Montag, 24. Dezember 2018

Augenficker


TRÄNEN SIND DAS BESTE GLEITMITTEL

Er bringt dich zum Weinen. Leckt deine Wange, schiebt das Glasauge zärtlich beiseite. Dann knüpft er sich dein Augenloch vor! Rafael Glubsch betreut die Blindenwerkstatt der EUTHANA. Wo es von Bürsten bis Bürsteln nur ein schmaler Grat ist. Auch zuhause steht es nicht zum Besten. Kann Rafael den erotischen Verlockungen seiner sehbehinderten Schwester widerstehen? Oder verfällt er dem trüben Murmelspiel?

Bumsen bis das Licht ausgeht: Als Ebook und Taschenbuch auf der Station ausliegend.


Dienstag, 11. Dezember 2018

Ittenbach: Der Stadtkannibale


Der Roman „Der Stadtkannibale“ von Thomas Reich handelt, wie der Name schon verrät, von einem Menschenfresser. Es ist allerdings kein Horror oder Thriller in dem Sinne, sondern mehr eine fiktive Biographie.

Erzählt wird der Lebenslauf von Andreas, angefangen bei dessen Kindheit. Als Sohn einer Metzgerfamilie wird er von seinem Vater früh dazu gedrängt sein erstes Schwein selbst zu töten. Nun ist er ein richtiger Mann und die Lust auf Fleisch ist geweckt! Ein paar Jahre später, als Jugendlicher, reicht ihm die tierische Nahrung nicht mehr. Er möchte etwas Neues probieren, er hat Appetit auf Menschenfleisch. Und als Metzger möchte er natürlich auch leckere Gerichte und Wurstwaren daraus herstellen…

Der Roman ist generell schön geschrieben, wobei Thomas Reich einen ganz eigenen, sehr individuellen Schreibstil hat und meist besonders tolle Metaphern findet, um das Geschehen bildhaft an den Leser zu vermitteln. Besonders in den Tötungs- und Verwurstungsszenen wird es da schön eklig und brutal. Dazu ist das Buch durchzogen von schwarzem Humor und sarkastischen, gesellschaftskritischen Kommentaren. Das geht los beim Pfarrer Klopfstock (toller Name!) mit dem Andreas schon als Kind diskutierte, ob das Gebot „Du sollst nicht töten“ eigentlich auch für Tiere gilt, über Penner die für Andreas leichte Opfer sind, da sie eh keiner vermisst, bis hin zur Geliebten, die fürs Fremdgehen bestraft (und gegessen) wird. In einer Szene schlägt Andreas seiner Freundin vor, beim Sex mal was neues auszuprobieren:
„Ich würde mich gerne mit dir in Schweinemett wälzen.“ „Okay aber ohne Zwiebeln.“ Herrlich!

Die Krönung des bösen Humors, sind aber die Menschenfleisch-Rezepte am Ende des Buches. Nachkochen kann aber mit Zuchthaus bestraft werden, warnt der Autor.

Man sollte sich nur bewusst machen, dass der Roman wie eingangs erwähnt weder Horror noch Thriller ist. Weder wird es gruselig noch spannend. Zum Beispiel spielt es im kompletten Roman keine Rolle, ob denn nun die Polizei eigentlich dem Kannibalen auf der Spur ist. Die vielen verschwundenen Menschen bzw. Leichen müssten doch schon längst mal aufgefallen sein. Andreas geht unbehelligt seinem psychopathischen Treiben nach. Das Ende des ziemlich kurzen Romans kommt dann wiederum sehr plötzlich – schade. Wenn man sich aber darauf einlässt, dass man es eher mit einer schwarzhumorigen Erzählung zu tun hat, kann man seine Freude mit dem Buch haben. Wer interessiert ist, sollte dem Roman einfach mal eine Chance geben, die rund 120 Seiten sind ja auch schnell mal durchgelesen.

Fazit: Unterhaltsame und bitterböse fiktive Biographie eines ganz normalen Kannibalen von Nebenan. Sehr schön aber nicht unbedingt appetitanregend.

Im Original nachzulesen unter Ittenbachs Fans.

Wer die Rezepte nachkochen möchte, kaufe das Buch😃.

Samstag, 8. Dezember 2018

Welt ohne Worte


In einer Welt ohne Worte
schläfst du alleine
und deckst dich
mit einer leeren Decke zu.

In einer Welt ohne Worte
krampft der Magen
nichts geht mehr
ein Schmerzballon
schwillt unter dem Brustbein.

In einer Welt ohne Worte
zählst du
die Tassen im Schrank
nachdem
das gute Geschirr zerbrochen wurde
von dem du
keinen Teller mehr
bekommst
was zerschlagen wurde
kommt nicht wieder.

In einer Welt ohne Worte
gelten keine Werte
sondern Angst
was übrig bleibt
und ob die Worte
wieder kommen.