Dienstag, 21. Februar 2012

Ungereimtheiten


Meinen regelmäßigen Lesern dürfte bestimmt aufgefallen sein, dass ich ein Fan moderner Lyrik bin. Jeder Dichter steht irgendwann einmal vor der Wahl, welcher Kunstform er sich verschreiben soll. Da der klassische Reim mir nicht liegt, wählte ich die freie Form.

Es gibt zwei Methoden, an einen Text heranzugehen. Die klassische Methode stellt die Form über den Inhalt. Aus der Notwendigkeit des Reims ergibt sich ein enges Korsett an Vorschriften. Nennen wir diese Form die reine Askese.

Die moderne Version stellt den Inhalt über die Form. Nennen wir es den "Flow", was man auch aus dem Hiphop kennt. Nicht mehr das Versmaß ordnet die Wörter, sondern das Gefühl, welches im Text mitschwingt. Freie Improvisation. Einzelnen Worten wird eine besondere Bedeutung beigemessen, die Wichtigkeit einzelner Phrasen bestimmen ihren Zeilenwert. Wiederholende Elemente können eine Aussage verstärken und wie eine Strophe wirken, ohne eine Strophe im klassischen Sinne zu sein. Im Jazz nennt man sowas Bebop. Ich nenne es die Freiheit meiner Worte.

Andy Warhol war einer der ersten, der Popart bekannt machte. Dazu gehören auch Techniken wie Cut-up, Collage, Trivialkultur und absurde Realität. Das beste Beispiel einer literarischen Umsetzung dieser Kunstform dürfte William Burroughs "The naked lunch" sein. Sprache ist nicht Tinte auf Papier. Sprache ist ein Wirbelsturm, der das Gehirn mitreisst und erst in Kansas wieder absetzt.

Ziemlich viel Theorie für heute. Aber eine Anleitung? Mitnichten. Es gibt kein "Gut" oder "Falsch" in der Poesie. Ich wollte euch nur ein wenig in meine Welt mitnehmen.

Kommentare:

  1. Naja, es ist ja aber nicht so, dass du dir mit Reimen keine freie Form schaffen kannst. Ich meine, wirklich "frei" zu wählen hiesse ja, dass du, falls irgendwann-mal-irgendwie vielleicht doch interessant, du auch zur Not mal zur Reimform greifen würdest, wenn du glaubst, dass es den Inhalt deines Gedanken oder deines Gefühls widerspiegelt. Da du das aber hier kategorisch ausschließt, bist du, genau genommen, dann doch nicht ganz frei in der Wahl deiner Form ;-P Wie du weißt, greife ich, je nach Sachlage, mal zu der und mal zu der Form und ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich so etwas "wie ein Gerüst", wenn man eben Reime benutzt, nach einer Zeit auch ganz einfach in der Übung von alleine herausbildet, auch wenn man, wie ich, keine Ahnung von Metrik hat. Passiert es einem dann plötzlich "(wie dritte für mich festgestell haben), dass Betonung und Anzahl der Silben am Ende doch meist metrisch annähernd korrekt daher kommen können, wenn man eben auf dieses Gerüst, unbewusst, zurückgreift. Eben nichts anderes, als ein eigener, freier, weil im Laufe der Zeit eingeschliffener und herausgebildeter Stil.

    Übrigens: Ich fand deine Seite übrigens stimmiger, ohne die Buchvorschauen! Aber da leider auf blogspot keine Statischen Unterseiten einzubauen sind, muss du damit Leben, dass sich alles auf der Startseite mischt. Oder einfach noch einen Blog eröffnen ;-P

    Peace

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  2. Die Anzahl der Buchvorschauen ist begrenzt durch die Anzahl meiner geschriebenen Bücher. Damit also von endlicher Dauer.

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