wurden die Lippen taub und wund. Das zarte Schneckenfleisch platzte auf und blutete. Der Streichbogen zerfetzte ihre Schamlippen. Eine Kaskade verschiedener Orgasmen flutete ihren geschundenen Körper bis zur vollständigen Erschöpfung.
„Freude schöner Götterfunke! Töchter aus Elysium!“
Scheppernd fiel das Schlagzeug der einzig legitimen Schulband des Erika-Berger-Gymnasiums um, Helga hatte es mit konvulsivisch zuckenden Füßen aus der Verankerung gehebelt. Ein Schuh löste sich, sie würde ihn später finden.

Klingt gut als Ebook und Taschenbuch. Auch Tolino mag es spielen.



Donnerstag, 27. Juni 2019

Leseprobe aus "Augenficker"


Miriam Hirbel saß auf der Fensterbank, rote Strähnen fielen ihr ins Gesicht, und verdeckten blasse Alabasterhaut. Schon am ersten Tag waren Rafael ihre drallen Hinterbacken aufgefallen. In der Stadt nannte man solche Oberschenkel ein gebärfreudiges Becken. Auf dem Land nannte man es schlichtweg Scheunentor. Auch an Möpsen war Miriam reich gesegnet. Schade, dass sie nur zum Blinde-Kuh-Spielen taugte. Auf seinem Weg zum Lager kreuzten sich ihre Lebenslinien auf denkbar erotische Weise.
„Rafael, bist du das?“
Sie mochte blind sein, aber sie hörte gut. Wie Rafael sich bewegte. Den linken Fuß mit jedem Schritt leicht nach innen drehte. Die Brusthaare unter dem Baumwollstoff seines T-Shirts raschelten, als künden sie von einer erotischen Begegnung. Vielleicht würden sie einander näher kommen, just in diesem Moment.
„Ja.“
Seine Stimme brach, wurde heiser. Die Atmosphäre intimer. Dicker, wie Melasse. Preschte er nur einen Millimeter vor, roch er Miriams Haut, und spürte das aufgewärmte Glas ihrer kalten Augen.
„Kannst du mir bei meinen Augen helfen?“
„Was soll ich tun?“
„Sie sind seit drei Tagen drin. Mir jucken die Höhlen ganz fürchterlich. Du kannst mir helfen, sie zu putzen. Ich habe eine spezielle Reinigungslösung.“
Miriams Löcher juckten. Sie konnte kaum erwarten, dass Rafael Hand anlegte. Wenn es eine Aufforderung zur Erektion gab, dann diese.
„Soll ich sie dir raus drücken?“
„Nein, du würdest mich verletzen. Lass dir von einer erfahrenen Frau zeigen, wie das geht.“
Fräulein Hirbel schob die Fingerspitzen zwischen ihre Schamwimpern. Nass gluckerte darunter ein Brunnen der Geilheit. Tränen kullerten, der erste Tropfen Mösensaft.
„Hab ich euch Schlingel endlich.“
Feucht kullerten ihre blauen Augen in Rafaels Hände. Starrten ihn an. Glubsch registrierte feinste Äderchen und eine makellose Pupille. Wie gut die Ausführung dem Prothesenbauer gelungen war. Solche Schätzchen mussten ein Vermögen kosten.
„Und was mache ich jetzt?“
Rafael zitterte am ganzen Leib.
„Sieh mich an.“
Wenn du lange genug in einen Abgrund starrst, starrt der Abgrund zurück. Fleischig rot lag ihre Weiblichkeit ausgebreitet wie Löcher einer Bowlingkugel. Er musste nur Zeige- und Mittelfinger hineinstecken. Oder seinen hart pochenden Schwanz.
„Gefällt dir, was du siehst?“
„Du machst mich verlegen.“
„Sind doch nur Löcher. Hat ein junger Mann wie du noch kein weibliches Augenloch gesehen?“
„So direkt nie.“
„Und jetzt... wasch meine Augen.“
Schmutzige Gedanken fluteten seinen Kopf, machten ihn sprachlos. Rafael zögerte. Miriams Augen waren aus dünnem Glas, sie wirkten zerbrechlich.
„Sei nicht so schüchtern, fass sie an.“
Rafael griff zu Reiniger und Schale. Papa ging jedes Wochenende mit ihm Angeln, als er kleiner war. Manchmal nahmen sie einen Kiesel vom Uferbett, und warfen ihn flach über die Wasseroberfläche. Rafael dachte an Kassandras Stofftiere. Das Wasser spritzte um ihre toten Kunststoffaugen, bevor sie auf den Grund sanken. Trübstoffe aufwirbelten, Schlick und tote Fische.
„Als würde man ein Gebiss reinigen.“
„Sinnlicher. Und nun hol sie raus, sie müssten sauber sein.“
Mit einer feinen Bürste entfernte er letzte Reste menschlicher Ablagerungen. Schweiß, Tränenflüssigkeit, abgestorbene Hautzellen. Wimpern schwammen in der Brühe, als hätte er ihr die Muschi versorgt.
„Reib sie. Reib sie, bis sie glänzen.“
Sie drückte ihm ein weißes Baumwolltuch in die Hand und Politur. Es war wie beim Wichsen. Das weiße Tuch, die hastigen Bewegungen. Rafael rieb ihre Augen. Unter seinen Händen erwärmte sich das Glas.

Als Ebook und Taschenbuch bei einem Optiker ihrer Wahl.

Mittwoch, 26. Juni 2019

Leseprobe aus "Hämophil"


Mit Linda Bergers Eintritt in die Wechseljahre brach für Daniel eine Welt zusammen. Der Schoß aus dem er einst gekrochen, blutete nicht mehr. An der sonntäglichen Kaffeetafel konnte er nur Verachtung für dieses Weib empfinden. Darunter mischten sich Versagensängste und tiefe Depressionen. Wie sollte er je wieder ein Bild malen? Daniels Körper war ein wundes Aas, gepeinigt von der Nacht. Wie üblich war sie zu kurz, die Groupies unersättlich, und seine Eier ausgetrocknet. Dennoch fand er Zeit für familiäre Zusammenkünfte. Die Welt ging täglich vor die Hunde, in Blut und faulen Klumpen. Aber nicht an Mutters Kaffeetisch. Dort duftete der Apfelkuchen nach Mandeln und Zimt. Das frische Röstaroma kolumbianischer Bohnen schmeichelte die Nase, gehäkelte Tischdecken sorgten für vertrautes Ambiente. Daniel war eine Rakete mit ausgebrannter Kapsel. Er kam herunter. Kehrte zurück in die Normalität wie ein Sommerfrischler von der Alm. Schnüffelte an Kuhfotzen, roch Erde und Kot. Wo ein Damm ist, wachsen auch Klabusterbeeren am Strauch. Kokain rieselte aus seiner Nase, das richtige Marschierpuder für eine Orgie in dekadenter Vielweiberei. Am Morgen hatte er mehrere Wägen bei der Taxizentrale bestellt. Zwei für die Mädels, und einen für sich selbst. Ich falle Mutter, fang mich auf.

*

Zuerst bemerkte er die Fliesen. Seit seiner Kindheit waren sie in rotbraunen Mustern gesprenkelt. Als hätte jemand eine Sau geschlachtet, und ihren Kadaver durchs Haus gezogen. Jemand hatte gewischt. Nur in Wänden und Polstern klebte der alte Geruch, stinkend wie ein Fisch. Wohlig war er ihm vertraut.
„Setz dich, Junge. Es gibt Zwetschgenkuchen.“
Die alten Pflaumen hatten Saft gezogen, und waren karamellisiert. Mutter wirkte alt, ihr Blick so müde wie der des Sohns nach einer Nacht voll Drogen und hemmungslosem Sex. Nie hatte er seine Eltern wegen einem Groupie versetzt. Sie kannten seine Einstellung zur Kunst, seine Leinwände. Und doch wussten sie nichts als die reine Fassade. Daniel wollte sie nicht enttäuschen. So log er um Privatleben und Perversion. Der liebe Sohn. Der anerkannte Künstler. Der Sadist. Der Fotzenschlächter.
„Du hast was an der Nase.“
Mit Daumen und Zeigefinger rieb er seinen Kolben. Von schlechtem Kokain bekam er Nasenbluten. Daniel hatte eine Kruste, wie der bunte Zuckerrand eines Drinks. Wenn Mutter nicht aus ihrem Loch bluten wollte, ging der Kelch an ihn.
„Was ist nur aus deiner Menstruation geworden?“
„Ach Kindchen, das ist ein heikles Thema. Ich habe dich doch aufgeklärt?“
„Früher als jedes andere Kind.“
„Warum deine Mami einmal im Monat blutet.“
„Jeder Klumpen hätte ein Bruder werden können. Oder ein liebreizendes Schwesterchen.“
„Dies ist aber nie passiert.“
„Ich blieb ein Einzelkind.“
„Aufgezogen in der Lehre der Säfte.“
„Lass es laufen, lautete deine Devise. Nun ist die Quelle versiegt.“
„Es ist doch nur Blut.“
Bei Mutter-Sohn-Gesprächen über abgestorbene Gewebereste und dickes Geschmier auf der Leinwand, enthielt sich Vater der Stimme. Manche Dinge überschritten seinen einfachen Intellekt. Linda setzte jedem ein weiteres Stück Pflaumenkuchen auf den Teller. Sie versuchte zu vermitteln.
„Für dich war es immer mehr.“
„Die Grundlage meiner Kunst.“
„Weil du sie dazu machst.“
„Ich wählte eine Darstellweise, die meine Fans positiv aufnahmen. Man nagelt mich auf diese Marke fest. Gewissen Kreisen gelte ich als Ekelpapst von Zepter und Würden.“

Die Tampons gibt es als Größe M(Ebook) und L(Taschenbuch). Für stärkeren Ausfluss verwenden Sie bitte ein lebendes Schaf am Seil.

Donnerstag, 6. Juni 2019

Kastriert



Musiklehrerin Helga Kling wurde als Kind mit getrockneten Rindspimmeln verdroschen. Der böse Onkel trieb ihr Gesang und Leidenschaft mit harter Hand aus. Aus Notenblättern und düsteren Visionen komponiert sie ihre spätere Sexualität. Männer sind für Helga primitive Stiere, die sich in ihrem Stall die Hörner abstoßen. Auf denen man eine nette Melodie spielen kann. Unter schwersten Schmerzen gewinnt sie das Rohmaterial ihrer neuen Instrumente. Bis zum großen Schulkonzert sind es nur wenige Monate…

Das männerfeindliche Buch gibt es als Taschenbuch und Ebook. Selbstverständlich auch für Tolino...